Plastikmüll – ein globales Problem

Plastikmüll – ein globales Problem

Eine Welt ohne Plastik ist wohl kaum mehr vorstellbar. Der im 20. Jahrhundert erfundene Werkstoff ist aus unserem allgegenwärtigen Alltag nicht mehr wegzudenken. Aufgrund seiner sehr guten Eigenschaften ist er außerdem nahezu überall anzutreffen: Beispielsweise im Haushalt, in unserer Kleidung oder in Zahnpasta [1]. Weiterhin lässt sich dies auch bei einem Einkauf in einer herkömmlichen Supermarktkette feststellen. Unmengen an Lebensmitteln sind dort in Plastik verpackt. Es werden zum Beispiel die Bio Gurken extra eingeschweißt, um sie von den nicht Bio Gurken zu unterscheiden. Möhren und Tomaten finden wir zum Beispiel auch kaum noch lose zu kaufen. Man findet sie meist nur noch verpackt (siehe Abb. 1). Wie man an den Beispielen bereits feststellen kann, haben wir als Verbraucher oft keine andere Wahl als Plastik verpackte Lebensmittel zu kaufen. Laut einer Statista Umfrage von 2018 produzierte im Jahr 2015 jeder in Deutschland ca. 37 Kilogramm an Plastikverpackungsmüll [2]. Die Tendenz ist hierbei steigend. Diese Zahl bezieht sich nur auf Plastikverpackungen, die wie beim eben beschriebenen Beispiel Szenario anfallen. Diese machen zwar gerade einmal 35,2 Prozent des gesamt verarbeiteten Plastiks in Deutschland aus, die aktive Lebensdauer ist jedoch bei solchen Verpackungen, wie man sehen kann, sehr gering und dient lediglich zum portionieren und transportieren der Waren [3]. 

Hauptverantwortliche

Bezogen auf den global anfallenden Plastikmüll ist Deutschland jedoch nicht der Hauptverantwortliche. China, Indonesien und die Philippinen sind laut einer Statista Umfrage aus dem Jahr 2018 (Datenerhebung von 2010) für 13,9 Mio. Tonnen unsachgemäß entsorgten Plastikmülls verantwortlich [4]. Weltweit sind sie damit die Hauptverursacher des anfallenden Plastikmülls. An dieser Stelle muss man jedoch ebenfalls hervorheben, dass China, mit fast 30 Prozent Anteil, auch bei der weltweiten Kunststoffproduktion an der Spitze liegt (siehe Abb. 2).

Abb.2 PlasticsEurope (2017): Verteilung der weltweiten Kunststoffproduktion nach Ländern und Regionen im Jahr 2017; Statista. 

Doch was bedeutet in diesem Fall eine unsachgemäße Müllentsorgung? Erst einmal ist zu erwähnen, dass in China, aufgrund der raschen Industrialisierung und des enormen Bevölkerungswachstums, kein einheitliches Abfallentsorgungssystem mitgewachsen ist. Das heißt eine Mülltrennung ist hier kaum vorhanden. In ländlicheren Regionen vergraben die Bauern einfach den Müll, da der meiste Anteil davon biologisch zerfällt. Der Rest landet somit auch einfach unter der Erde. Anderweitig gibt es noch viele sog. wilde Müllkippen im Land, auf denen der Abfall einfach unkontrolliert und unsortiert landet. Solche Szenarien gehören in Deutschland zum Glück längst der Geschichte an [5]. Jedoch sollte man hier erwähnen das China sich im Status eines Schwellenlands befindet und die Probleme in Bezug auf die Abfallverwertung und Entsorgung bereits erkannt hat. Eine Besserung ist aufgrund der Landesgröße und Bevölkerungsdichte nur langsam umzusetzen. Ein Beispiel hierfür ist der im Januar 2018 beschlossene Importverbot von qualitativ schlechtem, recyceltem Kunststoff aus Deutschland nach China [6]. Hier könnte für Deutschland ein Anreiz darin liegen, Kunststoffe zukünftig noch besser zu recyceln oder anderweitige Märkte dafür zu schaffen. Jedoch stiegen die Importe eher in anderen asiatischen Ländern, wie Indien oder Malaysia an [7]. Was lediglich wieder eine Umverteilung des Problems auf andere Schwellenländer darstellt.

Globale Probleme benötigen globales Denken und Zusammenarbeit

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass wir es hinsichtlich des Plastikmülls sowie dessen Entsorgung mit einem globalen Problem zu tun haben. Die Endverbraucher können dagegen nur im sehr kleinen Rahmen etwas bewirken. Um tatsächlich hinreichende Lösungen zu entwickeln, bedarf es jedoch einer gemeinschaftlichen, politischen sowie globalen Zusammenarbeit. Die jedoch in vielen anderen Bereichen bislang auch noch nicht gut funktioniert hat. Ein Beispiel hierfür wäre der Ausstieg aus der Atomenergie nach der Fukushima Katastrophe, wobei sich nur einige Länder auf einen Ausstieg geeinigt haben und andere davon völlig unberührt blieben.  Abkapselungen, wie aktuell bspw. durch die Vereinigten Staaten und deren Austritt aus dem Klimaabkommen repräsentiert, wirken absolut kontraproduktiv. In den folgenden Beiträgen berichten wir, welche Auswirkungen die bisherigen Einflüsse haben.

Quellen:

[1] Schönert, Elisabeth (2018): Das Plastikproblem Es wird immer mehr Kunststoff produziert – um nach kurzer Nutzung zu Müll zu mutieren. Längst ist Plastikmüll ein globales Problem geworden; DVZ Verkehrs-Zeitung, p. 22. 

[2] Eurostat (2018): Plastikverpackungsabfall in ausgewählten EU-Ländern je Einwohner in den Jahren 2015 und 2016;Statista 

[3] Deuber, L. et al. (2018): PLASTIK Das werden wir nie mehr los; Creditreform – Das Unternehmermagazin; p. 042. 

[4] Wagner, Patrick (2018): Diese Länder verschmutzen die Weltmeere besonders stark; Stand:2010; Statista

[5] Nelles, Michael; Degener, Peter; Morscheck, Gert; Wu, Ke; (2007): MBA-Technologie aus Deutschland – Ein Beitrag zur Nahhaltigen Abfallwirtschaft in der VR China

[6] Dehio, Jochen; Michael Rothgang (2018): Der Markt für Recyclingkunststoffe im Umbruch: Veränderung durch Importbeschränkungen nach China und neue EU-Regeln;RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung.

[7] Cwienk, Jeannette (2019): Wieso deutscher Müll eben doch im Meer landet

Abb.1 Beitragstitelbild (2019): Plastik verpackte Möhren in einem Rewe Supermarkt (Eigenes Foto)

Abb.2 PlasticsEurope (2017): Verteilung der weltweiten Kunststoffproduktion nach Ländern und Regionen im Jahr 2017; Statista. 

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Bildquellen

5 thoughts on “Plastikmüll – ein globales Problem

  1. Marcus Birkenkrahe

    Sehr interessant und faktenreich vermittelt. China und ein paar andere Länder werden als Hauptverursacher identifiziert und die Endverbraucher sind machtlos – man könnte doch daraus schließen, dass wir uns erstmal zurücklehnen können? Was meinen Sie? Kann man wirklich von “China ist schuld” auf “Wir müssen alle alles global anpacken” schließen?

    1. Anja Gerstenberg

      Vielen Dank für das kritische Feedback.
      Zurücklehnen und nichts tun wäre wohl das fatalste im Hinblick auf die beschriebene Situation. Veränderungen beginnen zuerst in den Köpfen. Ungeachtet der Tatsache, dass die Endverbraucher keinen großen, aktiven Einfluss nehmen können, so können sie sehr wohl eine Message senden und viele andere Menschen sowie Unternehmen dazu bringen, umzudenken.
      China wurde zwar als Hauptverursacher identifiziert, jedoch ist das nicht damit gleichzusetzen, ihnen auch die Hauptschuld zuzuschieben. Bei Problemen diesen Ausmaßes gibt es nie einen Hauptschuldigen. Aus diesem Grund kann man durchaus zu dem Entschluss kommen, dass es diesbezüglich einer globalen Lösung bedarf.

      Weitere Informationen und wie im Konkreten eine Korrelation zu dem Thema Ocean-clean-up besteht, werden zeitnah auf diesem Blog folgen 🙂

      1. Marcus Birkenkrahe

        Ich kann Ihr Argument nachvollziehen. Interessant wäre zu wissen, ob es (im Bereich Umweltschutz – oder sonstwo) ähnliche globale erfolgreiche Lösungen überhaupt jemals gegeben hat. Das heißt natürlich nicht, dass es nicht passieren könnte oder sollte, aber es würde meine Erfolgserwartung herabsetzen, wenn es keine Beispiele gäbe.

        1. Anja Gerstenberg

          Als Beispiel wäre hier das 1987 beschlossene Montrealer Protokoll zu erwähnen. Indem der internationale Ausstieg für die Produktion und Verwendung von ozonschädigenden Stoffen wie FCKW beschlossen wurde. Nach heutigen Daten hat sich die Ozonschicht bereits dadurch erheblich erholen können.
          Dies wäre natürlich auch ein Ansatz und mögliche Lösung für das globale Problem des Plastiks, seitens der Regierungen.

  2. Danke für die Antwort! Ich kann Ihr Argument gut nachvollziehen – der Problemumfang muss dem Lösungsansatz angemessen sein. Auf weitere Informationen, speziell zum Thema Ocean Clean Up, das mir auch am Herzen liegt, bin ich gespannt!

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