Blog 2 – Future of Retail

Was sind Amazons Ziele im Bezug auf den Einzelhandel?

Amazon ist mittlerweile für viele Vertreter der Einzelhandelsbranche ein

ernstzunehmender Widersacher. Laut einer Umfrage zur Rolle von Amazon als Wettbewerber im Handel beschrieben 38% aller Befragten Amazon als Ihren Hauptkonkurrent[1] .

Nun liegt es natürlich im Interesse des Unternehmens den Einfluss auf die Retail-Branche zu erhöhen und im Konkurrenzkampf weitere Erfolge zu erzielen.

Jeff Bezos Unternehmen plant unter anderem einen der größten Nachteile, den der Onlinehändler gegenüber den Retailern hat, immer weiter zu mini

mieren. Momentan gehört es für Prime Mitglieder, Amazons Premium Nutzer welche 69 € im Jahr zahlen, zum Standard eine Lieferung innerhalb von 2 Tagen zu erhalten. Nun jedoch ist geplant die Wartezeit auf nur 24 Stunden zu verkürzen, um eine Lieferung nach nur einem Tag zu ermöglichen[2] .

Dennoch gelingt es Amazon hier noch nicht an die schnelle Erreichbarkeit des Einzelhandels heranzukommen. Es gibt jedoch einige Sparten des Unternehmens, welche sich etabliert haben und neue Trends schaffen, mit dem Potenzial „alte“ Medien und Branchen auszubooten.

Amazon Prime Reading und Kindle

Mit Amazon Prime Reading bietet Amazon eine Alternative zur klassischen Bibliothek, welche des Weiteren einige kostenlose Werke enthält. Diese sind sofort auf dem hauseigenen E-Book besser bekannt als Kindle abrufbar.  Dieser ist auch für Fans des klassischen Buches attraktiv, da der Bildschirm stark an eine Oberfläche aus Papier erinnert und auf Dauer nicht unangenehm ist, wie z.B das Display eines Smartphones[3] . Wer jedoch Wert auf ein gut befülltes Bücherregal legt und eine klassische Leseerfahrung der Zukunft vorzieht kann sich das gewünschte Buch natürlich auch Liefern lassen.

Amazon stieß hier jedoch auf Gegenwind einiger etablierter Einzelhandelsketten. Thalia, Hugendubel, Club Bertelsmann, Weltbild und die Telekom schlossen sich zusammen und brachten ihre eigene Alternative zum Kindle und dem Amazon Store heraus. Deren Bemühungen blieben aber ohne Erfolg und Amazon konnte sich ohne Probleme gegen die Konkurrenz durchsetzen, welcher nun zusätzlich auch noch das Kartellamt im Nacken saß. Der neue E-Reader der Allianz, der sogenannte Tolino ist in 1800 von 6000 Buchhandlungen deutschlandweit erhältlich und hat somit den Vorteil der schnellen Erreichbarkeit im Einzelhandel[4] .

Wer jedoch mehr Erfolg mit seinem Produkt hat bleibt unklar, da die Tolino-Allianz sowie Amazon Ihre Verkaufszahlen unter Verschluss halten.

Amazon Prime Video

Dass kein Mensch mehr einen Fuß in eine Videothek setzt ist nun schon länger vielen Leuten klar, in Deutschland gibt es nur noch wenige hundert solcher Geschäfte[5] . Warum auch einen Fuß irgendwo hinsetzen, wenn man einfach zuhause bleiben kann und den gewünschten Film direkt bei Amazon leihen oder kaufen kann? Nun ist es in dieser Branche mittlerweile eher ein Konkurrenzkampf zwischen Amazon und den einzelnen Streaming Anbietern als zwischen Amazon und Einzelhandel da es für Videoverleihe eher düster aussieht. Die größte Konkurrenz stellt hier sowohl Netflix, als auch die Angebote einzelner Sender und Sky dar, wie sich in folgender Statistik erkennen lässt [6] .

Amazon Fresh

Mit Amazon Fresh will Amazon nun auch den mühsamen Weg zum Supermarkt abnehmen und bietet daher einen Lieferservice, der den wöchentlichen Einkauf von Zuhause aus ermöglichen soll. Amazon Fresh kostet für Prime Mitglieder 9,99€ pro Monat und ist nur in einigen ausgewählten Großstädten verfügbar. Bestellungen, die mittags aufgegeben werden sollen laut Amazon pünktlich zum Abendessen geliefert sein.

Die Ergebnisse einer Studie des Verbraucherforums mydealz.de zeigten, dass Amazon rund 37,6% Ihrer Produkte zum günstigsten Preis anbieten kann und somit einen Preisvorteil von 19,2% im Vergleich zu anderen Lebensmittel-Versendern haben[7] .

Jedoch bleibt es für Amazon schwer sich in diesem Markt zu etablieren, da sich die Produkte, die durch Amazon Fresh versendet werden natürlich stark von der bisherigen Auswahl unterscheiden. Laut Udo Kießlich, einem Experten für den Onlinelebensmittelhandel tut sich Amazon schwer damit Lebensmittel zuzustellen, da hier kein Copy & Paste verfahren möglich ist und eine neue Logistikstrategie entwickelt werden muss. Lebensmittel müssen unterschiedlich gekühlt werden und dürfen in manchen Fällen einer gewissen Temperatur nicht länger ausgesetzt sein[8] .

Diese drei Sparten von Amazon sind nur ein kleiner Einblick auf die Erfolge und Misserfolge Amazons im Bezug auf den Einzelhandel. Welche Siege und Niederlagen es des Weiteren für den Onlinehändler gab beziehungsweise geben wird werden wir in unseren nächsten Blogeinträgen aufzeigen.

 

Literaturverzeichnis/Abbildungsverzeichnis

[1] Statista, ‘Welche Rolle nimmt Amazon in Ihrem Wettbewerb ein?’, Statista 2019 (2019), https://de.statista.com/statistik/daten/studie/795146/umfrage/rolle-von-amazon-als-wettbewerber-im-deutschen-handel/.

[2] ‘Amazon verspricht Standardlieferung innerhalb eines Tages’, Welt Online (2019), https://www-wiso-net-de.ezproxy.hwr-berlin.de/document/WEON__163632367.

[3] ‘Amazon stellt neuen E-Book-Reader Kindle vor’, Reutlinger General-Anzeiger (2016), https://www-wiso-net-de.ezproxy.hwr-berlin.de/document/GEA__srv0000002946106.

[4] Thomas Heuzeroth, ‘Allianz der Einzelhändler gegen Kindle’, Die Welt, no. 296 (2015), https://www-wiso-net-de.ezproxy.hwr-berlin.de/document/WELT__140512270.

[5] Tobias von Wolf, ‘Die letzten Videotheken verschwinden’, Sächsische Zeitung (2018): p. 1.

[6] Statista, ‘Nutzungshäufigkeit von Mediatheken und Streamingdiensten in Deutschland im Jahr 2018’, Statista 2019 (2019), https://de.statista.com/statistik/daten/studie/627483/umfrage/nutzungshaefigkeit-von-videostream-anbietern-in-deutschland/.

[7] ‘Amazon Fresh bestimmt den Online-Handel’, Allgemeine BäckerZeitung, no. 16 (2018): p. 9, https://www-wiso-net-de.ezproxy.hwr-berlin.de/document/ABZ__20180811463064.

[8] MUM, ‘»Bei Lebensmitteln schwächelt der Gigant«’, DER SPIEGEL, no. 16 (2019): p. 55.

 

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Bildquellen

  • statistic_id627483_nutzungshaeufigkeit-von-mediatheken-und-streamingdiensten-in-deutschland-2018: statistic_id627483_nutzungshaeufigkeit-von-mediatheken-und-streamingdiensten-in-deutschland-2018.png

3 thoughts on “Blog 2 – Future of Retail

  1. Marcus Birkenkrahe

    Ich benutze unsere Videothek noch – allein in meinem Viertel (Prenzlauer Berg) gibt es noch 2. Das wars aber auch. Der Preis ist hier auch ein Problem – Videotheken sind immer noch billiger…Meine Frage: wie sind die 38%, die Amazon als Hauptkonkurrenten sehen, denn auf Ihre Beispiele verteilt? Bzw. aus welchen Branchen kommen die?

    1. Tim Kaukereit

      Ich sollte scheinbar doch einmal einen Fuß vor die Tür setzen und mir einen Überblick über die Angebote der Videotheken in meiner nähe machen. Ihre Frage kann ich leider nicht beantworten da es auf Statista keine genauen Details zu den Branchen gibt.

      1. Marcus Birkenkrahe

        Danke für die Antwort. Ich habe jetzt auch mal bei Statista nachgesehen. Ihre Quelle konnte ich nicht finden, nur eine entsprechende Umfrage von 2017 (selber Titel), die auch 38% angibt. Leider funktioniert der Link zur angegebenen Institution, die die Erhebung gemacht hat, nicht. Angegeben wird als Umfrage-Basis “100 Markenentscheider”. Das ist nicht sehr spezifisch und ohne zu wissen, wie viele solcher “Entscheider” es gibt, kann die Qualität der Erhebung nicht beurteilt werden. Zumal die erhebende Institution selbst eine Marketing-Agentur ist – ob sie für sorgfältige Umfragen bekannt ist, wissen wir nicht…in jedem Fall sollte man, bevor man diese Zahl zitiert, nach weiteren, unabhängigen Quellen suchen – oder die Zahl weglassen. Oder die Bedenken in Bezug auf die genaue Zahl hinzufügen.

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