Interview mit Neda Rajaeean, Lehrbeauftragte für den Studiengang Game Design an der HTW-Berlin

Interview mit Neda Rajaeean, Lehrbeauftragte für den Studiengang Game Design an der HTW-Berlin

Bei Videospielen denken die meisten Menschen erst einmal an Egoshooter und Ballerspiele, dabei werden Spiele auch immer mehr im alltäglichen Leben eingesetzt, z. B. im Marketing so könnte eine Erkältungsmittelfirma auf Ihrer Webseite ein „Viren-Jäger-Spiel“ anbieten bei dem der User auf Virenjagd gehen können, denn auf diese Weise könnte man indirekt für solch ein Gesundheitsprodukt werben. Auch bei der Wissensvermittlung kann man auf Videospiele zurückgreifen, denn spielerisch lernt es sich deutlich leichter. Gerade durch Augmented Reality, also die computergestützte erweiterte Realität, wie sie zum Beispiel beim Spiel Pokémon Go, aber auch in der Werbung eingesetzt wird, bieten sich zukünftig noch bisher viele ungenutzte Möglichkeiten.

Es sind also Experten gefragt, die sich mit unterschiedlichen Techniken auskennen und gleichzeitig in der Lage sind, komplexe Welten oder Spielekonzepte zu entwickeln und umzusetzen. Denn die Spielebranche gehört zu den innovativsten und am stärksten wachsenden Industriezweigen der Kreativwirtschaft.

Jede Industrie fängt irgendwo an, daher haben wir uns auf den Weg zur Hochschule für Technik und Wirtschaft gemacht, den dort wird seit 2009 der Studiengang „Game Design“ Angeboten. Wir haben vor Ort die Lehrbeauftragte Neda Rajaeean getroffen und Ihr ein paar Fragen über den Studiengang gestellt, damit wir herausfinden in wieweit Studierende auf die Spielebranche vorbereitet werden und welche Lernmethoden angeboten werden.

 

Frau Rajaeean, ich freue mich das Sie sich Zeitnehmen konnten, um uns ein paar Fragen zum Game Design Studiengang zu beantworten.

»Die Freude ist ganz meinerseits, ich hoffe das ich auf Ihre Fragen auch Antworten finde.«

Zu aller erst möchte ich Sie fragen, wie sind Sie zum Thema Game Design gekommen, und was bedeuten Computerspiele für Sie?

»Spiele begleiten Kinder von klein auf. Sei es in Form von kleinen Holzböcken, bunten Kartenspielen oder abenteuerreiche Videospiele. Mit der Super Nintendo begann die Faszination an Videospielen und nahm über die Zeit einen Ausmaß an, sodass ich überlegte, wie solche Spiele überhaupt entwickelt werden. Ich begann mit Game Maker Software zu arbeiten und stellte fest, dass das keine Arbeit ist, die eine einzige Person bewältigen kann. Die Suche nach einer geeigneten Fortbildung startete. Dass sich diese Fortbildung letztendlich mit einem Studium kombinieren ließ, nahm ich sofort in Anspruch.«

Warum spielen Ihrer Meinung nach Menschen überhaupt Videospiele? 

»Ein Buch oder ein Film sind vorgeschriebene Geschichten und Welten. Sicher kann man viel Eigenvorstellung in einem Roman entwickeln, sich Dinge so ausmalen, die Geschichte weiter fantasieren, jedoch vermag keines dieser Medien die Kontrolle über das Geschehe zu geben. Viele klassische RPG (Role Playing Game) Spiele, geben dem Spieler die Möglichkeit in einem Universum einzutauchen, in welchen Sie eine tragende Rolle spielen. Genau das fasziniert viele Spieler, die mit den klassischen RPG Klassiker aufgewachsen sind.

Eine weitere Erklärung sind die kleinen Erfolgsmomente, die der Spieler beim Erreichen eines Highscores, einem Sieg bei einem Kampf oder Wettrennen, erlebt. Dies kann schon mit simplen Mechaniken erreicht werden, sodass mobile Spiele, genau diese Kriterien erfüllen können.«

Wie ist der Game Design Studiengang aufgebaut und wie bereitet es einem auf die Spielebranche vor?

»Der Studiengang ist in einer Art Grund und Hauptstudium aufgebaut. In den ersten drei Semestern werden die Grundlagen in allen Bereichen: Game Design (Theorie und Praxis), Programmierung, Game Art und Level Design den Studierenden weitervermittelt. Im Hauptteil des Studiums beginnt dann die Vertiefung in den jeweiligen Bereichen. Dabei kann ein Student sich hierbei bestimmte Wahlpflichtfächer raussuchen, die eine Vertiefung in dem gewünschten Feld, anbietet. Nebenbei werden von Beginn an kleinere Spielprojekte als Semestermodule angesetzt, sodass sich eine kleine Gruppe an Studenten zusammensetzt und über Wochen hinweg ein Spiel auf die beine stellt. Dabei kann man bereits ab dem zweiten Semester sich ausprobieren und seine Kompetenzen in den jeweiligen bereits erwähnten Schwerpunkten stärken.

Im Studium selbst gibt es ein vorgeschriebenes Praktikumssemester. Hierbei kann der Studierende bereits Erfahrungen in der Industrie sammeln, Kontakte knüpfen und für sein Portfolio Arbeiten anfertigen. Die Tatsache, dass bereits im ersten Semester Teamarbeit ganz großes Thema ist und jeder Studierende sich bemüht in den Semesterprojekten seinen Kompetenzen in diesem Bereich zu verbessern, wird eine gute Grundlage für das spätere Arbeitsleben gegeben. Zudem lernen die Studierende auf eine Deadline hinzuarbeiten. Das ist ein übliches Schema, welches man zahlreich in der Industrie wiederfindet. Denn Zeit ist bekanntlich Geld.«

Wie kann ich mir eine Klausur in dem Studiengang vorstellen?

»Klausuren gibt es meist im Informatikteil, Recht und englisch. Alle anderen Abgaben werden in Form von Projektarbeiten abgegeben. Dabei können sehr unterschiedlich ausfallen. Als Gruppe gibt man am Ende des Abgabefrist sein Spielprojekt gemeinsam ab, während jeder für sich seine eigene Dokumentation über seine Aufgaben im Projekt verfasst. Diese schriftliche Abgabe umfasst neben der klassischen Textform, auch etliche Bilder, Codebausteine oder andere Hilfsmittel, um seine Arbeit zu präsentieren. Abgaben im Bereich Art umfassen meist die fertige 3D Datei oder eine Photoshop Datei. Jeder Dozent gestaltet seine Abgabebedingungen so, dass am Ende der Student auch fertiges Material für sein Portfolio hat.«

Wie erreicht man mit GameDesign neue Zielgruppen?

»Solitär gibt es in etlichen Variationen auf dem mobilen Markt. Jeder dieser Versionen hat zudem tausende bis Millionen von Downloads. Greift man auf ein bekanntes Design, also eine bestimmte Mechanik zurück, welches der Spieler kennt, schmückt diesen aber mit seinen Vorlieben, sei es niedliche Tiere, so erreicht man schon eine solide Anzahl an Spielern. Nicht umsonst ist Fifa eines der meist verkauften Spiele weltweit. Ich kann mich noch sehr gut an meinem Fifa Spiel auf der Super Nintendo erinnern.

Auch neue Mechaniken und Designs finden haben ihren Markt und erreichen tagtäglich eine neue Zielgruppe. Die Indie Branche bemüht sich stets seit Jahren, sich mit außergewöhnlichen Mitteln auf den Markt zu präsentieren. Ein Beispiel hierfür ist Monument Valley, welches mittlerweile Millionen an Spieler begeistert.«

Beinhaltet der Studiengang nur das Thema Videospiele?

»Zum größtenteils Ja. Allerdings erlernt jeder Student im Laufe seines Studiums, neue Software und Tools schnell zu erlernen und das theoretisch Erlernte schnell umzusetzen. Eine 3D Software wird schließlich nicht nur in der Spieleindustrie genutzt, sondern auch in der Filmindustrie oder in der Werbeagentur.«

Werden auch Themen wir Virtual Reality und Augmented Reality behandelt?

»Der Studiengang selbst forscht bereits seit Jahren in diesem Bereich und arbeitet eng mit Archäologen an der HTW an Projekten, bei dem auch die Studierende mitbewirken können. Zudem ist der Studiengang mit genügend Mittel ausgestattet, sodass sich Studierende sich in den Semesterprojekten mit diesem Thema befassen können und auch ein eigenes Spielprojekt auf die Beine stellen können. Dies wird auch in Anspruch genommen und gewinnt immer mehr an Beliebtheit.«

Beinhaltet Game Design auch Sound Design?

»Ja. Wir haben professionelle Externe, die seit Jahren als Sound Designer arbeiten und das Wissen weitervermitteln.«

Ich bin selbst ein Leidenschaftlicher Gamer, würden Sie mir empfehlen Game Design zu studieren?

»Die Leidenschaft zum Spielen und die Leidenschaft Spiele zu entwickeln sind zwei völlig unterschiedliche Aspekte. Natürlich schließt das eine das andere nicht aus. Man kann zum Beispiel Kuchen über alles lieben, allerdings kann es keinen Spaß machen, diesen selbst zu backen. Game Design ist ein sehr komplexes Thema und die Entwicklung eines Spieles umfasst einen sehr großen Bereich. Es ist harte Arbeit und beinhaltet ein intensives Lernen und Selbstdisziplin. Man muss sich selbst die Frage stellen, ob das Interesse vorhanden ist. Es gibt mittlerweile etliche Plattformen, auf denen Firmen vorgestellt werden, die einen Tag in ihrem Studio präsentieren.

Meine Empfehlung ist sich in den jeweiligen Hochschulen über bevorstehende Veranstaltungen zu informieren. Mit Studierende sich unterhalten, die derzeitigen Projekte begutachten und auch intensiv Fragen zu stellen. Ein Schulpraktikum in der Branche auszusuchen oder mit der Schule einen Ausflug in eines der Spielunternehmen vorschlagen.«

Vielen Dank für die Ausführliche Beantwortung unser Fragen, Sie konnten und so einen guten Einblick in den Studiengang Game Design geben.

»Gerne, hat mich sehr gefreut.«

 

 

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3 thoughts on “Interview mit Neda Rajaeean, Lehrbeauftragte für den Studiengang Game Design an der HTW-Berlin

  1. Marcus Birkenkrahe

    Tolles Interview! Das hätte ich mal lieber studieren sollen (gab es aber zu meiner Zeit nicht). Ich habe so viele Fragen, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll! Vielleicht nur eine, um den Bogen zur Wirtschaft zu spannen: ist der Studiengang nachgefragt? Bzw. wie sind denn die Aussichten der Absolventen und arbeiten die dann tatsächlich alle in der Gaming Industry? Gibt es mehr solcher Studiengänge (das wäre ein Hinweis auf den Bedarf)?

    1. Guten Abend Herr Birkenkrahe,
      Ich habe Frau Rajaeean Ihre Fragen weitergeleitet 🙂

      ist der Studiengang nachgefragt?
      “Der Studiengang genießt immer mehr an Aufmerksamkeit. Jedoch bleibt die Zahl an Bewerbungen relativ konstant. Das liegt unter anderen daran, dass mittlerweile auch andere Universitäten und auch private Schulen ähnliche Studiengänge anbieten und sich somit die Bewerber mehr verteilen.”

      Bzw. wie sind denn die Aussichten der Absolventen und arbeiten die dann tatsächlich alle in der Gaming Industry?
      “Der Studiengang ist bemüht jedem seinem Abschluss zu gewähren, sofern alle Leistungspunkte erzielt sind und der Bachelor erfolgreich gemeistert wurde. Die Dozenten und Professoren sind stets bemüht die Studenten voran zu bringen. Diese Möglichkeit ergibt sich aus der Anzahl der Studierende, die zu Beginn für der Studiengang an der HTW zugelassen werden. Mit ca. 40 Studenten wird die Zahl möglichst geringgehalten, damit jedem ein intensives und erfolgreiches Studium gewährt wird. Dabei herrscht mehr ein familiäres Studieren und die Studenten werden ständig gefordert.
      Nach dem Abschluss gehen die Wege doch sehr weit auseinander. Viele finden ihren Platz in der klassischen Industrie, andere beginnen ihren beruflichen Werdegang mit der Selbstständigkeit. Andere wiederum versuchen sich selbst an eigene Projekte, während wenige in anderen Bereichen, in denen die Techniken der Game Design Welt willkommen sind, ihre Kompetenzen einsetzen. Ein Beispiel hierfür sind ehemalige Kommilitonen, die Konzepte für die Serie Game of Thrones entwickelt und designt haben. ”

      Gibt es mehr solcher Studiengänge (das wäre ein Hinweis auf den Bedarf)?
      “Mittlerweile finden sich, wie bereits angedeutet, viele Studiengänge, die Game Design als Studiengang anbieten. Der vermittelte Lehrplan gestaltet sich allerdings unterschiedlich und ist teilweise bereits auf die mögliche Spezialisierung (Game Art, Game Programming, Game Design) ausgelegt.
      Hierbei fehlt allerding ein Aspekt, der bisher nicht umgesetzt wurde, den ich mir aber persönlich als einen wichtigen Fortschritt erachte: ein dualer Studiengang.
      Die Spieleindustrie hat sich noch nicht darauf eingestellt, dass Studierende ähnliche Qualifikationen bieten, wie die eines mit dreijähre Erfahrung geprägten Mitbewerbers ohne Ausbildung. Ein dualer Studiengang wäre eine ideale Lösung, um Studierende bereits auf die Industriewelt vorzubereiten, eine mehrjährige Berufserfahrung zu bieten und gleichzeitig weitere Kompetenzen durch ein Studium zu erlangen.”

      1. Super! Herzlichen Dank dafür, auch an Ihre Interview-Partnerin!

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