Recycling in Deutschland – alles für die Tonne?

Recycling in Deutschland – alles für die Tonne?

In unserem Blog beschäftigen wir uns mit dem derzeitigen Ocean Clean Up und wie erfolgreich dieses Projekt wirklich ist. Allerdings möchte sich unsere Gruppe auch mit Themen beschäftigen, die die Ursache der heutigen Situation der Weltmeere ausgelöst hat.

Recycling von Plastikmüll hat heutzutage eine große Bedeutung. Niemand möchte gerne mit Plastik seinen Badeurlaub am Strand teilen, aber besonders die Unterwasserwelt kämpft gegen das scheinbar unsterbliche Plastik.

Doch wie nützlich ist das Recycling, besonders bezogen auf das Grüne-Punkt-System in Deutschland überhaupt? Und wieso landen immer noch Massen des deutschen Plastikmülls im Meer? Diesen Fragen und noch einigen mehr werden wir in unserem Blogbeitrag auf den Grund gehen.

Recycling – Deutschland im Europavergleich

Schauen wir auf die Fakten bezüglich des Müllverbrauchs, wird man von den Zahlen nahezu erschlagen. Im Jahre 1950 produzierte die Menschheit weltweit zwei Millionen Tonnen Plastik. Bis 2015 hat sich dieser Wert fast verzwanzigfacht. 380 Millionen Tonnen wurden 2015 global produziert. [6]

Die Deutschen produzieren dabei in Europa am meisten Plastikmüll. Jährlich werden 18,2 Millionen Tonnen Plastik in Deutschland verbraucht, berichtet das Umweltbundesamt. Dazu zählen Abfälle aus der Industrie und privaten Haushalten. Der pro Kopfverbrauch beträgt damit 220,5 kg pro Jahr. Verglichen zum pro Kopfverbrauch in ganz Europa (167,3 kg) produziert jeder Deutsche über 50 kg mehr Plastikmüll.[1, Abb. 1]

Abb. 1, Plastikabfälle in Deutschland

Im Vergleich dazu recycelt Deutschland europaweit relativ viel. 2015 wurden 49% recycelt und damit schwimmt Deutschland im Mittelfeld. Absoluter Spitzenreiter war Bulgarien mit 61% recyceltem Material. Das Schlusslicht in Europa ist überrasch-enderweise Frankreich. Dort wird nur ein Viertel des anfallenden Mülls recycelt. [Abb. 2]

Abb. 2, Recyclingquoten in Europa

                                                                                                                                                                  

  

Die Wahrheit des Grünen Punkts

Im Jahre 1991 entstand das „Grüne Punkt“ System, das Deutschland scheinbar aus der Patsche helfen sollte. Dieses System sollte es leichter machen durch Vorsortieren des Verbrauchers Rohstoffe beim Recycling leichter zu trennen und wiederzuverwenden. [5] Trotzdem werden seit 26 Jahren rund die Hälfte der eingesammelten Verpackungen verbrannt, anstatt recycelt zu werden. Damit ist die sogenannte stoffliche Verwertungsquote noch sehr weit ausbaufähig. Dazu kommt, dass diese Quote schon länger stagniert, der Fortschritt bleibt bislang aus. [3]

Was Deutschland, den „angeblichen Recyclingweltmeister“ [4] ebenfalls in ein schlechtes Licht stellt, sind immer wieder gefundene Plastikmüllreste schwimmend in den Meeren der Welt mit deutscher Aufschrift. Wenn das Systems des Grünen Punktes so gut funktionieren würde, wie überall angepriesen, dürfte dies nicht geschehen.

Und damit kommen wir auf eine Frage zurück, die wir bereits zu Beginn des Blogs erwähnt haben: „Wie kommt der Müll in unsere Weltmeere?“. Der „Trick“ bei der Errechnung der Recyclingquote ist, dass Plastikmüll bereits als recycelt gilt, wenn es in Deutschland in eine Sortieranlage eingeht und einer stofflichen Verwertung zugeführt wird. Unter stoffliche Verwertung fällt dabei auch der Export des Mülls, da der Müll -angeblich- dort recycelt wird. Dass wir uns dabei an der eigenen Nase herumführen, sollte allen klar sein.

Nachdem China im März 2018 die Tore für Plastikmüll geschlossen hat, ist nun Malaysia die erste Anlaufstelle für unseren Plastikmüll. [4] 130.000 Tonnen wurden im Jahr 2018 nach Malaysia verkauft. Dies entspricht dem 2,6-fachen Wert im Vergleich zu 2016, bevor China das Einfuhrverbot verhängte. Damit recycelt Deutschland auf eine ganz einfache Weise – aus den Augen, aus dem Sinn.

Abb. 3, Exporte des deutschen Mülls

 

Lösung des Recyclingproblems

Die Idee des Recyclings ist im Prinzip keine schlechte, und ohne wären wir schon längst an unserem selbstproduzierten Müll erstickt. Mit der Einführung des Grünen Punktes sollte die Sortierung des Plastiks erleichtert werden, doch der große Erfolg blieb aus. Es werden weiterhin große Anteile verbrannt oder in fremde Länder verschifft, die mit unserem Müll Inseln in den Ozeanen bauen. Beispielsweise eine davon schwimmt zwischen Hawaii und Kalifornien und ist etwa fünfmal so groß, wie Deutschland. [7] Damit ist Recycling jedoch noch lange nicht „für die Tonne“. Dennoch muss die Regierung mit mehr Konsequenz an das Thema Recycling herangehen, da dieses noch zu viele Schwachstellen aufweist.

Wir haben in unserem Blogeintrag sehr oft die Quelle „Spiegel“ verwendet. Diese Quelle war eine der Wenigen, die auf die Täuschung des Recyclings einging. Daher haben wir uns gefragt, ob die Medien die aktuelle Situation bewusst beschönigen oder ob der Konsument bewusst unwissend gelassen wird.

Über einen möglichen Lösungsansatz hat sich unsere Gruppe Gedanken gemacht. Wir sind damit der Meinung, dass Recycling kein Überbegriff mehr sein darf. Besonders die westlichen Länder dürfen ihre Schandtaten nicht mehr auf den Rücken der Entwicklungsländer abladen. Demzufolge sollte der selbstproduzierte Müll nicht mehr an andere Länder verkauft werden dürfen. Mit dieser Maßnahme könnte endlich eine der Hauptursachen für unsere verschmutzten Meere bekämpft werden. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass der Westen endlich aufwacht. Da dieses Thema jedoch ein globales Problem ist, kann nicht jeder nur den Westen beschuldigen. Obwohl wir das Jahr 2019 schreiben, gibt es immer noch viele Länder, die kein geregeltes Recyclingsystem besitzen. In Chile und der Türkei landen 99% des Mülls auf Mülldeponien und nur ein Prozent wird wiederverwertet. [2] Durch die verschmutzten Ozeane verbunden, hängt jedes Land gleichermaßen mit im Netz und kann sich dem Problem nicht entziehen. Global muss die Politik bessere Wege finden und unserer Meinung nach muss jedes Land seinen Beitrag dazu leisten.

 

 

 

Literaturverzeichnis

[1] DW; 26.11.2018; Große, Patrick; „Das passiert mit dem deutschen Müll“

[2] Global Citizen; 28.10.2016; McCarthy, Joe und Sanchez, Erica; “Liste der besten und schlechtesten Recycling-Länder der Welt

[3] Nabu; n.a.; Jedelhauser, Michael; „Recycling und der Gelbe Sack: It’s complicated!“

[4] Spiegel; 19.1.2019; Bethge, Phillip; „Mogelpackung – von wegen Vorreiter: Deutschlands Recycling-System ist Müll“; Nr. 4/2019

[5] Süddeutsche Zeitung; 2.1.2018, Bauchmüller, Michael; „Eine Lebenslüge – Recycling ist eine tolle Idee, aber nur, wenn es ernst gemeint ist.“

[6] ScienceAdvances; 19.7.2017; Geyer, Roland; „Production, use, and fate of all plastics ever made”

[7] Utopia; Ayoub, Nadja; „Fast fünfmal so groß wie Deutschland: Müllstrudel im Pazifik gigantischer als gedacht“

[8] WWF Blog; 10.9.2018; Bauske, Bernhard; „Wie kommt der Plastikmüll ins Meer?“

 

Bildverzeichnis

Abb. 1, Plastikabfälle in Deutschland

Abb. 2, Recyclingquoten in Europa

Abb. 3, Exporte des deutschen Mülls

Abb. 4, Plastikmüll am Straßenrand (selbst aufgenommen)

Print Friendly, PDF & Email

Bildquellen

2 thoughts on “Recycling in Deutschland – alles für die Tonne?

  1. Marcus Birkenkrahe

    Sehr informativ, danke, habe einiges gelernt. Zur Steigerung des Mülls: im selben Zeitraum hat sich die Zahl der Menschen auf der Erde aber auch mehr als verdoppelt – eventuell geht der Zuwachs an Müll ja mit einer Steigerung des Wohlstands einher? Und noch eine Frage: warum überrascht es Sie, dass Frankreich das Recylcling-Schlusslicht Europas ist? Das ist doch auch das Land, in dem über 70% der Energie von Atomstrom kommen…(im Vergleich zu 11% in Deutschland 2017…und 0% ab 2022). —

    1. Saskia Heller

      Vielen Dank für Ihren Kommentar.
      Ich stimme Ihnen zu, dass mit steigendem Wohlstand der Plastikverbrauch zugenommen hat. Dennoch gilt in meinen Augen nicht – steigender Wohlstand = steigender Plastikverbrauch. Länder, wie Schweden, beweisen uns, dass dies nicht der Fall ist (Vgl. deutscher Pro-Kopf-Verbrauch 22o kg/Jahr, schwedischer Pro-Kopf-Verbrauch 113 kg/Jahr).
      Sie haben recht, ich dürfte wirklich nicht über den Plastikverbrauch Frankreichs überrascht sein. Das Land vernachlässigt seine Umweltpolitik so sehr, dass selbst die eigene Bevölkerung gegen ihren Staat klagen will… dennoch war mir dieses Ausmaß vor dem Schreiben des Blogs nicht bewusst.

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.