Mikroplastik – kleine Partikel, große Auswirkung?

Mikroplastik – kleine Partikel, große Auswirkung?

In den vorangegangenen Beiträgen aus diesem Blog haben wir Euch über die Hauptursachen von Verschmutzung in den Meeren berichtet und aufgeklärt. Damit möchten wir das allgemeine Bewusstsein für das weltweite Problem von Plastikmüll schärfen. In diesem Beitrag werdet Ihr etwas über ein Thema erfahren, welches für das ungeschulte Auge so ziemlich unsichtbar ist. Es ist sowohl in Unmengen in den Gewässern des blauen Planeten als auch bei uns auf dem einen oder anderen Teller präsenter, als man vielleicht glauben mag, oder es auch einfach wünschenswert ist. Die Rede ist von Mikroplastik.

Das Problem Mikroplastik

Bevor wir uns aber direkt auf die Verantwortlichen und die Auswirkungen stürzen, bedarf es eines Überblicks. Was genau ist Mikroplastik überhaupt? Laut dem Umweltbundesamt wird Mikroplastik als „Plastikstücke bezeichnet, welche kleiner als 5 mm sind.“[1] Jedoch ist Mikroplastik nicht gleich Mikroplastik. So unterscheidet man zwischen zwei Arten: Dem primären und dem sekundären Mikroplastik. Das primäre Mikroplastik bezieht sich auf ein Grundmaterial für die Produktion von Plastikprodukten, sogenannte Basispellets. Diese befinden sich Beispielsweise in diversen Kosmetik- oder Hygieneartikeln, wie Peelings oder Zahnpasta.[2] Sekundäres Mikroplastik hingegen ist die Folge des Zerfalls großer Kunststoffteile aufgrund von Wind, Regen beziehungsweise Wellen und Sonnenlicht. Dadurch wird das größere Plastik in kleine Plastikpellets, so wie er in seiner Ursprungsform war, zerlegt.[3] Hierbei wird von qualifizierten Wissenschaftlern auch vermutet, dass es sich bei dem sekundären Mikroplastik um jenes handelt, welches von den beiden Arten häufiger in der Umwelt gefunden wird. Beispielsweise bei ganz alltäglichen Küchengeräten wie Wasserkochern aus Kunststoff. Wer da nun sagt, dass so etwas nur bei den günstigeren Varianten auftritt, der irrt sich. Das NDR-Verbrauchermagazin “Markt” hat mit Hilfe der Polymerchemikerin Dr. Katrin Schuhen wurden Experimente mit sowohl günstigen als auch mit teureren Geräten durchgeführt. Beides ergab eine hohe Zahl an Mikroplastikteilchen im gekochten Wasser. Dieses Wasser wird dann von uns getrunken und so gelangen ungefähr an die 30 000 Teilchen pro Milliliter Wasser in unseren Körper. Eine Alternative hierzu wären Wasserkocher aus Glas, da hier kaum Plastikpartikel zu finden waren.[4]

Die Frage, die wir uns jetzt dabei stellen wäre, wie die Partikel dann jetzt in unsere Gewässer kommen und diese verschmutzen?

Ein Szenario hierfür ist, dass Menschen ihren Plastikmüll einfach am Wegesrand entsorgen und diese Produkte durch die UV-Strahlung, den Wind oder den Regen zersetzt werden und allmählich in unser Grundwasser gespült werden. Das ist nur ein Beispiel von vielen. Was Experten des Frauenhofer Instituts jedoch noch schwerwiegender empfinden, als das Problem der Abfallentsorgung, ist das des Reifenabriebs von Autos auf dem Asphalt. Das bedeutet in diesem Kontext den Abrieb von primären Mikroplastik. Diese Kunststoffpartikel gelangen auch hier wieder durch viel Sonnenlicht und Regenschauer über das Grundwasser in unsere Umwelt.[5]

Folgen und Auswirkungen

Doch wie wirkt sich dieses Problem jetzt auf unsere Meere, Gewässer und Ozeane aus? Wenn das alles so klein ist, sollte sich doch kein immenser Schaden daraus entwickeln können?

Tragischerweise sieht die Realität anders aus. Viele Lebewesen nennen diese Gewässer ihr Zuhause. Diverse Muscheln, Fische und andere Meeresbewohner halten diese kleinen Partikel für ihre Nahrung und verschlingen sie. Dieses Mikroplastik im Magen der Tiere sorgt für eine irreführende Sättigung. Die Folge: sie verhungern, da sie keine wertvollen Nährstoffe und einfach keine richtige Nahrung zu sich nehmen, die verarbeitet und verdaut werden kann.[6] Erschreckend ist außerdem, wie viele Jahre Plastikprodukte zum Zersetzen brauchen und somit im Endeffekt zu Mikroplastik werden und weiter in den Meeren schwimmen. Als Beispiel braucht die banal weggeschmissene Zigarette 5 Jahre, um sich langsam zu verkleinern und zu zersetzen. Dabei ist es wahrscheinlicher, dass diese Zigarette am Ende eher bei einem Fisch oder einer Schildkröte im Magen landet, anstatt dass sie 5 Jahre im Meer treibt.

Abbildung 2: Infografik: Plastik im Ozean (2019)

Wie sagt man so schön: „What goes around, comes around”. Das ist auch bei dem Thema Mikroplastik nicht von der Hand zu weisen. Blicken wir nur mal auf die gesamte Nahrungskette, so wird klar, dass wir uns im Endeffekt mit diesem Verhalten auch nur selbst schaden könnten, da wir an der Spitze dieser Kette stehen. Nehmen wir also Fische oder Muscheln zu uns, so nehmen wir auch den ein oder andere Kunststoffpartikel auf.
Experten schätzen, dass in Muscheln 123 bis 4620 Mikroplastik-Fasern, je nach dem Konsum der Person pro Jahr, enthalten sein könnten.[7] Doch eine Sache fällt hier bei der Debatte um die Schädlichkeit für den Menschen doch auf. Es ist alles Spekulation. Wir „könnten“ uns damit selbst schaden. Fest steht, dass nach bisheriger Forschung tatsächlich keine akuten, negativen Auswirkungen auf den Menschen bekannt sind. Der menschliche Körper kann gut mit solchen Fasern und Partikeln umgehen und diese ausscheiden.[8]

Ausblick

Das bedeutet jetzt aber keineswegs, dass wir Menschen einfach so weiter machen können wie bisher, nur weil die Forschung noch keine konkreten Angaben zu den Folgen machen konnte. Jeder sollte sich dessen bewusst sein, dass er einen gewissen Fußabdruck in der Umwelt hinterlässt. Hier können beispielsweise Medien oder große Persönlichkeiten bei der Aufklärung der Menschen eine große Rolle spielen. Das ist selbstverständlich keine einfache Aufgabe, denn es ist nur ein schmaler Grat zwischen Aufklärung und Panikmache. Genauso wie die anderen Medien müssen auch wir als Verfasser dieses Blogs versuchen, diesen Grat zu finden und zu halten. In den kommenden Artikeln werden wir das Problem der Ölkatastrophen in den Ozeanen näher beleuchten sowie verschiedene Sichtweisen zu dem Thema Ocean Clean up und Plastikverschmutzung genauer darlegen.

Literaturverzeichnis

[1];[2] Was ist Mikroplastik? (2013) Online verfügbar unter https://www.umweltbundesamt.de/service/uba-fragen/was-ist-mikroplastik

[3] Mikroplastik – was ist das? Online verfügbar unter https://www.bund.net/meere/mikroplastik/hintergrund/

[4] Stinn, Melina (NDR): Wasserkocher: Gefahr durch Mikroplastik? (2018) Online verfügbar unter https://www.ndr.de/ratgeber/verbraucher/Wasserkocher-Gefahr-durch-Mikroplastik%2cmikroplastik272.html,

[5];[7];[8] Schymanski, Darena (2019): Mikroplastik: die Geister, die wir riefen. In: J Consum Prot Food Saf 14 (1), S. 1–3. DOI: 10.1007/s00003-019-01212-w.

[6] ter Jung, Eliza (2012): [Nachrichten aus der Chemie] Gefhrlich klein gemacht

Bildverzeichnis

Abb. 1 Beitragstitelbild (2019): Mikroplastik in Duschpeeling (selber geschossen)

Abb. 2 Infografik, Plastik im Ozean (2019): Suhr, Frauke. “Plastik währt ewig in den Ozeanen.” Digitales Bild. Statista Infografiken. März 28, 2019. https://de.statista.com/infografik/17508/haltbarkeit-von-plastikmuell-im-meer/

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