Blog 4 – Future of Retail

Macht des Onlinehandels: Wie wehren sich die stationären Einzelhändler?

 

Amazon gilt nach dem Marktforschungsunternehmen Millward Brown mit über 64 Milliarden US-Dollar als wertvollste Händlermarke der Welt. [1] Dass ein Onlinehändler die wertvollste Händlermarke ist lässt sich nach den Zahlen des Erlöses im Non-Food-Handel leicht erschließen. Nach diesem, hat Amazon im Jahr 2016 mehr als 80% des Gesamterlöses der Onlinehandel ausgemacht. [2] Der gesamte Einzelhandel ist im Jahr 2018 um 10,2% angestiegen, hingegen der stationäre nur um 1,8%. Jedoch werden beispielsweise Lebensmittel heute immer noch lieber im stationären Einzelhandel als online eingekauft. [3] Nach einer Umfrage durch Trends im Handel 2025, KPMG und Kantar TNS (2016) gaben 39% der Befragten an, dass sie niemals ausschließlich online einkaufen möchten in Zukunft. 92% gaben auch an, dass sie den persönlichen Kontakt im Geschäft schätzen. [4] Trotzdem soll in Zukunft nach Prognosen der Onlinehandel weiter steigen, hingegen der stationäre Einzelhandel immer weiter absinken wird. Der Abbau des stationären Einzelhandels ist jedoch eine große Einbüße für das traditionelle Stadtbild in Deutschland, da es besonders die Stadtmitten ausmachen. [5] Doch was können kleine und mittelständige stationäre Einzelhändler tun, um neben den Onlinegiganten mitzuhalten?

 

Zunächst muss der wohl größte und fatalste Trugschluss von rund 50% der deutschen stationärer Einzelhändler aufgeklärt werden. Dieser besteht darin, dass rund die Hälfte aller stationärer Einzelhändler die Digitalisierung als unrelevant hält, und sogar 25% der genannten 50% sich noch nie mit Digitalisierung auseinandergesetzt haben. Dabei entgehen diesen Unternehmen sowohl Cloudsoftwaren zur Sicherung, Übertragung und Speicherung von Daten als auch steigernde Marktbekanntheit durch Onlinepräsenz, Kostenersparnis durch mehr Automatisierung, kurze Reaktionszeiten dank besserer Kommunikation auf Marktveränderungen sowie höhere Produktqualität durch IoT-Technologie etc. .[6] Der nächste Schritt im Bereich der Digitalisierung ist der Vertrieb der Waren im Onlinehandel. Jedoch sind lediglich 36% aller Einzelhändler aus dem ifo Konjunkturtest im Onlinehandel aktiv und haben entweder einen eigenen Onlineshop, oder verkaufen über Onlineplattformen wie Amazon. Wichtig damit stationäre Einzelhändler weiterhin bestehen bleiben wäre eine Erhöhung der Kundenfrequenzen.

 

[7] Dies lässt sich beispielsweise durch Aspekte wie einem besseren Service, sowie einem besseren Erlebnis bewirken. Ein Beispiel für technischen Geschäften wäre das Anbieten von kostenlosen Reparaturen für ein im Geschäft gekauftes Gerät. In Kosmetikgeschäften würde sich das kostenlose Ausprobieren von Makeup oder Parfüm anbieten, wie es bei der Kosmetikkette Douglas bekannt ist. Douglas bietet beispielsweise auch kostenloses Styling von im Geschäft gekauften Produkten an. Weitere fördernde Aspekte zur Erhöhung der Kundensequenz sind clever gestaltete Schaufenster, um Laufkundschaft abzufangen. Es sollte darauf geachtet werden, dass die Schaufenster sauber sind und die neusten Trends der Mode im Geschäft wiederspiegeln. Auch Rabattschilder locken Kunden an, jedoch sollte es nicht zu überladen wirken. [8] Ein weiterer Aspekt, um Kunden in die Geschäfte zu locken, ist der erlebnisorientierter Einzelhandel, in dem das Einkaufserlebnis vor dem materiellen Besitz steht. Als Beispiel lässt sich der Möbelriese Ikea nennen, welcher zu besonderen Anlässen das Übernachten im Möbelhaus anbietet. Bei dem Event wird ein Abendessen angeboten mit anschließender Beratung von Schlafexperten, um die optimale Matratze zu finden. Eine kostenlose Übernachtung in Ikea ist auch dabei, um sich von der Qualität zu überzeugen. Ein anderes Beispiel ist das Bauhaus, welches Womens Week oder Womens Night/Womens Day anbietet in denen die Werkzeuge vorgestellt und ausprobiert werden. Mit dem Event soll die Verbrauchergruppe Frauen nähe an den Baumarkt geführt werden. [9]

 

Schlussendlich lässt sich sagen, dass sowohl der Onlinehandel als auch der stationäre Handel seine Berechtigung hat. Um jedoch das Aussterben des stationären Handels entgegen zu wirken müssen sich die Einzelhändler durch Digitalisierung aufrüsten und die Kundenfrequenz durch Kreativität vorantreiben. Eine gute Idee ist meiner Meinung nach besonders die Verbesserung des erlebnisorientierten Einzelhandels, da in unserer Gesellschaft immer mehr die Zeit statt des materiellen Besitzes an Bedeutung gewinnt.

Literaturverzeichnis

[1] Jörg, Konrad/Laura,Nies: Lebensmittel Zeitung  24. Aufl. 2014, Seite 32-32.. 2 Diagramme

[2] Heinemann, Gerrit: Die Neuerfindung des stationären Einzelhandels : Kundenzentralität und ultimative Usability für Stadt und Handel der Zukunft. 1. Aufl. 2017. Berlin Heidelberg New York: Springer-Verlag, 2017.

[3] Battermann, Julian/Neiberger, Cordula: Kommunale Strategien zur Unterstützung des stationären Einzelhandels, Zeitschrift für Angewandte Geographie Volumen 42, Aufl. 3 2018, Seite 164-177, DVAG – Deutscher Verband für Angewandte Geographie e.V..

[4] Unbekannter Autor: Trends im Handel 2025(2016),

[5] Heinemann, Gerrit: Die Neuerfindung des stationären Einzelhandels : Kundenzentralität und ultimative Usability für Stadt und Handel der Zukunft. 1. Aufl. 2017. Berlin Heidelberg New York: Springer-Verlag, 2017.

[6] Absenger, Nadine/Ahlers, Elke/Herzog-Stein, Alexander/Lott, Yvonne/Maschke, Manuela/ Schietinger, Marc: Digitalisierung der Arbeitswelt!?(2016), Mitbestimmungsreport, Hans-Böckler-Stiftung.

[7] Heinemann, Gerrit: Die Neuerfindung des stationären Einzelhandels : Kundenzentralität und ultimative Usability für Stadt und Handel der Zukunft. 1. Aufl. 2017. Berlin Heidelberg New York: Springer-Verlag, 2017.

[8] Krell, Perry: 5 bewährte Wege die Besucherfrequenz im Einzelhandel zu erhöhen.(2017

[9] Pomare, Moni: Erlebnisorientierter Einzelhandel erwacht zum Leben.(2019)

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One thought on “Blog 4 – Future of Retail

  1. Marcus Birkenkrahe

    Ich wusste nicht, dass man bei IKEA übernachten kann. Ich glaube aber, ich bleibe lieber auf meiner eigenen Matratze…Der am Ende postulierte Zusammenhang von “Erlebnisorientierung” und Wunsch nach “Zeitersparnis” erschließt sich mir überhaupt nicht – geht es nicht eher um die Wichtigkeit des Immateriellen statt um die Zeitersparnis? Zeit ist doch nur ein anderes immaterielles Gut. Wobei das auch nur begrenzt stimmt: ich kann ersparte Zeit zum Geldgewinn einsetzen. Das Argument der Zeit gehört hier also eher gar nicht hin, oder verstehe ich was falsch? — Und die Frage, ob der stationäre Handel berechtigt ist oder nicht, ist doch eine ganz andere Frage, die Sie eigentlich gar nicht behandelt haben. Ihr Artikel ging doch eher darum, WIE der stationäre Handel seine Existenz rechtfertigt.

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