Ölverschmutzung – eine schmierige Spur menschlichen Versagens?

Ölverschmutzung – eine schmierige Spur menschlichen Versagens?

In diesem Blog wird als Hauptursache für die Meeresverschmutzung vor allem der Plastikmüll genannt. Allerdings gibt es noch andere Stoffe, welche die Ozeane verschmutzen, die durch den Menschen verursacht werden. Daher werden wir mit diesem Beitrag einen kurzen Exkurs zu Ölverschmutzungen machen. Denn Öl ist für die Tiere genauso gefährlich wie Plastik!

Vorab ein kleiner Hinweis, es ist sehr schwer aktuelle und seriöse Literatur zu dem Thema zu finden, daher stammen die meisten Statistiken aus Jahren 2010 oder sind noch älter. Jedoch vermuten wir, dass sich an der Situation nicht viel verändert hat.

Das letzte Mal, dass das Thema groß in den Medien stattfand war, 2010 bei dem Unglück der Deepwater Horizon Plattform im Golf von Mexiko.

2010 Golf von Mexiko

Am 20. April 2010 kam es auf Grund von drei Lecks am Bohrloch und einem technischen Ausfall zu einer unkontrollierten Freisetzung von 800 Mio. Liter Öl, welches sich auf rund 3000 Quadratkilometer verteilte – dies entspricht der Größe von Jamaika. [5]

Solch ein Ereignis hat Auswirkungen auf die Tier- und Pflanzenwelt im und am Wasser. Durch die Entstehung von Ölteppichen wird beispielsweise der Gasaustausch von Algen und anderen Wasserpflanzen unterbrochen, was wiederum zum Absterben der Pflanze führt. Diese Pflanzen dienen häufig als Nahrungsmittel, für die viele verschieden Arten von Meerestieren und durch das Verrotten der Pflanzen sterben auch die Meerestiere. Dies ist allerdings nicht das einzige Risiko, da manche Tierarten, wie die Delphine auftauchen müssen, um Luft zu holen. Wenn sie jedoch durch den Ölteppich auftauchen, verkleben sie vollständig und werden dieses Öl jedoch nicht mehr los und ersticken an dem Öl. Ähnlich erging es den Schildkröten nach dem Ölunglück 2010 im Golf von Mexiko, dort wurden Massen von Ihnen komplett in Öl getaucht an den Stränden gefunden, unfähig sich zu bewegen, geschweige denn auf Nahrungssuche zu gehen. Bei der Ölkatastrophe sind viele Tiere direkt an den Giftstoffen des Rohöls gestorben. [4] Jedoch lässt sich keine genaue Zahl von Opfern finden, da diese nicht erfasst wurden. In vielen Quellen wird von 100 tausenden toten Meerestieren und Vögeln gesprochen, woher diese Schätzung kommt, lässt sich aber nicht herausfinden. [1]

Es waren aber nicht nur die direkten Berührungen mit dem Öl, welche den Tribut an der Meeresbevölkerung gefordert hat. Denn Methan und andere kanzerogene Stoffe, welche in dem Rohöl vorkommen, haben teilweise auch mit dem Wasser chemisch reagiert und somit den Sauerstoff aus dem Wasser gebunden. Dadurch sank der Sauerstoffgehalt an manchen Stellen um 30 %, was wiederum Folgen für das gesamte Ökosystem unter Wasser hatte. [4]

Öl in der Nordsee

Aber nicht nur durch große Unglücke, wie 2010, gelangt Öl in die Meere, sondern jeden Tag durch kleinere Unfälle über die nicht weiter berichtet wird. Allein in der Ostsee gibt es laut der NABU über 740 Gas- und Ölförderplattformen. [3] 2014 wurde eine Studie von der Bundestagsfraktion Bündnis 90 / Die Grünen veröffentlicht, welche die Ölverschmutzung in der Nordsee untersucht. Laut dieser Studie gab es zum Beispiel 2011, 454 gemeldete Ölunfälle in der OSPAR Region, bei welcher mehr als 62,81 Tonnen Öl in das Meer geflossen sind. Dazu kamen 395 Unfälle, wo andere Chemikalien in das Wasser gelangt sind. Insgesamt sind 727,70 Tonnen Chemikalien und Öl in die Nordsee gelaufen [2]. Umgerechnet sind 73.894 Liter Öl in das Meer geflossen. Mit diesem Verlust kann man 32 Einfamilienhäuser ein ganzes Jahr heizen und das nur aus der Nordsee.

Ursprung des Öls

Laut dem World Ocean Review geht man heute davon aus, dass jährlich 1 Mio. Tonnen Öl in die Meere fließt, wovon nur 5 Prozent aus natürlichen Quellen, wie Rissen im Untergrund oder Schlammvulkanen stammen. 10 Prozent werden durch Tankschiffunfälle freigesetzt. 35 Prozent werden durch den normalen Schifffahrtsbetrieb in die Meere befördert und 45 Prozent kommt von industriellen und kommunalen Abwässern. Wer nun mitgerechnet hat, bemerkt das noch 5 Prozent fehlen, diese lassen sich nicht ganz bestimmen. Wahrscheinlich werden sie verursacht durch unentdeckte Lecks an Bohrinseln oder ähnliches. Bei dieser Aufteilung sind die Unglücke wie das Deepwater Horizon Unglücke 2010 ausgenommen. Diese Verschmutzung kann man also 2010 noch addieren. [6]

Schaden für Tiere und Pflanzen

Der Kontakt von Öl mit Pflanzen führt meisten zu einer Verölung der Pflanzentriebe, dadurch wird der Gasaustausch behindert und die Pflanze stirbt ab. Außerdem werden die giftigen Kohlenwasserstoffe auch in der Nahrungskette weitergegeben, wenn beispielsweise ein Fisch eine vergiftete Alge oder Muschel isst. Meeressäugetiere und Vögel verschlucken häufig Öl, wenn sie versuchen sich von diesem Öl zu befreien und sich zu säubern. Fische hingegen nehmen das Öl hauptsächlich über die Haut oder die Kiemen auf. Jede Tierart regiert anders auf die Vergiftung durch Öl – bei Vielen wird das Wachstum und der Stoffwechsel gestört. Ein anderes Symptom welches häufig nachgewiesen werden konnte ist, dass sich zum Beispiel Muschel und Korallen nicht mehr fortgepflanzt haben. Aber auch ein Orientierungsverlust kann durch die Ölverschmutzung verursacht werden, was wiederum die Vermehrung und die Nahrungssuche erschwert. [6]

Fazit

Wir hoffen es ist ersichtlich geworden, dass die Ölverschmutzung der Meere eine starke Auswirkung auf die Tier- und Pflanzenwelt hat. Und dass auch dies ein von Menschen produziertes Problem ist, welches ein großes Ausmaß hat. Uns war vor der Recherche nicht klar, wieviel Öl tatsächlich jedes Jahr in die Weltmeere gelangt. Es gibt jedoch kaum Forschung, welche sich mit Lösungsansätzen beschäftigt, noch weniger, als bei der Beseitigung von Plastik. Außerdem ist es schwer als Einzelner etwas zu bewegen, wenn man nicht gerade bei einem großen Ölunternehmen arbeitet. Vielleicht habt ihr ja eine Idee, welche Gegenmaßnahmen man ergreifen kann. Kommentiert eure Vorschläge gerne und diskutiert mit uns.

Als nächstes werden wir uns diesem Konflikt stellen und eine Diskussion zwischen Regierungsvertreter, Unternehmer, Verbraucher und Umweltschützer inszenieren, um die verschiedenen Meinungen zu verstehen.

 

Quellen:

 

[1] Deutschlandfunk; 18.04.2015; Seynsche, Monika: „Die vergessene Katastrophe; Ölunfall im Golf von Mexiko“

[2] EnergyComment; Hamburg, April 2014; Dr. Bukond, Steffen: „License to Spill Ölverschmutzung in der Nordsee; Kurzstudie im Auftrag der Bundestagsfraktion Bündnis 90 / Die Grünen“

[3] NABU: „Öl – tödliche Gefahr für die Meere; Besonders Vögel sind betroffen”

[4] Rako, L., Costrut, A.M., Braun, M. et al. Zbl Arbeitsmed (2018) 68: 346. 

[5] Welt; 14.04.2015; Schmitt-Tegge; Joahnnes: „Die lange Katastrophe der ‚Deepwater Horizon‘“

[6] World Ocean Review; 2014: „Von der Verölung der Ozeane“

 

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Bildquellen

  • FischmitÖlvergiftung: Pia Roewekamp

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