Einwegplastik ade

Einwegplastik ade

In den letzten Beiträgen ging es um die Ursachen und Auswirkungen von Plastik in unseren Ökosystemen. Nun möchten wir euch verschiedene Problemlösungen vorstellen, um die Ozeane zu säubern und auf Alternativen zu Plastik aufmerksam zu machen. In diesem Artikel wird es vorrangig um Beschlüsse und Gesetze seitens der Regierungen und Handelsverbände gehen.

Gebührenpflichtige Plastiktüten – hat es etwas gebracht?

Mittlerweile haben diese das Problem des Plastikmülls bereits erkannt und erste Maßnahmen zur Regulierung erlassen. Speziell möchten wir hier auf die 2016 beschlossene Vereinbarung des Handelsverbands von gebührenpflichtigen Plastiktüten eingehen. In dieser wurde festgelegt, dass Plastiktüten nicht mehr kostenlos bei einem Einkauf im Einzelhandel dazugegeben werden. Durch diese Veränderung wird den Kunden ins Bewusstsein gerufen, sich genau zu überlegen, ob sie eine Plastiktüte benötigen oder nicht. Somit wurde dadurch auch ein Zeichen gesetzt, welches bei der allgemeinen Bevölkerung angekommen ist.

Schließlich kostet die Trageplastiktüte jetzt etwas und der Einkauf erhöht sich jedes Mal um ein paar Cent. Diese 10-25 Cent tun einzeln betrachtet vielleicht niemandem weh, jedoch summieren sie sich beim wöchentlichen einkaufen schnell auf mehrere Euro pro Jahr. Bei uns persönlich hat diese Regelung zum Umdenken geführt und wir haben uns nach Alternativen wie Stoffbeuteln als Tragetasche umgesehen. Mittlerweile ist diese Alternative zum Alltag geworden und wir können es uns gar nicht mehr vorstellen eine Plastiktüte zu kaufen. Viele Supermärkte, wie zum Beispiel Lidl und Rewe, bieten diese auch gar nicht mehr an. So kommt man als Verbraucher erst gar nicht auf die Idee eine Plastiktüte zu kaufen und der Einzelhandel reguliert somit den Verbrauch an Kunststofftaschen.

Abb. 1 Häufigkeit der Anwendung einer Plastiktüte

Statista

Eine weitere Alternative ist es, die Plastiktüten mehrmals zu verwenden, so dass diese kein Einwegprodukt darstellen. Seit 2015 ist daher die absolute Häufigkeit der Verwendung von einer Plastiktüte gestiegen. Konkret verwendeten 25 % der Verbraucher 2018 jede Plastiktüte mehr als 10 Mal. Zum Vergleich: 2015 waren es gerade einmal 12 % der Befragten Verbraucher s.Abb. 1. Die Produktion von Plastiktüten ist demnach auch stark zurückgegangen. Im Jahr 2000 verbrauchte der Durchschnitt in Deutschland 85 Tüten pro Kopf im Jahr. 2018 waren es nur noch 24 Tüten pro Kopf s.Abb. 2.

Infografik: Auslaufmodell Plastiktüte? | Statista
Abb. 2 Verbrauch von Kunstoff-Tragetaschen in Deutschland

Statista

Plastiktüte gilt als Schmuggelware

Jedoch ist Deutschland in Bezug auf Plastiktüten kein Vorreiter. Ruanda (Zentralafrika) gilt hier als „Vorzeigeland“. Kigali, die Hauptstadt Ruandas, ist mit einer der saubersten Städte der Welt. Das liegt mitunter an einem sehr strengen Plastiktütenverbot und hohen Recyclingquoten. Plastiktüten gelten hier wie Drogen und Waffen als Schmuggelware und werden von den örtlichen Zöllen an der Grenze geahndet. Ebenso werden die einzelnen Läden regelmäßig auf den Besitz von Plastiktüten kontrolliert und bekommen bei Nichteinhaltung des Gesetzes erhebliche Geldbußen. Benachbarte Länder nehmen Ruanda als Vorbild und ziehen nach wie zum Beispiel Kenia [1].

Allerdings muss man hierbei anmerken, dass dies eine sehr radikale Vorgehensweise darstellt. Da hier der Industrie kaum Anpassungszeitraum gegeben wurde, um auf alternative Produkte umzustellen oder diese zu hohe Kosten aufweisen. Das wäre in etwa so, wenn die deutsche Regierung von heute auf morgen beschließen würde, dass nur noch Elektroautos gebaut werden dürfen. Dadurch hätten weder die Automobilhersteller noch die Zulieferer ausreichend Zeit, sich auf die neue Situation einzustellen und würden immense Verluste einfahren. Wirtschaftlich gesehen wäre eine schrittweise Umstellung die fairere Variante.

Geplante Verbote – EU

Generell wird jedoch deutlich, welche positiven Auswirkungen für die Umwelt die vorher genannten Vereinbarungen und Gesetze nach sich ziehen können. Darüber hinaus plant die EU weitere Einschränkungen und Verbote, in Bezug auf Einwegplastik, ab 2021. Darunter fallen folgende Gegenstände:

• Plastikbesteck

• Plastikgeschirr

• Strohhalme

• Verpackungen aus Styropor für warme Speisen

• Wattestäbchen aus Plastik

Gerade diese Einwegprodukte sind häufig an Stränden – durch das Meer angespült – zu finden. Die neue Regelung soll zukünftig helfen die Meeresverschmutzung durch Plastik einzudämmen [2]. Einzelhandelskonzerne, wie Lidl und Rewe, wollen bereits Ende 2019 Einwegstrohhalme und andere Einwegplastikartikel komplett aus dem Sortiment nehmen. Die Plastikprodukte sollen durch ökologisch Abbaubare Stoffe wie Weizengras oder Papier ersetzt werden [3]. Wir sehen diese Entwicklungen als einen Schritt in die „richtige“ Richtung. Denn wenn wir als Konsumenten gar nicht mehr die Möglichkeiten haben Einwegplastik zu kaufen, kann der Verbrauch dieser erheblich verringert werden. So gibt es für die nächste Grillparty im Park beispielsweise dann nur noch ökologischere Einwegprodukte im Supermarkt zu kaufen.

Die Vorstellung das zukünftig Plastikeinwegprodukte, wie eine alte 60 Watt Glühbirne, der Vergangenheit angehören, finden wir persönlich gut. Jedoch finden wir, dass die eben aufgezeigten Regulierungen seitens der Regierungen und Handelsverbände erst einen Anfang darstellen. Das da noch Potenzial nach oben ist, zeigt sich an dem vorher aufgezeigten Beispiel von Ruanda.

 

Nun würde uns eure Meinung zum Thema Plastiktüten und Plastikeinwegprodukte interessieren. Findet ihr Deutschland und die EU sollten auch so „radikal“ vorgehen wie in Ruanda? Schreibt es in die Kommentare.

 

Der nächste Beitrag wird über verschiedene Sichtweisen zwischen Regierungsvertreter, Unternehmer, Verbraucher und Umweltschützer informieren.
Hinweis: dieser Beitrag sollte heute schon kommen, für den wir jedoch mehr Zeit benötigen, da hier ein Video hinzukommt.

 

Literaturverzeichnis

[1] Sieg, K. (2018) Saubere Ansage, Lebensmittel Zeitung, (32), pp. 38–39

[2] Verbraucherzentrale (2018) Gesetzliche Regeln: EU verbietet Einwegplastik, [online]

[3] FreiePresse (2018) Supermärkte und Discounter verbannen immer mehr Plastik [online]

 

 

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Bildquellen

  • Wie oft verwenden Sie eine Plastiktüte üblicherweise?: https://de-statista-com.ezproxy.hwr-berlin.de/statistik/daten/studie/870113/umfrage/umfrage-zur-haeufigkeit-der-verwendung-von-plastiktueten-in-den-jahren-2015-und-2018/
  • Einwegplastik Artikel: Anja Gerstenberg

3 thoughts on “Einwegplastik ade

  1. Marcus Birkenkrahe

    Sehr informativ, danke. Ich finde es schwierig, den Ruanda-Ansatz auf Europa bzw. Deutschland zu übertragen – die Welt ist eben, entgegen der globalistischen These, (noch) kein Dorf. Ich habe aber auch nicht genügend Informationen über die Lösung in Ruanda erhalten. Was ist beispielsweise mit Sekundäreffekten – Schäden durch, den erhöhten Bedarf an “Weizengras oder Papier” (oder Bambus), Folgen für die Gesamtkosten, Einschränkung der Freizügigkeit, Erhöhung staatlicher Kontrolle und Macht, Verringerung der Bequemlichkeit, usw…Radikale Lösungen nehmen solche Folgen gerne in Kauf. Alles gut, solange es weit weg stattfindet…persönlich ziehe ich schrittweise Änderungen vor, die genügend Zeit lassen, technologisch auf Herausforderungen zu reagieren. Die Zahlen für Plastiktüten sprechen zwar eine andere Sprache, aber die Plastiktüte ist eben auch kein zentrales zivilisatorisches Gut. Man kann offenbar auf sie ebenso verzichten, wie auf die Zigarette.

    1. Anja Gerstenberg

      Vielen Dank für das Feedback. Zunächst einmal ist es wichtig, dass man sich überhaupt informiert und nach anderen Lösungen auf der Welt Ausschau hält. Das diese nicht immer eins zu eins auf Deutschland oder auch Europa übertragbar sind, sollte klar sein. In Bezug auf die Sekundäreffekte sowie Gesamtkosten für Alternativprodukte war im Netz leider nicht viel ausfindig zu machen. Dies wundert kaum, wenn man sich bewusst macht, dass Ruanda autoritär regiert wird. Man kann somit auch davon ausgehen, dass die staatliche Kontrolle in diesem Land sehr hoch ist und die Schattenseiten vorzugsweise versteckt gehalten werden…wir als Gruppe stimmen Ihnen jedoch zu und präferieren ebenfalls eine ökonomischere sowie schrittweise Änderung gegenüber einer radikalen Vorgehensweise.

      1. Marcus Birkenkrahe

        Danke, gut zu hören – das über Ruanda wusste ich z.B. gar nicht, ist aber relevant und interessant.

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