

{"id":106,"date":"2026-06-04T16:17:21","date_gmt":"2026-06-04T14:17:21","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.hwr-berlin.de\/demokratie\/?p=106"},"modified":"2026-06-04T16:20:51","modified_gmt":"2026-06-04T14:20:51","slug":"besuch-der-ausstellung-die-zentrale-des-kz-terrors-und-der-gedenkstaette-sachsenhausen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.hwr-berlin.de\/demokratie\/2026\/06\/04\/besuch-der-ausstellung-die-zentrale-des-kz-terrors-und-der-gedenkstaette-sachsenhausen\/","title":{"rendered":"Besuch der Ausstellung \u201eDie Zentrale des KZ-Terrors\u201c und der Gedenkst\u00e4tte Sachsenhausen"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Rahmen einer Exkursion hatte ich die M\u00f6glichkeit, die Ausstellung \u201eDie Zentrale des KZ-Terrors\u201c sowie die Gedenkst\u00e4tte Sachsenhausen zu besuchen. Da meine n\u00e4chste Vorlesung erst am Nachmittag begann, nutzte ich die Gelegenheit, nach der Ausstellung auch das ehemalige Konzentrationslager Sachsenhausen genauer zu besichtigen. Die Exkursion hinterlie\u00df bei mir einen tiefen Eindruck und f\u00fchrte dazu, dass ich mich erneut intensiv mit den Verbrechen des Nationalsozialismus auseinandersetzte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zun\u00e4chst besuchte ich die Ausstellung \u201eDie Zentrale des KZ-Terrors\u201c. Die Ausstellung besch\u00e4ftigt sich mit der Inspektion der Konzentrationslager (IKL), die f\u00fcr die Organisation, Verwaltung und Kontrolle der Konzentrationslager zust\u00e4ndig war. Besonders deutlich wurde dort, dass die nationalsozialistischen Verbrechen nicht nur durch direkte Gewalt, sondern auch durch ein umfangreiches Verwaltungssystem erm\u00f6glicht wurden. Hinter den Verbrechen standen unz\u00e4hlige Akten, Befehle, Formulare und Verwaltungsprozesse. Die Ausstellung zeigte eindrucksvoll, wie systematisch und b\u00fcrokratisch der Terror organisiert wurde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Obwohl ich bereits zahlreiche Dokumentationen, Filme und Berichte \u00fcber die Verbrechen des Nationalsozialismus gesehen habe, war die Wirkung vor Ort eine v\u00f6llig andere. Die Informationen nur im Fernsehen oder in B\u00fcchern zu sehen, ist etwas anderes, als sich an einem historischen Ort mit den Ereignissen auseinanderzusetzen. W\u00e4hrend man Dokumentationen oft mit einer gewissen Distanz betrachtet, entstehen vor Ort deutlich st\u00e4rkere Emotionen. Man erkennt, dass die Verbrechen nicht nur abstrakte historische Ereignisse waren, sondern dass sie an konkreten Orten von konkreten Menschen geplant und durchgef\u00fchrt wurden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Besonders bewegend fand ich ein Ausstellungsst\u00fcck zum Giftgas Zyklon B. Als ich die Ausstellung betrachtete, musste ich unweigerlich an die Entwicklung der nationalsozialistischen Mordmethodik denken. Dabei kamen mir Gedanken wie es anfing mit dem sogenannte T4-Programm, bei dem Menschen mit k\u00f6rperlichen oder geistigen Behinderungen ermordet wurden. Bis die T\u00e4ter zun\u00e4chst Gaswagen und die Abgase von Transportfahrzeugen, bevor sp\u00e4ter industrielle T\u00f6tungsmethoden entwickelt wurden. Das ausgestellte Zyklon B erinnerte daran, wie die Nationalsozialisten ihre Verbrechen immer weiter perfektionierten und industrialisierten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In diesem Zusammenhang musste ich auch an die Rolle deutscher Unternehmen denken. Die Firma Degesch vertrieb Zyklon B, w\u00e4hrend der Chemiekonzern I.G. Farben mehrheitlich an diesem Unternehmen beteiligt war. Die Geschichte zeigt, dass nicht nur staatliche Institutionen, sondern auch Teile der Wirtschaft in das System der Verfolgung und Vernichtung eingebunden waren. Diese Erkenntnis machte die Ausstellung f\u00fcr mich besonders nachdenklich, da sie verdeutlicht, wie viele verschiedene Bereiche der Gesellschaft am Funktionieren des Systems beteiligt waren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach dem Besuch der Ausstellung machte ich mich auf den Weg \u00fcber das Gel\u00e4nde des ehemaligen Konzentrationslagers Sachsenhausen. Schon beim Betreten des Lagers war die Atmosph\u00e4re bedr\u00fcckend. Die Gr\u00f6\u00dfe des Gel\u00e4ndes und die erhaltenen Geb\u00e4ude vermittelten einen Eindruck davon, unter welchen Bedingungen die H\u00e4ftlinge leben mussten. Sachsenhausen wurde 1936 errichtet und entwickelte sich zu einem zentralen Konzentrationslager des nationalsozialistischen Systems. Zehntausende Menschen wurden hier eingesperrt, ausgebeutet, misshandelt und ermordet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00e4hrend meines Rundgangs begegnete ich mehreren Schulklassen. Besonders fiel mir eine Schulklasse auf, die ausschlie\u00dflich aus jungen Frauen bestand. Als wir die Station Z erreichten, war die Betroffenheit vieler Sch\u00fclerinnen deutlich zu erkennen. Die Station Z war der Bereich des Lagers, in dem Hinrichtungen und Morde durchgef\u00fchrt wurden. Die dortigen Gef\u00e4ngniszellen, die Berichte \u00fcber die Verbrechen und die Atmosph\u00e4re des Ortes wirkten auf viele Besucherinnen sehr belastend. Einige der Sch\u00fclerinnen \u00e4u\u00dferten, dass sie die Eindr\u00fccke kaum ertragen k\u00f6nnten. Einer jungen Frau wurde sogar sichtbar schlecht. Diese Reaktion zeigte mir, wie stark solche Orte auch heute noch auf Menschen wirken, obwohl viele Geb\u00e4ude oder Einrichtungen nicht mehr vorhanden sind. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Lager besch\u00e4ftigte ich mich au\u00dferdem intensiv mit der Biografie des SS-Mannes Richard Bugdalle. Ein SS-Hauptscharf\u00fchrer und Blockf\u00fchrer, der von \u00dcberlebenden schlicht <strong>\u201eBrutaler\u201c<\/strong> genannt wurde. Seine Lebensgeschichte las ich aufmerksam durch. Besonders ersch\u00fctternd war die Erkenntnis, dass er versetzt wurde, weil er zu brutal zu den &#8222;H\u00e4ftlingen&#8220;war. Er ging an die Ostfront und wahrscheinlich ging das Morden weiter. Dies konnte ich nicht aus seiner Biografie entnehmen. Seine Biografie machte deutlich, wie er Teil des nationalsozialistischen Systems wurden und wie sie aktiv an dessen Gewalt beteiligt war. Das Lesen seiner Geschichte f\u00fchrte bei mir zu der Frage, wie Menschen zu solchen Taten f\u00e4hig sein konnten und welche Verantwortung jeder Einzelne innerhalb dieses Systems trug. Ich habe einen Beitrag im BR Retro gefunden \u00fcber Richard Bugdalle.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"https:\/\/www.ardmediathek.de\/video\/br-retro\/kz-verbrechen-prozess-gegen-richard-bugdalle\/br\/Y3JpZDovL2JyLmRlL3ZpZGVvLzVhYzc5MTBiLTRjZDQtNGRkYi1hMjgwLWJiMTQ4YzQ5M2FiYQ\">BR Retro: KZ-Verbrechen \u00b7 Prozess gegen Richard Bugdalle &#8211; hier anschauen<\/a><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"308\" height=\"371\" src=\"https:\/\/blog.hwr-berlin.de\/demokratie\/wp-content\/uploads_demokratie\/2026\/06\/image.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-110\" style=\"width:371px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/blog.hwr-berlin.de\/demokratie\/wp-content\/uploads_demokratie\/2026\/06\/image.png 308w, https:\/\/blog.hwr-berlin.de\/demokratie\/wp-content\/uploads_demokratie\/2026\/06\/image-249x300.png 249w\" sizes=\"auto, (max-width: 308px) 100vw, 308px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Verbindung zwischen der Ausstellung und dem anschlie\u00dfenden Rundgang durch das Lager war f\u00fcr mich besonders eindrucksvoll. In der Ausstellung lernte ich die organisatorischen Strukturen und die Verwaltung kennen. Im Konzentrationslager selbst sah ich die Folgen dieser Entscheidungen und die T\u00e4ter. Dadurch wurde deutlich, dass hinter jeder Akte, jedem Befehl und jeder Unterschrift menschliches Leid stand.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Exkursion nach Sachsenhausen hat mich erneut nachdenklich gemacht. Sie zeigte nicht nur die Grausamkeit des nationalsozialistischen Regimes, sondern auch, wie wichtig Erinnerung und historische Bildung sind. Gerade in einer Zeit, in der Zeitzeugen immer seltener werden, bleiben Gedenkst\u00e4tten wie Sachsenhausen wichtige Orte des Erinnerns und des Lernens. Die Exkursion hat mir deutlich gemacht, dass Geschichte nicht nur aus Zahlen und Fakten besteht, sondern aus den Schicksalen von Menschen, die Opfer eines unmenschlichen Systems wurden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach der Besichtigung fertigte ich ein Clustering zur Ausstellung und zum KZ Sachsenhausen an. Durch die Verkn\u00fcpfung der einzelnen Themenbereiche wurde deutlich, wie stark die Verwaltung in die Abl\u00e4ufe des Lagers eingebunden war und welchen Einfluss sie auf Entscheidungen, Zwangsarbeit, Verfolgung und die Ermordung von H\u00e4ftlingen hatte. Ich h\u00e4tte noch mehr Verbindungen und Linien hinzuf\u00fcgen k\u00f6nnen, jedoch w\u00e4re das Clustering dadurch zu un\u00fcbersichtlich geworden.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"586\" src=\"https:\/\/blog.hwr-berlin.de\/demokratie\/wp-content\/uploads_demokratie\/2026\/06\/Clustering-Sachsenhausen-1024x586.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-109\" srcset=\"https:\/\/blog.hwr-berlin.de\/demokratie\/wp-content\/uploads_demokratie\/2026\/06\/Clustering-Sachsenhausen-1024x586.jpg 1024w, https:\/\/blog.hwr-berlin.de\/demokratie\/wp-content\/uploads_demokratie\/2026\/06\/Clustering-Sachsenhausen-300x172.jpg 300w, https:\/\/blog.hwr-berlin.de\/demokratie\/wp-content\/uploads_demokratie\/2026\/06\/Clustering-Sachsenhausen-768x440.jpg 768w, https:\/\/blog.hwr-berlin.de\/demokratie\/wp-content\/uploads_demokratie\/2026\/06\/Clustering-Sachsenhausen.jpg 1361w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Rahmen einer Exkursion hatte ich die M\u00f6glichkeit, die Ausstellung \u201eDie Zentrale des KZ-Terrors\u201c sowie die Gedenkst\u00e4tte Sachsenhausen zu besuchen. 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