Barrierefreiheit in der digitalen Lehre

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Ein Online-Studium birgt viele Herausforderungen, insbesondere für Studierende in besonderen Lebenslagen. Es können unterschiedliche Barrieren auftreten, z. B. für Studierende mit Behinderungen oder Studierende in einer prekären sozialen Lage. Wichtig ist zu beachten, dass die besonderen Bedürfnisse von Studierenden häufig nicht von außen erkennbar sind. Um Lehrveranstaltungen inklusiv zu gestalten und auch Studierenden in besonderen Lebenslagen Partizipation zu ermöglichen, finden Sie in diesem Artikel einige Tipps, um als Lehrende ein inklusives Lernklima online zu schaffen:

1. Vor der Lehrveranstaltung:

  • Fragen Sie die Bedürfnisse und Voraussetzungen der Studierenden vor Beginn der Lehrveranstaltung ab.
  • Binden Sie die Studierenden, bei möglichen Herausforderungen und Problemen, in der Suche nach Lösungen mit ein und erwägen Sie ggf. eine individuelle Anpassung der Lehrbedingungen und Leistungsnachweise.
  • Transparenz: Geben Sie Informationen zur Struktur der Lehrveranstaltungen, technischen Anforderungen, Leistungsanforderungen und zu Fristen frühzeitig bekannt.

2. Während der Lehrveranstaltung:

  • Rufen Sie die Studierenden mit Namen auf. Dies ist besonders wichtig für Studierende mit Sehbehinderung oder Blindheit, denn diese können die angezeigten Namen in Videokonferenzen nur sehr schwer oder gar nicht lesen.
  • Schalten Sie bei großen Gruppen nur das Mikrofon der sprechenden Person frei, so können eventuelle Störgeräusche verhindert werden.
  • Studierende sind unterschiedlich technikaffin und brauchen je nach Beeinträchtigungen länger, um bestimmte Aufgaben auszuführen. Haben Sie daher bitte Geduld mit den Studierenden.
  • Zeichnen Sie Teile der Lehrveranstaltungen für Studierende auf, die nicht an synchronen Veranstaltungen teilnehmen können. So können sich z. B. auch Studierende mit pflegebedürftigen Angehörigen oder internationale Studierende, in einer anderen Zeitzone, sich die Lehrinhalte asynchron aneignen. Das erneute Anschauen der Veranstaltung hilft außerdem auch anderen Studierenden bei Verständnislücken.

3. Nach der Lehrveranstaltung:

  • Verlassen Sie den digitalen Raum nicht direkt, sondern bleiben Sie noch kurz verfügbar für unmittelbare Rückfragen nach der Veranstaltung.
  • Darüber hinaus sollten Rückfragemöglichkeiten den Studierenden auch zeitunabhängig ermöglicht werden, z. B. durch E-Mail oder Chat.
  • Stellen Sie Ihre Präsentation, das Skript oder gesammelte Ergebnisse, die während einer synchronen Veranstaltungen entstanden sind, wie z. B. eine Mindmap oder ein Flipchart, danach auf Moodle ein.
  • Stellen Sie verschiedene Lernmedien zur Verfügung, die unterschiedliche Sinneskanäle ansprechen (Zwei Sinne Prinzip): Audio, Video und Text.

4. Barrierefreie Online-Materialien:

  • Dokumente sollten eine klare Struktur aufweisen, damit diese von Screenreadern ausgewertet werden können.
  • Verwenden Sie serifenlose Schriften, z. B. Arial oder Calibri, da diese leichter lesbar sind.
  • Achten Sie sowohl bei Dokumenten als auch bei Power Points auf den Kontrast: Am besten weißer Hintergrund und schwarze Schrift.
  • Bilder und Grafiken sollten hochauflösend sein, damit diese auch stark vergrößert erkennbar sind.
  • Beschriften bzw. beschreiben Sie zusätzlich, was auf Abbildungen und Grafiken zu sehen ist.
  • Texte nicht kursiv formatieren, stattdessen Hervorhebungen fett markieren.
  • Sie können die Barrierefreiheit Ihrer Dokumente und Präsentationen überprüfen lassen:
    • Bei Word: Überprüfen->Barrierefreiheit überprüfen
    • Bei PowerPoint: Überprüfen->Barrierefreiheit überprüfen
    • Bei Adobe Acrobat Pro: Werkezeuge->Ein-/Ausgabehilfe->sekundäre Werkzeugleiste->vollständige Prüfung/Prüfung der Barrierefreiheit

Wichtig: Viele dieser Tipps sind nicht nur hilfreich und wichtig für Studierende in besonderen Lebenslagen, sondern kommen meist allen Studierenden zugute.

Grafik (Nelly Schipke): Barrierefreiheit – Digitale Lehre

Weiterführende Informationen finden Sie unter folgenden Links:

Beratung von der HWR: Studium mit Behinderung oder chronischer Erkrankung:

https://www.hwr-berlin.de/studium/beratung/studium-mit-behinderung-oder-chronischer-erkrankung/

Beratung Barrierefrei Studieren vom studierendenWERK BERLIN:

https://www.stw.berlin/beratung/beratung-barrierefrei-studieren.html

Leitfaden zur Erstellung barrierefreier Dokumente von Nadine Sohn (TH Köln):

https://www.th-koeln.de/mam/downloads/deutsch/hochschule/profil/lehre/leitfaden_barrierefreie_dokumente.pdf

Quellen:
https://www.uni-stuttgart.de/universitaet/aktuelles/dokumente/Handreichung2.0_WS20_21_Studierende-in-besonderen-Lebenslagen.pdf
https://www.uni-marburg.de/de/universitaet/administration/verwaltung/dezernat3/projekte/vd-1/barrieren-in-online-lehrveranstaltungen-reduzieren-empfehlungen-fuer-lehrende.pdf
https://www.uni-rostock.de/storages/uni-rostock/UniHome/Vielfalt/Handlungsempfehlungen_barrierefreie__digitale_Lehre_-_Inklusive_Hochschule.pdf
https://www.uni-frankfurt.de/89474324/Didaktische_Hinweise_für_mehr_digitale_Barrierefreiheit.pdf?
https://www.th-koeln.de/mam/downloads/deutsch/hochschule/profil/lehre/leitfaden_barrierefreie_dokumente.pdf
https://helpx.adobe.com/de/acrobat/using/create-verify-pdf-accessibility.html

 

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Bildquellen

  • Barrierefreiheit – Digitale Lehre: Nelly Schipke
  • Bild Barrierefreiheit: Nelly Schipke