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BlendIT im Gespräch mit der FH Wien: Blended Learning – eine (didaktische) Herausforderung?

Stefanie Quade 10 Oktober 2016 No Comment
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Didaktische Verzahnung Blended Learning an der HWR – Screenshot Video www.bachelor-business-blended.de/

Das BlendIT Team der HWR Berlin traf sich mit der FH Wien zum Thema didaktische Verzahnung und Herausforderungen von Blended Learning. Vom Start des BlendIT Pilotprojekts in der Konzeptphase bis hin zur didaktischen Aufbereitung und technischen Umsetzung haben Susanne Mey, Björn Lefers, Robert Dabitz und Stefanie Quade ihre Erfahrungen in dem virtuellen Treffen geteilt. Irmgard Fallmann von der FH Wien berichtet als Gastautorin von Ihren Eindrücke und teilt Ihre Gesprächsnotizen mit uns:

Blended Learning – das Konzept ist absolut nicht neu, seit vielen Jahren werden im Hochschulsektor Möglichkeiten zur örtlichen und zeitlichen Flexibilisierung von Studienprogrammen diskutiert. Die Fachcommunity beschäftigt sich mit der spannenden Frage, wie es gelingen kann, Online- und Präsenzphasen didaktisch sinnvoll zu verknüpfen und somit den Lernprozess unserer Studierenden optimal zu begleiten. Die fortschreitende Digitalisierung macht die Umsetzung von Blended Learning Szenarien zunehmend leichter. Kollaboration kann beispielsweise mit Google Apps oder Office365 einfach ermöglicht werden, für die Umsetzung des virtuellen Klassenzimmers steht gute Software zur Verfügung, die die Angst vor Webinaren nimmt. Die Inhaltsvermittlung mittels Lernvideos ist technisch leicht realisierbar. Man denke z.B. an Screencasting-Software , mit deren Hilfe Lehrende sehr schnell ihre Inhalte in ein passendes Videoformat transferieren und den Studierenden verfügbar machen können (hier ein Artikel dazu von Björn Lefers).

Aber ganz so einfach ist es dann doch nicht. Es gibt eine Reihe an Komponenten, die es zu berücksichtigen gibt, um Blended Learning Programme in hoher Qualität einführen und an Hochschulen nachhaltig zu verankern zu können. Oft ist es hilfreich, über den eigenen Tellerrand zu blicken und im Austausch mit KollegInnen von anderen Bildungseinrichtungen neue Impulse für das eigene Tun zu erlangen. Die Plattform eteaching.org kann für Inspiration sorgen. Dort habe ich auch den Bericht über den Studiengang „Business Administration“ im Blended Learning Format der HWR Berlin gelesen und bin mit Stefanie Quade über das Thema der Verzahnung von Online und und Präsenz im Blended Learning in Kontakt getreten. Wir haben einen Termin für einen virtuellen Erfahrungsaustausch via Adobe Connect vereinbart. Das Gespräch hat mich in vielem, was wir bei uns bereits tun, bestärkt, hat mir wiederum vor Augen geführt, dass die Probleme und Herausforderungen zum Thema Blended Learning/ Digitalisierung in allen Bildungseinrichtungen ähnlich sind und mir auch viele neue Ideen gegeben.

Hier einige zentrale Punkte aus meinen Gesprächsnotizen unseres virtuellen Treffens:

  • Wesentlich für den nachhaltigen Erfolg von Blended Learning Initiativen ist eine strategische Verankerung auf Ebene des Hochschulmanagements.
  • Blended Learning setzt neugierige und experimentierfreudige Lehrende voraus. Das klassische Konzept der Inhaltsvermittlung muss überdacht werden, neue Methoden und Tools müssen ausprobiert werden. Damit geht ein Kulturwandel der Lehr- und Lernkultur einher, wovon Studierende und Lehrende gleichermaßen betroffen sind. Wie in jedem Change-Prozess muss auch hier Durchhaltevermögen, Ausdauer und die Bereitschaft, als Fehlern zu lernen, gezeigt werden. Nicht alle didaktischen Innovationen werden unmittelbar bei der erstmaligen Umsetzung auf positive Rückmeldung stoßen. Vieles muss eventuell in einem zweiten Durchgang überdacht und verbessert werden.
  • Der Fokus auf das Constructive Alignment ist wesentlich: sind die Methode, die Learning Outcomes und die Assessmentformen stimmig? Höhere Selbststeuerung des Lernprozesses bedarf eventuell auch anderer Assessmentformen. So können beispielsweise klassische Abschlussklausuren durch Portfolioprüfungen ersetzt werden.
  • Blended Learning erfordert personelle und zeitliche Ressourcen. Die Digitalisierung von Lernressourcen ist zeitaufwändig. Das Redesign von Studienplänen und der Didaktik muss gut durchdacht sein und bedarf einer mittel- bis langfristigen Planung.
  • Blended Learning braucht entsprechende Support-Strukturen. Ein Beratungsteam aus TechnikerInnen und MediendidaktikerInnen sollte die Lehrenden unterstützen – so wie in dem BlendIT Pilotprojekt an der HWR Berlin. Das Support-Team stellt die passenden Tools zur Verfügung, unterstützt die Lehrenden bei der Erstellung von Lernressourcen und gibt Hinweise zum didaktischen Design. Die konkrete Inhaltsentwicklung erfolgt somit direkt im Hochschulkontext.
  • Blended Learning bedeutet einen hohen Initialaufwand in der Vorbereitung und je nach didaktischen Design auch in der Abhaltung der Lehre. Die Hochschulen sind gefordert, Anreizsysteme zu gestalten, die Lehrende zu mehr Online-Lehre motivieren. Zudem stellt sich die Frage, wie Online-Lehre entlohnt werden kann und welche Vergütungsmöglichkeiten es für die Ersterstellung von Blended Learning Veranstaltungen (Konzeption und Content-Entwicklung) geben kann. Bei der Abhaltung der laufenden Lehre muss überlegt werden, in welchem Umfang Online-Lehre auf das Lehrdeputat anrechenbar ist.

Zu diesen und weiteren Fragen haben wir uns bei unserem Online-Meeting im September 2016 ausgetauscht und erkannt, dass wir zu vielen der Themen schon sehr klare, in der Praxis bewährte Ansätze gefunden haben, einige Themen aber noch offen sind und sich aus dem Gespräch gleichzeitig auch neue Themenfelder ergaben.

Fazit: auch wenn der Begriff „Blended Learning“ schon beinahe antiquiert erscheinen mag, so bleibt es doch immer noch spannend und herausfordernd, dieses einfach klingende Konzept zu didaktisch sinnvollen Lernumgebungen auszugestalten.

Danke nochmals an das BlendIT Team der HWR Berlin für den gelungenen Austausch.”

Mag. Mag. (FH) Irmgard Fallmann

Leitung Kompetenzzentrum eLearning
FH Wien der WKW

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