Die Sicht Studierender auf die plötzliche Online-Lehre

In diesem Beitrag soll es um die Studierendensicht zu der aktuellen Situation gehen. Hier berichten Studierende von Ihren Erfahrungen der nun gestarteten Online-Lehre.

Studierende/-r aus dem Bachelorstudiengang Business Administration

Als Studierende des FB 1 muss ich ehrlich gestehen, dass ich mich zu Beginn dieses Semesters überfordert fühle. Neben den ganzen Auswirkungen, die die Pandemie in meinem beruflichen und privaten Leben bewirkt, habe ich besonders in der Uni das Gefühl, dass es noch sehr viele offene Fragen gibt. Zunächst habe ich mich darauf gefreut, einmal die Erfahrung machen zu können, online zu studieren. Lustige Zoom-Meetings mit den Dozenten, eigene Zeiteinteilung und Unterricht in Jogginghose vom Schlafzimmer aus - war zumindest meine Wunschvorstellung. Jedoch musste ich ziemlich schnell realisieren, dass das ganze eher ein Semester voller Selbststudium und Deadlines wird. Viele der Lehrenden haben direkt zu Beginn des Semesters schon klargestellt, dass sie ausschließlich Dokumente auf Moodle hochladen werden und dem System der Onlinelehre via Adobe Connect, Skype etc. nicht einmal eine Chance geben werden.

Neben diesen Dozenten gab es dann noch solche, von denen man bis heute nichts persönlich von gehört hat. Zwar haben sie teilweise schon ihre Unterlagen in Moodle hochgeladen, jedoch ohne ein Statement dazu abzugeben.

Mein persönlicher Favorit unter den Dozenten ist die Sorte, die sich tatsächlich Mühe geben. Ich rede hier nicht von der Sorte, die via Zoom etc. unterrichten (was ich persönlich jedoch als beste Strategie empfinde), sondern die Lehrenden, die probieren, sich an die aktuelle Situation anzupassen und den Kontakt mit den Studierenden aktiv halten. Solche Lehrenden schätze ich sehr wert, da gerade in solch verwirrenden und unklaren Zeiten es umso wichtiger ist, in ständiger Kommunikation zu stehen.

Da bisher noch nicht abzusehen ist, ob vielleicht sogar das ganze Semester online stattfinden wird, würde ich jedem Studierenden zwei Dinge empfehlen:

1. Holt euch einen Kalender! Zwischen all den Deadlines, Projektarbeiten und Klausuren kann man schnell den Überblick verlieren. Um nicht zu verzweifeln wie ich es tat, besorgt euch einen Wandkalender und organisiert euch euren neuen Alltag, legt feste Lernzeiten fest und plant auch genug Pausen ein.

2. Kommunikation! Und dabei rede ich nicht nur von verzweifelten Emails um 23 Uhr an eure Dozenten. Statt immer dann eine Mail zu schreiben, wenn ihr eine einzelne Frage habt, sammelt euch lieber pro Lerneinheit alle eure Fragen zusammen und verschickt diese dann wöchentlich. Damit macht ihr die Sache für eure Lehrenden um einiges einfacher, da diese dann nicht täglich mit unzähligen einzelnen Fragen bombardiert werden.
Des Weiteren ist es nun auch umso wichtiger, den Kontakt mit anderen Studierenden zu halten (natürlich aktuell nur virtuell). Tauscht euch aus, erstellt WhatsApp Gruppen zu euren Kursen und seid für einander da, denn gerade jetzt ist es umso wichtiger, dass alle am selben Strang ziehen.

Studierende/-r aus dem Masterstudiengang Nonprofit Management und Public Governance

Für fast alle ist diese neue Situation kaum zu überblicken. Nicht nur im Privaten hat diese Krise einige Probleme oder Veränderungen mit sich gebracht, sondern es lassen sich auch massive Auswirkungen auf das Studium erkennen.

Nun der Blick auf den Semesterstart, einige Tage zuvor trudelten die ersten mageren Informationen rein. “Leider ist das alles nicht zu überblicken”, “Wir stehen vor einigen Schwierigkeiten”, etc. - zumindest gab es mal ein Lebenszeichen von dem einen oder anderen Dozierenden. Die meisten allerdings schweigen. Sollte es nicht zumindest klar sein, welche Lernziele es für den Kurs gibt? Oder eine kurze Vorstellungsrunde? Ein klitzekleines Signal, ob die Vorlesungen so stattfinden werden, wie es im Stundenplan angezeigt wird? Zumindest etwas Kommunikationen mit den Studierenden? Auch wir sind betroffen von dieser Situation und wir sind am Ende diejenigen, die Wissen erwerben möchten und einen Abschluss erhalten wollen. Doch weiterhin, Informationen sind in dieser Zeit ein rares Gut.

pixabay license

In meinem Studiengang haben sich schon eigene Initiativen entwickelt. Beispielsweise sammeln wir in einem gemeinsamen Dokument, welche Tools für die Online-Lehre geeignet sind und auch, für welchen konkreten Kurs das anwendbar wäre. Welche Themen nun in dieser Zeit besonders spannend wären für uns oder auch, wo weiterführende Informationen zu dem oder dem anderen Konferenzdienst zu finden sind. Wir versuchen schon aus eigenem Antrieb heraus, zu brainstormen und vor allem auch, um das Gefühl zu haben, selbst tätig werden zu können. Denn uns fragt ja sonst niemand, was wir uns eigentlich wünschen oder wie wir uns das Ganze vorstellen?! Die Unwissenheit über die Abläufe und den Inhalten ist zermürbend. Die Meinungen meiner Kommilitonen zwischen “Lieber hätte ich das Semester geschoben” bis “Na zumindest geht das alles weiter” teilen sich knapp in 50:50 auf. Auch wir sind uns nicht einig.

 

Generell ist deutlich geworden, dass wir uns insbesondere Kommunikation wünschen - nicht nur mit den Dozierenden, sondern auch die Möglichkeit sich im Kurs auszutauschen. Davon lebt dieser Studiengang. Wünschen würden wir uns außerdem, dass die Anforderungen an den Kurs, aber auch an mögliche Leistungserbringungen an die entsprechende Situation angepasst werden. Eine wohlwollende Beurteilung mit geeigneter Leistungsform (z.B. Hausarbeit statt Klausur) würde ggf. Druck herausnehmen. Je nach dem ob es mit der entsprechenden Prüfungsordnung vereinbar ist. Es ist nämlich auch für Studierende, die normalerweise Vollzeit in Präsenz lernen, nicht einfach, plötzlich alles ins Digitale umzustellen. Nicht nur die Uni, sondern auch das Privatleben und die Freizeit sind davon betroffen. Demnach ist es fast unmöglich, genauso produktiv und konzentriert wie in einem Semester mit interaktiver Präsenzlehre mit ausreichenden Erholungs- und Freizeitmöglichkeiten zwischendurch zu sein. Und zuletzt wäre eine etwas abwechslungsreichere Gestaltung des Kurses wünschenswert. Nicht nur trockene Fachtexte lesen zu müssen, sondern auch die Verwendung anderer Medien, wie Videos oder interaktive Lehrmaterialien. Bitte verlangen Sie keine unmenschlichen Lesemarathons von uns.

Auch wir sind keine Roboter und wissen, dass diese Situation für Lehrende absolut herausfordernd ist. Andererseits wünschen wir uns ebenso Verständnis in diesen Zeiten.

Wie geht es anderen Studierenden in dieser besonderen Situation? Erzählen Sie von Ihren Erfahrungen, geben Sie den Lehrenden ein konstruktives Feedback.

 

One thought on “Die Sicht Studierender auf die plötzliche Online-Lehre

  1. Marcus Birkenkrahe

    Finde ich sehr gelungen – vielen Dank von einem Lehrenden für die offene Berichterstattung. Zum Thema “Sammeln von Infos”, schlagen Sie doch auch den nur mittel-aktiven Dozierenden vor, ein FAQ-Forum einzurichten. Spart viel Email. Selbst wenn so der Kontakt nicht in Echtzeit abläuft, ist doch wenigstens eine Verbindung hergestellt, bei der die Gruppe ansprechbar ist. Wenn alles nur in 1:1 Begegnungen zerfällt, ist es nicht viel wert. Trotzdem ist das Motto des Corona-Semesters “moderiertes Selbststudium” – der Schwerpunkt liegt auf dem “Selbststudium”, die Moderierung (durch Lehrende ist zwar nicht optional, aber methoden- und ergebnisoffen gemeint). Der Gedanke ist, dass ein solches Semester in jedem Fall besser ist als ein völlig verlorenes (stimmt sicherlich) – und in vielen Fällen (nach dem was ich von Studierenden höre) auch fast so gut wie die Präsenz. Sicherlich haben Sie aber Recht, die Bandbreite der Erfahrungen ist groß…was in der Präsenzlehre aber auch nicht wirklich anders ist, nicht wahr? Insgesamt bin ich super positiv überrascht, sowohl von den guten Ergebnissen der Studierenden (alle allein von zu Hause erbracht), als auch vom durchgängig spürbaren Enthusiasmus, den Teilnehmendenzahlen usw. Weiter so!

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


CAPTCHA-Bild
Bild neu laden