E-Learning – Erlebnisse aus dem Uni-Alltag

E-Learning, das ist die „Unterstützung von Lernprozessen durch den Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologien“ (s. auch). In dieser Definition stecken gleich mehrere Stichworte, die ich im Folgenden kurz erläutern möchte.

Die Unterstützung von Lernprozessen

E-Learning sollte unterstützend wirken. Als ein Hilfsmittel für Lehrende und Studierende, vereinfachend, optimierend, die Effizienz des Lernens erhöhend!

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Quelle: People & Ideas (Stand 11.11.14)

Immer größere Mengen an Informationen, Zahlen, Daten und Fakten gilt es in möglichst kurzer Zeit zu bewältigen, die konsequente Nutzung von Plattformen, wie z.B. „Moodle“, hebt die Bindung der Vermittlung dieses Wissens an einen fixen Ort auf. Die Entwicklung immer leistungsfähigerer mobiler Geräte (Smartphones, Tablets, Ultrabooks etc.) hat eine Evolution vom E-Learning zum Mobile-Learning eingeleitet.

Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologien
Kommunikation bedeutet den Austausch von Informationen. Austausch beinhaltet ein Geben und Nehmen, also mindestens zwei Parteien. Im Idealfalle fände also im Rahmen des E-Learnings ein reger Austausch zwischen Lehrenden und Lernenden, ähnlich dem in sozialen Netzwerken statt.

Im Uni-Alltag läuft das aber anders ab:

Seit einem knappen Jahr studiere ich an der HWR-Berlin, vorher war ich bereits einige Semester an einer anderen Hochschule eingeschrieben und ich möchte wirklich nicht für mich beanspruchen, dass meine Erfahrungen mit dem „E-Learning“ repräsentativ sind. Bei mir hat sich allerdings immer mehr der Eindruck verfestigt, „E-Learning“ funktioniert nicht! Jedenfalls nicht so, wie es das könnte.

Ein wenig wirkt es so, als würden sich die Lehrenden dagegen sträuben, moderne Medien zu verwenden, und damit meine ich nicht nur die „Alte Garde“. Teils wird auf Folien geschrieben, die dann auf dem Overhead-Projektor landen, das fühlt sich dann ein bisschen an wie früher in der Schule. Die Abgabe von Hausarbeiten läuft selbstverständlich von Hand ab, auf Papier, im Büro. Manches Mal kommen am Sonntagabend noch schnell ein paar Rundmails, mit den Vorlesungsfolien (Power Point) der letzten Woche, die man sich dann wenigstens ausdrucken kann. Aber da endet die Nutzung moderner Medien auch schon wieder. Die Rolle, die das E-Learning bisher in diesem Studium für mich gespielt hat, ist mehr als gering.

In aller Regel gibt es in jeder Veranstaltung immer neue Stapel mit Arbeitsmaterialien, teils dutzende Kopien pro Studierendem. Manches Mal rennt ein Lehrender in der Pause schnell zur „Vervielfältigung“ hinunter in den Kopierraum, weil die Blätter wieder nicht gereicht haben. Kaum ein Lehrender stellt seine Vorlesung im Nachhinein als digitale Version zur Verfügung – ganz davon abgesehen, dass das auch im Vorfeld sinnvoll sein könnte. Aber warum auch? Das würde ja dafür sorgen, dass der Studierende in der Veranstaltung zuhören und mitdenken und sich einbringen könnte, anstatt halbe Romane an Mitschriften zu verfassen!

Aussagen wie „Moodle? Das nutze ich nicht!“ oder „Damit habe ich mich noch nicht auseinander gesetzt!“, die auch von einigen der jüngeren Lehrenden zu hören sind, sind ein Indiz dafür, dass hier ein erhebliches Defizit besteht. Ein Defizit nämlich zwischen dem, was sein sollte, sinnvoll wäre, gar notwendig, auch um als Hochschule im internationalen Vergleich bestehen zu können, und dem, was die Realität ist, Rückständigkeit beim E-Learning.
Warum das so ist, warum E-Learning für viele Studierenden kaum mehr als ein Synonym für das Online-Abrufen der Noten ist, das kann ich nicht beantworten. Aber für mich ist ganz klar, hier muss sich dringend etwas ändern.

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6 Gedanken zu „E-Learning – Erlebnisse aus dem Uni-Alltag

  1. Klare Ansage, Herr Herweg! Aber es muss die Freiheit für unterschiedliche Formen geben. Die Präsenzlehre hat auch Vorteile, weil Sie reiche Medien der Kommunikation nutzt: 5 Sinne, gegebenenfalls 6. Ich nutze beispielsweise ein eigenes Lehrbuch (Papier), wie dies etwa in den USA üblich ist, die Abbildungen kann sich jeder herunterladen und die Lehre wird unterstützt durch einen Videoblog (Selected Management Videos). Keine Revolution, aber immerhin. Nun habe ich eine neue Idee: Powerpoint-Folien vom Smartphone mobil präsentieren (das klappt mit AppleTV bereits) und Studierende dazu animieren, eigene Ergebnisse drahtlos in der Lehrveranstaltung einzubringen – wie das geht, weiß ich noch nicht, aber vielleicht hat jemand eine Idee!

  2. susannemey

    Lieber Herr Müller,
    können Sie Ihr Anliegen “Studierende dazu animieren, eigene Ergebnisse drahtlos in der Lehrveranstaltung einzubringen…” noch etwas spezifieren? Meinen Sie damit, dass Studierende bspw. live abstimmen (dann wäre u.U. die Abstimmungsfunktion in Moodle eine Option) oder sollen die Studiernenden eigene Arbeiten über den Beamer (warum unbedingt drahtlos?) zeigen können? Wir denken gern mit nach!

  3. Als Dozent erkenne ich die geschilderten Verhaltensweisen: so habe ich vor Jahren auch gearbeitet: Vervielfältigung in letzter Minute, Kopierangst usw. – aber da hatten wir Moodle und Co. noch nicht. Wenn Leser, die dort noch nicht angekommen sind, dies lesen: Rettung ist nah! — Zugleich schätze ich Hans-Erichs Plädoyer für das gedruckte Wort. Klar: Papier ist und bleibt eine wichtige Option. Der Dozent soll eben nur eine bewusste, begründete Entscheidung für oder gegen E-Learning-Methoden treffen, das wünschen wir uns. Zumal moderne Lehrmethoden – Lernen durch Lehren (LdL) nach Jean-Pol Martin, Problem-Based Learning (POL) usw.- dem Lernenden einen immer wichtigeren Platz geben: mit dieser Verantwortung wächst die Notwendigkeit, neue, flexible Lehrmethoden einzusetzen oder zumindest zur Kenntnis zu nehmen. Am Besten in Absprache und im Dialog mit Studierenden! — Zu Apple TV (oder ChromeCast, selbe Leier, andere Firma): Präsi vom Smartphone ist kein Problem. Mehr als ein Trend, schon ein Phänomen, siehe hier. Zu neuen Lehrmethoden im Onlinekontext schreibe ich auch auf meinem Blog.

  4. Hans-Erich Mueller

    Mobiles Präsentieren ist nicht nur elegant (“cool”), es kann auch “Lernen durch Lehren” fördern – soweit klar. Aber einige Steine sind noch aus dem Weg zu räumen: a ) Technik. Im hausinternen WLAN Eduroam funktioniert es nicht, nur im alten 101er Netz. Beamer in den Räumen sind zwar inzwischen oft mit Lautsprechern ausgerüstet, nicht aber mit HDTV Anschlüssen. Man kann sich zwar mit einem Zwischenstecker von VGA auf HDMI für 17Euro behelfen, aber ist das stabil? b) Apple wirbt stark für Multimedia_Inhalte mit seinen Geräten an Schule und Hochschule, es kann indes nicht richtig sein, Akteure durch eine Markenwahl auszuschließen. Oder ist das kein Problem? Kann Moodle als Plattform dieses Feld besetzten? Gut, dass es eLerner an dieser Hochschule gibt – ein Leuchtturm in stürmischer See!

  5. Marco André Gut

    Wahrscheinlich liegt es an meinem Studienfach (Wirtschaftsinformatik), aber ganz so schlimm zeichnet sich das Bild der Lehrenden im Umgang mit ELearning in meinen Modulen zum Glück nicht ab. Eine kleine Eigenrecherche in meinen letzten 3 Semestern hat ergeben, dass min. 3/4 meiner Dozenten bei Moodle zumindest in Form von pdf ihre Vorlesungen dokumentiert hatten. So weit ich mich erinnere konnte man diese fast immer vor den Vorlesungen abrufen und war somit, wenn man denn wollte, immer gut vorbereitet.
    Aber natürlich muss ich dir im allgemeinen vollkommen Recht geben, dass es noch viel ungenutztes Potenzial in diesem Bereich gibt. Gerade wenn man sich die vollkommen brachliegende Möglichkeit des Gamifications-Ansatzes betrachtet. Hier wäre doch sicher noch einiges möglich!

  6. Tom Rudelt

    Hi Robin,

    erstmal Lob an dich sehr guter Artikel.
    Dennoch muss ich mich Marco anschlißen. Wie du vielleicht weißt studiere ich an der HTW Umweltinformatik im 3. Semester und habe dort eigentlich sehr gute Erfahrungen im Bereich Elearning gemacht. Das mag auch an meinem Studiengang liegen oder an Eigeninteresse spiezieller Profs aber an der HTW gibt es eigens für meinen Studiengang (alle Semester) eine eigene “Lernplattform” namens BUI-Forum. Natürlich liefert diese Seite nicht alle Möglichkeiten die Moodle bietet (Spiele, Tests usw.), aber dennoch ermöglicht sie den Lehrenden in Austausch mit den Studierenden zu stehen und Ihnen z.B. Materialien und Nachrichten zukommen zulassen. Also die Basics, die ein Student meiner Meinung nach benötigt. Ich denke, dass die Flut an Möglichkeiten die Moodle bietet viele Lehrende schlichtweg überfordert und einschüchtert, sodass Sie die Vorteile die Moodle bietet übersehen. An diesem Punkt müssen wir Ihnen als Elearningteam zur Seite stehen und Ihnen auch zeigen was wir als Studenten von Moodle wollen. Denn ganz ehrlich die ganzen Spielereien brauche ich nicht wirklich….

    Liebe Grüße

    Tom

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