eLearning zwischen Vision und Alltag

… so lautete der Titel der diesjährigen Jahrestagung der Gesellschaft für Medien in der Wissenschaft, deren Gastgeber bei schönstem Wetter die Goethe Universität Frankfurt am Main war.

Was sind nun die Visionen und was ist gelebter Alltag im eLearning an Universitäten und Hochschulen? Trendthema in diesem Jahr sind ganz klar die MOOCs. Zu den Massive Open Online Courses gab es einen PreConference Workshop, mehrere Vorträge und Poster. Es wurde diskutiert, welche Potentiale dieses Format für die Hochschulen bietet und welchen didaktischen Herausforderungen sich die Anbieter von MOOCs stellen müssen.

Die Tagung wurde eröffnet mit einer Keynote von Dr. Larry Johnson vom New Media Consortium (NMC), Mitherausgeber des Horizon Reports. Er präsentierte in seinem lebendigen Vortrag die Ergebnisse der aktuellen Horizon Studie. Demnach, und das bestätigt den Eindruck auch auf dieser Tagung, beschäftigen sich die eLearning Akteure aktuell mit MOOCs, Mobile Apps und Tablet Computing sowie didaktischen Methoden wie Flipped Classroom. Für die kommenden Jahre werden nach Ansicht des Konsortiums Themen wie Augmented Reality, Games and Gamification, The Internet of Things und Learning Analytics in den Fokus rücken.

Die Themen „mobile Applikationen“ und „tablet computing“ wurden, ganz im Sinne von Horizon, ebenfalls in mehreren Beiträgen aufgegriffen. Die Universität Augsburg hat im Rahmen ihrer UniPAd Studie untersucht, inwieweit die Nutzung mobiler Geräte Einfluss auf die Gestaltung von formellen und informellen Lernumgebungen hat und welche neuen didaktischen Ideen sich hierbei verwirklichen lassen. Hierfür wurden iPads an Studierende zur Exploration der tatsächlichen Nutzung dieser Geräte ausgegeben. Erste Untersuchungsergebnisse zeigen, dass die Tablets eher zur Klärung studien-organisatorischer Fragen genutzt wurden. Für das bewusste Lernen im engeren Sinne spielte das IPad eine eher untergeordnete Rolle. Ob das an fehlenden didaktischen Ansätzen liegt, wird in der Fortführung der Studie untersucht. Problematisiert wurde in dem Zusammenhang auch die unzureichende Explikation des Begriffs „Persönliche Lernumgebung“ (zum Begriff der PLE). Es lohnt sich die Studie weiter zu verfolgen.

An der ETH Zürich wurde eine App mit dem Namen EduApp entwickelt, um Aufmerksamkeit und Interaktion in Vorlesungen zu verbessern. Hierfür waren bereits so genannte Clickersysteme (classroom response systems) als Hardwarevariante im Einsatz, was jedoch teuer und logistisch kompliziert war. Für eine App Entwicklung sprachen die Überlegungen, Smartphones zu nutzen, die die Studierenden sowieso stets mitführen und die gleichzeitige Integration weiterer Services zu ermöglichen. Die entwickelte App, die optisch ansprechend aussieht, enthält vier Funktionsbereiche: Information zum Stundenplan, Navigation am Campus (Raumplanung mit GPS Funktion), Clicker und zwei kursbasierte Feedbackkanäle, mit denen auf microblogging Ebene Rückmeldung gegeben werden kann.  Die App steht als IOS und Android App zur Verfügung, große Teile des Quellcodes sind offen, so dass die App von anderen Hochschulen angepasst verwendet und weiterentwickelt werden kann.

Nicht unerwähnt möchte ich lassen, dass in diesem Jahr der Medieneinsatz und der Einfluss von eLearning in die Forschungslandschaft und  damit auch die Möglichkeiten von verstärkter Verzahnung der Bereiche Forschung und Lehre diskutiert wurden. So gab es beispielsweise einen interessanten Beitrag von Prof. Dr. Eva Seiler Schiedt von der Universität Zürich zum Thema „Digitale Medien als Brücken zwischen Forschung und Lehre“, in dem auch Ergebnisse des PreConference Workshops aufgegriffen wurden.

Auch das Educamp Format hielt Einzug in das GMW Programm und so ergaben sich spontane Sessions zu Themen, die vor Ort zusammengetragen wurden.

Es gab weitere interessante Beiträge, von denen ich zwei herausgreifen und in gesonderten Artikeln mehr Platz einräumen möchte. Das ist zum einen die Methode der „Footprints of Emergence“, die es Lehrenden und Lernenden gleichermaßen ermöglicht, Lernprozesse strukturiert zu erfassen und zu evaluieren. Zum anderen möchte ich eine weitere App „MobiDics“ vorstellen, die einen didaktischen Methodenkasten für Lehrende enthält.

Abschließend möchte ich festhalten, dass studiumdigitale – das eLearning Center der Uni Frankfurt – ein sehr guter Gastgeber war. Die Konferenz war kurzweilig, spannend und es gab genügend Raum und Zeit, um auch zwischen den Programmpunkten untereinander ins Gespräch zu kommen. Die Beiträge können auf den GMW Tagungsseiten  abgerufen werden. Die meisten Aufzeichnungen sind inzwischen auch online.

Katja Drasdo

Ergänzende Links:
https://www.facebook.com/TheNMCHorizonProject
Twitter: #NMCHz

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