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Interaktive Inhalte mit H5P jetzt noch intuitiver erstellen

Lisa Rosenbaum 8 Juni 2017 2 Comments


Was zur Hölle ist „H5P“? Eine Abkürzung, die erstmal abschreckt, weil sie noch weitestgehend unbekannt ist. Zwar wurde in diesem Blog schon von diesem Plugin berichtet (Moodle wird immer interaktiver – neue Aktivität H5P), trotz dessen hat es meiner Meinung nach noch nicht die Verbreitung erfahren, die es verdient. Warum ich H5P nicht mehr missen möchte und warum es meines Erachtens viel größere Wellen schlagen sollte, werde ich in diesem Artikel darlegen.

Was steckt denn nun hinter „H5P“?

H5P bietet die Möglichkeit, interaktive Inhalte zu erstellen. Durch Registrierung auf deren Webseite oder durch das Installieren des Plugins auf Moodle, WordPress oder Drupal kann man H5P nutzen. Die interaktiven Inhalte umfassen Tests, Präsentationen, Visualisierungen und vieles mehr. Es gibt eine grobe Einteilung in folgende vier Kategorien: Spiele, Multimedia, Fragen und Social Media. Alle Inhalte sind open source, d.h. für jedermann/jederfrau zugänglich sowie kostenlos. Erstellte H5P-Inhalte lassen sich einfach teilen, weiter bearbeiten und verbreiten. Zudem ist H5P sehr bedienerfreundlich und setzt kein technisches Vorwissen voraus.

Was macht „H5P“ so besonders und für mich unverzichtbar?

Für mich ist es definitiv die Bedienungsfreundlichkeit! Ich persönlich bin überhaupt kein IT-versierter Mensch und war heilfroh, als ich auf H5P gestoßen bin. Ich hatte mich als studentische Hilfskraft durch verschiedenste Moodle-Angebote gekämpft und das war alles andere als intuitiv: Für den Moodle-Test sowie für Moodle-Spiele wie „Wer wird Millionär?“ oder „Schlangen und Leitern“ muss man Fragen in der Fragensammlung eines Moodle-Kurses erarbeiten, auf die die Angebote dann zurückgreifen. Hat man sich einmal eingefuchst, geht dieser Weg irgendwann leichter von der Hand. Trotzdem möchte ich an dem kurzen Beispiel eines Lückentexts zeigen, dass H5P sehr viel einfacher zu bedienen ist:

  • In der Moodle-Fragensammlung muss folgendes notiert werden:
    • Die unterste Ebene des Modells bilden die {1:SHORTANSWER:=Grundannahmen#Korrekt}.
  • Bei der H5P-Funktion „Fill in the Blanks“ wird hingegen folgendermaßen formuliert:
    • Die unterste Ebene des Modells bilden die *Grundannahmen*.

Auf den ersten Blick fällt schon auf, dass die Erstellung eines Lückentexts mit H5P wesentlich simpler und intuitiver ist. Ich möchte jedoch hinzufügen, dass die beiden Angebote nicht vollständig miteinander vergleichbar sind: Bei „Fill in the Blanks“ von H5P ist es so, dass die Teilnehmenden die angezeigten Lücken mit selbst formulierten Wörtern füllen müssen. In der Moodle-Fragensammlung wird diese Art der Lückenfüllung noch dadurch ergänzt, dass auch aus verschiedenen, vorgeschlagenen Lückenfüllern ausgewählt werden kann. (Folgende Codierung für diese Art der Lücke: Derartige Einflüsse finden {1:MULTICHOICE:%0%bewusst#Leider falsch~=unbewusst#Korrekt} statt.)

Permanente Weiterentwicklung und einfache Kontaktaufnahme bei H5P

Ein weiterer großer und nicht zu verschweigender Vorteil von H5P ist, dass das Plugin fortlaufend weiterentwickelt und ergänzt wird. Ursprünglich als eine Antwort auf eine öffentliche Ausschreibung der norwegischen Regierung angefangen, gewinnt H5P auch international immer mehr an Popularität. Auf der offiziellen Webseite (H5P.org) kann man sich schnell sowie kostenlos anmelden und dann Kommentare oder Foreneinträge verfassen. Aus eigener Erfahrung werden jegliche Beitrage innerhalb von wenigen Tagen kompetent von H5P-Entwicklern beantwortet. Das heißt, hat man irgendeine Funktion nicht vollständig verstanden, einen Fehler in der Bedienung entdeckt oder eine Idee für neue Inhalte oder Inhaltserweiterungen kann man diese auf der Webseite unkompliziert kommunizieren. Des Weiteren kann man über viele Wege dabei helfen, H5P weiterzuentwickeln und zu verbessern (Open-Source-Software voranbringen — auch wenn du nicht programmieren kannst!).

Neuerscheinung: H5P Content Type Hub

Vor einigen Wochen kam eine tolle neue Funktion heraus: der Content Type Hub. Dieser Hub macht es nun noch einfacher und intuitiver, mit H5P zu arbeiten. 

  • bessere Übersicht: jeder Inhalt hat nun ein eigenes Symbol und wird mit Namen sowie Beschreibung angezeigt
  • Inhalte lassen sich nun über den Namen oder Schlagwörter über die Suchleiste suchen
  • vor der Auswahl eines Inhaltstyps kann man sich Screenshots, Beispiele und eine längere Beschreibung ansehen
  • es gibt zu jedem Inhalt ein bis zwei Beispiele
  • es wurden viele deutsche Übersetzungen ergänzt

H5P: Kein Allheilmittel

Bei allen Vorteilen hat natürlich auch H5P seine Nachteile: Besonders wenn es um Tests geht, muss man sich im Vorhinein Gedanken darüber machen, was man mit den Tests erreichen will. Hat man zum Ziel, den Teilnehmenden ein Angebot zu bieten, mit dem sie sich selber überprüfen können und den Stand ihres bisherigen Lernerfolgs einzuschätzen, und genügen einem die Fragetypen Drag and Drop, Drag Text, Mark the Words, Fill in the Blanks und Multiple Choice, dann ist H5P durch seine Bedienerfreundlichkeit vorzuziehen. Will man jedoch wissen, wie die Teilnehmenden bei einem Test abgeschnitten haben, wer teilgenommen hat und wie viel Zeit benötigt wurde, dann führt kein Weg an dem Moodle-Test vorbei. Zudem bietet die Fragensammlung in Moodle einige Fragetypen mehr als das H5P  (bspw. Zuordnungsfragen, Wahr/Falsch-Fragen und numerische Fragen).

H5P: Ein Ausblick

Das H5P-Plugin und besonders der neue Content Type Hub bieten Lehrenden, die nicht viel Zeit in ihren Moodle-Auftritt investieren wollen oder können, eine einfache Alternative zu den sonstigen Moodle-Angeboten. Die Einarbeitung in H5P braucht weder viel Zeitaufwand noch informationstechnologisches Genie. Es ist jedoch herauszustellen, dass H5P-Fragetypen bzw. das Question Set eher dazu geeignet sind, als Selbst-Kontrollen für die Teilnehmenden zu fungieren. Im Hinblick auf das BlendIT-Projekt und die damit verbundene 50%ige Onlinelehre (Das Beste aus zwei Welten – BlendIT !) ist allerdings ebenfalls auf andere H5P-Funktionen wie Interactive Video hinzuweisen, die sämtliche Inhalte auf Moodle mit Hilfe von eingespielten Fragen oder zusätzlichen Informationen interaktiver machen können.

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2 Gedanken zu „Interaktive Inhalte mit H5P jetzt noch intuitiver erstellen“

  1. birkenkrahe sagt:

    Sehr spannend fand ich, deine Einschätzung in Bezug auf Bedienungsfreundlichkeit zu hören. Ich arbeite seit einiger Zeit mit H5P und bin auch begeistert – lediglich das „broadcasting“ (interaktive Inhalte im Präsenzunterricht mit dem ganzen Kurs bearbeiten zu können) fehlt mir – playposit.com hat das z.B. Aber ist auch nicht so schlimm. Und meine Studierenden haben mittlerweile auch eigene H5P Inhalte erstellt & scheinen keine Schwierigkeiten zu haben. Sehr gut finde ich diesbezüglich die Tutorials von H5P selbst. Was die Quiz-Fragen anbetrifft, hast Du Recht – gute Fragen zu entwickeln, dauert und braucht Erfahrung. Wer meine Beispiele mal sehen mag: h5p.org/user/125353 – Feedback erwünscht!

  2. Lisa Rosenbaum sagt:

    Die Tutorials, die H5P bereitstellt, sind wirklich klasse! Da gebe ich dir vollkommen Recht. Besonders die fortwährende Weiterentwicklung macht H5P so interessant, da es ständige Verbesserungen und neue Möglichkeiten gibt.

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