Konferenz-Tools im Test

An unserer Hochschule, der HWR Berlin, stand man vor dem Problem, Praktikanten/innen außerhalb Berlins und im Ausland zu betreuen. Sie sollten Support bei Fragen und Problemen erhalten, die bei  ersten Erfahrungen in der Arbeitswelt auftreten. Weiterhin war die Idee, dass zwar ein Dozent unterstützend (als Supervisor) dabei ist, aber nicht die Haupttätigkeiten übernimmt, sondern dass sich die Studenten gegenseitig Hilfestellung leisten d.h. eine Art von Intervision.

Daraus ergab sich das Problem, dass ca. 30-40 Teilnehmer und ein Dozent zeitgleich online kommunizieren wollten. Zur Auswahl standen Alternativen wie Skype und Adobe Connect, um nur einige Beispiele zu nennen.

Warum nicht Skype?
Skype stellte sich relativ schnell als ungeeignet heraus, da eine Konferenz mit mehr als zwei Teilnehmern kostenpflichtig ist. Ein weiterer Nachteil ist, dass es keine 3D-Umgebung (Stichwort virtuelles Klassenzimmer) wie zum Beispiel Second Life und Adobe Connect hat. Der Vorteil dieses virtuellen Klassenzimmers liegt auf der Hand. Die Teilnehmer bekommen das Gefühl sich wöchentlich einmal zu treffen bzw. zu „sehen“. Auch wenn es nur die Avatare sind. Das führt zu Teamgeist und einem Zusammengehörigkeitsgefühl.

Warum nicht Adobe Connect?
Nimmt man Adobe Connect genauer unter die Lupe, stellt man fest, dass hier virtuelle Klassenzimmer möglich sind. Allerdings ohne 3D-Umgebung. Es gibt einen abgetrennten Raum, wo sich die entsprechenden Teilnehmer treffen und auch Dokumente oder ähnliches für den Kurs bereitgestellt werden können.  Das virtuelle Klassenzimmer lässt sich nur mit der Adobe Connect Pro Version realisieren. Nachteil ist, dass die Adobe Connect Pro Version kostenpflichtig ist. Es gibt drei verschiedene „Pakete“. Um das oben genannte Problem umsetzen zu können (Konferenz mit ca. 30 Teilnehmern), bleibt nur das letzte Paket „Pay-Per-Use“ übrig, bei dem 0,32$ pro Minute und Nutzer gezahlt werden muss. Dann können Konferenzen mit bis zu 500 Teilnehmern ermöglicht werden. Da der Kurs 90 Minuten geht, betrügen die Kosten 28.80$ pro Person für eine Konferenz. Damit scheidet Adobe Connect Pro auch aus. Damit bliebe nur die Standardversion von Adobe Connect übrig.

Vorteile von Second Life®
Der große Vorteil von Second Life im Gegensatz  zu Skype und Adobe Connect ist, dass die Nutzung kostenfrei ist, viele Nutzer für eine „Konferenz“ unterstützt werden und es eine grafische 3D-Oberfläche gibt, die den Nutzern das Gefühl gibt, tatsächlich in einem Klassenraum zu sitzen. Daher fiel die Wahl auf Second Life. Es wurde eine eigene HWR Berlin Welt programmiert, auf der verschiedene Räume und Tools zur Verfügung stehen, um eine Vorlesung zu gestalten.  Grundsätzlich ist es jedem möglich diese Welt zu betreten, sich umzuschauen und zu unterhalten.  Die erstellten Räume können nur Avatare (Figuren der Teilnehmer) betreten, die eine Einladung erhalten haben und es können auch nur diese HWR-Avatare hören (Voice) und lesen (Chat), was in den Räumen besprochen wird.

AuditoriumVirtuelles 3D Klassenzimmer
Einer dieser beschriebenen Räume ist zum Beispiel das „Auditorium“, der „normale Klassenraum“. Hier gibt es eine Leinwand, die genutzt werden kann, um eine Präsentation darzustellen. Außerdem stehen am Rand Stühle für die Studenten, um das Klassenzimmergefühl zu unterstützen. In der Mitte des Raumes steht ein Tisch mit Stühlen, der für Diskussionsrunden gedacht ist.

Des Weiteren gibt es ein Klassenzimmer „Group Space“, in dem verschieden farbige Tische und Stühle stehen. Diese dienen der Gruppenarbeit. Dabei setzen sich die Mitglieder einer Gruppe zusammen an einen Tisch und können dort ihre Aufgaben bearbeiten. Alles bleibt innerhalb der Gruppen, andere Avatare können nicht stören oder zuhören.

Opinionator: mit den Füßen abstimmen
Ein Tool für Umfragen gibt es auch. Dazu wird im Chat oder per Voice eine Frage oder Aussage formuliert, die mit „Ich stimme voll zu“ bis „Stimme absolut nicht zu“ zu beantworten ist. Das Tool ist eine Fläche mit 5 Sektoren. Diese stehen für die möglichen Antworten „Ich stimme voll zu“, „Ich stimme zu“, „Ich bin neutral“, „Ich stimme nicht zu“ und „Ich stimme überhaupt nicht zu“. Jeder Avatar (also jeder Kursteilnehmer) geht nun in den entsprechenden Sektor, um die Frage / Aussage zu beantworten. Second Life berechnet dann die Häufigkeiten der Antworten und stellt diese in der Mitte als Kreisdiagramm dar.

Dies sind nur einige Möglichkeiten, Second Life als Lehrmethode einzusetzen.

Im Endeffekt bleibt es Geschmackssache für welche Variante man sich entscheidet. Wenn man die Tools von Second Life nicht benötigt oder nicht nutzen möchte, bietet Adobe Connect eine sehr gute Alternative.

Der Kurs der HWR Berlin in Second Life
Der Kurs wurde an der HWR Berlin folgendermaßen organisiert: Aufgrund der Zeitverschiebung, werden wöchentlich zwei Sessions in Second Life angeboten. Einmal mittags 12.15 Uhr und 19.45 Uhr. Die Studenten/innen sind verpflichtet wöchentlich an einer dieser Sessions teilzunehmen. Dort werden am Anfang ein paar Themen diskutiert, die das Arbeitsleben betreffen, wie zum Beispiel “Assertivness”. Nach einigen Wochen, wenn sich alle “eingelebt” haben, beginnen die Präsentationen der Praktikant/innen über ihr Praktikum und die Firma, in der sie arbeiten. Außerdem gibt es wöchentlich eine Diskussion außerhalb der Second Life Welt in Moodle. Dort wird eine Frage gestellt, die die Studenten/innen beantworten sollen. Dabei geht es beispielsweise um Fragen zum “Dresscode” und “Was habe ich bisher gelernt”. Hier gibt es weitere Informationen zum aktuellen Kurs.

Meine Aufgabe als Tutorin ist es, die Studenten/innen bei technischen Problemen zu unterstützen. Hin und wieder kommt es vor, dass es Probleme mit dem Mikrofon oder dem Sound gibt. Außerdem führe ich am Anfang des Semester “Trainings Sessions” mit den Studenten/innen durch, um sicher zu stellen, dass sie sich in Second Life zurecht finden und wissen in welchem Raum, die “Vorlesung” stattfindet. Außerdem sollen sie im Training lernen, wie sie ihren Avatar steuern und was sie überhaupt alles machen können.

Meine Erfahrungen mit Second Life sind durch weg positiv, da es meiner Meinung nach relativ leicht zu bedienen ist und man trotzdem das Gefühl bekommt, tatsächlich in einem Klassenraum zu sitzen. Das beste Beispiel dafür war in der ersten Session, in der sich die Studenten/innen wiedergetroffen haben. Sie kannten sich schon aus dem Studium und von daher war die Freude riesig sich “wieder zu sehen”. Auch wenn es genau genommen nur ihre Avatare waren, aber das hat dabei keine Rolle gespielt. Die beiden Studentinnen,  schienen tatsächlich das Gefühl zu haben, sich gegenüber zu stehen. Dies wäre in Adobe Connect unmöglich gewesen und somit bin ich der Meinung, Second Life war bzw. ist die perfekte Wahl, um diesen Kurs so umzusetzen.

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3 Gedanken zu „Konferenz-Tools im Test

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