Formatieren von wissenschaftlichen Arbeiten – LaTeX in einfach?

Für mich und sicherlich für viele andere Studierende ein stets aktuelles Thema: Mehrfach im Semester sollen wissenschaftliche Arbeiten verfasst werden - mehr oder weniger umfangreich.
Ich möchte euch über meine Erfahrungen beim Verfassen dieser Dokumente berichten.

Besonders aufwendig ist dabei zumeist die Formatierung nach Uni spezifischen Richtlinien, wie beispielsweise die Vorgaben der HWR-Berlin zum Verfassen von Praxistransferberichten.

Möglichkeiten der Textverarbeitung

Um die Formatvorgaben umzusetzen, stehen im Grunde zwei Möglichkeiten zur Verfügung: Ein normaler Texteditor mit dem WYSIWYG-Prinzip („What You See Is What You Get“) oder die Trennung von Inhalt und Formatierung. Dabei funktionieren Texteditoren wie Word oder Libre Office nach ersterem Prinzip.
Bei der freien, quelloffenen LaTeX Plattform wird nicht direkt im formatierten Dokument gearbeitet, sondern eine einfache Textdatei geschrieben. In dieser sind alle Format- und Designvorgaben durch Befehle textlich vermerkt. Das ist besonders vorteilhaft bei umfangreichen Formatierungen.

LaTeX Einrichtung

Leider findet LaTeX nur sehr selten Anwendung.
Die erste Hürde beim Wechsel ist oft schon die Installation einer passenden Software mit allen benötigten Paketen.
Mit der komplizierten Installation geht ebenso ein hoher Aufwand einher. Daran bin ich selbst gescheitert: Es kostet einfach viel Zeit eine LaTeX Umgebung personalisiert einzurichten

- und auf mehreren Geräten parallel erst recht.

Alternative: Overleaf

Einen perfekten Kompromiss bietet die Plattform overleaf.com. Sie stellt einen Online LaTeX Compiler zur Verfügung und erspart damit die Installation jeglicher Software. Nach der Registrierung kann direkt begonnen werden. Später lassen sich die Projekte auf jedem Endgerät einfach abrufen.

Beispieldokument auf Overleaf.com

Am linken Rand werden die hochgeladenen Dateien angezeigt. Die main.tex stellt die eigentliche LaTeX Textdatei dar. Der Inhalt ist unter Source im linken Teil abgebildet. Hier sind verschiedene LaTeX Befehle grün dargestellt. Auf der rechten Seite wird die kompilierte PDF-Vorschau des Endproduktes dargestellt, so dass in der Browser-Umgebung alle benötigen Elemente auf einer Seite vorhanden sind.

Warum jetzt nochmal LaTeX?

LaTeX bietet unzählige Darstellungsmöglichkeiten. Aufgrund der freien Umgebung lässt sich alles granular an die  eigenen Bedürfnisse anpassen.
Die teilweise aufwendig erstellten Formatierungen oder Layouts lassen sich kompromisslos wiederverwenden und sind völlig unabhängig von Änderungen im Text.
Datenbestände aus Literaturverwaltungssoftware lassen sich leicht mit BibLaTeX einbinden. Bereits erfolgreich genutzt habe ich z.B.  Zotero, Citavi und Mendeley.
Bilder oder mehrseitige Anhänge, die mir in Word stets Probleme bereitet haben, sind einfach in das Layout des Dokuments integrierbar.

Die große Community hilft beim Lernen und Verwenden der Umgebung. Nahezu alles lässt sich nach einer kurzen Websuche umsetzen. Ist dies nicht der Fall, so gibt es Hilfe in Foren wie TeX.

Ob für schnelle Aufgaben oder komplexe Arbeiten; Ich nutze LaTeX mittlerweile für alle formellen Dokumente.
Zu guter Letzt sehen LaTeX Dokumente immer richtig schick aus, glaubt mir. 😉

Loslegen!

Zum Ausprobieren kann ich overleaf.com sehr empfehlen. Für die normale Verwendung ist der kostenlose Account völlig ausreichend.
Für den offline Gebrauch hat sich der Tex Maker bewährt.

Bildquellen

2 Gedanken zu „Formatieren von wissenschaftlichen Arbeiten – LaTeX in einfach?

  1. Ausgezeichneter Hinweis – overleaf.com muss ich mir auch gleich angucken. Ich habe (als Physiker) eigentlich alle meine Abschlussarbeiten in LaTeX geschrieben und war damit immer super-glücklich. Die Trennung von Inhalt und Form ist bei markup-Programmen wie LaTeX deutlich und kommt m.E. dem Inhalt auch zugute. Und wenn man mathematische Formeln darstellen will oder Diagramm intelligent einbinden möchte, gibt es nichts Besseres. Aus der Dozentensicht kann ich auch sagen, dass der Eindruck, den LaTeX hinterlässt, immer positiv ist – ein solches Abschlussdokument wirkt unmittelbar professioneller. Der Inhalt steht natürlich dennoch im Vordergrund, aber wer das Lesen vereinfacht, tut sich einen Gefallen.

  2. Jochen Heller

    Das ist in der Tat ein toller Tipp! Für mich ist es zwar bequemer, LaTeX auf dem Rechner zu nutzen. Aber die Idee ist hervorragend und eben, wie hier angeregt, eine sehr gute Altednative zum Einstieg.
    Dazu lohnt sich nebenbei das Buch von Schlosser “Wissenschaftliche Arbeiten schreiben mit LaTeX”.
    Wenn die Installation von LaTeX unter Windows so kompliziert ist (hätte ich gar nicht gedacht, glaubte ich doch, mit MikTeX – https://miktex.org/howto/install-miktex – wäre das gar kein Problem), dann zeigt sich wieder der Riesenvorteil, sich in der Linux/Unix-Welt zu bewegen. Darin ist das die Eingabe eines kurzen Befehls und das System ist fertig installiert.
    In jedem Fall kann ich nur zustimmen: LaTeX macht die schönsten Texterzeugnisse, nebenbei lernt man nützliches zu Satzgestaltung und Typographie und wenn die Arbeit ansprechend aussieht, wird der Blick wohlwollender und zählt nur noch der Inhalt und nicht der Ärger über eine schlecht lesbare Buchstabenwüste.

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