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Plagiate – Wenn aus einer Schummelei eine Straftat wird

Lina Mey 2 Februar 2018 2 Comments

Plagiate sind ein mysteriöses Feld. Über kaum ein anderes Thema wird sich derartig dramatisch geäußert in den Medien; namenhafte Autoren, Doktoren und Nobelpreisträger sollen abgeschrieben haben. Trotzdem hat schon fast jeder selbst einmal plagiiert, teils mit der Intention möglichst schnell und einfach eine Arbeit zu schreiben, teils aus Versehen und ohne Kenntnis, selbst gerade ein Plagiat zu produzieren. Was Plagiate sind, welche häufigen Fehler dabei unterlaufen, welche Konsequenzen danach drohen und wie Plagiate mittlerweile einfach mithilfe Plagiatserkennungssoftwares detektiert werden können – darum soll sich dieser Artikel drehen.

Abb. 1: copy paste (Quelle: Tim Barthel auf flickr, CC BY-SA 2.0)

Was ist überhaupt ein Plagiat?

 

Pla|gi|at, das, Substantiv

pla|gi|ie|ren, schwaches Verb

 

Als Plagiat wird die Übernahme von fremdem geistigen Eigentum bezeichnet, dazu zählen allerdings nicht nur abgeschriebene Textstellen, sondern auch Übersetzungen fremdsprachlicher Texte und allgemein geklaute fremde Ideen wie Fotoaufnahmen, Filme, Tonaufnahmen und Ähnliches. Selbst längere Textstellen, welche verändert und nicht als solche gekennzeichnet wurden, werden zu den Plagiaten gerechnet. Ohne Kennzeichnung der Quellen ist dies geistiger Diebstahl, welcher gegen das Urheberrecht verstößt und mit weitreichenden Konsequenzen geahndet wird. Dabei ist die Verwendung von fremden Ideen und Zitaten legitim, sogar in der Wissenschaft gebräuchlich und notwendig, nur die Nennung des Urhebers muss unbedingt erfolgen. Im diesen Sinne ein Zitat der Ludwig-Maximilian-Universität zu Plagiaten:

„Von Plagiat spricht man, wenn Ideen und Worte anderer als eigene ausgegeben werden. Dabei spielt es keine Rolle, aus welcher Quelle (Buch, Zeitschrift, Zeitung, Internet usw.) die fremden Ideen und Worte stammen, ebenso wenig, ob es sich um größere oder kleinere Übernahmen handelt oder ob die Entlehnungen wörtlich oder übersetzt oder sinngemäß sind.“

Ludwig-Maximilian-Universität (LMU)

Warum Plagiate entstehen und die häufigsten Fehler beim Zitieren

Zitieren ist also das Grundprinzip des wissenschaftlichen Arbeitens und somit unabdinglich in wissenschaftlichen Arbeiten wie Haus-, Bachelor- oder Masterarbeiten. Wenn Studierende plagiieren, dann steckt meist keine böse Absicht dahinter, sondern eher eine fehlende Kenntnis über wissenschaftliches Arbeiten. Wie zitiere ich richtig, wie kennzeichne ich direkte und indirekte Zitate, was passiert bei einer Paraphrase und muss ich bei einer Übersetzung auch den Urheber nennen? – Diese und weitere Fragen stellen sich viele Studierende, die zum ersten Mal wissenschaftliche Arbeiten schreiben. Werden diese Fragen falsch oder gar nicht beantwortet, kommt es öfter zu Plagiaten. Bei Unsicherheiten also lieber nochmal nachlesen, zum Beispiel hier und zur Sicherheit mit dem Betreuer absprechen.

Doch auch im fortgeschrittenen Studium treten dabei noch Fehler auf, hier die häufigsten Stolperfallen beim Zitieren:

  • Ein wörtliches Zitat wird aus der Quelle übernommen, dieses aber nicht als solches, zum Beispiel nur als indirektes Zitat, gekennzeichnet.
  • Es wird falsch paraphrasiert, dabei zum Beispiel Satzbausteine des Autors benutzt oder nur die Synthax geändert.  Besser in eigenen Worten formulieren.
  • Es erfolgt keine Quellenangabe, obwohl paraphrasiert wurde und somit die Ideen aus einer anderen Quelle stammen.
  • Bei der Übersetzung eines fremdsprachlichen Textes wird nicht darauf geachtet die Quelle zu nennen.
  • Zitate aus Sekundärquellen werden verwendet, welche schon dort aus der Primärquelle zitiert wurden. Hier wird nicht ersichtlich, dass nicht die Originalquelle benutzt wurde, die Nennung der Sekundärquelle ist hierbei wichtig.
  • Bei der Verwendung von (nicht allgemeingültigen) fremden Sprichwörtern, Vergleiche und Metaphern muss ebenfalls auf die Quellenangabe geachtet werden.
  • Es wird teilweise Allgemeinwissen und Fachwissen von fremden Autor/innen benutzt. Das Allgemeinwissen muss nicht zitiert werden, das Fachwissen dagegen schon. Die Trennung ist dabei verschwommen.

Ich habe plagiiert, und nun? – Konsequenzen von Plagiaten

Aus den Fehlern beim Zitieren entstehen schnell Plagiate, zum Teil auch unbewusst. Handelt es sich dabei um kleinere Übereinstimmungen, fällt dies meist gar nicht auf. Werden jedoch größere Textstellen übernommen oder stimmt der Stil innerhalb einer Arbeit nicht überein, wird die Lehrkraft schnell aufmerksam. Wenn Plagiate nachgewiesen wurden, wird das mit unterschiedlichen Konsequenzen bestraft. Dabei ist die Bewertung mit der schlechtesten Note und somit das Nicht-Bestehen der Prüfung noch die mildeste Strafe. Bei schwerwiegenderen Plagiaten können die Exmatrikulation, die Aberkennung des akademischen Titels und sogar ein Studienverbot folgen. Da durch Plagiate das Urheberrecht verletzt wird, kann das sogar zur Anzeige gebracht werden und somit als eine Straftat geahndet werden.

Kleine Helferlein – Schnelle Überprüfung von Texten mithilfe von Softwares

Ob ein Plagiat vorliegt oder nicht, können meist Lehrkräfte schnell selbst herausfinden, oft reicht dafür schon eine Suche bei Google aus. Bei einem Verdachtsfall oder als Selbstkontrolle für Studierende können jedoch weiterhin kostenlose und kostenpflichtige Plagiatserkennungssoftwares eingesetzt werden. Diese überprüfen den Gesamttext oder Teile daraus auf Übereinstimmungen aus Internet, Büchern und anderen Werken, welche in einer Datenbank gesammelt sind. Die HWR bietet für Lehrkräfte eine kostenlose Lizenz für den Marktführer turnitin.com an. Bei Interesse melden sich Sie bei dem elearning-Service.

Weiterhin gibt es zahlreiche Angebote für kostenlose sowie kostenpflichtige Alternativen. Kostenlose Anbieter beschränken ihr Angebot jedoch meist auf ein Wörterlimit oder ein Limit der Suchvorgänge, sodass diese eher für kürzere Texte oder Websites geeignet sind. Vorsichtig sollte man bei kostenlosen unseriös wirkenden Websites sein, da diese unter Verdacht stehen, sie zu betrügen bzw. ihre hochgeladenen Texte weiterzuverwenden. Da diese Anbieter sich nicht über Einnahmen finanzieren, veröffentlichen sie meist die eingestellten Texte (meist nach drei Monaten). Dadurch entsteht ein Risiko des Selbstplagiates sowie des Verlustes des Urheberrechts über die eigenen Texte.

Probleme von Plagiaterkennungssoftwares

Selbstplagiate (Hochladen und Speicherung der eingestellten Arbeit von den Softwares, sodass ein erneutes Hochladen derselben Arbeit zu einem vollständigen Selbstplagiat führt, Anzeigen von 100% Plagiat) entstehen jedoch nicht nur bei unseriösen Anbieten, sondern sind auch bei anderen Softwares ein Problem. Generell sollte man deshalb eher vermeiden, die Arbeit mehrmals hochzuladen, außer eine Speicherung wird auf der Website ausdrücklich verneint (turnitin.com speichert die Arbeiten).

Weitere Probleme bei verschiedenen Plagiatserkennungssoftware sind falsche Negative (Plagiate im Text, welche von der Software nicht erkannt werden) und falsche Positive (keine Plagiate im Text, welche als Plagiate von der Software erkannt werden). Die angezeigte Prozentzahl des Plagiats weicht deshalb manchmal erheblich von den eigentlich übereinstimmenden Textstellen ab. Prüfen Sie als Lehrkraft am besten selbst den Report und schließen Quellen und Literaturverzeichnis aus der Analyse aus. Die Entscheidung, ob ein Plagiat vorliegt oder nicht, liegt nicht bei der Software, sondern bei der Lehrkraft.

Die besten (gefundenen) Plagiatserkennungssoftwares

kostenpflichtig:

teilweise kostenlos:

  • PlagScan (Wörterlimit von 2000 Wörtern, einmaliger Suchvorgang)
  • Quetext (Wörterlimit von 500 Wörtern, Limit von drei Suchvorgängen)
  • PlagAware (kostenlos 10 Seiten prüfen, einmaliger Suchvorgang)
  • duplichecker (Wörterlimit von 1000 Wörtern, unbegrenzte Anzahl Suchvorgänge)

Für eine genauere Beschreibung von zwei ausgewählten Plagiatserkennungssoftwares (PlagScan und quetext) schauen Sie bitte auf den OER-Blog der HWR.

Und damit, gutes Gelingen!

Quellen und Literatur zum Weiterlesen

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2 Gedanken zu „Plagiate – Wenn aus einer Schummelei eine Straftat wird“

  1. Klasse Zusammenfassung, die ich im nächsten Semester “Einführung ins Studium” den frischen Erstsemestern sogleich aufs Auge drücken werde. Danke!

  2. …allerhöchstens könnte man hinzufügen, dass die korrekte Quellenangabe vermutlich vom Plagiat abschreckt: Links lassen sich leicht kopieren und hinhauen, aber wenn ein Autorenname, ein Verlag, ein Veröffentlichungsort und ein Datum da stehen, dann sieht es (emotional) schon anders aus – und außerdem führt der Aufwand psychologisch dazu, dass man Quellen anders schätzen lernt. Das könnte man bei diesem Artikel noch verbessern 😉

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