Wie Studierende lernen eigenständig die Folgen wirtschaftspolitischer Maßnahmen abzuschätzen

Prof. Dr. Beate Jochimsen und Prof. Dr. Salmai Qari haben 2015, gefördert durch den Qualitätspakt Lehre, zwei Grundlagenfächer (Statistik & Ökonometrie) zusammen gelehrt, um die Brücke zwischen akademischen Wissen und realen Problemen zu bauen. Anfangs skeptisch, waren die Studierenden schnell begeistert und haben die Kompetenz erlangt, eigenständig die Folgen wirtschaftspolitischer Maßnahmen abschätzen zu können.

Wie sind Sie auf Ihre Idee gekommen und welche Probleme wollten Sie lösen?

Wir haben über die vergangenen Semester beobachtet, dass die Studierenden überhaupt kein Gefühl dafür entwickeln, wie wichtig und hilfreich quantitatives Wissen bei der Beantwortung volkswirtschaftlicher Fragen ist. Gerade für uns als Wirtschaftsfachhochschule sollte es besonders wichtig sein, die Brücke zwischen akademischem Wissen und realen Problem zu bauen – Statistik und Ökonometrie bilden dafür hervorragende Bausteine.

So hat sich der Kern des Projektes herausgebildet, nämlich zu veranschaulichen, wie finanzwissenschaftliche Fragestellungen mit quantitativen Ansätzen bearbeitet werden können.

Was ist das Neue an Ihrem Ansatz?

Die Lehrveranstaltungen „Empirische Wirtschaftsforschung und Grundlagen der Ökonometrie“ und „Grundlagen der Finanzwissenschaft“ sind beide Kernfächer im Bachelorstudiengang VWL. Bisher wurden sie vollkommen getrennt und unabgestimmt nebeneinander her unterrichtet. Da nunmehr das Beherrschen ökonometrischer Methoden nicht nur für den weiteren Verlauf und den erfolgreichen Abschluss des VWL-Studiums, sondern auch für die Lösung vieler praktischer Probleme unverzichtbar geworden ist, haben wir beide Veranstaltungen miteinander eng verzahnt.

Solche Verzahnungen sind aber noch relativ jung, sodass sie sich nicht in etablierten Lehrbüchern der VWL wiederfinden. Deshalb haben wir uns entschlossen, diese Verzahnung mit unseren beiden Veranstaltungen selbst vorzunehmen.

Was waren Ihre Ziele und Erwartungen?

Wir hatten angestrebt, dass die Studierenden die Methodenausbildung nicht mehr als „notwendiges Übel“, sondern als wichtigen Bestandteil ihrer Ausbildung ansehen. Zudem wollten wir ihnen die Kompetenz vermitteln, eigenständig Folgen wirtschaftspolitischer Maßnahmen abschätzen zu können. Denn das macht ja schließlich auch Spaß und den besonderen Reiz unseres Faches aus.

Wie war die Resonanz der Studierenden?

Die Studienreden waren anfangs überrascht, haben dann aber begeistert mitgemacht und sich von uns zu diesem neuen verknüpften Ansatz mitnehmen lassen.

Worin besteht aus Ihrer Sicht der Mehrwert des Projekts?

Der Mehrwert besteht vor allem in der Interdisziplinarität der Herangehensweise, der Stärkung der methodischen und aufgrund der zahlreichen Gruppenarbeiten auch der sozialen Kompetenz der Studierenden sowie der Vermittlung von Neugier und Freude am Fach. Gerade letzteres kommt bei isolierten unabgestimmten Veranstaltungen zu kurz.

Was sind Ihre Lessons-Learned?

Eine Verwebung von Veranstaltungen sollte unbedingt verstetigt werden. Eine einzelne Veranstaltung dieser Art ist eigentlich zu wenig.

Ein Feedback der Studierenden bestand darin, dass sie gern auch innerhalb „normaler“ VWL-Lehrveranstaltungen vermehrt mit Daten arbeiten möchten. Dafür ist eine sehr viel stärkere Ausrichtung unserer IT-Infrastruktur in Richtung „Desktop as a service“ notwendig, damit Software zur Datenanalyse die überall und jederzeit am gesamten Campus zur Verfügung steht.

Die zeitliche Vorbereitung solch abgestimmter auf eigener Forschungsarbeit basierender Lehre war sehr viel aufwendiger als gedacht, da neben der Interdisziplinarität auch noch darüber nachgedacht werden musste, wie Forschungsergebnisse  für die Lehre aufbereitet werden können.

Autor/innen: Prof. Dr. Beate Jochimsen und Prof. Dr. Salmai Qari

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