

{"id":11008,"date":"2015-10-29T10:54:57","date_gmt":"2015-10-29T08:54:57","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.hwr-berlin.de\/elerner\/?p=11008"},"modified":"2018-06-05T12:43:12","modified_gmt":"2018-06-05T10:43:12","slug":"das-dreyfus-modell-die-stufen-der-kompetenzbildung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.hwr-berlin.de\/elerner\/das-dreyfus-modell-die-stufen-der-kompetenzbildung\/","title":{"rendered":"Das Dreyfus-Modell: Die Stufen der Kompetenzbildung"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_11011\" style=\"width: 252px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.flickr.com\/photos\/speakingoffaith\/5567862095\/in\/photolist-9u1Kqk\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-11011\" class=\"wp-image-11011\" src=\"https:\/\/blog.hwr-berlin.de\/elerner\/wp-content\/uploads_elerner\/2015\/10\/5stagemodellofskillacquisition.jpg\" alt=\"5stagemodellofskillacquisition\" width=\"242\" height=\"312\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-11011\" class=\"wp-caption-text\">Quelle: Flickr, On Being ; https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-nc-sa\/2.0\/legalcode; no changes made<\/p><\/div>\n<p>Das Dreyfus-Modell wurde von den Br\u00fcdern Stuart und Hubert Dreyfus entwickelt. Beide Akademiker, Stuart als Mathematiker und Hubert als Philosoph, ver\u00f6ffentlichten 1980 eine Arbeit mit dem Namen &#8222;A Five-Stage Model of the Mental Activities Involved in Directed Skill Acquisition&#8220;. Frei \u00fcbersetzt &#8222;Ein 5-Stufen-Modell der mentalen Aktivit\u00e4ten beim Erwerb von Fertigkeiten&#8220;. Wie der Name schon andeutet, besch\u00e4ftigt sich das Modell damit, wie Lernende durch formale Regeln und Erfahrung F\u00e4higkeiten erlernen k\u00f6nnen. Dabei durchlaufen sie f\u00fcnf voneinander abzugrenzende Stadien: Anf\u00e4nger, Kompetenter, Profi, Experte und Meister.<\/p>\n<p><!--moreWeiterlesen--><\/p>\n<p><strong>Anf\u00e4nger<\/strong><\/p>\n<p>Der Lernprozess beginnt damit, das Lernumfeld in kontextfreie Merkmale zu zerlegen, die der Anf\u00e4nger erkennen kann ohne dass er daf\u00fcr Erfahrung in dem Umfeld ben\u00f6tigt. Diese Merkmale werden auch nichtsituationsbedingte Merkmale genannt. Anschlie\u00dfend werden dem Lernenden Regeln an die Hand gegeben, um auf Basis der Merkmale Handlungen zu bestimmen. Um sich zu verbessern, m\u00fcssen diese Handlungen beobachtet werden, sei es Selbst\u00fcberwachung oder anweisendes Feedback. Dadurch wird sein Handeln mehr und mehr regelkonform. Ein Sch\u00fcler, der eine Sprache lernt, kann als Anf\u00e4nger betrachtet werden, wenn er phonetische Regeln kennt um Ger\u00e4usche zu produzieren. Diese m\u00f6gen ihm sinnlos erscheinen, wenn er sie jedoch in den richtigen Situationen von sich gibt, erh\u00e4lt er sinnvolle Resultate.<\/p>\n<p><strong>Kompetenz<\/strong><\/p>\n<p>Kompetenz kann nur erlangt werden, wenn der Lernende schon einige, reale Situationen gemeistert hat, in denen er bedeutende, wiederkehrende Muster gelernt hat. Diese situationsbedingten Muster, durch die der Sch\u00fcler sein Umfeld n\u00e4her kennenlernt, sind nicht mehr die kontextfreien Merkmale des Anf\u00e4ngers. Sie erm\u00f6glichen es ihm, sein Vorgehen im Vorhinein zu planen und Routine zu erlangen. Durch wachsende Erfahrung ist er in der Lage, flexibel auf Aufgaben einzugehen. Der Sprachsch\u00fcler hat Kompetenz erlangt, wenn er nicht l\u00e4nger sinnlose Ger\u00e4usche h\u00f6rt und produziert, sondern kurze S\u00e4tze wahrnimmt, die in den richtigen Situationen Effekte aufgrund deren Sinn hervorrufen.<\/p>\n<p><strong>Profi<\/strong><\/p>\n<p>Der Profi kann die Situation gut einsch\u00e4tzen und reagiert, indem er unter den einzelnen Arbeitschritten Priorit\u00e4ten setzt. Er ist in der Lage, allgemeine Leitf\u00e4den heranzuziehen und an die momentane Aufgabe anzupassen. Auch erkennt er Abweichungen vom normalem Schema der Situation und kann diese auch bewusst herbeif\u00fchren, wenn es seiner Meinung nach erforderlich ist. Die Risikobereitschaft, Abweichungen herbeizuf\u00fchren und aus diesen zu lernen, unterscheidet den Profi vom Kompetenten. Der Sprachsch\u00fcler ist nun endlich in der Lage, die ganzen verschachtelten S\u00e4tze zu formulieren, die es ihm erm\u00f6glichen, ganze Situationen zu beschreiben und die Sprache f\u00fcr Bitten, Fragen, Befehle usw. zu gebrauchen.<\/p>\n<p><strong>Experte<\/strong><\/p>\n<p>Der Experte verf\u00fcgt \u00fcber ein profundes Verst\u00e4ndnis der Situation und einen reichen Erfahrungsschatz. Er verl\u00e4sst sich nicht mehr allein auf Leitbilder, sondern findet intuitiv die bestm\u00f6gliche L\u00f6sung, da sein Repertoire an erfahrenen Situationen so gro\u00df ist, dass jede m\u00f6gliche Situation schon mit der richtigen Handlung verkn\u00fcpft ist. Er kann auch besondere oder seltene Situationen schnell erfassen und meistern. Au\u00dferdem w\u00e4hlt er einen analytischen Ansatz, wenn er mit einer neuen Problemstellung konfrontiert wird. Nach einiger Zeit, in der der Sprachsch\u00fcler die Sprache auch wirklich im Alltag benutzt hat, reagiert er auf Situation intuitiv mit der richtigen Antwort ohne dabei bewusst Leitbildern geschweige denn Regeln zu folgen.<\/p>\n<p><strong>Meister<\/strong><\/p>\n<p>Nach ihrem Modell gibt es kein h\u00f6heres Level als Expertise. Dennoch f\u00fchren Sie ein letztes Stadium ein: den Meister. Dem Experten ist es m\u00f6glich, bei der Aus\u00fcbung seiner T\u00e4tigkeit Momente zu erfahren, in denen er v\u00f6llig in diesen aufgeht und in der seine Leistung sogar ihr \u00fcblich hohes Level \u00fcbersteigt. Diese Momente k\u00f6nnen nur auftreten, wenn der Experte aufh\u00f6rt bewusst auf seine Leistung zu achten. Dann wird all die mentale Energie, welche vorher in die \u00dcberwachung der Ausf\u00fchrung investiert worden w\u00e4re, nun dazu benutzt, fast augenblicklich in die richtige Handlung einzuflie\u00dfen. Die Gebr\u00fcder Dreyfus sprechen auch von &#8222;Quieting the analytical mind&#8220; also &#8222;Abschalten des analytischen Geistes&#8220;.<\/p>\n<p><strong>Zusammenfassung<\/strong><\/p>\n<p>Je kompetenter der Lernende in der T\u00e4tigkeit wird, umso weniger ist er abh\u00e4ngig von abstrakten Regeln und verl\u00e4sst sich eher auf seine konkrete Erfahrung. Dieser Fortschritt zeigt sich vor allem in der Weise, wie er das Aufgabenumfeld wahrnimmt. Bei dem Umfeld kann es sich um Situationen der Realit\u00e4t handeln, z. B. Auto fahren, oder aber um theoretische Problemf\u00e4lle die gel\u00f6st werden m\u00fcssen, z. B. Aufgaben in einer Klausur. Das Dreyfus-Modell ist n\u00fctzlich, um den Lernfortschritt eines Lernenden festzustellen und darauf aufbauend l\u00e4sst sich auch die beste weiterf\u00fchrende F\u00f6rderung ausw\u00e4hlen. Dennoch ist das nicht nur Lehrenden vorbehalten. Auch jedem Lernenden ist zu empfehlen, seinen eigenen Lernstand anhand dieses Modells zu reflektieren.<\/p>\n<p>Quelle: Dreyfus, Hubert L. and Stuart E. Dreyfus, &#8222;A Five-Stage Model of the Mental Activities Involved in Directed Skill Acquisition&#8220;, ORC-80-2, Operations Research Center, University of California, Berkeley, (1980)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Dreyfus-Modell wurde von den Br\u00fcdern Stuart und Hubert Dreyfus entwickelt. Beide Akademiker, Stuart als Mathematiker und Hubert als Philosoph, ver\u00f6ffentlichten 1980 eine Arbeit mit dem Namen &#8222;A Five-Stage Model of the Mental Activities Involved in Directed Skill Acquisition&#8220;. Frei \u00fcbersetzt &#8222;Ein 5-Stufen-Modell der mentalen Aktivit\u00e4ten beim Erwerb von Fertigkeiten&#8220;. 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