

{"id":13337,"date":"2017-05-09T15:27:26","date_gmt":"2017-05-09T13:27:26","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.hwr-berlin.de\/elerner\/?p=13337"},"modified":"2018-05-25T15:29:17","modified_gmt":"2018-05-25T13:29:17","slug":"management-4-0-du-kannst-mehr-als-du-denkst","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.hwr-berlin.de\/elerner\/management-4-0-du-kannst-mehr-als-du-denkst\/","title":{"rendered":"Management 4.0: Du kannst mehr, als Du denkst!"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_13346\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/pixabay.com\/de\/schachmatt-schach-r%C3%BCcktritt-1511866\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-13346\" class=\"wp-image-13346 size-thumbnail\" src=\"https:\/\/blog.hwr-berlin.de\/elerner\/wp-content\/uploads_elerner\/2017\/05\/Bild-Schach-1-290x290.jpg\" alt=\"\" width=\"290\" height=\"290\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-13346\" class=\"wp-caption-text\">Abb. 1 Jetzt kommt Bewegung in die klassische Strategiefindung. Umfallende Schachfiguren. (Quelle: Pixabay; Lizenz: CC0 Public Domain)<\/p><\/div>\n<p>ein Gastbeitrag von <a href=\"http:\/\/www.hwr-berlin.de\/service\/kontakt\/personen\/kontakt-info\/778\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Hans-Erich M\u00fcller<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Keine Revolution ohne \u00dcbertreibung. Die digitale Transformation macht da keine Ausnahme. Agile Managementmethoden, die in der Welt der Internet-Startups entwickelt wurden, sind angesagt \u2013 auch bei etablierten, bisher planungsdominierten Organisationen. Intuition und einfach Machen feiern ein Comeback. Selbstf\u00fchrung soll die B\u00fcrokratie abl\u00f6sen. Aber kann auf rationale Planung und hierarchische F\u00fchrung wirklich verzichtet werden? \u201eEs kommt darauf an!\u201c, ist die naheliegende, aber nicht hinreichende Antwort. Die Betriebswirtschaftslehre selbst steht auf dem Pr\u00fcfstand.<!--more--><\/p>\n<p>Die Dominanz der rationalen Entscheidungslehre, des Denkens in Modellen und Instrumentenk\u00e4sten, haben Henry Mintzberg und Frances Westley bereits Anfang 2001 aufs Korn genommen: \u201eSometimes decisions defy purely step-by-step logic. To be effective, companies also should embrace intuitive or action-oriented forms of decision making.\u201d <a href=\"https:\/\/selmanclips.com\/2011\/08\/15\/mintzberg-ueber-management-entscheidungen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Management ist eine Praxis<\/a>, die im Kontext entwickelt wird:<\/p>\n<ul>\n<li>\u201eThinking First\u201c, die Anwendung der Wissenschaft zur Analyse und systematischen Beweisf\u00fchrung ist dabei nur eine Perspektive, neben<\/li>\n<li>\u201eSeeing First\u201c, durch Intuition und Weitsicht, und<\/li>\n<li>\u201eDoing First\u201c, etwas machen, damit man lernen kann. Eine formalisierte strategische Planung beispielsweise kann dabei abschreckend sein.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Empfohlen wird, diese drei Perspektiven je nach Kontext zu kombinieren. \u201eThinking First\u201c funktioniert am besten f\u00fcr einen etablierten Produktionsprozess, \u201eSeeing First\u201c f\u00fcr die Entwicklung neuer Produkte und \u201eDoing First\u201c bei disruptiven Technologien.<\/p>\n<p>Auf dieser Grundlage ist der aktuelle Hype um agile Managementmethoden erkl\u00e4rbar. Beim <a href=\"https:\/\/selmanclips.com\/2016\/05\/16\/lean-startup-passt-das-ueberall\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Lean Startup<\/a>, <a href=\"https:\/\/selmanclips.com\/2013\/11\/16\/strategieentwicklung-durch-design-thinking\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Design Thinking<\/a> und <a href=\"https:\/\/selmanclips.com\/2016\/10\/26\/agiles-manifest-nicht-nur-fuer-software-entwickler\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Scrum<\/a> steht die experimentelle, iterative Vorgehensweise im Gegensatz zum herk\u00f6mmlichen Planungsdenken. Vorrang haben Intuition und praktisches Lernen, Bauch besiegt Kopf. So berichtet Christoph Ne\u00dfh\u00f6ver im <a href=\"https:\/\/heft.manager-magazin.de\/MM\/2017\/5\/150750691\/index.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Managermagazin<\/a> vom Mai 2017, dass Manager bei Daimler mit Legosteinen mehr Intuition lernen sollen. \u00c4hnliches tut sich auch bei Airbus, Postbank und der Deutschen Telekom.\u00a0 \u201eLego statt Flipcharts, Murmeln statt Powerpoint: Das Spielerische schafft jene Freir\u00e4ume, die das Unbewusste aktivieren und die Kreativit\u00e4t beleben.\u201c Allein mit Big Data lassen sich keine guten Entscheidungen treffen. Aber Planungsdenken ist damit nicht vom Tisch. Planung kann unter anderem zur Effizienzsteigerung und Risikoverminderung beitragen. Iterative Zyklen machen keinen Sinn, wenn Tests vorab nicht m\u00f6glich und Fehler katastrophal sind. Und Intuition ist mehr als postfaktisches Bauchgef\u00fchl. Etablierte, gro\u00dfe Organisationen \u00fcben sich daher im Spagat zwischen den Perspektiven. Siemens beispielsweise erweitert seine Stage-Gate-Projektplanung durch iterative Zyklen und b\u00fcndelt seine Startup-Aktivit\u00e4ten in einer Einheit <a href=\"https:\/\/www.next47.com\/about-us\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">next47<\/a>, Spezialisten von Volkswagen arbeiten jenseits von Wolfsburg am <a href=\"https:\/\/selmanclips.com\/2016\/10\/07\/agile-managementmethoden-bei-vw\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Digital Lab Berlin<\/a> an neuen Mobilit\u00e4tsservices rund um das vernetzte Fahrzeug. Die Kunst der Strategiefindung besteht daher darin, die Kreativit\u00e4t der Intuition und die Klarheit der Analyse zu verbinden. Man muss wissen, wo man der Intuition trauen kann und wo nicht, und wie man die Vorteile des langsamen, \u00fcberlegten Denkens nutzen kann. Ebenso ist nicht erwiesen, dass <a href=\"https:\/\/selmanclips.com\/2016\/06\/21\/holocracy-mehr-als-heisse-luft\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Selbstf\u00fchrung<\/a> in evolution\u00e4ren Organisationen wirksamer ist. Sie kann mehr Selbstbestimmung bedeuten, aber auch mehr Druck und weniger Effizienz.<\/p>\n<p>Agilit\u00e4t versus Businessplan, selbstf\u00fchrende Teams versus Hierarchie: Die digitale Transformation setzt die Kompetenz gegens\u00e4tzliche Perspektiven zu entdecken und zu bew\u00e4ltigen an die erste Stelle der Managementagenda. Navigieren bei strategischen Spannungen: Darauf zielt auch mein Lehrbuch \u201eUnternehmensf\u00fchrung\u201c, das gerade in der dritten Auflage erschienen ist. Zur\u00fccklehnen also? Dass Lehrb\u00fccher und Vorlesungen, wie es immer noch hei\u00dft, heute nicht mehr reichen, ist bekannt. Die Praxis sieht oft anders aus. Ein Bericht von Marcus Birkenkrahe, Julia Gunnoltz und Boris Goldshteyn \u00fcber das HWR-Projekt <a href=\"https:\/\/blog.hwr-berlin.de\/elerner\/studierende-modellieren-startup-prozesse\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">\u201eStudierende modellieren Startup-Prozesse\u201c<\/a> wirkt wie ein Weckruf. \u201eDie Anwendung der Theorie in der Praxis war besser als jede Fallstudie\u201c, bewertet Lina, Studentin an der HWR, diese Initiative. Intuitive und aktionsorientierte Formen der Entscheidungsfindung k\u00f6nnen mit agilen Managementmethoden hervorragend in der Zusammenarbeit mit echten Startups gelernt werden. Vor diesem Hintergrund wirkt die herk\u00f6mmliche Managementlehre als zu kopflastig. <a href=\"https:\/\/selmanclips.com\/2017\/05\/04\/toeten-schulen-die-kreativitaet\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">\u201eDo schools kill creativity?\u201c,<\/a> ist der Titel eines TED-Videos, das 45 Millionen mal aufgerufen wurde. Sind Hochschulen und andere Organisationen damit auch gemeint? Angehende Mediziner haben Leichen, an denen sie sich praktisch erproben k\u00f6nnen, was hat die Managementlehre? Keine Frage, die Lehrb\u00fccher sind besser geworden, mehr Anwendungsorientierung und Perspektivwechsel, mehr Praxisbeispiele und Videounterst\u00fctzung, mehr Gruppenarbeit, Gamification und Blended Learning, mehr Praxissemester und internationaler Austausch und nun die Zusammenarbeit bei echten Startup-Prozessen. Aber die Suche nach dem richtigen Mix von theoretischer Analyse, Kreativit\u00e4t und praktischem Lernen im digitalen Zeitalter hat gerade erst begonnen.<\/p>\n<p>(Einige Passagen sind entnommen aus \u201ePerspektivwechsel. Strategie im digitalen Zeitalter\u201c. Erscheint in: Supervision, Zeitschrift f\u00fcr Beraterinnen und Berater 2017, Nr. 3)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ein Gastbeitrag von Hans-Erich M\u00fcller &nbsp; Keine Revolution ohne \u00dcbertreibung. 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