

{"id":16403,"date":"2014-11-27T10:18:51","date_gmt":"2014-11-27T09:18:51","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.hwr-berlin.de\/elerner\/?p=16403"},"modified":"2018-10-01T13:59:53","modified_gmt":"2018-10-01T11:59:53","slug":"bessere-beteiligung-und-selbstorganisation-der-studierenden-durch-die-methode-des-aktiven-plenums","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.hwr-berlin.de\/elerner\/bessere-beteiligung-und-selbstorganisation-der-studierenden-durch-die-methode-des-aktiven-plenums\/","title":{"rendered":"Bessere Beteiligung und Selbstorganisation der Studierenden durch die Methode des aktiven Plenums"},"content":{"rendered":"<p>Prof. Dr. Marcus Birkenkrahe hat im Sommersemester 2013, gef\u00f6rdert durch die Qualit\u00e4tsoffensive Lehre, im Studiengang Wirtschaftsinformatik in der Lehrveranstaltung <em>&#8222;Unternehmensmodellierung&#8220;<\/em> durch die Methode des aktiven Plenums die studentische Selbstorganisation angeregt und bessere Lernergebnisse erzielen k\u00f6nnen. Hierzu fand Prof. Dr. Marcus Birkenkrahe im Teamteaching mit Frank Habermann zusammen. Beim aktiven Plenum der Studierenden beraten und entscheiden die Studierenden,\u00a0 wie sie ihre Ideen einbringen und ein Problem kollaborativ l\u00f6sen. <!--more--><\/p>\n<p><strong>Wie sind Sie auf Ihre Idee gekommen?<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>Die Idee, die von Jean Paul Martin entwickelte Methode \u201eLernen durch Lehren\u201d (LdL) einzusetzen, hatte ich bereits seit mehreren Jahren. Vor kurzer Zeit wurde ich dann mit dem sog. \u201caktiven Plenum\u201d bekannt gemacht, dass vor allem von Christian Spannagel im Rahmen der Mathematik Lehrerausbildung weiterentwickelt wurde. Direkte Kenntnis der Methode beruhte bei mir auf Aufnahmen, die Prof. Spannagel und Prof. Martin in ihrem Unterricht gemacht hatten.<\/p>\n<p><strong>Was ist das Neue an Ihrem Projekt im Gegensatz zu bisherigen Lehrpraxis?<\/strong><\/p>\n<p>Die Lehrveranstaltung \u201eUnternehmensmodellierung\u201c ist typisch f\u00fcr die Veranstaltungen des Studiengangs Wirtschaftsinformatik im Hauptstudium: Die 2 SWS Vorlesung und 2 SWS \u00dcbungen waren bislang als sog. \u201cseminaristischer Unterricht\u201d geplant. Sie sollten die Studierenden zum selbstst\u00e4ndigen wissenschaftlichen Arbeiten anleiten und motivieren, z.B. in dem Sie m\u00f6glichst viel diskutieren und ich f\u00fcr sie m\u00f6glichst praxisnahe Projekte definiere, die schriftlichen Ausarbeitungen wie Pr\u00e4sentationen und \u00dcbungsaufgaben moderiere, und die Studierenden in Kleingruppen coache. Der Kurs wurde in Moodle durch Materialien (Pr\u00e4sentationen, Links, Texte usw.) unterst\u00fctzt. Der Lehransatz blieb bislang aber dennoch eher frontal und von mir vorgegeben.<\/p>\n<p>Bei Verwendung der Methode des aktiven Plenums ist neu:<\/p>\n<ol>\n<li>Diskussionen, L\u00f6sen von Aufgaben im Unterricht, Besprechung von vorliegenden L\u00f6sungen und Kurzwiederholungen des Stoffs der vergangenen Woche(n) werden von den Studierenden selbst organisiert, geleitet und durchgef\u00fchrt (anstatt wie fr\u00fcher von mir). Ich initiiere lediglich die Arbeitsabschnitte, stelle erforderliche Materialien bereit, begleite und unterst\u00fctze ggf. die Arbeit von hinten (d.h. die Studierenden in den Rollen Moderator und Schreiber stehen vorne) und leite (jetzt wieder vor der Gruppe) die Diskussionen zur Reflexion der Methode \u201eaktives Plenum\u201c.<\/li>\n<li>Wesentlich mehr Studierende nehmen dadurch an der gemeinsamen Arbeit teil; im Schnitt ist die Beteiligung h\u00f6her; die Arbeitsatmosph\u00e4re ist in der Regel w\u00e4hrend der gesamten Veranstaltung energiegeladen und positiv.<\/li>\n<li>Die Gruppe der Studierenden, die jetzt kontinuierlich mit dem aktiven Plenum lernt, ist der Vergleichsgruppe vom vorherigen Semester um wenigstens einen Monat voraus was die objektiven Ergebnisse betrifft.<\/li>\n<\/ol>\n<p><strong>Was waren die Ziele Ihres Projektes und Ihre Erwartungen?<\/strong><\/p>\n<p>Eigentlich wollte ich nur mehr Selbstst\u00e4ndigkeit der Studierenden und gr\u00f6\u00dfere Beteiligung bei allen \u00dcbungen und Diskussionen erreichen. Ich hatte au\u00dferdem gehofft, die Studierenden zus\u00e4tzlich und anders motivieren zu k\u00f6nnen, weil ich sie offen an einem didaktischen Experiment beteiligte. Ich habe damit in der Vergangenheit immer gute Erfahrungen gemacht, wenn das Experiment gut durchdacht und gut vorbereitet war.<\/p>\n<p>Erst bei der Auseinandersetzung mit den zum Teil unerwarteten Ergebnissen (s.o.) wurde mir klar, dass die Studierenden \u00a0tats\u00e4chlich mehr und nicht nur besser lernen, und als Gruppe mehr leisten k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Unerwartet war der Leistungszuwachs der Studierenden und der Enthusiasmus, mit dem diese Gruppe das aktive Plenum angenommen hat, sowohl was Anwesenheit als auch Performanz anbetrifft.<\/p>\n<p>Unerwartet war ebenfalls, dass ich mich jetzt anders auf den Unterricht vorbereite. Die Materialien treten deutlich in den Hintergrund, w\u00e4hrend die Interaktion und die Nachlese der Interaktion und der Sitzung (die \u00fcber ein Wiki geschieht) in den Vordergrund treten.<\/p>\n<p><strong>Was w\u00fcrden Sie beim n\u00e4chsten Durchlauf ver\u00e4ndern wollen?<\/strong><\/p>\n<p>Ich w\u00fcrde gerne damit experimentieren, Gruppen von Studierenden weitergehende Verantwortung auch f\u00fcr die Vorbereitung und Durchf\u00fchrung und Nachlese, und nicht nur f\u00fcr die Anleitung einer einzelnen Sitzung zu geben, d.h. das LdL Konzept weiterzuverfolgen. Gleichzeitig habe ich angefangen, in der Projektarbeit die von Frank Habermann eingef\u00fchrte Methode des agilen Projektmanagement zu verwenden. Hier bin ich noch etwas unsicher und m\u00f6chte den Einsatz dieser Methode, die ebenfalls gute Ergebnisse zeigt, weiter \u00fcben.<\/p>\n<p><strong>Wo sehen Sie Weiterentwicklungsbedarf und wichtige Rahmenbedingungen f\u00fcr eine nachhaltige Verankerung Ihres Projektes oder der Methode?<\/strong><\/p>\n<p>Um das Projekt und unsere Ergebnisse zu verstetigen, w\u00fcrden wir unsere erfolgreiche Kollaboration unter Lehrenden bekannter machen (Update: geschehen, siehe z.B. Intercampus Workshop unten); um die Methode im Unterricht nachhaltig zu verankern, ben\u00f6tigen wir voraussichtlich noch ein weiteres Semester und einen Kurs mit einem anderen Thema und einer anderen Kohorte. (Update: im SS 2014 erfolgreich im kooperativen Siemens-Studiengang angewendet, also einer ganz anderen Zielgruppe). Durch einen Video-Beitrag von zwei unserer Lehrbeauftragten, Stefanie Quade und Nina Neef, ist die Methode \u201eFlipped Classroom\/Aktives Plenum\u201c auch unter Lehrbeauftragten bekannter geworden (<a href=\"http:\/\/bit.ly\/aktplen\">http:\/\/bit.ly\/aktplen<\/a>).<\/p>\n<p>Ich wende die Methoden \u201eAktives Plenum\u201c und \u201eAgile Methoden\u201c (Habermann) im laufenden Semester (WS 2012\/2013) jetzt auch in MBA-Kursen (Part-Time, ab SS 2013 auch im Full-Time Programm) an, in reduzierter Form (vor allem dem engen zeitlichen Rahmen geschuldet). Bisher werden die Methoden von den Teilnehmer\/innen sehr gut angenommen. MBA-Studierende haben mit der Selbstorganisation weniger Schwierigkeiten und scheinen die virtuelle Gegenwart eines Sparringspartners, der w\u00e4hrend und am Ende von Projektabschnitten kommentiert, zu sch\u00e4tzen.<\/p>\n<p>Allgemein l\u00e4sst sich sagen, dass jede unserer bisherigen Testgruppen das Geschenk der gr\u00f6\u00dferen Verantwortung und des gr\u00f6\u00dferen Handlungsspielraums gerne entgegengenommen hat, vielleicht auch weil die meisten traditionellen, auf \u201cSenden und Empfangen\u201d zugeschnittenen Methoden in dieser Hinsicht einigerma\u00dfen d\u00fcrftig sind.<\/p>\n<p><em>Birkenkrahe bloggt zu LdL:\u00a0<a href=\"http:\/\/bit.ly\/LDLblog\">http:\/\/bit.ly\/LDLblog<\/a><\/em><\/p>\n<p><em>Weitere Quelle zum Aktiven Plenum\/Flipped Classroom: elerner Blog \u2014 <\/em><em><a href=\"http:\/\/bit.ly\/KlassenFlip\">http:\/\/bit.ly\/KlassenFlip<\/a>\u00a0<\/em><em>und Intercampus Workshop 2013: <\/em><a href=\"http:\/\/bit.ly\/flippedWiki\"><em>http:\/\/bit.ly\/flippedWiki<\/em><\/a><\/p>\n<p><em>Beispiel eines Sprint-Plans im Rahmen eines agilen Projekts \u2014 <\/em><a href=\"http:\/\/bit.ly\/SprintPlan\"><em>http:\/\/bit.ly\/SprintPlan<\/em><\/a><\/p>\n<p>Literatur u.a.<\/p>\n<ul>\n<li>Iberer, U.: Das aktive Plenum: Neue didaktische Potenziale einer klassischen Sozialform. In L. Berger, C. Spannagel &amp; J. Grzega (Hrsg.), Lernen durch Lehren im Fokus. Berichte von LdL-Einsteigern und LdL-Experten (S. 87-94). Berlin: epubli, 2011.<\/li>\n<li>Spannagel, C.: Das aktive Plenum in Mathematikvorlesungen. In L. Berger, C. Spannagel &amp; J. Grzega (Hrsg.), Lernen durch Lehren im Fokus. Berichte von LdL-Einsteigern und LdL-Experten (S. 97-104). Berlin: epubli, 2011.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Autor:<\/strong> Prof. Dr. Marcus Birkenkrahe<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Prof. Dr. Marcus Birkenkrahe hat im Sommersemester 2013, gef\u00f6rdert durch die Qualit\u00e4tsoffensive Lehre, im Studiengang Wirtschaftsinformatik in der Lehrveranstaltung &#8222;Unternehmensmodellierung&#8220; durch die Methode des aktiven Plenums die studentische Selbstorganisation angeregt und bessere Lernergebnisse erzielen k\u00f6nnen. Hierzu fand Prof. Dr. Marcus Birkenkrahe im Teamteaching mit Frank Habermann zusammen. 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