

{"id":16435,"date":"2015-03-11T11:16:14","date_gmt":"2015-03-11T10:16:14","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.hwr-berlin.de\/elerner\/?p=16435"},"modified":"2019-03-21T13:22:16","modified_gmt":"2019-03-21T12:22:16","slug":"nicht-mehr-an-rechtsfaechern-im-gehobenen-polizeivollzugsdienst-scheitern-studentische-tutorien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.hwr-berlin.de\/elerner\/nicht-mehr-an-rechtsfaechern-im-gehobenen-polizeivollzugsdienst-scheitern-studentische-tutorien\/","title":{"rendered":"Nicht mehr an Rechtsf\u00e4chern im gehobenen Polizeivollzugsdienst scheitern: Studentische Tutorien"},"content":{"rendered":"<p>Vom Wintersemester 2013\/2014 bis Sommersemester 2015 konnten im Studiengang gPVD (gehobener Polizeivollzugsdienst) am Fachbereich Polizei und Sicherheitsmanagement, gef\u00f6rdert durch die Qualit\u00e4tsoffensive Lehre, Rechtstutorien durchgef\u00fchrt werden. Veratwortlich hierf\u00fcr war Prof. Dr. Michael Matzke.<em><strong><br \/>\n<\/strong><\/em><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><strong>Wie kam es zu Ihrer Idee und Ihrem Ansatz?<\/strong><\/p>\n<p>Anlass f\u00fcr die Konzeption des Rechtstutoriums gab der Umstand, dass es in den Rechtsf\u00e4chern des B.A.-Studiengangs gPVD am FB 5 der HWR Berlin \u00fcberdurchschnittlich viele Klausurversager\/innen gibt, denen die Pr\u00fcfungsordnung nur einen Wiederholungsversuch gestattet. Scheitern betroffene Studierende dabei erneut, sind sie zu exmatrikulieren. Au\u00dferdem entl\u00e4sst sie die Polizeibeh\u00f6rde. Konsequenz f\u00fcr die HWR Berlin sind Nachteile bei den auf den Studienerfolg bezogenen Leistungsvergaben des Landes Berlin.<\/p>\n<p>Ich wollte die bis SS 2013 f\u00fcr die Wiederholer durchgef\u00fchrten Samstags-Wiederholerkurse, die ich f\u00fcr reine \u201eAlibi\u201c-Veranstaltungen hielt, weil dort (anstelle von \u00dcbungen) nur \u00fcber Klausurbearbeitungen gesprochen werden konnte, ersetzen.<\/p>\n<p>Die Tutorien erlauben durch den Einsatz von qualifizierten Studierenden \u201ePeer-Effekte\u201c. Vor allem aber haben die Teilnehmer\/innen Gelegenheit, Klausurbearbeitungen tats\u00e4chlich zu \u00fcben und mittels Korrekturen, Qualit\u00e4tseinsch\u00e4tzungen und Besprechungen ein Feedback zu erhalten.<\/p>\n<p><strong>Was ist das Neue an Ihrem Projekt oder Ansatz im Gegensatz zur vorherigen Lehrpraxis?<\/strong><\/p>\n<p>Neu ist f\u00fcr den Fachbereich erstens die ma\u00dfgebliche Beteiligung von Studierenden als Lehrkr\u00e4fte (in Form von Tutor\/innen) sowie zweitens die Erm\u00f6glichung des \u00dcbens von Klausurbearbeitungen (Schwimmen erlernt man durch Schwimmen und nicht durch das Lesen eines Lehrbuchs \u00fcber Schwimmen). Schlie\u00dflich ist drittens das Tutorium so organisiert, dass alle Lehrkr\u00e4fte (Tutor\/innen und die sie anleitenden Leiter\/innen der Tutorien) den Ablauf der Veranstaltungen gemeinsam konzipieren und bilanzieren und st\u00e4ndig miteinander im Austausch stehen.<\/p>\n<p><strong>Was waren die Ziele des Projektes? <\/strong><\/p>\n<p>In erster Linie wird erhofft, dass die Quote der Durchfaller\/innen sinkt. Sodann soll den Teilnehmer\/innen Furcht vor den Klausuren genommen werden, indem sie \u00dcbungsgelegenheit erhalten und durch die Tutor\/innen motiviert werden, an sich zu arbeiten. Des Weiteren sollen die Tutor\/innen profitieren, indem sie sich fachlich weiter verbessern und Lehr- und F\u00fchrungserfahrungen sammeln. Ferner sollen die Tutor\/innen f\u00fcr andere Studierende \u201eVorbildcharakter\u201c haben und den Leistungswillen st\u00e4rken. Schlie\u00dflich soll der Zusammenhalt unter den Studierenden gest\u00e4rkt werden.<\/p>\n<p>Bis auf das erste Ziel, das mangels empirischer Nachweism\u00f6glichkeit als nicht sicher erreicht einzusch\u00e4tzen ist, sind alle anderen Ziele laut Eigeneinsch\u00e4tzungen der Beteiligten und durchgef\u00fchrter wissenschaftlicher Begleitevaluation erreicht worden.<\/p>\n<p><strong>Wie war die Reaktion der Studierenden auf das neue Konzept?<\/strong><\/p>\n<p>Die Teilnehmer\/innen reagieren auf das Konzept positiv, da die Tutor\/innen sich durch Qualit\u00e4t auszeichnen und \u00fcberzeugen. Gew\u00fcnscht wird von den Teilnehmer\/innen, dass die jeweiligen Leiter\/innen der Tutorien ebenfalls st\u00e4rker pr\u00e4sent sind und sich sowohl bei den Klausurkorrekturen als auch bei den Klausurbesprechungen st\u00e4rker beteiligen.<\/p>\n<p><strong>Worin besteht aus Ihrer Sicht der Mehrwert des neuen Ansatzes?<\/strong><\/p>\n<p>Der Mehrwert der Veranstaltung liegt darin, dass mehrere Effekte zugleich erreicht werden (vgl. oben). Zugleich wird f\u00fcr Dritte, etwa f\u00fcr die Studierendenschaft und der abnehmenden Polizeibeh\u00f6rde, ersichtlich, dass der Fachbereich alles daran setzt, den Teilnehmer\/innen (betroffene Wiederholer\/innen) ein Bestehen der Rechtsklausuren und damit eine Fortsetzung eines erfolgreichen Studiums zu erm\u00f6glichen.<\/p>\n<p>Zus\u00e4tzlich werden die Leiter\/innen der Tutorien veranlasst, \u00fcber ihre eigene Lehre der Klausurvorbereitungen nachzudenken und sie didaktisch zu optimieren, indem im Benehmen mit den Tutor\/innen geeignete \u00dcbungsklausuren ausgew\u00e4hlt werden, \u00dcbungs- und sonstiges Lehrmaterial zur Verf\u00fcgung gestellt wird und auch die Besprechungen sowohl inhaltlich als auch didaktisch reflektiert werden.<\/p>\n<p><strong>Was sind Ihre Lessons-Learned? <\/strong><\/p>\n<p>Basis f\u00fcr die erfolgreiche Durchf\u00fchrung von Tutorien ist die Auswahl qualifizierter und motivierter Studierender als Tutor\/innen. Sodann erscheint mir wichtig, dass die Zeit neben der Klausur\u00fcbung, -korrektur und -besprechung auch dazu genutzt wird, gem\u00e4\u00df den seitens der Teilnehmer\/innen gew\u00fcnschten Schwerpunktsetzungen fachthematische Wiederholungen vorzunehmen, soweit sie tats\u00e4chlich klausurrelevant sind.<\/p>\n<p><strong>Welche Rahmenbedingungen sind f\u00fcr die Nachhaltigkeit des Projekts notwendig?<\/strong><\/p>\n<p>Wichtigste Rahmenbedingung f\u00fcr die Lehrveranstaltung ist die Finanzierbarkeit der Leistungen der Beteiligten (Dozent\/innen und Tutor\/innen). Dazu bedarf es der Ber\u00fccksichtigung der Lehrveranstaltung im Lehrprogramm (bzw. im Studienplan) des Studienganges. Der Kollegenschaft muss klar sein, dass es vornehmes Interesse des Fachbereichs ist, die Durchfallerquoten zu senken oder zumindest alles daf\u00fcr zu tun, dass Wiederholer-Studierende die Chance des Bestehens haben, und zwar nicht durch Absenkung des fachlichen Niveaus der Pr\u00fcfungsanforderungen und\/oder der Leistungsbewertungen, welche Umst\u00e4nde \u00fcber kurz oder lang zum Ansehensverlust des Fachbereichs und der Absolventen bei der Abnehmerbeh\u00f6rde f\u00fchren w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Da die Tutoren \u00fcber den \u201eTopf\u201c f\u00fcr die studentischen Hilfskr\u00e4fte bezahlt werden und somit eine Konkurrenzsituation mit den Kollegen, die Hilfskr\u00e4fte besch\u00e4ftigen (wollen), besteht, muss die Hochschule bzw. der Fachbereich entweder einen Sondertopf f\u00fcr Tutorien bereit stellen oder aber im Fachbereich eine eingehende Diskussion dar\u00fcber stattfinden, wie wir mit Klausurversager\/innen umgehen wollen. Dabei muss Egoismus (insbesondere fachbezogener \u201eFutterneid\u201c etwa der Sozialwissenschaftler gegen\u00fcber den Rechtswissenschaftlern) \u00fcberwunden werden.<\/p>\n<p><strong>Autor:<\/strong> Prof. Dr. Michael Matzke<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vom Wintersemester 2013\/2014 bis Sommersemester 2015 konnten im Studiengang gPVD (gehobener Polizeivollzugsdienst) am Fachbereich Polizei und Sicherheitsmanagement, gef\u00f6rdert durch die Qualit\u00e4tsoffensive Lehre, Rechtstutorien durchgef\u00fchrt werden. 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