Begegnungscafé Kleinmachnow – Sabrina und Lea

   Begegnungscafé Kleinmachnow

            

Im Dezember 2017 haben wir begonnen im Begegnungscafé Kleinmachnow zu arbeiten, welches von der dortigen Evangelischen Kirchengemeinde ins Leben gerufen wurde. Das Café bietet Kaffee und selbstgebackenen Kuchen gegen kleine Spenden an und lädt sowohl Geflüchtete als auch Ortsansässige jeden Sonntag zum Reden und Austauschen ein.

Vor unserem ersten Besuch, waren wir uns unsicher wie die Atmosphäre dort sein wird, ob man tatsächlich gemeinsame Gesprächsthemen findet und ob überhaupt Flüchtlinge kommen werden. Die Skepsis hat sich aber umgehend gelegt – die Stimmung ist durchgehend ungezwungen gewesen und das Café immer sehr gut besucht, vor allem von jungen Männern.

 

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Während unserer Zeit im Café haben wir nicht nur beim Auf- und Abbau geholfen oder Kuchen ausgegeben, sondern hatten auch die Gelegenheit, mehr über die Geflüchteten und ihre Schicksale zu erfahren. Um sich die Situationen der Menschen etwas genauer vorstellen zu können, hier ein paar Geschichten:

Neben den deutschen Helfern im Café gibt es auch zwei Flüchtlinge, die uns oft geholfen haben. Einer von ihnen ist Tarek* (39) aus Syrien. Er hat erzählt, dass er jetzt seltener ins Café kommt, weil er eine Wohnung in Potsdam gefunden hat. Heute ist er da, weil seine C1-Prüfung bald ansteht und er das Deutschsprechen noch etwas üben möchte. Er musste die Prüfung schon zweimal wiederholen, da er im schriftlichen Teil immer knapp die nötige Punktzahl verfehlt hat. Außerdem macht er gerade seinen deutschen LKW-Führerschein – in Syrien hat er schon acht Jahre als LKW-Fahrer gearbeitet. Als er vor drei Jahren nach Deutschland kam, war er sehr motiviert, bis er realisierte, wie sehr einen die deutsche Bürokratie ausbremsen kann, erzählt er.

Der andere junge Mann, der uns ebenfalls im Café geholfen hat, ist Yasin* (19) aus Afghanistan. Mit ihm habe ich, Lea, mich von Anfang an gut verstanden, weil es mir durch unser gleiches Alter leichter fiel, mich mit ihm zu identifizieren und ins Gespräch zu kommen. Angefangen hat es damit, dass er mich bat, mir aus einem deutschen Heft vorlesen zu können – ich sollte ihn korrigieren, falls er Fehler machte. Dabei ist uns aufgefallen, dass es für ihn fast unmöglich ist, das „ö“ oder das „ü“ auszusprechen. Er hat zwar bei mir den Unterschied zwischen Vokal und Umlaut gehört, aber egal wieviel Mühe er sich gab, bei ihm klang trotzdem alles wie „o“ und „u“ 🙂 Yasin* hat im Dezember ein Praktikum als Maschinenbauer begonnen und mir stolz Videos von seiner Arbeit dort gezeigt.

Einer der jungen Männer war sogar für ein paar Wochen auf dem gleichen Gymnasium, welches ich, Lea, jahrelang besuchte. Er heißt Amir*, ist 17 Jahre alt und kam mit seinem vier Jahre älteren Bruder 2015 gemeinsam nach Deutschland. Er spielt, wie viele der anderen Flüchtlinge auch, jeden Samstag Fußball. Momentan suchen die beiden eine Wohnung, damit sie eine Chance haben, endlich ihre Familie nachzuholen.

Einer der Flüchtlinge, die regelmäßig das Café besuchen, ist auch Ahmed* (23) aus Somalia. Er hat seine Hausaufgaben für den Sprachkurs, den er unter der Woche vormittags besucht, dabei und bat darum, ihm beim Bearbeiten zu helfen. Die Übungsblätter bestanden hauptsächlich aus Grammatik-Aufgaben – zur Vorbereitung für die B2-Prüfung. Im Sprachkurs fällt es ihm schwer, alles zu verstehen, weil es keine Kapazitäten für individuelle Betreuung gibt und die Zeit zum Fragenstellen knapp ist. Ahmed* ist seit zweieinhalb Jahren hier und hat eine Zeit lang als Reinigungskraft gearbeitet. Jetzt sucht er eine 1-Zimmer-Wohnung in der Umgebung, was sich bisher aber als sehr schwierig erweist. Als ich, Lea, mich einmal mit ihm zum Hausaufgabenmachen außerhalb des Begegnungscafés getroffen habe, erzählte er mir, dass er gerne Fußball spielt, ins Kino geht und Singen und Tanzen mag. Rauchen oder Alkohol trinken ist nichts für ihn. Er besucht gern das Café, weil es einer der wenigen Orte für ihn ist, an dem er das Deutschsprechen konsequent üben kann. In dem Übergangswohnheim, in dem er lebt, wird untereinander fast ausschließlich in den eigenen Landessprachen geredet.

Tatsächlich war es für uns anstrengender als gedacht, sich eine längere Zeit am Stück mit den Geflüchteten „nur“ zu unterhalten oder Übungen zu machen, da es uns manchmal hohe Konzentration abverlangt hat. Dennoch ist die Arbeit im Café eine super Erfahrung, nach der man einen ganz anderen Zugang zu den Menschen hat und die Skepsis (und eventuell auch etwas Angst) ihnen gegenüber total verschwunden ist.

 

*Name geändert, um Privatsphäre zu schützen

 

Sabrina Rabe und Lea Reetz

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