Sprechpartner – Bildung mit Hindernissen

Sprechpartner an der HWR Berlin

Hallo,

mein Name ist Lena ich bin 19 Jahre alt und studiere im ersten Semester IBAEX an der HWR zu Berlin. Wie bestimmt viele in meinem alter, habe ich es bis jetzt für relativ selbstverständlich gehalten jeden Morgen zur Schule, oder wie jetzt in die Uni zu fahren. Durch den Service Learning Kurs und die Teilnahme am Sprechpartnerprogramm ist mir klar geworden mit welchen Hindernissen Geflüchtete konfrontiert werden, bei dem Versuch in Deutschland Fuß zu fassen und sich weiter zu Bilden.

Was dieses Sprechpartnerprogramm eigentlich ist und was für Erfahrungen ich gemacht habe würde ich gerne hier mit euch teilen.

Die Sprechpartner haben sich von Anfang Oktober bis Ende Dezember zweimal in der Woche getroffen. Dazu gehören freiwillige Studenten und geflüchtete die an einem Deutschkurs teilgenommen haben. Jedes Semester haben sie dabei ein neues Level erreicht, diesmal ging es um das Sprachniveau B2. Die Sprechpartnerstunden waren hauptsächlich nach einem Deutschkurs, sodass die Geflüchteten die Möglichkeit haben ihre Sprachkenntnisse kund Umgangssprache zu üben. Hauptsächlich bestand die Gruppe aus Studenten, die Durch das Sprachlevel B2 die Möglichkeit haben in Deutschland weiter zu studieren oder einen zu ihren Fähigkeiten passenden Job zu bekommen.

Die erste Stunde war für mich besonders beeindruckend. Wir haben uns in Themengruppen aufgeteilt und ich landete in der Gruppe „kulturelle Unterscheide“. Erstmals noch etwas verhalten haben wir uns gegenseitig vorgestellt und sind dadurch langsam ins Gespräch gekommen. Es war interessant zu hören wie viele verschiedene Sachen manche studiert hatten und ich war erstaunt, wie leicht es ihnen zu fallen schien einfach eine neue Sprache zu lernen um dann endlich wieder studieren oder richtig arbeiten zu können. Ich stelle mir das unglaublich frustrierend vor.

Auch wenn es wirklich nette Gespräche waren, hatte ich die ganze Zeit das Gefühl nichts falsches sagen zu dürfen, weil ich nicht wusste was sie erlebt hatten. So ähnlich erging es mir auch, als ich nach dem Kurs  mit einem jungen Mann, mit dem ich auch in einer Gruppe war, zusammen zur U-Bahn gegangen bin. Er erzählte mir, dass es schwierige gewesen sei hierher zu kommen und niemanden zu kennen und jeden den man kennenlernt nach ein paar Monaten wieder zu „verlieren“, weil sie entweder umziehen oder ins Ausland gehen. Als ich bei meiner Station aussteigen musste hatte ich geradezu ein schlechtes Gewissen, zu meiner „ perfekten“ Familie nachhause zu fahren während er allein war. Die Vorstellung ich müsste mit all den Sorgen um meine Bleibe, meine Familie oder Freunde mich um meinen Sprachkurs kümmern, eine Wohnung oder Job  finden, erschien mir unmöglich.

Ein weiterer Deutschschüler, ein etwa 40 jähriger Mann, suchte seit einiger Zeit eine Unterkunft. Er erzählte uns er lebe momentan bei Freunden, wisse aber nie genau für wie lange er dort bleiben konnte.

Auch das, zeigt mir wieder, um wie viele Dinge gleichzeitig diese Menschen sich kümmern müssen um in unserer Gesellschaft Fuß zu fassen. Menschen die vorher ein Haus, eine Familie und eine Karriere hatten, müssen hier komplett von vorn anfangen.

Ich hab das Gefühl, wirklich mit Geflüchteten zu arbeiten, anstatt immer nur etwas über dieses Thema zu lesen, gibt einem eine andere Sichtweise auf die Situation, da man sich mit ihnen identifizieren kann (in diesem Fall waren wir alle Studenten). Außerdem kann man nicht oft genug betonen, wie wichtig “awareness” bei diesem Thema ist. Denn nicht nur Sprache sondern auch Dinge wie Wohnsituation, Arbeitsumfeld oder einfach das verkraften zu müssen, was man erlebt hat sind für diese Menschen oft schwerer als Gedacht.

Dieses Sprechpartnerprogramm, ist meiner Meinung nach ein Schritt in die richtige Richtung, das Erlernen unserer Sprach zu vereinfachen und Menschen zu integrieren.

Ich hoffe ich konnte euch einen Eindruck meiner Erfahrung vermitteln und vielleicht die Neugier wecken, ähnliche Erfahrungen zu machen.

Lena Stein

 

 

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