Altenpflege vor dem Kollaps? – Herausforderungen und Perspektiven des Pflegesektors im Lichte des Demografischen Wandels

Abbildung 1: Pflege mit Herz

Die Bevölkerung[1] wird älter, weniger und bunter. Auf diese Kernaussage lässt sich der mediale, politische und wissenschaftlich geführte Diskurs des 19. und 20. Jahrhunderts um den omnipräsenten Begriff des ‚Demografischen Wandels‘ reduzieren.

Die Auseinandersetzung mit diesem sozioökonomischen Phänomen zeichnet dabei häufig ein düsteres Bild von der Zukunft und gipfelt nicht zuletzt in polemischen, undifferenzierten und rein emotionalen Aussagen über die mögliche weitere Entwicklung Deutschlands.

Ein gutes praktisches Beispiel hierfür ist das 2010 erschienene Buch „Deutschland schafft sich ab“ von Thilo Sarrazin. Dessen Inhalt lässt die (Horror-) Szenarien des Demografischen Wandels wie ein Damoklesschwert, das nur darauf wartet endlich zu fallen und die Gesellschaft zum Kollaps zu bringen, über Deutschland schweben.

Und doch – älter, weniger, bunter: Diese Attribute und die damit implizierte Veränderung der gesellschaftlichen Strukturen und des gesellschaftlichen Zusammenlebens werden zumindest durch die Zahlen- und Datengemenge untermauert. Ob der prophezeite und nahezu herbeigeschriene Worst-Case, der Abschaffung Deutschlands, eintritt, ist offen und soll im Rahmen dieser Betrachtung auch nicht erörtert werden. Nicht zu leugnen ist jedoch, dass uns der demografische Wandel in vielerlei Bereichen schon jetzt, aber auch gerade in Zukunft, vor Herausforderungen stellen wird, die es pragmatisch zu lösen gilt.

Abbildung 2: Demografischer Wandel – Weichen für die Zukunft stellen

Ein Aspekt dabei ist, dass die untrennbar an demografischen Wandel geknüpfte Alterung der Gesellschaft auch den Bedarf der Fürsorge für die älter werdende Generation vergrößert. Geistige, körperliche und soziale Fähigkeiten nehmen mit wachsendem Alter ab. Diese Altersbegleiterscheinungen gipfeln nicht selten darin, dass die Betroffenen auf die Hilfe und Unterstützung von Dritten angewiesen sind. An diese Bedarfsumstände knüpft das deutsche Pflegesystem in einem Netz aus zivilgesellschaftlichen und staatlichen Angeboten an. Diese Ausgangssituation soll auch den Rahmen für die folgenden Betrachtungen abstecken.

Mit dem folgenden Beitrag soll zunächst die Bedeutungssphäre des Demographischen Wandels auf den Kontext der Altenpflege zugeschnitten werden. Nach der Verortung des Begriffs erfolgt eine verkürzte historische Darstellung für das 19. und 20. Jahrhundert im Hinblick auf den Wandel der Pflege alter und hilfebedürftiger Menschen im Lichte der demographischen Veränderungen. Darauf aufbauend wird der Ist-Zustand des Pflegesystems anhand statistischer Auswertungen skizziert. Hieraus sind die entsprechenden Schlussfolgerungen zu ziehen: Welche zukünftigen Herausforderungen ergeben sich in diesem Bereich? Und nicht zuletzt: welche Perspektiven und Ideen eröffnen sich dem Pflegesektor, um diesen Herausforderungen entgegenzuwirken?

Demografischer Wandel

Der Diskurs über den demografischen Wandel in Deutschland prägt sowohl Wissenschaft als auch Politik seit Beginn des 19. Jahrhunderts ganz besonders.[2]

Dabei stehen kontinuierlich die Fragen nach Ursachen, den Folgen und wie der demografische Wandel bekämpft werden kann im Mittelpunkt.[3] Doch was verbirgt sich eigentlich hinter diesem nahezu erdrückend in seiner Häufigkeit und Intensität auftauchenden Schlagwort?

Führt man sich dieses Phänomen bildhaft vor Augen, muss man sich das ‚Ergrauen der Gesellschaft‘ vorstellen. Dieses Ergrauen ist die Auswirkung der sinkenden Geburtenzahlen auf der einen Seite und der steigenden Lebenserwartung[4] durch die Modernisierung der Landwirtschaft, Verbesserung der Hygiene, die Eindämmung von Seuchen und Infektionskrankheiten sowie die verbesserte Gesundheitsversorgung auf der anderen Seite.[5]

Dies beschreibt jedoch nur eine Dimension des demografischen Wandels. Je nach Themen- und Forschungsfeld können weitere sozioökonomische Aspekte im Mittelpunkt der Betrachtungen stehen. Hierbei kann es sich insbesondere das Verhältnis zwischen Geburten-/ Bevölkerungsrückgang und demografischer Alterung, Wanderungs- und Migrationsbewegungen, die Pluralisierung der Lebens- und Familienstrukturen sowie die wachsende Gegensätzlichkeit der Bevölkerung im Hinblick auf die regionale, ethnische und religiöse Herkunft handeln.[6]

Ganz grundsätzlich lässt sich zusammenfassen, dass der demografische Wandel das Leben, Werden und Vergehen der menschlichen Bevölkerung beschreibt und sich sowohl mit der Zahl als auch der räumlichen Verteilung auseinandersetzt sowie mit Faktoren, die für deren Veränderung verantwortlich sind.[7]

Die klare Abgrenzung und Einordnung, auf welche Merkmale sich im spezifischen Diskurs bezogen wird, ist daher eine unabdingbare Voraussetzung für eine weitergehende Analyse und muss unbedingt im Vorfeld abgesteckt werden.

Für die Betrachtung des Sektors der Altenpflege soll der demografische Wandel daher insbesondere unter folgenden Gesichtspunkten Berücksichtigung finden:

Die Altersstruktur der Bevölkerung hat sich in den letzten 50 Jahren maßgeblich verändert und dieser Trend wird sich auch in Zukunft fortsetzen. Hierunter ist zu verstehen, dass sich der Anteil älterer Menschen an der Bevölkerung deutlich erhöht. Bereits heute besteht die Bevölkerung fast zu gleichen Teilen (je ca. 20 %) aus Kindern und jungen Menschen unter 20 Jahren und aus 65-Jährigen und Älteren. Die Prognosen gehen dahin, dass trotz des Zuwanderungssaldos bereits im Jahr 2030

29 % der Bevölkerung 65 Jahre und älter ist; im Jahr 2060 sogar etwa 34 % und damit jeder Dritte. Hinzu kommt, dass sich die Lebens- und Familienformen in Deutschland in den letzten Jahrzehnten erheblich gewandelt haben und vielfältiger geworden sind.[8]

Diese Entwicklung kann unter anderem auf zwei Aspekte zurückgeführt werden. Zum einen befindet sich seit den 1970er Jahren die Geburtenzahl auf einem konstant niedrigen Niveau und zum anderen steigt die Lebenserwartung seit über 150 Jahren konstant an. Der Zugewinn an Lebenszeit verteilt sich dabei vornehmlich auf die älteren Bevölkerungsgruppen.[9]

Neben dem Bevölkerungsrückgang ist damit die demografische Alterung der Bevölkerung kennzeichnend. Unter der demografischen Alterung ist dabei zusammenfassend der Umstand zu verstehen, dass die jüngeren Altersgruppen zahlenmäßig kleiner werden oder langsamer wachsen als die älteren.[10]

So positiv die Erhöhung der Lebenserwartung für die Betroffenen auch zu beurteilen sein mag, so erreichen nicht alle Menschen ein hohes Lebensalter in voller Gesundheit. Die gesundheitlichen Folgen des Älterwerdens münden nicht selten in einem erhöhten Pflege- und Unterstützungsbedarf für die ältere Generation.

Mit dieser Verschiebung der Alterspyramide und dem Wandel der Familienstrukturen geht die Gefahr einher, dass in der Gesellschaft immer weniger jüngere Menschen für ein menschenwürdiges Leben der Älteren aufkommen müssen.[11]

Abbildung 3: Alterspyramide Deutschland (2017)

Pflege im Wandel

Doch was macht die Pflege und Unterstützung sowie Hilfe der Älteren eigentlich aus und wie haben sie sich im Laufe des letzten Jahrhunderts konkret verändert? Haberkern setzt Hilfe und Unterstützung in Bezug zu verschiedenen Haushaltstätigkeiten, bei bürokratischen Angelegenheiten und auf emotionaler Ebene. Die Pflege als solche charakterisiert er hingegen als körperbezogen und oft auch medizinisch anspruchsvoll.[12]

Mit der steigenden Zahl älterer hilfe- und pflegebedürftiger Menschen, der sinkenden Geburtenrate und der Abnahme von Personen im erwerbsfähigen Alter (sog. Belastungsquote) geht unweigerlich ein erhöhter Bedarf an Sozial, Gesundheits- und insbesondere Pflegediensten einher.[13] Daraus ergeben sich vor dem Hintergrund des demografischen Wandels neue gesellschaftliche und institutionelle Herausforderungen insbesondere bei der Hilfe- und Unterstützungsarbeit von pflegebedürftigen Menschen.[14]

Diese demografische Entwicklung bedingt also die Verschiebung der Pflege weg von der Kernfamilie (= informelle Pflege) hin zur institutionalisierten Pflege. Dieser Trend ist wie o. a. verursacht durch eine Veränderung des Wesens und der Ausformung der Familie, welche zunehmend an Bedeutung verliert.[15] Die sinkenden Geburtenraten des 19. Jahrhunderts spiegeln sich heute in immer kleiner werdenden Familien wieder. Es stehen daher immer weniger Nachkommen für die Pflege der stetig wachsenden Gruppe der Pflegebedürftigen zur Verfügung.[16]

Mit dem Rückgang der innerfamiliären Pflegebeziehung zwischen den Generationen entstand eine Lücke zwischen der zivilgesellschaftlichen und der staatlichen, institutionellen Verantwortungsteilung.

Dies mündete nicht zuletzt darin, dass die Altenpflege als eigene soziale Herausforderung in den Fokus des öffentlichen Diskurses trat. In Folge dessen entstanden zu Beginn des 19. Jahrhunderts erste eigene Raumkonzepte, die der Fürsorge und Pflege älterer Menschen zugedacht waren. Die Zahl dieser sog. Pflegeheime stieg in den 1950er und 1960er exponentiell an. Dieser Trend ebbte parallel zum demografischen Wandel bis heute nicht ab, sodass die Zahl der Pflegeheime weiter zunimmt.[17] Darüber hinaus wandelten sich auch das Bild und der Anspruch der Versorgung in den Pflegeheimen im 19. Jahrhundert. Hatten die ersten Pflegeheime noch Kasernierungs- oder Gefängnischarakter, in denen die Pfleger- und Betreuer in einem Überordnungsverhältnis zu den Bedürftigen standen, entwickelte sich diese Wesensart hin zu einer ganzheitlichen, bewohnerorientierten, bedürfnisorientierten und aktivierenden Betreuung unter dem Nimbus des „würdevollen Alterns“.[18]

Neben der Pflege in der Familie und der Inanspruchnahme stationärer Einrichtungen hat sich mit heutigem Stand auch die ambulante Pflegeversorgung etabliert, um den Bedürftigen ein größtmögliches Maß an selbständiger Lebensführung und Individualität zu bewahren. Gerade im Bereich der familiären Pflege steht die ambulante Unterstützung der Familie hilfreich zur Seite und ergänzt diese.

Trotz der Verschiebung der Inanspruchnahme verschiedener Pflegeformen hat die innerfamiliäre Pflege heute zahlenmäßig immer noch den größten Stellenwert. Dies wird durch die aktuellen Datenerhebungen untermauert. Die derzeitige Situation der Pflegebedürftigen stellt sich in Deutschland dabei wie folgt dar:

Stand der Altenpflege

Zunächst definiert § 14 des Sozialgesetzbuch (SGB) – Elftes Buch (XI) – Soziale Pflegeversicherung Personen als pflegebedürftig, die gesundheitlich bedingte Beeinträchtigungen der Selbständigkeit oder der Fähigkeiten aufweisen und deshalb der Hilfe durch andere bedürfen. Es muss sich um Personen handeln die körperliche, kognitive oder psychische Beeinträchtigungen oder gesundheitlich bedingte Belastungen oder Anforderungen nicht selbständig kompensieren oder bewältigen können.[19] Isfort konstatiert unter Bezugnahme auf den Sechsten Bericht zur Lage der älteren Generation in der Bundesrepublik Deutschland vom 17.11.2010, dass lediglich 5 % der 70- bis 75-Jährigen hilfe- oder pflegebedürftig seien und damit ein überwiegender Teil in dieser Altersgruppe nicht auf Pflegeleistungen i. S. d. SGB XI angewiesen ist.[20]

Die Pflegestatistik für das Jahr 2015 geht in Gesamtdeutschland von rund 2,9 Millionen (Stand Dezember 2015) Pflegebedürftigen im Sinne des Pflegeversicherungsgesetzes (SGB XI) aus. Der Frauenanteil hieran betrug 64 % und machte damit die deutliche Mehrheit aus. 65 Jahre und älter waren 83 % der Pflegebedürftigen. Der Anteil der Pflegebedürftigen über 85 Jahren betrug 37 %.[21] Anhand dieser Zahlen lässt sich zunächst verorten, dass ein Großteil der auf Betreuung und Unterstützung angewiesenen Personen zwischen 65 und 85 Jahren alt ist und sie die Hauptzielgruppe der Pflegeleistungen sind.

Weiterhin zeigen die Erhebungen, dass 75 % der Betroffenen (ca. 2,08 Millionen) zu Hause gepflegt wurden, entweder direkt durch die Angehörigen (1.385. 000) oder durch Haushaltsnahe ambulante Dienstleistungen professionalisierter und institutionalisierter Anbieter (692.000). Knapp 33 % der Pflegebedürftigen (783.000) wurde vollstationär in Pflegeheimen betreut.[22]

Vergleicht man diese Zahlen mit den Werten aus dem Jahr 2001 lässt sich feststellen, dass es innerhalb dieses sehr kurzen Zeitraums zu einem deutlichen Anstieg der Pflegebedürftigen und auch der angebotenen Pflegeleistungen kam. Die Anzahl der in Heimen vollstationär Betreuten stieg um 192.000 (32,4%), die Inanspruchnahme von ambulanten Pflegedienstleistungen erhöhte sich um 258.000 (59,3%). Hinzu kommt ein Anstieg der Pflegebedürftigen, die durch Angehörige zu Hause versorgt werden um 641.000 (44,7%).[23] Damit erhöhte sich innerhalb eines Zeitraums von rund 15 Jahren der Anteil der auf Hilfe und Unterstützung angewiesenen älteren Menschen insgesamt um 821.000 bzw. 40,2 %.

Durch den stetigen Anstieg der Pflegebedürftigen in den letzten Jahren gehört der Bereich der Altenpflege zu einer der am stärksten wachsenden Dienstleistungsbranchen. Allein im Zeitraum von 2013 bis 2015 erhöhte sich die Zahl der Beschäftigten in ambulanten Pflegediensten und stationären Pflegeeinrichtungen um rund 80.000 (8%) auf 310.539 Pflegekräfte (Altenpfleger und Pflegehelfer). Die Gesamtzahl der Personen in den 13.300 ambulanten Pflegediensten und in 13.600 stationären Pflegeeinrichtungen beläuft sich auf 1,1 Millionen. Darüber hinaus befanden sich 68.051 Schüler in der Pflegeausbildung.[24]

Dennoch fehlen in den Pflegeberufen Fachkräfte. Zwar liegen keine belastbaren Zahlen in Bezug auf unbesetzte Stellen im Pflegesektor vor, doch lässt sich aus der Fachkräfteengpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit (Stand: Dezember 2017) entnehmen, dass Stellenangebote in diesem Bereich im Bundesdurchschnitt 171 Tage unbesetzt sind und auf 100 gemeldete Stellen rein rechnerisch nur 29 Arbeitslose kommen.[25]

Eine verlässliche Prognose der Entwicklung lässt sich nicht treffen und hängt von unterschiedlichen Faktoren ab. Hierzu zählen unter anderem die Bevölkerungsentwicklung und die tatsächliche Pflegefallhäufigkeit, der zukünftige Anteil von ambulanter und stationärer Versorgung in der Pflege, dem Verhältnis von Fachkräften zu Hilfskräften, dem Ersatzbedarf durch Ausscheiden aus Altersgründen, den Unterbrechungszeiten bzw. der Verweildauer im Beruf, der Entwicklung der Arbeitszeit, aber auch die Existenz alternativer Unterstützungsangebote sowie die möglicher Entlastungen durch den medizinischen und technischen Fortschritt oder durch die Digitalisierung.[26]

Im Lichte des demografischen Wandels und in Anbetracht des Verschwindens traditioneller Familienbände und –strukturen geht ein Rückgang des innerfamiliären Pflegepotentials einher. In dessen Folge wird der Bedarf zumindest an professionellen institutionalisierten Pflegeangeboten steigen.[27]

Neben der Frage der Finanzierbarkeit dieser Angebotsstrukturen bleibt zu klären, wie die Pflege als Tätigkeit an sich sichergestellt werden kann.

Darüber hinaus steigt die Zahl der hilfs- und pflegebedürftigen älteren Menschen stetig an. Gleichzeitig besteht im Berufsfeld der examinierten Pflegefachkräfte, wie auch in anderen Bereichen des Arbeitsmarktes, ein eklatanter Nachwuchsmangel sowie derzeit eine hohe Stellenvakanz.[28] Hieraus resultiert nicht zuletzt die Gefahr den derzeitigen Versorgungsstand nicht aufrechterhalten zu können. Dieses Missverhältnis hat besondere Auswirkungen auf den dünn besiedelten ländlichen Raum, der eine Fachkräftefluktuation aufgrund seiner Standortfaktoren nicht in gleichem Maße wie der eng besiedelte städtische Raum kompensieren kann.[29]

Perspektiven

Neben den bestehenden und den im Ansatz erkennbaren drohenden Herausforderungen für das System der Altenpflege eröffnen sich auch Perspektiven um diesen entgegenzuwirken.

Um diese Perspektiven der Altenpflege auszuloten, kommt es maßgeblich auf den Ort, an dem die Pflegeleistung erbracht werden soll, an (Privathaushalt, Zwischenformen, Pflegeheim). Die Pflegeortwahl wird dabei von den familiären Strukturen der Pflegebedürftigen sowie der örtlichen Präsenz von ambulanten oder stationären Pflegediensten oder haushaltsnahen Dienstleistungen beeinflusst. Da auch die Familienstrukturen dem demographischen und sozialen Wandel mit all seinen Folgen unterlegen sind, ist der Trend weg von der Pflege als Familienleistung hin zur Pflege als Dienstleistung gegen Entgelt zu beobachten.[30]

Diese Entwicklung wird von Maßnahmen der Politik und Gesetzgebung flankiert, um die Pflege zu Stärken und die Rahmenbedingungen zu verbessern.

Ganz thesenartig können dabei insbesondere folgende Aktionsfelder benannt werden, die in der Zukunft für eine Gewährleistung und Absicherung der Pflegeinfrastruktur und damit einem ‚Altern in Würde‘ sorgen sollen. Bei den skizzierten Maßnahmen handelt es sich jedoch nur um ausgewählte Beispiele.

Rund-um-die-Uhr-Betreuung durch Pflegekräfte aus Osteuropa

Seit rund einem viertel Jahrhundert wird Deutschland, aber auch in zahlreichen anderen westeuropäischen Ländern, eine Alternative zu den konventionellen Pflegeangeboten in Anspruch genommen. Hierbei handelt es sich um die sog. ‚Rund-um-die-Uhr-Betreuung‘ oder ‚24-Stunden Betreuung‘ durch vornehmlich weibliche Pflegekräfte aus Osteuropa.[31]

Diese Form der häuslichen Pflege zeichnet sich insbesondere durch die Unterstützung alter und pflegebedürftiger Menschen bei der Lebens- und Haushaltsführung aus. Die Pflege- bzw. Betreuungskraft wohnt hierbei im Haushalt der Betreuten Person und stellt die im Rahmen des Dienstleistungsvertrages vereinbarten Leistungen bereit.[32]

Belastbare Zahlen zur Häufigkeit derartiger Betreuungsverhältnisse liegen für Deutschland nicht vor, was unter anderem an den unklaren rechtlichen Rahmenbedingungen der Betreuungsverhältnisse (Irregularität der Dienstleistungen/ Scheinselbständigkeit) hängt. Neuste Schätzungen gehen jedoch von rund 100.000 Haushalten (bzw. 200.000 Personen) aus, in denen die ‚Rund-um-die-Uhr-Betreuung‘ zum Einsatz kommt.[33]

Gerade der rechtliche Rahmen, insbesondere, dass bei dem Modell der Rund-um-die-Uhr-Betreuung in Deutschland eine Einzelunternehmertätigkeit ausgeschlossen ist und dementsprechend durch den Auftraggeber Sozialabgaben zu leisten sind, hat hierzulande eine abschreckende Wirkung auf die Inanspruchnahme dieser Form der Pflege.[34] Auch aus Sicht der vornehmlich Arbeitnehmerinnen sind diese Beschäftigungsverhältnisse äußerst kritisch zu betrachten, denn sie sind zum einen meist ohne Arbeits-, Krankenversicherungs-, Unfallversicherungs- und Haftpflichtschutz tätig und zum anderen sind Urlaubs- und Freizeit häufig nicht geregelt.[35]

Sofern sich die ‚Rund-um-die-Uhr-Betreuung durch Pflegekräfte aus Osteuropa‘ eine sowohl gesellschaftliche als auch politisch gewollte Alternative zu bestehenden Pflegeangeboten etabliert werden soll, sind die rechtlichen Rahmenbedingungen sowohl für die Pflegekräfte als auch die Betreuten und deren Angehörige klar abzustecken.

Reform der Rahmenbedingungen

Zum 01.01.2017 ist das Zweite Pflegestärkungsgesetz in Kraft getreten. Es reformiert damit erstmals seit Einführung der Pflegeversicherung im Jahr 1995 grundlegend das System der Pflegevor- und Pflegefürsorge, indem es den Begriff der Pflegebedürftigkeit neu definiert und die drei bis dahin existierenden Pflegestufen durch fünf Pflegegrade ersetzt. Damit soll die Einstufung in die Pflegegrade der individuellen Pflegebedürftigkeit der Betroffenen besser gerecht werden. Bei der Bewertung werden erstmals physische und psychische Faktoren gleichermaßen miteinbezogen. Darüber hinaus, und dies ist von besonderer Bedeutung bei der Aktivierung der innerfamiliären Pflege, wurde das Pflegegeld schrittweise erhöht. Sinn und Zweck des Pflegegeldes ist es nicht die unterstützende Person für ihre Pflegeleistungen zu bezahlen, sondern die Motivation und die ökonomische Basis des Pflegehaushaltes zu stärken.[36]

Im aktuell ausgehandelten Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD (Stand 07.02.2018) sind Maßnahmen zur Verbesserung der Situation des Pflegesektors ausgehandelt. In avisierten Sofortprogramm ‚Konzentrierte Aktion Pflege‘ wird festgehalten, dass die Arbeitsbedingungen und die Bezahlung der Altenpfleger spürbar verbessert werde. Auch die Personaldecke soll um 8.000 Fachkraftstellen aufgestockt werden. Die ‚Konzentrierte Aktion Pflege‘ umfasst darüber hinaus eine Ausbildungsoffensive, Anreize für eine bessere Rückkehr von Teil-

in Vollzeit, ein Wiedereinstiegsprogramm, eine bessere Gesundheitsvorsorge für die Beschäftigten sowie eine Weiterqualifizierung von Pflegehelfern zu Pflegefachkräften. Auch die Bereitstellung ambulanter Pflegedienste im ländlichen Raum sowie die Entlastung der Angehörigen durch Angebote in der Kurzzeit und Verhinderungspflege sowie in der Tages- und Nachtpflege finden im Koalitionsvertrag Erwähnung.[37]

Flexibilisierung der Kranken- und Pflegeberufe

Aus fachlicher Sicht gibt es in den Kranken- und Pflegeberufen in der Praxis zahlreichen Schnittstellen, sodass sich die Berufsbilder gegenseitig sinnvoll ergänzen. Mit einer möglichen Zusammenführung beider Ausbildungsformen können für die Zukunft die wesentlichen Qualifizierungsgrundlagen für eine fachübergreifende Berufstätigkeit im Rahmen der integrierten Versorgung geschaffen werden. Mit einheitlichen Ausbildungsinhalten wird zum einen die gegenseitige Abschottung der beiden Arbeitsbereiche verhindert und zum anderen kann auf dieser Basis eine bedarfsgerechte Weiterqualifikation der Angestellten erfolgen, sodass sie flexibel in der Alten- oder Krankenpflege eingesetzt werden können. Aufgrund dieser Flexibilität und den damit verbundenen Entwicklungsperspektiven und Aufstiegsmöglichkeiten kann die Attraktivität des Pflegeberufs gesteigert werden, was nicht zuletzt aus den erweiterten fachlichen Handlungsspielräumen resultiert. Diese Neuausrichtung des Berufsbildes kann dem fortwährenden Fachkräftemangel entgegenwirken.[38]

Neben der Nachwuchsgewinnung spielt auch die nachhaltige Sicherung und Bindung der bereits berufstätigen Altenpfleger eine wichtige Rolle. Die psychischen und physischen Belastungen, die mit dem Berufsbild einhergehen, sind durch die Arbeitgeber größtmöglich in Form der Gewährleistung beruflicher Gestaltungs- und Entwicklungsmöglichkeiten, der Implementierung alter(n)sgerechter und damit demografiefester Arbeitsgestaltung sowie nachhaltiger Gesundheitsförderung abzufedern.[39]

Nachwuchsgewinnung durch Migration

Aufgrund unterschiedlicher Anlässe (Flucht, Asyl, Arbeitsaufnahme, Familienzusammenführung oder Bildung) erfolgte bereits seit Mitte der 1950er Jahre eine ausgeprägte Migration nach Deutschland. Diese fand einen ihrer Höhepunkte in den Jahren 2015 – 2017. Durch die Nettozuwanderung kann zumindest die demografisch bedingte Abnahme jüngerer Personen in einem gewissen Maße abgefedert werden. Hinzu kommt, dass dieser Personenkreis ein hohes arbeitsmarktpolitisches Kapital in sich trägt.[40] In Anlehnung an die Flexibilisierung der Kranken- und Pflegeberufe sind die Wirtschafts-, Arbeitsmarkt-, Finanz- und Familienpolitik gefordert diese Potentiale zu nutzen und gerade die jungen Migranten im Pflegesektor auszubilden und einzusetzen.

Pflegebegleiter

Mit dem Ziel das innerfamiliäre System der häuslichen Pflege zu stärken und eine Struktur des freiwilligen Engagements zu erhalten bzw. wiederherzustellen, wurde das nach dem SGB XI geförderte Modellprojekt „Pflegebegleiter“ entwickelt. Dabei werden pflegende Angehörige durch speziell qualifizierte Freiwillige bei ihrer pflegerischen Tätigkeit begleitet.[41] Ihre Aufgabe ist es die Angehörigen durch Gespräche zu unterstützen und zu entlasten. Sie stehen als Ansprechpartner im Zusammenhang mit der Pflege und wollen pflegenden Angehörigen helfen, über den Pflegeaufgaben die Sorge für sich selbst und ihre eigenen Bedürfnisse nicht zu vernachlässigen.[42] Sie leisten damit einen substanziellen Beitrag die innerfamiliären Pflegestrukturen zu stärken.

Zusammenfassung und Fazit

Älter, weniger, bunter: Unter diesen eingangs benannten Schlagworten ist der Diskurs um den demografischen Wandel in der Mitte der Gesellschaft und auf staatlicher Ebene angekommen. Auch der Sektor der Altenpflege bleibt von den Begleiterscheinungen dieser Entwicklung nicht verschont. Mit der wachsenden Zahl der Generation 65+ und der diametral verlaufenden Geburtenrate verändert sich das Verhältnis der pflegenden Personen zu den Pflegebedürftigen. Dieser Wandel spiegelt sich auch in Art und Umfang der erbrachten Pflegeleistungen wieder; weg von der rein familiären und privaten Fürsorge hin zu institutionalisierten stationären und ambulanten Dienstleistungen. Ob dieser Trend den Pflegesektor kollabieren lässt und ihn in Zukunft zum Erliegen bringt ist dabei offen. Fest steht jedoch, dass im Rahmen der Absicherung dieser elementaren Kulturaufgabe in vielen Bereichen große Herausforderungen auf uns warten. Diese setzen sich zum einen aus dem bereits bestehenden und noch größer werdenden eklatanten Fachkräftemangel und zum anderen aus den rechtlichen, politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen zusammen. In Wissenschaft, Politik und Gesellschaft werden diese Probleme nicht verkannt. Seit Jahrzehnten wird bereits an entsprechenden Lösungsstrategien gearbeitet und diese durch die zunehmende Dynamik des demografischen Wandels forciert.

Zu den wichtigsten zählen hierbei die Akquirierung geeigneten Pflegepersonals aus dem In- und Ausland sowie eine bedarfsgerechte Aus- und Weiterbildung des Pflegekräftenachwuchses. Ferner sind bestehende unausgeschöpfte Potentiale innerhalb der Familien zu aktivieren, die von Freiwilligenarbeit aus der Zivilgesellschaft flankiert werden können. Und nicht zuletzt sind auch die staatlichen und wirtschaftlichen Akteure in der stationären und ambulanten Pflege durch Reformen der Pflegegesetzgebung zu stärken und zu unterstützten.

Ob diese Gegenmaßnahmen die gewünschte Wirkung erzielen, bleibt abzuwarten. Es ist jedoch ein erster Schritt, um die Auswirkungen des demografischen Wandels im Pflegebereich abzufedern. Daher sollten Sie auch weiterhin empirisch begleitet werden, um ihren Wirkungsgrad festzuhalten, entsprechend zu bewerten und gegebenenfalls gegenzusteuern.

 

Wortzahl: 3.599

 

Fußnoten:

[1] Soweit im Folgenden Berufs-/Gruppen- und Personenbezeichnungen Verwendung finden, so ist auch stets die jeweils weibliche Form gemeint. Der Verfasser sieht daher bewusst von einer genderneutralen Ausdrucksweise ab.

[2] Bryant (2011), http://www.bpb.de/apuz/33451/alterungsangst-und-todesgefahr-der-deutsche-demografie-diskurs-1911-2011?p=0, [Abruf: 13.01.2018].

[3] Bryant (2011), http://www.bpb.de/apuz/33451/alterungsangst-und-todesgefahr-der-deutsche-demografie-diskurs-1911-2011?p=0, [Abruf: 13.01.2018].

[4] vgl. Giddens; Fleck; Egger de Campo (2009), S. 163.

[5] vgl. Giddens; Fleck; Egger de Campo (2009), S. 163.

[6] vgl. Rademacher (2013), S. 32 f.

[7] vgl. Körner, Hausmann (2009), S. 17.

[8] Grünheid (o. J.), https://www.demografie-portal.de/SharedDocs/Informieren/DE/BerichteKonzepte/Bund/Demografiebericht.html?nn=3183182#doc3212924bodyText2 , [Abruf: 13.01.2018].

[9] Grünheid (o. J.), https://www.demografie-portal.de/SharedDocs/Informieren/DE/BerichteKonzepte/Bund/Demografiebericht.html?nn=3183182#doc3212924bodyText2 , [Abruf: 13.01.2018].

[10] vgl. Peuckert (2012), S. 643.

[11] vgl. Struck (2014), S. 320.

[12] vgl. Haberkern (2009), S. 22.

[13] vgl. Giddens; Fleck; Egger de Campo (2009), S. 176.

[14] vgl. Kricheldorff (2015), S. 15.

[15] vgl. Estermann (2014), S. 255 f.

[16] vgl. Haberkern (2009), S. 20.

[17] vgl. Dathe (2014), S. 170.

[18] vgl. Dathe (2014), S. 171.

[19] § 14 Sozialgesetzbuch (SGB) – Elftes Buch (XI) – Soziale Pflegeversicherung.

[20] Isfort (2013), http://www.bpb.de/apuz/153131/anpassung-des-pflegesektors, [Abruf: 14.01.2018].

[21] vgl. Statistisches Bundesamt, Pflegestatistik 2015 (2017), S. 7.

[22] vgl. Statistisches Bundesamt, Pflegestatistik 2015 (2017), S. 8.

[23] vgl. Statistisches Bundesamt, Pflegestatistik 2015 (2017), S. 8.

[24] o. V. (o. J.) https://www.bundesgesundheitsministerium.de/themen/pflege/pflegekraefte/beschaeftigte.html, [Abruf: 19.01.2018].

[25]  o. V., (o. J.) https://www.bundesgesundheitsministerium.de/themen/pflege/pflegekraefte/beschaeftigte.html, [Abruf: 19.01.2018].

[26]  o. V. (o. J.) https://www.bundesgesundheitsministerium.de/themen/pflege/pflegekraefte/beschaeftigte.html, [Abruf: 19.01.2018].

[27] von Hirschberg (2015), S. 194.

[28] vgl. Haefker; Tielking (2017), S. 33 f.

[29] vgl. Haefker, Tielking (2017), S. 34.

[30] vgl. Schmidt (2015), S. 255.

[31] vgl. Egger di Campo (2015), http://www.bpb.de/apuz/211750/globale-dienstbotinnen-personenbetreuerinnen?p=0, [Abruf: 20.01.2018].

[32] vgl. Egger di Campo (2015), http://www.bpb.de/apuz/211750/globale-dienstbotinnen-personenbetreuerinnen?p=0, [Abruf: 20.01.2018].

[33] vgl. Egger di Campo (2015), http://www.bpb.de/apuz/211750/globale-dienstbotinnen-personenbetreuerinnen?p=0, [Abruf: 20.01.2018].

[34] vgl. Egger di Campo (2015), http://www.bpb.de/apuz/211750/globale-dienstbotinnen-personenbetreuerinnen?p=0, [Abruf: 20.01.2018].

[35]vgl. Isfort (2013), http://www.bpb.de/apuz/153131/anpassung-des-pflegesektors, [Abruf: 14.01.2018].

[36] vgl. o. V. (o. J.), https://nullbarriere.de/pflegereform-2017.htm, [Abruf: 21.01.2018].

[37] vgl. o. V. (2017), https://www.epochtimes.de/assets/uploads/2018/02/2018-02-07_Koalitionsvertrag_CDU_CSU_SPD.pdf, [Abruf: 10.02.2018].

[38] vgl. Behr; Dielmann, von Hirschberg et al. (2015), S. 100 f.

[39] vgl. von Hirschberg (2015), S. 195.

[40] vgl. Loeffelholz (2011): http://www.bpb.de/apuz/33449/demografischer-wandel-und-migration-als-megatrends?p=4 [Abruf: 22.01.2018].

[41] vgl. o. V. (2012), S. 70.

[42] vgl. o. V. (o. J.), https://www.caritas.de/hilfeundberatung/onlineberatung/leben-im-alter/haeufiggestelltefragenzumlebenimalter/157017 [Abruf: 22.01.2018].

Literatur- und Quellenverzeichnis

Behr, Thomas; Dielmann, Gerd; von Hirschberg, Kathrin-Rika: Positionspapier:

Empfehlungen zur Umsetzung der Integrierten Versorgung unter Einbeziehung der Pflege, in: Behr, Thomas (Hrsg.): Aufbruch Pflege, Hintergründe – Analysen – Entwicklungsperspektiven, Springer Gabler, Wiesbaden 2015, S. 91-114

Bryant, Thomas: Alterungsangst und Todesgefahr – der deutsche Demografie-Diskurs (1911-2011), in: Bundeszentrale für politische Bildung (Hrsg.), 2011, online unter URL: http://www.bpb.de/apuz/33451/alterungsangst-und-todesgefahr-der-deutsche-demografie-diskurs-1911-2011?p=0, [Abruf: 13.01.2018]

Dathe, Stephan: Alter(n) und Altersbilder in Pflegeheime, in Der ungewisse Lebensabend?, Alter(n) und Altersbilder aus der Perspektive von (Un-) Sicherheit im historischen und kulturellen Vergleich, Springer, Wiesbaden 2014, S. 167-182

Estermann, Josef: Macht, Recht, Ökonomie und Kontrolle im Kontext der Pflegevorsorge bei betagten Personen, in: Amann, Anton; Kolland, Franz (Hrsg.): Das erzwungene Paradies des Alters?, Weitere Fragen an eine Kritische Gerontologie, Springer VS, Wiesbaden 2014, S. 255-268

Egger di Campo, Marianne: Seniorensitterinnen? Globale Dienstbotinnen?

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Körner, Jana; Hausmann, Andrea: Demografischer Wandel und Kultur, Veränderungen im Kulturangebot und der Kulturnachfrage, VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2009

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o. V.: Themenreport „Pflege 2030“, Was ist zu erwarten – was ist zu tun?, in: Bertelsmann Stiftung, o. O. 2012

Peuckert, Rüdiger: Familienformen im sozialen Wandel, Springer VS, Wiesbaden 2012

Rademacher, Christian: Deutsche Kommunen im Demographischen Wandel, Eine Evaluation lokaler bevölkerungspolitischer Maßnahmen, Springer, Wiesbaden 2013

Schmidt, Roland: Zur Zukunft der Pflege, in: Zängl, Peter (Hrsg.): Zukunft der Pflege, 20 Jahre Norddeutsches Zentrum zur Weiterentwicklung der Pflege, Springer VS, Wiesbaden 2015

Struck, Olaf: Demografische Entwicklung als Herausforderung. Ein essayistischer Rück- und Vorausblick auf deren Bewältigung, in: Amann, Anton; Kolland, Franz (Hrsg.): Das erzwungene Paradies des Alters?, Weitere Fragen an eine Kritische Gerontologie, Springer VS, Wiesbaden 2014, S. 319-341

von Hirschberg, Kathrin-Rika: Einflüsse demografischer Veränderungsprozesse auf die Arbeitssituation der Altenpflege – Faktenlage, in: Behr, Thomas (Hrsg.): Aufbruch Pflege, Hintergründe – Analysen – Entwicklungsperspektiven, Springer Gabler, Wiesbaden 2015, S. 193-198

von Loeffelholz, Hans Dietrich: Demografischer Wandel und Migration als Megatrends, in: Bundeszentrale für politische Bildung (Hrsg.), 2011, online unter URL: http://www.bpb.de/apuz/33449/demografischer-wandel-und-migration-als-megatrends?p=4, [Abruf: 22.01.2018]

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Pflege mit Herz; Online: http://www.pflegemitherz.com/ [Abruf: 07.02.2018]

Abbildung 2: Demografischer Wandel – Weichen für die Zukunft stellen; Online: https://ausbildung-tipps.ch/wp-content/uploads/pflege_gesundheit_demografischer_wandel_fotolia_41513425_S.jpg [Abruf: 07.02.2018]

Abbildung 3: Alterspyramide Deutschland (2017); Online: https://de.wikipedia.org/wiki/Altersstruktur#/media/File:GermanypoG.svg [Abruf: 07.02.2018]

 

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Ein Kommentar zu Altenpflege vor dem Kollaps? – Herausforderungen und Perspektiven des Pflegesektors im Lichte des Demografischen Wandels

  1. Fea F. sagt:

    Die Überschrift zu diesem Kommentar könnte lauten „Migranten pflegen“, wobei die Doppeldeutigkeit ganz bewusst gewählt ist.
    Felino fragt in seinem Beitrag, ob der Altenpflege der Kollaps droht. Er verweist auf die Bemühungen der Politik, eine solche Entwicklung abzuwenden. Weiterhin spricht Felino die Möglichkeit an, Migranten für die Arbeit in der Pflege zu gewinnen.
    Folina schreibt in ihrem Beitrag u. a. von dem Bedürfnis älterer pflegebedürftiger Migranten, eine kultursensible Pflege zu erfahren.
    Man könnte in dem Zusammenhang fragen, ob das Bedürfnis nach kultursensibler Pflege eigentlich ein Zeichen mangelnder Integration von bereits seit Jahrzehnten in Deutschland lebenden Migranten ist. Wer sich einmal damit beschäftigt, was kultursensible Pflege ausmacht, erfährt sehr schnell, dass diese Frage mit Nein zu beantworten ist. Ein Link zu einem entsprechenden Ratgeber, der einen kurzen Einblick gewährt, ist unten angefügt (Metin o. J. zur Betreuung von türkischen muslimischen Patienten). Darin beschriebene Besonderheiten beizubehalten, hemmt die Integration in die Gesellschaft nicht. Es geht überwiegend um höchst private Belange, die aber natürlich sichtbar werden, wenn – in diesem Fall muslimische – Migranten z. B. in Pflegeeinrichtungen umziehen. Auch alles, was bis dahin privat geblieben ist, zieht mit um und trifft sozusagen auf die Gesellschaft – in dem Fall u. a. auf Pflegepersonal.
    Je vielfältiger die Mitarbeiterschaft in den Pflegeeinrichtungen ist, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass Migranten Pflegekräfte vorfinden, die aufgrund der eigenen Herkunft einen mindestens ähnlichen kulturellen Hintergrund besitzen. Vielfalt kann sich natürlich nur einstellen, wenn sich überhaupt genügend Menschen für Pflegeberufe interessieren.
    Altenpflege ist der „Mangelberuf Nr. 1“ (BMWE 2017: 6). Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie trifft diese Feststellung in einer Broschüre mit dem Titel „Ausbildung und Beschäftigung von Flüchtlingen in der Altenpflege – Information für Arbeitgeber“ aus dem August 2017. Das Bundesministerium ruft die Arbeitgeber der Branche in der Broschüre dazu auf, sich der Integration von Zugewanderten – auch speziell von Flüchtlingen – anzunehmen und so Fachkräfte für den Bereich der Altenpflege zu gewinnen (BMWE 2017: 5).
    Im Zusammenhang damit fallen mir die vielen Medienberichte ein, in denen es in jüngerer Vergangenheit um Flüchtlinge ging, die bereits in der Pflege ausgebildet werden (siehe als Beispiel Kiehn 2017).
    Die genannte Broschüre enthält übrigens neben vielen weiteren Informationen eine Checkliste zur Integration, in der unter anderem eine „Sensibilisierung [der ausländischen Auszubildenden] hinsichtlich kultureller Unterschiede“ empfohlen wird (BMWE 2017: 10). Der einheimische Pflegenachwuchs lernt also etwas über kulturelle Bedürfnisse von pflegebedürftigen Migranten (siehe Folinas Beitrag) und für die Pflege gewonnene Flüchtlinge werden für die einheimische Kultur sensibilisiert. Davon profitieren sicher nicht nur die Bewohner der Pflegeeinrichtungen – gleich welcher Herkunft – sondern hier dürften auch Kompetenzen erworben werden, die sich im Miteinander der Pflegekräfte positiv auswirken und so auch zu einer besseren Integration der neuen ausländischen Kollegen beitragen. Wenn die Pflegebranche den Empfehlungen des Ministeriums folgt und wenn sich genügend junge Migranten für die entsprechenden Berufe begeistern können, besteht außerdem die Chance, dass die Arbeitskräfte in der Branche jünger, bunter und mehr werden.
    Ein Synonym für „zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen“ lautet übrigens „in einem Arbeitsgang“ (OpenThesaurus o. J.). 1 x große Körperpflege = 1 x Integration für einen Flüchtling + 1 x so etwas wie Heimatgefühl für einen pflegebedürftigen Migranten.

    Um den Lesefluss nicht zu stören, wird in diesem Kommentar jeweils nur die männliche Form verwendet. Frauen sind hiermit selbstverständlich ebenfalls gemeint.

    Literatur- und Quellenverzeichnis:

    Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) (Hrsg.) (2017): Ausbildung und Beschäftigung von Flüchtlingen in der Altenpflege – Informationen für Arbeitgeber, Stand: August 2017, online unter URL:
    https://www.bmwi.de/Redaktion/DE/Publikationen/Ausbildung-und-Beruf/ausbildung-und-beschaeftigung-von-fluechtlingen-in-der-altenpflege.pdf?__blob=publicationFile&v=40 [Abruf: 13.02.2018]

    Kiehn, Annika (2017): Asylbewerber im Pflegeheim. Katastrophenhilfe aus Afghanistan, in: Spiegel online vom 01.12.2017, online unter URL: http://www.spiegel.de/karriere/fluechtlinge-in-der-altenpflege-ein-afghane-als-azubi-in-brandenburg-a-1180961-druck.html [Abruf: 13.02.2018]

    Metin, Mehmet (o. J.): Kultursensible Betreuung von türkischen (muslimischen) Patienten im Krankenhaus und in der ambulanten Versorgung, online unter URL: http://www.dwnh-bethel.de/pdf/Kultursensible-Betreuung.pdf [Abruf: 13.02.2018]

    OpenThesaurus (o. J.): Zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, in: OpenThesaurus, online unter URL:
    https://www.openthesaurus.de/synonyme/zwei%20Fliegen%20mit%20einer%20Klappe%20schlagen [Abruf: 13.02.2018]

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