Weiterbeschäftigung im Rentenalter – Fluch oder Segen?

Als meine Kollegen und ich im Juli letzten Jahres unsere geschätzte Kollegin Frau H. in den Ruhestand verabschiedeten, war ich mir bewusst, dass ich Frau H. nicht nur aufgrund ihrer etwas eigensinnigen Art und ihres unvergleichbaren Humors vermissen würde, sondern insbesondere, weil Frau H. aufgrund Ihrer langjährigen Erfahrung immer eine Ansprechpartnerin war an die man sich wenden konnte, wenn inhaltliche Fragen und Problemstellungen aufkamen. Selbst wenn Sie das Problem nicht gleich lösen konnte, so konnte sie mit Ideen und Anregungen oftmals hilfreiche Tipps geben. Ihre Freude an der Tätigkeit und an dem kollegialen Austausch im Team waren dabei deutlich erkennbar. Da Frau H. bereits im Vorjahr von der Möglichkeit Gebrauch gemacht hatte, innerhalb des gesetzlich vorgegebenen Rahmens, ein Jahr länger als vorgesehen erwerbstätig zu sein, verwunderte es nicht, dass sie erneut ihr Interesse an einer Weiterbeschäftigung über das Rentenalter hinaus äußerte und dieses Anliegen durch den Leiter unserer Organisationseinheit unterstützt wurde. Weiterlesen

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Zur Rentnerpolitik in Deutschland: Demographie und Demokratie als Herausforderungen oder von einer quantitativen Mehrheit zu einer qualitativen Mehrheit?

Vorschau

Prolog zum Sinn des Lebens

Mit 30 Oscar-Nominierungen, 17 erhaltenen Auszeichnungen und weltweiten Einspielergebnissen von mehr als 2,9 Milliarden US-Dollar gilt die Filmtrilogie von „Der Herr der Ringe“ als die erfolgreichste Fantasy-Reihe aller Zeiten. Regisseur Peter Jackson gelang es den Roman von John Ronald Reuel Tolkien aus dem 20. Jahrhundert mit aufwendigen Effekten, herausragenden Kameraführungen und namhaften Akteuren neu aufleben zu lassen und auch im 21. Jahrhundert einem breiten Publikum nahezubringen. Sowohl Roman als auch Romanverfilmung durchziehen vor allem zwei Themen: Altern und Tod.

Aber warum altern wir, warum sterben wir? Warum ist uns laut Bibel nur eine Altersspanne von 70 Jahren, maximal 80 Jahren zugewiesen worden und nicht viel länger? Und warum altern Spezies mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten? [1] 

Johann Wolfgang Goethe assoziierte die Natur einmal mit einem Schauspiel: ″Ihr Schauspiel ist immer neu, weil sie immer neue Zuschauer schafft. Leben ist ihre schönste Erfindung, und der Tod ist ihr Kunstgriff, viel Leben zu haben.“ [2] Für Leben verlangt sie nach biologischen Theorien jedoch eine Gegenleistung und diese Gegenleistung ist Fortpflanzung. Ist die Fortpflanzung nicht länger gegeben, investiert die Natur auch nicht länger in ein Lebewesen. [3] Es altert, erkrankt und stirbt. Dies lässt den Gedanken an ein programmiertes Altern, eine Art innere Uhr hervorrufen, die bei allen Spezies unterschiedlich eingestellt ist. Oftmals wird ihre Existenz darin begründet, dass die zahlreichen Folgen des Alterns bei verschiedenen Individuen einer Spezies alle mehr oder weniger zur selben Zeit auftreten. [4]

Fadenwürmer leben in der Regel nicht länger als drei Wochen, Mammutbäume können dagegen mehrere tausend Jahre alt werden. Nur wenige warmblütige Tiere schaffen es, ein Alter von mehr als 70 Jahren zu erreichen. Zu diesen Auserwählten gehören u.a. Elefanten.

Abb. 1: Elefant als Sinnbild

Getreu dem Motto: je älter, desto besser.

Elefanten, als größte Landsäugetiere auf unserer Erde werden in verschiedenen Kulturen als Sinnbild für Weisheit und ein langes Leben verehrt. Durchaus können sie ein Alter von mehr als 80 Jahren erreichen. Sie leben in Sozialverbänden, in denen die Herdenältesten das Sagen haben. Vornehmlich wird eine Elefantenherde von einer reifen Leitkuh angeführt. Weisheit kommt bei Elefanten mit dem Alter und damit profitiert die gesamte Herde von den langjährigen Erfahrungen und Erkenntnissen ihrer Matriarchin bspw. beim Einschätzen von Gefahrenpotenzialen. Die Leitkuh kann für eine Elefantenherde überlebenswichtig sein, weshalb ihre Autorität auch nur in den seltensten Fällen angezweifelt wird.

In vielerlei Hinsicht sind sich Elefanten und Menschen sehr ähnlich. Sie leben in komplexen Netzwerken, nach strikten Sozialnormen und vor allem in ihren Lebensstadien unterscheiden sie sich kaum voneinander. Erst mit einem Alter von 20 Jahren sind Elefanten ausgewachsen, zwischen 20 und 30 Jahren gelten sie als junge Erwachsene und hinsichtlich ihrer Langlebigkeit können sie es ohne Weiteres mit den Menschen aufnehmen.

Psalm 90,10: ″Unser Leben währet siebzig Jahre, und wenn’s hoch kommt, so sind’s achtzig Jahre, und was daran köstlich scheint, ist doch nur vergebliche Mühe […]; denn es fähret schnell dahin, als flögen wir davon.“

Seit jener Zeit, als verkündet wurde, dass unsere Lebensspanne nur 70 Jahre, maximal 80 Jahre beträgt, haben es tatsächlich nur wenige von uns geschafft, auch nur halb so lang zu leben. [5] Aufgrund von Krankheiten, Hungerkatastrophen und Kriegen starben Menschen zumeist noch vor ihrer laut Bibel zugemessenen Zeit – allein im 14. Jahrhundert noch ehe sie ein Alter von 40 Jahren erreichten. Zu den großen Errungenschaften aus modernen Zeiten gehört jedoch eine sukzessive Erhöhung der Lebenserwartung. Durch gesunde Ernährung und medizinische Versorgung sowie verbesserte Hygiene und soziale Fürsorge einhergehend mit einem allgemein steigenden Wohlstand wird uns mehr Zeit zum Leben geschenkt.

Fragestellungen im Blog

Zwei zentralen Fragen wird sich im Folgenden gewidmet:

  • Wie lange noch können wir, werden wir, in der Lage sein dem Alter und dem Tod, Schicksale, die alle Spezies teilen, zu entkommen?
  • Welche politischen Konsequenzen ergeben sich aus einer alternden Gesellschaft?

Aus beiden Fragen sind Folgefragen konzipiert, denen separat nachgegangen wird. Dabei werden u.a. Autoren wie Aybrey de GreyFrank Schirrmacher und Wolfgang Gründinger zitiert. Jeder von ihnen vertritt seine eigene geniale wie auch umstrittene Theorie zum Alter und zum Tod. Der Sozialforscher Frank Schirrmacher prophezeit in seinem polemischen Werk „Das Methusalem-Komplott“ darüber hinaus eine demographische Katastrophe für Deutschland. Nach seinen apokalyptischen Thesen zum demographischen Wandel stehen uns tiefgreifende politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Veränderungen bevor, welche es hier zum Teil zu erörtern gilt. Dabei werden auch Gegenthesen zu den drohenden Auswirkungen des Methusalem-Staates aufgestellt.

125 Jahre: Die neue Lebensgrenze?!

Im Jahr 2014 erschien auf den deutschen Kinoleinwänden „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“, eine schwedische Filmkomödie von Felix Herngren basierend auf dem gleichnamigen Roman von Jonas Jonasson. In seinem Debütroman gibt Jonas Jonasson eine humorvolle Geschichtsstunde zu den großen historischen Ereignissen im 20. Jahrhundert in Gestalt der Autobiografie eines hundertjährigen Mannes. Den Buchdeckel ziert ein Elefant, in zweifacher Hinsicht passend, da es einerseits um einen uralten Mann geht und andererseits ein Elefant selbst im Buch eine entscheidende Rolle spielt.

Abb. 2: Entwicklung der Lebenserwartung in Deutschland (eigene Darstellung)

Während Schwedinnen und Schweden des Jahres 1800 durchschnittlich 32 Jahre alt wurden, lag die Lebenserwartung schon im Jahr 1900 bei 52 Jahren und aktuell bei 83 Jahren. Dies entspricht einem Plus von etwa 12 Prozent pro Generation, wenn diese nach Genealogie im Durchschnitt 20 Jahre lang ist. In Schweden sind auch 100 Jahre schon längst keine Ausnahme mehr und auch wir Deutschen werden immer älter. Nach den aktuellen Kohortensterbetafeln für Deutschland werden heute geborene Jungen zwischen 84 und 90 Jahre und Mädchen zwischen 88 und 93 Jahre alt. Damit hat sich die Lebenserwartung innerhalb von 100 Jahren in etwa verdoppelt.

Mediziner und Statistiker versuchen vehement zu eruieren, wie lange dieser Anstieg noch möglich ist. Aufgrund von begünstigenden biologischen, medizinischen und demographischen Bedingungen lässt sich aller Wahrscheinlichkeit nach unser Leben noch weiter verlängern[6] Lebensalter von 100 und mehr Jahren wären damit alles andere als eine Seltenheit. US-Forscher glauben jedoch an eine natürliche Obergrenze.

Abb. 3: Forscher streiten um die maximale Lebenszeit

Im Fachblatt „Nature“ wird die Grenze unseres Lebensalters auf 125 Jahre beziffert. [7] Visionäre wie der theoretische Biogerontologe Aybrey de Grey halten dagegen, dass Menschen durchaus hunderte oder tausende Jahre alt werden können. Auch nach James Vaupel, Demograph und Direktor des Max-Planck-Institutes für demographische Forschung in Rostock, gebe es keine Grenze für eine durchschnittliche und maximale Lebenserwartung. Alle in der Vergangenheit ausgerufenen Grenzen seien immer widerlegt worden und auch biologische Gründe für ein Limit ließen sich nicht verifizieren. Biologen hätten noch nicht nachweisen können, dass bestimmte Gene unmittelbar den Alterungsprozess und den Todeszeitpunkt festschreiben. [8]

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Spielt Generationenübergreifendes Wohnen im Alter zukünftig eine größere Rolle?

Spielt Generationenübergreifendes Wohnen im Alter zukünftig eine größere Rolle?

Einleitung

Für Menschen aller Altersstufen und in allen Lebensphasen hängen Lebensqualität und Wohlbefinden in hohem Maße von der Zufriedenheit mit ihrer Wohnsituation ab. Dies gilt insbesondere für alte Menschen, denn für sie ist die Wohnung oftmals der räumliche Lebensmittelpunkt. Mit zunehmendem Alter verbringen Menschen durchschnittlich mehr Zeit in der eigenen Wohnung und ihr Bewegungsradius wird kleiner. Die Teilhabe alter Menschen am gesellschaftlichen Leben findet zu einem Großteil am Wohnort statt. So ist auch die Unterstützung, Versorgung und Pflege alter Menschen räumlich an ihren Wohnort gebunden. Für die Politik stellt sich daher die Frage, welche Möglichkeiten sie hat, die Wohnsituation alter Menschen so zu gestalten, dass ihre soziale Teilhabe gefördert und ein selbstbestimmtes Leben bis ins hohe Alter ermöglicht wird. (BMFSFJ 2016, S. 255)

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Hochschulen im demografischen Wandel

Die besondere Rolle von Hochschulen im demografischen Wandel

Durch den demografischen Wandel stehen Wirtschaft, Politik und Verwaltung in Deutschland zukünftig vor besonderen Herausforderungen. Häufig werden mit ihm Szenarien wie Überalterung, Fachkräftemangel oder Landflucht verbunden. Als Folgen werden reduzierte Erwerbspersonen- und Innovationspotentiale[1], ein spürbares Sinken des individuellen Lebensstandards sowie eine durch zunehmende Migration bedingte Heterogenisierung der Gesellschaft prognostiziert.[2] Weniger dramatisch könnte man es auch wie Fritsch et al. zusammenfassen: „Wir werden weniger, älter und bunter.“[3]

Auch wenn dies nicht gleichermaßen auf alle Staaten in Europa zutreffe, bestehe jedoch grundsätzlich Konsens, dass es zu einer Alterung der Gesellschaft kommen und demzufolge bis 2050 einen Bevölkerungsrückgang geben werde.[4] Die sozialen und wirtschaftlichen Konsequenzen dieser Entwicklungen werden von Experten als gravierend eingeschätzt und betreffen neben vielen weiteren Lebensbereichen auch und insbesondere den Bildungsbereich.[5] Im Kontext von Globalisierung und Wissensgesellschaft hänge das Innovationspotential einer Gesellschaft nicht zuletzt von einer jungen und gut ausgebildeten Generation ab.[6]

Hochschulen bewegen sich im Prozess dieses Weniger-, Älter- und Bunterwerdens insgesamt auf besondere und mehrdimensionale Weise: Sie sind von den Auswirkungen demografischer Veränderungen und Tendenzen betroffen, gleichzeitig können sie aktiv Einfluss auf diese Entwicklungen nehmen.[7] Wie dies vonstattengeht und welche Handlungsfelder für Hochschulen damit im Einzelnen einhergehen, wird nachfolgend erläutert. Hierfür werden im ersten Abschnitt demografische Entwicklungen im hochschulischen Kontext sowie die Bedeutung der akademischen Weiterbildung unter dem Stichwort ‚lebenslanges Lernen‘ betrachtet. Danach folgt ein Exkurs über den Erhalt des Status der Wissensgesellschaft unter demografisch bedingten Veränderungen. Das Thema Migration wird unter der Fragestellung betrachtet, inwiefern Möglichkeiten der Fachkräftegewinnung durch akademische Mobilität bestehen. Es schließt sich ein Blick in die Hochschulen hinein an unter der Fragestellung, ob der demografische Wandel als Forschungsgegenstand ausreichend Beachtung findet und welche Fragen mitunter zukünftig noch zu klären sein werden. Die oben implizierte Bedeutung von Hochschulen als Objekte und Subjekte des demografischen Wandels knüpft an die Betrachtungen von Fritsch et al. an und ist Prämisse für die nachfolgenden Gedankengänge.

Demografische Entwicklungen im hochschulischen Kontext

Als Objekte des demografischen Wandels sind Hochschulen gegenwärtig mit einer ungewissen und zum Teil sogar paradoxen Entwicklung konfrontiert. Während die Bevölkerungszahl in Deutschland in den letzten 20 Jahren um ca. 0,62 % zurückgegangen ist, hat sich die Anzahl der Studierenden im gleichen Zeitraum um fast 51 % erhöht.[8] Im Jahr 2016 waren demnach so viele Studierende an deutschen Hochschulen immatrikuliert wie noch nie zuvor (2.807.010 Studierende).[9] Dieser Anstieg könne jedoch nur in sehr geringem Maße auf die Entwicklung der Bevölkerung im typischen Studierendenalter zwischen 19 und 25 Jahren zurückgeführt werden, welche im Betrachtungszeitraum von 1995 bis 2012 nur ca. 3,4 % betrug.[10] Von entscheidender Bedeutung für die ansteigenden Studierendenzahlen sei vielmehr die Zunahme des Anteils der Studierenden pro Jahrgang.[11] Diese Entwicklung geht mit der so genannten Akademisierung des Arbeitsmarktes als eine der Folgen der Globalisierung einher.

Nach einer Prognose des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) aus dem Jahr 2014 werde die Anzahl an Personen der genannten Altersgruppe bis 2030 vermutlich um 20,23 % sinken.[12] Ob sich diese Prognose auch in den Immatrikulationszahlen an Hochschulen niederschlagen wird, ist aus genanntem Grund hingegen ungewiss und nur bedingt zuverlässig zu eruieren.[13] Werden beispielsweise weitere Berufsausbildungen akademisiert, wie u.a. vom Wissenschaftsrat für medizinische Pflegeberufe gefordert[14], kann eventuell trotz des Rückgangs der Menschen in der Altersgruppe mit gleichbleibenden Immatrikulierendenzahlen an Hochschulen gerechnet werden. Unabhängig von diesen Möglichkeiten sind sich gegenwärtige Prognosen jedoch darin einig, dass die Anzahl der Studienanfänger bis zum Jahr 2019 in etwa konstant bleiben und dann mit hoher Wahrscheinlichkeit abnehmen werde.[15]

Daraus ergeben sich für Hochschulen, deren Landespolitik und –Verwaltungen, sowie für die Städte und Regionen, in denen Hochschulen ansässig sind, erste Handlungsfelder: Eine Analyse der jeweiligen Standortfaktoren und die Identifikation von curricularen oder standortspezifischen Entwicklungspotentialen werden zukünftig notwendig sein, um einer Marginalisierung des Ausbildungsstandortes und den damit verbundenen Ausstattungseinbußen entgegenzuwirken.[16] Hier müsse insbesondere ein Umdenken der Politik stattfinden, welche die Existenz und finanzielle Ausstattung von Hochschulen vorwiegend durch Studierendenzahlen rechtfertigt.[17] Neben der Bildungsfunktion seien schließlich auch die hochschulischen Funktionen im Bereich von Forschung, Innovation und Wissenstransfer zu berücksichtigen.[18] Zudem könnten Hochschulen eine entscheidende Rolle einnehmen, wenn es darum geht, den zukünftigen demografisch-herausgeforderten Anforderungen des Arbeitsmarktes gerecht zu werden, indem spezifische Angebote für nicht traditionelle Studierende, beispielsweise in Form von Weiterbildungen für ältere Arbeitnehmer, angeboten würden.

Die Bedeutung von Weiterbildung im demografischen Wandel

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) stellt in einem Kurzbericht die prognostizierte Entwicklung des so genannten Erwerbspersonenpotentials in Deutschland bis zum Jahr 2050 dar.[19] Dieses werde ohne Zuwanderung und bei konstanter Erwerbsquote von derzeit knapp 45 Millionen Personen auf knapp 27 Millionen Personen im Jahr 2050 sinken.[20] Daraus ergeben sich sowohl quantitative und qualitative Herausforderungen, die gemeinhin mit dem Stichwort ‚Fachkräftemangel‘ zusammengefasst werden. Als wissens- und innovationsstarkes Land gehe es für Deutschland darum, den demografisch bedingten Rückgang des Erwerbspersonenpotentials einerseits bestmöglich durch Migration auszugleichen.[21] Auf die Migration wird im weiteren Verlauf noch eingegangen werden. Andererseits erfordere der Erhalt des Status der Wissensgesellschaft vielfach neue und andere Qualifikationen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer auf allen Ebenen.[22] Dies liege begründet in technologischen Innovationen, Veränderungen in betrieblichen Arbeitsorganisationen, dem wachsenden Stellenwert von Information und Wissen im Arbeitsalltag, aber auch der Globalisierung.[23] Diese Einschätzung teilen auch die Expertinnen und Experten des 2011 durchgeführten Hochschuldelphis: Sie prognostizieren, dass die Veränderungen in der Altersstruktur eine intensivere Qualifikation von älteren Bürgerinnen und Bürgern erforderlich mache und dass in diesem Zuge auch spezielle Studiengänge für 40- bis 70jährige entwickelt würden.[24] Weiterbildung unter der Überschrift des ‚lebenslangen Lernens‘ stellt damit einen wesentlichen Faktor für die Bewältigung der Herausforderungen dar, die mit dem demografischen Wandel einhergehen. Daraus ergibt sich für Hochschulen, wie oben bereits erwähnt, das Handlungsfeld der Weiterbildung und der vermehrten Aufnahme nicht traditioneller Studierender, um als Akteur im demografischen Wandel tätig zu werden.

Exkurs Wissensgesellschaft: Konsequenzen für die älterwerdende Gesellschaft

Der Begriff ‚Wissensgesellschaft‘ hebt die allgemeine Bedeutung von Wissen in einer Gesellschaft und insbesondere für die ökonomische Wertschöpfung hervor und beschreibt darüber hinaus dessen Einzug in die meisten Lebensbereiche.[25] Häufig wird die Wissensgesellschaft auch als nächste Stufe der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung nach der Industriegesellschaft des 19. und 20. Jahrhunderts aufgefasst.[26] Informationsbasierte Wertschöpfung wird in der so genannten Sektorentheorie als Wertschöpfung im tertiären Sektor bezeichnet. Die Tabelle zeigt den Bedeutungszuwachs des tertiären Sektors gegenüber dem primären und sekundären Sektor innerhalb der letzten 60 Jahre.[27]

Die Sektorentheorie, welche im Verlauf des Entwicklungsprozesses von Volkswirtschaften die Bedeutungsverschiebung der Wirtschaftssektoren beschreibt und erklärt[28], hat das Element des spezifischen Wissens mittlerweile aufgegriffen und einen vierten Sektor definiert, der sich vor allem durch höherwertige Tätigkeiten mit spezialisierten Kenntnissen der Beschäftigten auszeichne.[29] Diesem gehören z.B. Forschung und Entwicklung, Banken und Versicherungen, sowie Steuer-, Rechts- und Unternehmensberatung an.[30]

Eine Wissensgesellschaft, die geprägt ist vom „Weniger- und Älterwerden“ (s.o.), steht der Herausforderung gegenüber, die mit dem Wissen verbundene Innovationsfähigkeit aufrecht zu halten, um zukünftig nicht nur ökonomisch abgesichert zu sein, sondern auch die Elemente des Wohlfahrtsstaates[31] trotz der veränderten demografische Struktur halten und nutzen zu können. Dies lässt sich jedoch nur bewerkstelligen, wenn das allgemeine Bildungsniveau in der Gesellschaft erhöht wird. Pointiert zusammengefasst:

„Je weniger Menschen es gibt, desto weniger kann es sich eine Gesellschaft leisten, auf individuelle Beiträge der Einzelnen zur allgemeinen Entwicklung zu verzichten. Dies läuft auf die Notwendigkeit hinaus, generell das durchschnittliche gesellschaftliche Bildungs- und Qualifikationsniveau anzuheben.“[32]

Diese Aussagen gehen mit obenstehenden Überlegungen zum Bedeutungszuwachs hochschulischer Qualifikationen sowie dem Handlungsfeld der Weiterbildung an Hochschulen einher. Der Status einer Wissensgesellschaft und das damit verbundene Innovationspotential können bei einer sinkenden Bevölkerungszahl zwar grundsätzlich erhalten bleiben, jedoch erfordert dies ein systemisches und organisations-übergreifendes Um- und Weiterdenken. Die gegenwärtige Forcierung des ‚lebenslangen Lernens‘ durch europäische, nationale und föderale Bildungsinstitutionen ist für den notwendigen Paradigmenwechsel ein erfolgversprechender Ansatz. Der Blick in eine Übersicht über aktuelle Studiengänge in Deutschland ermöglicht bereits jetzt erste Rückschlüsse: Von insgesamt 19.223 Studiengängen, die derzeit an deutschen Hochschulen angeboten werden, sind 1.338 Studiengänge der Kategorie ‚berufsbegleitend‘ zu finden.[33] Insgesamt 569 Studiengänge sind im Fernstudium zu studieren, und sogar 2.549 Studiengänge können in Teilzeit studiert werden.[34] Damit sind ca. 23 % der Studiengänge, die an deutschen Hochschulen angeboten werden, grundsätzlich nicht nur für traditionelle Studierende zugänglich, sondern beinhalten ein flexibilisierendes und damit zur Weiterbildung nutzbares Potential.

Möglichkeiten der Fachkräftegewinnung durch akademische Mobilität

Eine Kompensation des demografisch bedingten Rückgangs der Bevölkerungszahlen durch eine grundsätzlich höhere Bildung kann jedoch nur eines von mehreren Elementen zum Erhalt des Status einer Wissensgesellschaft sein. Als „Megatrend“ des 21. Jahrhunderts wird neben dem demografischen Wandel auch das Thema Migration gehandelt.[35] Expertinnen und Experten sind sich darin einig, dass der durch den demografischen Wandel bedingte Fachkräftemangel u.a. auch durch gut ausgebildete Menschen aufgefangen werden könne, die aus dem Ausland nach Deutschland migrieren.[36] Migration stellt damit ein weiteres Element zum Erhalt des Wissensgesellschaftsstatus dar.

In einer aktuellen Publikation der Bundesagentur für Arbeit (BA) werden, diesen Ansatz unterstützend, mit Blick auf die genannten Herausforderungen zehn Handlungsfelder erörtert, u.a. auch das Handlungsfeld ‚Zuwanderung von Fachkräften‘.[37] Durch eine gesteuerte Zuwanderung von Fachkräften erscheine hiernach die Gewinnung von 0,4 Millionen bis 0,8 Millionen Fachkräften aus dem Ausland bis 2025 realisierbar.[38] In der angeschlossenen Übersicht über die Zuständigkeiten für die Erfüllung der Aufgaben, werden in diesem Handlungsfeld zwar Unternehmen und der Bund genannt, nicht aber die Hochschulen, was an dieser Stelle kritisch angemerkt werden soll.[39]

In der Wissenschaft hat Mobilität nämlich nicht nur eine lange Tradition, sondern aktuell auch eine große Bedeutung. Im akademischen Kontext sind im Jahr 2014 weltweit ca. 4,3 Millionen Studierende außerhalb ihres Heimatlandes eingeschrieben gewesen.[40] Dies entspreche einem Anstieg von rund 300.000 international mobilen Studierenden bzw. 7,5 % im Vergleich zum Vorjahr.[41] Innerhalb der letzten zehn Jahre habe die Zahl der international mobilen Studierenden insgesamt um 1,6 Millionen bzw. 59 % zugenommen.[42] An deutschen Hochschulen waren 2014 insgesamt 218.848 internationale Studierende eingeschrieben, womit Deutschland nach den USA (842.384), Großbritannien (428.728), Australien (266.048) und Frankreich (235.123) eines der fünf attraktivsten Länder für studentische Mobilität ist.[43] Genau hier könnten Politik und Wirtschaft aktiv um qualifizierte Zuwanderung werben. Insbesondere im Bereich der angewandten Wissenschaften ließen sich Migrationspotentiale erschließen, woraus sich weitere Handlungsfelder für (Fach-)Hochschulen ergeben: Die curriculare Verankerung von Praktika oder der Erwerb von Deutschkenntnissen wären zwei Bereiche, mit denen Hochschulen gemeinsam mit der Politik und Wirtschaft Einfluss auf Fachkräftegewinnung durch akademische Mobilität nehmen könnten. Darüber hinaus seien Bestrebungen in der Etablierung einer Willkommenskultur zu unternehmen, wie es in der Erläuterung des Handlungsfeldes ‚Zuwanderung von Fachkräften‘ in der Publikation der BA heißt.[44] Hier können Hochschulen an ihre Internationalisierungserfahrungen und bestehende Strukturen anknüpfen und diese um den Fokus der Fachkräftewerbung, -Gewinnung und –Integration erweitern. Hierdurch können für Hochschulen bedingt durch den demografischen Wandel zukünftig ein Bedeutungszuwachs und – mit Blick auf zukünftig vermutlich sinkende Studierendenzahlen – ein Legitimationsargument entstehen.

Hochschulen im Kontext des demografischen Wandels – Ein Fazit

Der demografische Wandel in Deutschland wird Hochschulen zukünftig unweigerlich vor die Aufgabe der Anpassung ihrer Strukturen und ihrer Leistungsangebote stellen, um der gesellschaftlichen Verantwortung auch weiterhin gerecht werden zu können. Die hier aufgeführten Möglichkeiten (Wahrnehmung von Weiterbildungsaufgaben sowie Anwerbung und Integration von ausländischen Fachkräften) sind nur zwei Bereiche, in denen die Hochschulen ihre Aktivitäten verstärken können. Daneben können auch weitere Fragen aufgeworfen werden, etwa welche Herausforderungen sich für Hochschulen aus der veränderten sozialen Zusammensetzung der nachwachsenden Generationen ergeben[45], oder ob es einen Effekt der ‚Abwanderung‘ deutscher qualifizierter Absolventinnen und Absolventen aufgrund der akademischen Mobilität gibt, dem es gleichsam der Gewinnung ausländischer Fachkräfte entgegenzuwirken oder vorzubeugen gilt. [46]

Allgemein ist bemerkenswert, dass dem demografischen Wandel an Hochschulen bislang vergleichsweise wenig Beachtung zuteilwurde. Forschung zum demografischen Wandel findet eher in außeruniversitären Einrichtungen, wie etwa dem Rostocker Zentrum zur Erforschung des Demografischen Wandels, dem Max-Planck-Institut für Demografische Forschung oder der Deutschen Gesellschaft für Demografie e.V. statt. Auch findet sich deutschlandweit lediglich ein Masterstudiengang zum Thema (M.Sc. Demographie). Es ist aber davon auszugehen, dass das Thema in diversen gesellschafts-/politik-/wirtschafts-wissenschaftlichen Studiengängen Beachtung findet und unter fachspezifischen Gesichtspunkten beleuchtet wird, wie etwa im Masterstudiengang Public Administration an der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin.

Mit Blick auf die Hochschulverwaltungen ergeben sich aus den erwähnten Auswirkungen des demografischen Wandels unterschiedliche Handlungsfelder, die oben genannt wurden und vom Hochschulmanagement zukünftig bei strategischen Entscheidungen in Betracht gezogen werden sollten. Im Kontext der Hochschulen, aber auch allgemein, entsteht der Eindruck, dass mit dem demografischen Wandel häufig Probleme assoziiert werden. Diese entstehen jedoch nur dadurch, dass das (Verwaltungs-)System von einer demografischen Kontinuität ausgeht, darauf aufbauend entwickelt wurde und sich über die vergangenen Jahrzehnte etablieren konnte. Bei der sich derzeit abzeichnenden Veränderung der gesellschaftlichen Struktur droht dieses System nun seine ‚Passgenauigkeit’ zu verlieren. Die Problematik besteht daher nicht in der Veränderung der Gesellschaft, sondern vielmehr in der Statik des Verwaltungssystems. Forderungen nach mehr Dynamik sind nicht zuletzt mit Blick auf demografische Veränderungen überfällig. Hochschulen könnten Dank der ihn zugeschriebenen Autonomie Vorreiter eines innovativen Prozesses sein: dem Prozess einer Verwaltungs-Dynamisierung.

Anzahl der Wörter: 2.325

Fußnoten

[1] Vgl. Gregersen, J. (2011), S. 56.

[2] Vgl. Börsch-Supan, A./Wilke, C. (2009), S. 25.

[3] Fritsch M./Pasternak P./Titze M. (2015), S. 2.

[4] Vgl. Gregersen, J. (2011), S. 56.

[5] Vgl. Ebd.

[6] vgl. Birg, H. (2001), S. 30.

[7] Vgl. Fritsch M./Pasternak P./Titze M. (2015), S. 9.

[8] Vgl. DESTATIS (2018): Studierende. Betrachtungszeitraum 1996-2016. Online.

[9] Vgl. Spiegel-Online (2016): Studentenrekord an deutschen Hochschulen. Online.

[10] Vgl. Fritsch M./Pasternak P./Titze M. (2015), S. 68.

[11] Vgl. Dohmen (2014).

[12] Vgl. Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) (2014).

[13] Vgl. Fritsch M./Pasternak P./Titze M. (2015), S. 69f.

[14] Vgl. Wissenschaftsrat (2012), S. 7.

[15] Vgl. Fritsch M./Pasternak P./Titze M. (2015), S. 69f.

[16] Vgl. Ebd., S. 9.

[17] Vgl. Ebd., Vorwort.

[18] Vgl. Ebd.

[19] Vgl. Weber, B./Weber E. (2013).

[20] Vgl. Ebd.

[21] Vgl. Bundesagentur für Arbeit (2011), S. 9.

[22] Vgl. Ebd.

[23] Vgl. Ebd., S. 5.

[24] Vgl. Gregersen, J. (2011), S. 96.

[25] Vgl. Bundeszentrale für politische Bildung (2013a).

[26] Vgl. Ebd.

[27] Vgl. Bundeszentrale für politische Bildung (2013b).

[28] Vgl. Lexikon der Geographie (2018a).

[29] Vgl. Lexikon der Geographie (2018b).

[30] Vgl. Ebd.

[31] Vgl. Bundeszentrale für Politische Bildung (2018).

[32] Fritsch M./Pasternak P./Titze M. (2015), S. 11.

[33] Vgl. Hochschulkompass (2018).

[34] Vgl. Ebd.

[35] Vgl. Bundeszentrale für Politische Bildung (2011).

[36] Vgl. Ebd.

[37] Vgl. Bundesagentur für Arbeit (2011), S. 11.

[38] Vgl. Ebd., S. 15.

[39] Vgl. Ebd., S. 50f.

[40] Vgl. Deutsches Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (2017), S. 18.

[41] Vgl. Ebd.

[42] Vgl. Ebd.

[43] Vgl. Ebd., S. 22.

[44] Vgl. Bundesagentur für Arbeit (2011), S. 15.

[45] Vgl. Fritsch M./Pasternak P./Titze M. (2015), S. 10.

[46] Vgl. Ebd.

Verwendete Quellen

Literatur

Birg, H. (2001): Die demographische Zeitenwende. Der Bevölkerungsrückgang in Deutschland und Europa. C.H. Beck Verlag. München.

Börsch-Supan, A./Wilke, C. (2009): Zur mittel- und langfristigen Entwicklung der Erwerbstätigkeit in Deutschland. In: Zeitschrift für Arbeitsmarktforschung 01/09, S. 25-48.

Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) (2014): Bevölkerung in den Raumordnungsregionen gesamt und nach Altersgruppen von 1990 bis 2030. Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung. Bonn.

Dohmen, Dieter (2014): FiBS-Studienanfängerprognose 2014 bis 2025: Die Zeit nach den doppelten Abiturjahrgängen. Forschungsinstitut für Bildungs- und Sozialökonomie (FiBS-Forum Nr. 51). Berlin.

Fritsch, M./Pasternak, P./Titze, M. (2015): Schrumpfende Regionen – dynamische Hochschulen. Hochschulstrategien im demografischen Wandel. Springer Fachmedien. Wiesbaden.

Gregersen, Jan (2011): Hochschule@zukunft2030. Ergebnisse und Diskussionen des Hochschuldelphis. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Springer Fachmedien. Wiesbaden.

Wissenschaftsrat (2012): Empfehlungen zu hochschulischen Qualifikationen für das Gesundheitswesen. Drucksache 2411-12. Berlin.

Online-Quellen

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DESTATIS (2018): Studierende. Betrachtungszeitraum 1996-2016. Online. URL: https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/Indikatoren/LangeReihen/Bildung/lrbil01.html [Zugriff am 02.02.2018]

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Lexikon der Geographie (2018b): Quartärer Sektor. Online. URL: www.spektrum.de/lexikon/geographie/quartaerer-sektor/6342 [Zugriff am 02.02.2018]

Spiegel-Online (2016): Studentenrekord an deutschen Hochschulen. Online. URL: www.spiegel.de/lebenundlernen/uni/deutschland-neuer-studentenrekord-an-hochschulen-a-1123119.html [Zugriff am 09.02.2018]

Weber, B./Weber E. (2013): Bildung ist der beste Schutz vor Arbeitslosigkeit. IAB-Kurzbericht 4/2013. Online. URL: http://doku.iab.de/kurzber/2013/kb0413.pdf [Zugriff am 03.02.2018]

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Ein Gespenst geht um – Altersarmut trotz privater Vorsorge?

„Seit Jahren wird es uns eingebläut: Nur wer privat vorsorgt, kann seinen Lebensstandard im Alter halten. Eine ausreichende gesetzliche Rente sei unbezahlbar. Nun aber zeigt sich, auch mit der privaten Vorsorge klappt es nicht wie geplant.“ (Siehe DasErste.de „plusminus“ Videobeitrag vom 09.09.2015)

„Altersvorsorge ist wichtig“ so wurde es mir schon während meiner Ausbildung zum Bankkaufmann Mantra artig eingetrichtert. Schon zu Beginn meiner Ausbildung im Jahre 1999 suggerierten mir Hochglanz Broschüren unserer Partnergesellschaft mit Schwerpunkt Investmentsparplänen neben den mehr oder weniger klugen Ratschlägen meiner Kollegen in der hiesigen Bankfiliale vor Ort, dass der Staat all diejenigen mit einer jährlichen Zulage belohnen würde, die bereits schon während des Erwerbslebens einen geringen Teil ihres Einkommens in staatlich geförderte Altersvorsorgefinanzinstrumente investieren würde. Im Jahr 2001 wurde dann aus der noch lapidar bezeichneten Sparform „PrivateVorsorge“ dann das „Riester-Sparen“. Mit plakativen Sprüchen wie: „Kleiner Beitrag – große Wirkung“ oder „Schutz vor Hartz-IV“ sowie „Lebenslange Rente“ war ich damals davon überzeugt, das Richtige getan zu haben.

Als Bonbon gab es dann noch ein paar extra Taler meines Arbeitgebers in Form von vermögenswirksamen Leistungen dazu. Im Grunde konnte ich gar nicht nein sagen. Fortan bin ich also Teil der millionenfachen „Riester-Spargemeinde“, die im guten Glauben eine private Vorsorge als kleine Zusatzrente für sich selbst abgeschlossen zu haben „riestern“. Ob das reichen wird meinen Lebensstandard bei Renteneintritt in zurzeit prognostizierten ca. 30 bis 40 Jahren zu halten? Wie steht es um das Altersarmutsrisiko insgesamt in Deutschland? Werde ich einmal von Altersarmut betroffen sein? Und ist Rentenpolitik nur für Rentner interessant? Folgen Sie mir auf eine kurze Reise durch unser Rentensystem der Altersarmut auf der Spur…

 

Deutschland: Stärkstes Rentenplus seit 23 Jahren.

Siehe: Karikatur von Paolo Calleri

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Pflege und Betreuung – eine Untersuchung zur aktuellen Pflegesituation

Einleitung

Wir reden von heute. In 20 oder 50 Jahren mag alles anders aussehen. Dann mögen die Alten in Deutschland sich in solcher Zahl tummeln, dass es mehr Großeltern gibt als Enkel.

(von Kuenheim 2006: 1)

Mit diesen Sätzen beginnt Haug von Kuenheim seinen Artikel über die Welt der Alten. Er schildert darin eher anschaulich, oftmals mit etwas Ironie und Übertreibung behaftet, wie er sich die zukünftige Entwicklung Deutschlands vorstellt. Gleichzeitig prophezeit er der deutschen Gesellschaft einen gravierenden Wandel, der alle Lebensbereiche umfassen und das Gesicht der Bundesrepublik nachhaltig verändern wird.

Die Anzahl der Rentner und Pensionäre wird zukünftig immer weiter ansteigen, dass belegen die Zahlen aus Umfragen und Forschungen. Doch was bedeutet diese Erkenntnis für uns als Gesellschaft? Sie, die graumelierten ‚alten‘ Bürger, werden mit einer hohen Wahrscheinlichkeit konsequent das Bild des öffentlichen Lebens prägen und mit ihren Bedürfnissen, Wünschen und Lebensvorstellungen großen Einfluss auf die Entwicklung unserer Gesellschaft nehmen sowie auf die Politik ausüben. Aus dieser Suggestion heraus, ergeben sich neue Fragen und Herausforderungen für unser Land und dessen politische Führung. Einige dieser Fragen an den Staat und unsere Gesellschaft werden insbesondere die nach der Pflege und Betreuung der ‚Alten‘ sein.

Die vorliegende Arbeit befasst sich gerade aus diesem Grund mit der Untersuchung dieses wichtigen, oftmals aber in seiner Bedeutung verkannten, Themas. Nach ausführlicher Bearbeitung lassen sich zwei große Themenkomplexe identifizieren bzw. eine geeignete Herangehensweise erkennen:

Zum einen sind es der Staat und die Gesellschaft selbst, die untersucht und deren Entwicklungsmöglichkeiten betrachtet werden können. Hier gilt es vor allem, die Einflussnahme durch die politischen Verantwortlichen zu untersuchen. Dabei scheinen besonders Fragen nach Pflegebedarf und -angeboten sowie der generelle Umgang der Politik mit dem Thema: ‚Alter, Alte und das Altern‘ im Fokus einer Betrachtung zu stehen. Hierfür gibt es bereits umfassende Literatur sowie einen großen Datensatz. Neben den ausführlichen Parteiprogrammen, den staatlich organisierten Umfragen und Datenerhebungen gibt es eine ganze Reihe von Werken, die neben all den wirtschaftlichen und juristischen Sichtweisen, besonders den Menschen im Blick haben. Hier sind insbesondere die soziologischen und psychologischen Untersuchungen anzuführen, deren Ziel es ist herauszufinden, welche Bedeutung Pflege und Alter auf den Menschen haben. Sie bilden deshalb häufig die wissenschaftliche Grundlage für politische Entscheidungen und haben mit ihren Ergebnissen die Entwicklungen in der Pflege beeinflusst.

Zum anderen kann man über die betroffenen Personen selbst eine aussagekräftige Forschung anfertigen und sich so dem Thema Pflege und Betreuung nähern. Jede befragte Person hat einen individuellen Lebenshintergrund, der sich aus eigenen Erfahrungen oder der persönlichen Entwicklung generiert bzw. an den subjektiven Wünschen orientiert. Aus dieser Feststellung heraus, lassen sich weitere wichtige Aussagen treffen.

Mit Hilfe der unterschiedlichen Persönlichkeiten kann man bspw. Forderungen an die unterschiedlichen Formen der Pflege ableiten und herausfinden, was den Menschen am Ende ihres Lebens im Bereich des Wohnens und der Pflege wichtig ist bzw. sein wird. Ihre Umsetzung kann den Lebensabend eines Menschen in seiner ‚neun‘ Wohnsituation entscheidend verbessern und ihm dabei helfen, ein großes Gefühl von Zufriedenheit und Glück zu entwickeln.

Die vorliegende Arbeit befasst sich bei der Betrachtung des Themas mit dem ersten der oben genannten Punkte. Eine Auswertung der Pflegestatistik 2015 bildet hierbei die empirische Grundlage. Dies ist insbesondere der Tatsache geschuldet, dass eine umfangreiche und aussagekräftige Untersuchung, wie im zweiten Punkt beschrieben, nicht möglich war, da diese den vorgegebenen Rahmen deutlich überzogen hätte.

Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist somit die Auswertung der Pflegestatistik 2015, die Betrachtung der Ergebnisse hinsichtlich der aktuellen Pflegesituation und die Ableitung von expliziten Forderungen an die Politik.

2. Kurzer Abriss zur Geschichte der Pflege älterer Menschen

Der Umstand, dass die Pflege älterer Menschen von fachkundigem Personal in dafür vorgesehenen Einrichtungen übernommen wird, war nicht immer der Fall. Im Gegenteil, historisch betrachtet war die Pflege von Angehörigen die Angelegenheit und Aufgabe der Familie. Die pflegenden Familienmitglieder wurden dabei bspw., je nach beruflicher Situation, durch andere Personen der Familie finanziell unterstützt oder sie ließen sich bei der Pflege durch andere helfen.

Ein Blick in die Epoche des Mittelalters zeigt, dass sich bereits vor mehr als 700 Jahren erste Ansätze für eine außerfamiliäre Altenhilfe herausgebildet haben. Hierbei ist jedoch ein deutlicher Unterschied zwischen der ländlichen und der städtischen Bevölkerung zu erkennen. Während es in den Städten zahlreiche Belege für kirchliche und bürgerliche Spitäler gibt, sind in den ländlichen Gegenden kaum Belege für Einrichtungen dieser Art vorhanden.

Abbildung 1: Zeigt die Pflege im Mittelalter. Die Pflege wurde hier als christliche Aufgabe angesehen und galt, insbesondere bei den Vertretern der Geistlichkeit, als Pflicht.

Dies entwickelte sich in den nächsten Jahrhunderten in der Art und Weise weiter, dass die Älteren aufgrund eines geschlossenen Generationenvertrages geachtet wurden und die Aufgabe der Pflege meist der bäuerlichen Familie zuteil wurde. Bei der anwachsenden Arbeiterschaft gestaltete sich die Pflege durchaus komplizierter, da sie kaum Zeit zur Pflege ihrer Angehörigen aufwenden konnten. Im Zuge der Industrialisierung übernahmen deshalb mehr und mehr öffentliche Einrichtungen die Pflege der Älteren. Hinzu kam, dass mit der Einführung der Sozialversicherung auch der Generationenvertrag hinfällig wurde und nach und nach an Bedeutung verlor. Durch diese Entwicklungen ging die Verantwortung der Familie für die ältere Generation überwiegend auf die Gesellschaft über.

Im 20. Jahrhundert wandelte sich das Verständnis der Pflege mehrmals. Zunächst wurden ältere Menschen in den 1940er bis 1960er Jahren in Einrichtungen regelrecht ‚verwahrt‘, das heißt, dass die Pflege aus heutiger Sicht eher im Hintergrund stand. Vordergründig wurde hier eher die Entlastung der Angehörigen durch das ‚institutionelle Pflegen‘ angesehen.

In den 1970er Jahren spielte der Unterschied zwischen krank und gesund wieder eine starke Rolle, sodass kranke Menschen nicht direkt in Pflegeheime, sondern in ein Krankenhaus gebracht wurden. Erst in den 1980er Jahren des 20. Jahrhunderts setzte sich der Gedanke an ‚Wohnheime für die Alten‘ langsam durch, in denen der pflegebedürftige aktiviert werden sollte, um am Leben teilhaben zu können.

Mit der zunehmenden Thematisierung des demographischen Wandels in unserer Gesellschaft und durch das verstärkte Interesse der Politik daran, änderte sich die Haltung zur Behandlung und Pflege von Pflegebedürftigen, älteren Menschen erneut. Gegen Ende des 20. Jahrhunderts entwickelten sich mehrere neue Wohnformen neben dem klassischen Altenheim, wie bspw. das betreute Wohnen oder das Mehrgenerationenhaus. In den meisten Fällen ist eine Unterbringung im Pflegeheim jedoch angeraten, da in dieser Einrichtung die besten Voraussetzungen geben sind, um den Bedürfnissen pflegebedürftiger Menschen gerecht zu werden (Görnert-Stuckmann 2010: 28-31).

3. Der demografische Wandel

Vor allem technische und medizinische Fortschritte haben einen wesentlichen Einfluss darauf, dass die Menschen heute älter werden, als sie es noch vor 130 Jahren taten. Das hängt wahrscheinlich damit zusammen, dass verschiedene Krankheiten, bspw. Krebs in vielen seiner Erscheinungsformen, heutzutage als heilbar gelten. Zudem kann durch eine gesunde und bewusste Lebensweise das eigene Leben durch persönliches Mitwirken verlängert werden. An dieser Stelle ist es möglich, der Globalisierung eine positive Rolle zuschreiben. Sie ermöglicht es, dass Obst und Gemüse auch aus weit entfernten Ländern und auch zu eher untypischen Jahreszeiten, wie etwa im Winter, für den Verbraucher verfügbar sind. Daneben steht eine mehr als 70 Jahre währende europäische Friedensperiode, die ebenfalls maßgeblich die Lebensbedingungen verbesserte und außerdem die Lebenserwartung steigen ließ. Die bei Schwentker und Vaupel verwendete Grafik macht den Vergleich sehr deutlich.

Abbildung 2: Steigerung der Lebenserwartung (Schwentker/Vaupel 2011: 4). Die Lebenserwartung der Frauen in den rekordhaltenden Ländern (schwarze Punkte) folgt seit über 150 Jahren dem gleichen Trend (graue Gerade): Sie steigt ungebremst um ca. drei Monate pro Jahr. In einzelnen Ländern (farbige Linien) liegt die Lebenserwartung zwar niedriger. Sie hat aber im Laufe des letzten Jahrhunderts aufgeschlossen und steigt in ähnlichem Tempo.

Neben die positive Erscheinung des längeren Lebens, tritt jedoch die negative Erscheinung der Geburtenrate. Diese ist stark gesunken: Im Vergleich zu etwa fünf Kindern vor 130 Jahren, liegt sie heute nur noch bei 1,4 Kindern pro Frau, wie in der Grafik bei Schneider/Dorbritz zusehen ist und wie es bei Schwentker & Vaupel (Seite 10) beschrieben wird.

Abbildung 3: Zusammengefasste Geburtenziffer in Deutschland, dem frühen Bundesgebiet und Ostdeutschland, 1871/1880-2009 (Schneider/Dorbritz 2011: 29).

Dieses Phänomen betrifft aber nicht nur die Bundesrepublik Deutschland. Es handelt sich hierbei um eine Entwicklung, die weltweit beobachtet werden kann. Deutschland ist hier im Moment unter den ‚Top Ten‘ zu finden und gehört gemäß einem Artikel der Bundeszentrale für politische Bildung „zu den ältesten der Welt“ (Habekuß 2017). Grundsätzlich bedeutet diese Entwicklung, dass unser Land durch eine schnell alternde Gesellschaft gekennzeichnet ist. Dazu verändern sich zunehmend die Haushaltsstrukturen: Die Zahl der Singlehaushalte, der Patchwork-Familien und der Alleinerziehenden wächst und ist bei der Betrachtung nicht zu unterschätzen. Der demografische Wandel lässt sich demnach als (ziemlich) starker Anstieg der älteren Bevölkerung im Gegensatz zur Anzahl an jungen Menschen bis zu einem Alter von etwa 40 Jahren beschreiben. Das heißt, dass es bereits 2030 doppelt so viele Ältere als Jüngere geben wird (Grönert-Stuckmann 2010: 10).

Zur Verdeutlichung dieser allgemeinen Darstellung werden einige statistische Berechnungen hinzugezogen und mit Hilfe einer Grafik (siehe Abbildung 4: Pflegebedürftige und Pflegeart (2009 – 2015)) verdeutlicht. Bis zum Jahr 2050 wird der Anteil der über 80-Jährigen von heute 5,4 Millionen (2018) auf etwa 10,8 Millionen Menschen ansteigen (Statistisches Bundesamt 2015). Das bedeutet eine Verdopplung der sogenannten ‚Hochaltrigen‘. Die Anzahl der Pflegebedürftigen in der Altersklasse 60+ wird demnach ebenfalls um 50 Prozent auf rund drei Millionen Menschen ansteigen (Görnert-Stuckmann 2010: 11). Die Gruppe der Pflegebedürftigen unter 60 Jahren verliert bei der Berechnung immer mehr an Bedeutung. Während sie im Jahr 2007 noch einen Anteil von 14 Prozent hatten, wird ihre Zahl im Jahr 2020 bereits auf 10 Prozent gesungen sein. Im Jahr 2030 erreichen sie schließlich nur noch 7 Prozent der Gesamtsumme (Statistisches Bundesamt Deutschland 2015).

4. Auswertung der Pflegestatistik 2015

4.1 Hintergrund der Pflegestatistik

Im Dezember 1999 wurde die ‚Pflegestatistik‘ erstmalig von den Ämtern des Bundes und der Länder erhoben. Seitdem findet im Rhythmus von zwei Jahren eine Erhebung im Rahmen der Pflegeversicherung statt.

Die Pflegestatistik hat das Ziel: „Daten zum Angebot von und der Nachfrage nach pflegerischer Versorgung zu gewinnen. Es werden Daten über die Pflegebedürftigen sowie über Pflegeheime und ambulante Dienste einschließlich der Personals erhoben.“ (Statistisches Bundesamt Deutschland 2015: 4). Damit liefert die Statistik wertvolle Informationen über die Situation von pflegebedürftigen Personen im deutschlandweiten Vergleich, sowie hinsichtlich der Situation von Pflegeheimen und ambulanten Pflegediensten. Sie dient aber auch der Ermittlung von gesellschaftlichen Veränderungen im Bezug auf die Zu- oder Abnahme von Pflegebedürftigen und verdeutlicht den ökonomischen Trend von Voll- oder Teilzeitpflege hinsichtlich der Anzahl der Einrichtungen, des Personals usw. Dadurch wird die Pflegestatistik ein wertvolles Instrument für Politik und Wirtschaft.

Wie in der Einleitung der aktuellen Pflegestatistik (2015) beschrieben wird, setzt sie sich aus zwei einzelnen Erhebungen zusammen:

  1. aus der Befragung von ambulanten Pflegediensten und stationären Pflegeeinrichtungen und
  2. aus den Informationen von ‚Spitzenverbänden‘, wie etwa Pflegekassen und dem Verband der privaten Krankenversicherungen.

Aus diesen beiden Gruppen lassen sich Informationen über die Anzahl der Pflegeheime und die der ambulanten Pflegedienste, die Anzahl der Mitarbeiter und Pflegeheimplätze sowie über die Beträge der jeweiligen Pflegekassen generieren. Diese Auflistung enthält jedoch nur ein paar Beispiele der möglichen Ergebnisse. Ein weiteres wichtiges Erkenntnisfeld ist die Überprüfung des Pflegebedarfs. Hier lassen sich anhand der gewonnenen Daten Aussagen über die Verteilung von Pflegebedürftigen innerhalb des Bundes (Gesamtzahl) sowie der einzelnen Bundesländer machen und der daraus entstehende Handlungsbedarf für die Bundesregierung, aber auch die einzelnen Ländervertretungen ableiten (Statistisches Bundesamt Deutschland 2015: 4).

Der Erhebungsstichtag ist immer der 15. Dezember bei den ambulanten Pflegediensten und stationären Pflegeeinrichtungen sowie der 31. Dezember für Pflegegeldempfänger/-innen. Dies hat vor allem organisatorische Gründe.

Die Pflegestatistik stützt sich bei der Erhebung der Daten auf das Sozialgesetzbuch (SGB), welches ihr den notwendigen rechtlichen Rahmen liefert. Im XI Buch werden alle juristischen Fragen zur ‚Sozialen Pflegeversicherung‘ behandelt. „§ 109 Abs. 1 [bildet] in Verbindung mit der Pflegestatistikverordnung vom 24.11.1999, BGB. I S. 2282, geändert durch Artikel 1 der Verordnung vom 19.07.2013, BGBl. I S. 2581“ die Rechtsgrundlage für die Statistik (Statistisches Bundesamt Deutschland 2015: 4).

4.2 Auswertung der Pflegestatistik

Am Jahresende waren laut Pflegestatistik 2,86 Millionen Menschen in Deutschland gemäß SGB XI § 14 pflegebedürftig. Zum Vergleich: am Jahresende 2009 waren es 2,34 Millionen Menschen. Die Mehrheit aller Pflegebedürftigen (64%) waren Frauen. 83% waren 65 Jahre und älter (2009: ebenfalls 83%). Die Anzahl der über 85järigen betrug 37% (2009: 35%).

2,08 Millionen (2009: 1,62), dies entspricht 73% (2009: 69%) der Pflegebedürftigen, wurde zu Hause versorgt. 1.385.000 Pflegebedürftige (2009: 1.066.000) erhielten laut Statistik ausschließlich Pflegegeld. Dies bedeutete, dass sie in der Regel zu Hause allein durch ihre Angehörigen gepflegt wurden. Andere 692.000 Pflegebedürftige (2009: 555.000) lebten ebenfalls noch in Privathaushalten, wurden hier jedoch mit Hilfe von oder ausschließlich durch ambulante Pflegedienste versorgt. Die Anzahl der Menschen in stationären Pflegeheimen betrug 27% der Gesamtgruppe, dies entspricht 783.000 Personen.

Im Vergleich zum Jahr 2013 stieg die Anzahl der Pflegebedürftigen um ca. 9% (234.000). Nach Aussage der Forschungsgruppe ist der Anstieg vor allem auf die Alterung der Bevölkerung zurückzuführen. Ebenfalls war ein Anstieg der Nachfrage nach Leistungen der ambulanten Pflegedienste und vollstationären Pflegeheime zu erkennen. Während die Anzahl der in Heimen versorgten Pflegebedürftigen um rund 2,5% (19.000) angestiegen ist, ist hingegen der Anstieg bei Pflegebedürftigen, die durch einen ambulanten Pflegedienst betreut wurden, deutlich höher. So wurden 76.000 Menschen (12,4%) im Jahr 2015 mehr durch einen ambulanten Pflegedienst betreut, als noch 2013 (Statisches Bundesamt Deutschland 2015: 7).

Der Vergleich zwischen den Jahren 2013 und 2015 zeigte, dass sich kein Trend von der Pflege Zuhause hin zur vollständigen Pflege in Pflegeheim entwickelt hat.

Der Vergleich zum Jahr 2009 zeigt jedoch weitaus größere Veränderungen. Demnach ist die Zahl der Pflegebedürftigen zwischen 2009 und 2015 um circa 18% (522.041) gestiegen. Die langfristige Betrachtung der vollstationären Pflegeheime ergab einen Anstieg um 8,4% (65.926), während die Anzahl der Menschen die Zuhause versorgt wurden, einen deutlichen Anstieg von ungefähr 22% (456.114) erfuhr. Hier lässt sich aber auch ein Anstieg bei der Unterstützung durch ambulante Pflegedienste erkennen. Während im Jahr 2009 555.198 Menschen Zuhause gepflegt und die Angehörigen durch professionelle Hilfe unterstützt wurden, waren es 2015 bereits 692.273. Dies bedeutet einen Anstieg im Vergleich zwischen beiden Jahren um 19,8% (137.075).

Abbildung 4: eig. Darstelltung

Dem gegenüber steht jedoch die Zunahme der Pflegebedürftigen, die allein durch ihre Angehörigen gepflegt werden. Hier konnte bei der Auswertung der Statistik ein Anstieg von 23% (319.040) Personen festgestellt werden.

Als Erklärung hierfür können sowohl die Erhöhung des Pflegegeldes, als auch die durch den Staat geförderten Maßnahmen, wie bspw. die Anrechnung von Pflegezeiten auf die Rentenversicherung oder die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf herangezogen werden (Bundesministerium für Gesundheit 2017) oder die Tatsache, dass es nicht genügend Infrastruktur, wie z. B. eine ausreichende Anzahl Pflegeheimplätzen gibt. Des Weiteren ist anzunehmen, dass wenn ‚nur‘ einer der Ehepartner pflegebedürftig ist, dieser von seiner Frau bzw. ihrem Mann Zuhause gepflegt wird. Die Pflegestatistik führt hierfür als Erklärung einen neuen Faktor an:

„[…] Neben Unterschieden in der gesundheitlichen Entwicklung bei Frauen und Männern kann ein Faktor für diesen Verlauf der Pflegequoten auch das differierende Antragsverhalten bei Männern und Frauen sein: Ältere Frauen leben häufiger alleine. Bei Pflegebedarf kann schneller die Notwendigkeit bestehen, einen Antrag auf Leistungen zu stellen, während die pflegebedürftigen Männer häufig zum Beispiel zuerst von ihren Frauen versorgt werden. […]“

(Statistisches Bundesamt Deutschland 2015: 8).

Abbildung 5: eig. Darstellung

Aus allen ausgewerteten Zahlen lassen sich folgende Schlussfolgerungen ziehen bzw. folgende Prognosen treffen:

  1. Die Anzahl der Pflegebedürftigen wird auch in den kommenden Jahren ansteigen, weil Menschen mit zunehmenden Alter häufiger pflegebedürftig werden.
  2. Die Anzahl der Pflegebedürftigen die Zuhause allein durch ihre Angehörigen gepflegt werden, wird ebenfalls ansteigen.
  3. Die Unterstützung durch professionelle Pflegekräfte, hier ambulante Pflegedienste, wird in den kommenden Jahren weiter deutlich zunehmen.
  4. Die Anzahl der Menschen, die in einer vollstationären Pflegeeinrichtung betreut und gepflegt werden, wird ebenfalls an Bedeutung gewinnen.

5. Schlussfolgerungen und Forderungen an die Politik

Aus den Untersuchungsergebnissen lassen sich wichtige Forderungen an die Politik ableiten. Diese resultieren aus der stetig wachsenden Bedeutung des Themas Pflege, Pflegebedürftigkeit und des demografischen Wandels sowie der Frage, wie die Politik und die ihr angegliederte Verwaltung, auf ihren unterschiedlichen Ebenen damit umgeht. Aus diesem Grund soll aus den vorliegenden Informationen und statistischen Daten der Versuch unternommen werden, Forderungen an die Politik zu formulieren.

Der wichtigste Schritt hin zu einer Verbesserung der allgemeinen Situation ist die Auseinandersetzung mit der Thematik. Die Prognosen der letzten Jahre (Pflegestatistik und Bevölkerungstrends) haben gezeigt, dass sich unsere Gesellschaft in einem hohen Maße in Richtung einer Überalterung entwickelt. Deshalb ist die erste Forderung an Politik und Gesellschaft, sich mit dem Prozess des demografischen Wandels gründlich auseinanderzusetzten. Es hilft nichts, wenn dieses Phänomen verschwiegen oder zu ‚stiefmütterlich‘ behandelt wird. Schon heute fehlt, insbesondere in ländlichen Regionen, eine ausreichende Anzahl an vollstationären Pflegeheimplätzen. Diesen Zustand gilt es mit politischen und vor allem finanziellen Mitteln entgegen zu wirken. Dabei hilft es jedoch nicht, wenn einzig und allein Pflegeinrichtungen ‚aus dem Boden gestampft‘, diese jedoch durch unqualifizierte und schlecht bezahlte Mitarbeiter geführt werden.

Dies bildet die Überleitung zur zweiten Forderung an Politik und Gesellschaft. Die Arbeit im Pflegedienst muss durch professionelle und gut ausgebildete Fachkräfte erfolgen. Oftmals werden heute Arbeitnehmer/-innen mit dieser Aufgabe betraut, die durch eine Umschulung in den Pflegeberuf gekommen sind und die Arbeit ggf. einzig und allein als Verdienstmöglichkeit ansehen. Diese Entwicklung ist grundlegend falsch! Ihr gilt es entgegen zu wirken. Die Arbeit mit, die Fürsorge für und die Pflege von alten und kranken Menschen ist eine ebenso wichtige Aufgabe, wie die Erziehung und Ausbildung unser Kinder und Jugendlichen. Deshalb muss sich die Politik verstärkt für eine bessere Ausbildung von pflegerischen Fachkräften einsetzen und durch stärkere Kontrollen dieser Verantwortung nachkommen. Gleichwohl müssen aber auch finanzielle Anreize geschaffen werden, die einem jungen Menschen die Entscheidung für den Beruf des/der Altenpflegers/in erleichtert und gleichzeitig auch klare Perspektiven aufzeigt. Der durch den Gesetzgeber festgeschriebene Mindestlohn ist hier schon ein Schritt in die richtige Richtung. So können nachhaltig qualifizierte Fachkräfte gewonnen und gehalten werden, die die Qualität der Pflege verbessern und den Pflegebedürftigen häufig einen zufriedeneren Lebensabend ermöglichen können.

Neben der Betreuung in vollstationären Pflegeeinrichtungen wird es in Zukunft auch einen erhöhten Bedarf an professionell unterstützter häuslicher Pflege geben. Die Politik muss für diese Entwicklung den notwendigen Rahmen schaffen und mit Hilfe von Förderungsprogrammen die Pflege von Angehörigen Zuhause unterstützen. Dazu zählen neben qualifiziertem Pflegepersonal in der häuslichen bzw. ambulanten Pflege, auch die Vereinbarkeit von häuslicher Pflege und Beruf, da hierfür oftmals das Geld und die Zeit fehlen. Ein Pflegefall kann unter Umständen zu einer bedeutenden Krise innerhalb der Familie führen. Hier gilt es zukünftig anzupacken und die tiefgreifenden Veränderungen abzumildern sowie den Betroffenen unterstützend unter die Arme zu greifen.

Letztendlich muss jedem politischen Vertreter persönlich klar sein, dass auch er möglicherweise einmal in die Situation eines pflegenden oder zu pflegenden Menschen kommen kann. Das dann äußerst gesteigerte Interesse an einer bestmöglichen Unterstützung muss sicherlich an dieser Stelle nicht näher erläutert werden.

Literaturverzeichnis

  1. gedruckte Werke:

BMFSFJ (Hrsg.): Siebter Altenbericht. Sorge und Mitverantwortung in der Kommune – Aufbau und Sicherung zukunftsfähiger Gemeinschaften und Stellungnahme der Bundes-  regierung. Deutscher Bundestag, 18. Wahlperiode, Berlin 2015.

Görnert-Stuckmann, Silvia: Wohnen im Alter. Planen und organisieren, München 2010.

Schneider, Norbert F.; Dorbritz, Jürgen: Wo bleiben die Kinder? Der niedrigen Geburtenrate auf der Spur. In: Bundeszentrale für politische Aufklärung (Hrsg.): Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ). Demografischer Wandel, Heft 10-11/2011, Bonn 2011.

Schwentker, Björn; Vaupel, James W.: Eine neue Kultur des Wandels. In: Bundeszentrale für politische Aufklärung (Hrsg.): Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ). Demografischer Wandel, Heft 10-11/2011, Bonn 2011.

Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Demografischer Wandel in Deutschland. Heft 2, Auswir-kungen auf Krankenhausbehandlungen und Pflegebedürftige im Bund und in den Ländern, Wiesbaden 2010.

Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Pflegestatistik 2015. Pflege im Rahmen der Pflegeversicherung, Deutschlandergebnisse, Wiesbaden 2017.

  1. Internetquellen:

Bundesministerium für Gesundheit (Hrsg.): Onlineratgeber Pflege, 2017.

URL: https://www.bundesgesundheitsministerium.de/themen/pflege/online-ratgeber-pflege/pflege-von-angehoerigen-zu-hause-finanzielle-unterstuetzung-und-leistungen.html (letzter Zugriff am 07.02.2018, 18:23 Uhr).

Habekuß, Fritz: Deutschlands Bevölkerung im Vergleich, 2017.

URL: http://www.bpb.de/politik/innenpolitik/demografischer-wandel/196909/deutschland-im-vergleich (letzter Zugriff am 05.02.2018, 15:10 Uhr).

Ndr.de: „Den Schwachen hilf!“ Geschichte der Hospize, 06.12.2016.

URL: https://www.ndr.de/kultur/geschichte/Den-Schwachen-hilf-Geschichte-der-Hospize-,hospizhistorie100.html (letzter Zugriff am 12.02.2018, 11:46 Uhr).

Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Bevölkerungsvorausberechnung für Deutschland, 2015.

URL: https://service.destatis.de/bevoelkerungspyramide/#!y=2050&a=20,80&v=3&g (letzter Zugriff am 05.02.2018, 15:34 Uhr).

von Kuenheim, Haug: Die Welt der Alten. Wie leben, was denken, wovon träumen alte Menschen? In: Die Zeit Online, 26.03.2006.

URL: http://www.zeit.de/2006/13/Titel_2fAlte_13 (letzter Zugriff am 09.02.2018, 14:36 Uhr).

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Pflege im Mittelalter. Aus: „Den Schwachen hilf!“: Geschichte der Hospize. In: Ndr.de, Kultur, Geschichte 06.12.2016.

URL: https://www.ndr.de/kultur/geschichte/Den-Schwachen-hilf-Geschichte-der-Hospize-,hospizhistorie100.html.

Abbildung 2: Steigerung der Lebenserwartung. Aus: Schwentker/Vaupel: Eine neue Kultur des Wandelns. In: APuZ: Demografischer Wandel, Bonn 2011, S. 4.

Abbildung 3: Zusammengefasste Geburtenziffer in Deutschland, dem frühen Bundesgebiet und Ostdeutschland, 1871/1880-2009. In: APuZ: Demografischer Wandel, Bonn 2011, S. 29.

Abbildung 4: eig. Darstellung

Abbildung 5: eig. Darstellung

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Altenpflege vor dem Kollaps? – Herausforderungen und Perspektiven des Pflegesektors im Lichte des Demografischen Wandels

Abbildung 1: Pflege mit Herz

Die Bevölkerung[1] wird älter, weniger und bunter. Auf diese Kernaussage lässt sich der mediale, politische und wissenschaftlich geführte Diskurs des 19. und 20. Jahrhunderts um den omnipräsenten Begriff des ‚Demografischen Wandels‘ reduzieren. Weiterlesen

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Demografischer Wandel im Klassenzimmer

Die Auswirkungen des Demografischen Wandels im Schulbereich oder: Wie sieht die Schule der Zukunft aus?

„Auch vor Schulen macht der Demografische Wandel keinen Halt!“ Die folgende Karikatur verdeutlicht dies und bedient sich dafür Klischees zum Demografischen Wandel und „alten“ Leuten: „alte“ gebrechliche Lehrkräfte, die körperlich auf Hilfsmittel wie Rollatoren und Sehhilfen angewiesen sind, unterrichten in der Schule. Das Parkplatzschild: „nur Rollatoren“ suggeriert, dass es hauptsächlich alte Lehrkräfte in den Schulen gibt, die noch nach „50 Jahren Schuldienst“ arbeiten, damit überhaupt eine Lehrkraft vor der Klasse steht: „Hauptsache, es ist Leben in der Schule“.

Abbildung 1: Herausforderung Demographischer Wandel, online unter URL: http://www.jugend-und-bildung.de/files/616/Demografischer_Wandel_web.pdf [30.01.2018].

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Der Mobilitätswahn in einer alternden Gesellschaft

Prolog

Ich folge einer sich langsam, aber stetig vorwärtsbewegenden Blechlawine. Ich bin ein fester Bestandteil von ihr und füge mich meinem täglichen Schicksal immer wieder aufs Neue. Gehetzt und gestresst vom Alltag, nie Zeit zum Rasten. Leben am Limit.

Ich assoziiere mich mit dem Stereotyp eines klassischen Mittdreißigers. Ich bin zum Glück im „besten“ (Zweiten oder doch schon Dritten?) Alter (Laslett 1995: S. 35 f.) und habe noch genügend Zeit, um alle meine Lebensziele gleichzeitig und in jedem Fall vor den „magischen“ 40 erreichen zu können.

Vor mir fährt ein altes Renterpärchen. Woher ich das weiß? Es ist offensichtlich und für jeden erkennbar. Vergleichbar mit obligatorischen Grabbeigaben alter Pharaonengräber, liegen Klorolle mit selbstgestrickter Haube und ein passender Hut perfekt drapiert auf der hinteren Ablage. Es fehlt nur der Wackeldackel. Doch scheinbar gehen auch die Alten von heute mit der Zeit. Die Utensilien wirken wie ein Stigma. Sie sind demonstrativ wie auf einem Altar aufgebahrt und für jedermann sichtbar. Ein Zeichen des Makels, eines unnormalen, nicht erstrebenswerten Zustandes – zumindest ein Zustand des Andersseins (Goffman 2016: S. 9 ff.). Zudem verkörpert der Fahrer den Inbegriff eines senilen alten Kraftfahrers. Er schneidet die Kurven, fährt konstant seine ganz eigene, reduzierte Geschwindigkeit auf seiner altehrwürdigen Ideallinie. So bahnt sich das Rentnergespann seinen Weg durch die Tücken des Alltags. Es wirkt auf mich hier und da ein wenig entschleunigend und ich wünsche mich in eine Zeit, in der auch ich auf die innere Bremse treten und genussvoll durch meinen Lebensabend gleiten kann.

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Darf es ein bisschen älter sein? Vom Anderssein des Älterwerdens und den Auswirkungen auf den „Nachwuchs“ im öffentlichen Sektor

Auftakt

Eine der größten Branchen in Deutschland befindet sich in mächtiger Not.

Vor knapp einem Jahr brachte es die WELT mit dem eindrucksvollen Titel

„Der Staat steht vor einem gewaltigen Personal-Problem“ (Eckert 2017)

auf den Punkt.

Die zugrunde gelegten Ergebnisse einer aktuellen Studie zum Fachkräftemangel im öffentlichen Dienst zeigen vermeintlich dramatische Zukunftsszenarien in der personellen Ausstattung dieses Sektors auf.

Abb. 1 – Fachkräftemangel 2030

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