Pflege und Betreuung – eine Untersuchung zur aktuellen Pflegesituation

Einleitung

Wir reden von heute. In 20 oder 50 Jahren mag alles anders aussehen. Dann mögen die Alten in Deutschland sich in solcher Zahl tummeln, dass es mehr Großeltern gibt als Enkel.

(von Kuenheim 2006: 1)

Mit diesen Sätzen beginnt Haug von Kuenheim seinen Artikel über die Welt der Alten. Er schildert darin eher anschaulich, oftmals mit etwas Ironie und Übertreibung behaftet, wie er sich die zukünftige Entwicklung Deutschlands vorstellt. Gleichzeitig prophezeit er der deutschen Gesellschaft einen gravierenden Wandel, der alle Lebensbereiche umfassen und das Gesicht der Bundesrepublik nachhaltig verändern wird.

Die Anzahl der Rentner und Pensionäre wird zukünftig immer weiter ansteigen, dass belegen die Zahlen aus Umfragen und Forschungen. Doch was bedeutet diese Erkenntnis für uns als Gesellschaft? Sie, die graumelierten ‚alten‘ Bürger, werden mit einer hohen Wahrscheinlichkeit konsequent das Bild des öffentlichen Lebens prägen und mit ihren Bedürfnissen, Wünschen und Lebensvorstellungen großen Einfluss auf die Entwicklung unserer Gesellschaft nehmen sowie auf die Politik ausüben. Aus dieser Suggestion heraus, ergeben sich neue Fragen und Herausforderungen für unser Land und dessen politische Führung. Einige dieser Fragen an den Staat und unsere Gesellschaft werden insbesondere die nach der Pflege und Betreuung der ‚Alten‘ sein.

Die vorliegende Arbeit befasst sich gerade aus diesem Grund mit der Untersuchung dieses wichtigen, oftmals aber in seiner Bedeutung verkannten, Themas. Nach ausführlicher Bearbeitung lassen sich zwei große Themenkomplexe identifizieren bzw. eine geeignete Herangehensweise erkennen:

Zum einen sind es der Staat und die Gesellschaft selbst, die untersucht und deren Entwicklungsmöglichkeiten betrachtet werden können. Hier gilt es vor allem, die Einflussnahme durch die politischen Verantwortlichen zu untersuchen. Dabei scheinen besonders Fragen nach Pflegebedarf und -angeboten sowie der generelle Umgang der Politik mit dem Thema: ‚Alter, Alte und das Altern‘ im Fokus einer Betrachtung zu stehen. Hierfür gibt es bereits umfassende Literatur sowie einen großen Datensatz. Neben den ausführlichen Parteiprogrammen, den staatlich organisierten Umfragen und Datenerhebungen gibt es eine ganze Reihe von Werken, die neben all den wirtschaftlichen und juristischen Sichtweisen, besonders den Menschen im Blick haben. Hier sind insbesondere die soziologischen und psychologischen Untersuchungen anzuführen, deren Ziel es ist herauszufinden, welche Bedeutung Pflege und Alter auf den Menschen haben. Sie bilden deshalb häufig die wissenschaftliche Grundlage für politische Entscheidungen und haben mit ihren Ergebnissen die Entwicklungen in der Pflege beeinflusst.

Zum anderen kann man über die betroffenen Personen selbst eine aussagekräftige Forschung anfertigen und sich so dem Thema Pflege und Betreuung nähern. Jede befragte Person hat einen individuellen Lebenshintergrund, der sich aus eigenen Erfahrungen oder der persönlichen Entwicklung generiert bzw. an den subjektiven Wünschen orientiert. Aus dieser Feststellung heraus, lassen sich weitere wichtige Aussagen treffen.

Mit Hilfe der unterschiedlichen Persönlichkeiten kann man bspw. Forderungen an die unterschiedlichen Formen der Pflege ableiten und herausfinden, was den Menschen am Ende ihres Lebens im Bereich des Wohnens und der Pflege wichtig ist bzw. sein wird. Ihre Umsetzung kann den Lebensabend eines Menschen in seiner ‚neun‘ Wohnsituation entscheidend verbessern und ihm dabei helfen, ein großes Gefühl von Zufriedenheit und Glück zu entwickeln.

Die vorliegende Arbeit befasst sich bei der Betrachtung des Themas mit dem ersten der oben genannten Punkte. Eine Auswertung der Pflegestatistik 2015 bildet hierbei die empirische Grundlage. Dies ist insbesondere der Tatsache geschuldet, dass eine umfangreiche und aussagekräftige Untersuchung, wie im zweiten Punkt beschrieben, nicht möglich war, da diese den vorgegebenen Rahmen deutlich überzogen hätte.

Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist somit die Auswertung der Pflegestatistik 2015, die Betrachtung der Ergebnisse hinsichtlich der aktuellen Pflegesituation und die Ableitung von expliziten Forderungen an die Politik.

2. Kurzer Abriss zur Geschichte der Pflege älterer Menschen

Der Umstand, dass die Pflege älterer Menschen von fachkundigem Personal in dafür vorgesehenen Einrichtungen übernommen wird, war nicht immer der Fall. Im Gegenteil, historisch betrachtet war die Pflege von Angehörigen die Angelegenheit und Aufgabe der Familie. Die pflegenden Familienmitglieder wurden dabei bspw., je nach beruflicher Situation, durch andere Personen der Familie finanziell unterstützt oder sie ließen sich bei der Pflege durch andere helfen.

Ein Blick in die Epoche des Mittelalters zeigt, dass sich bereits vor mehr als 700 Jahren erste Ansätze für eine außerfamiliäre Altenhilfe herausgebildet haben. Hierbei ist jedoch ein deutlicher Unterschied zwischen der ländlichen und der städtischen Bevölkerung zu erkennen. Während es in den Städten zahlreiche Belege für kirchliche und bürgerliche Spitäler gibt, sind in den ländlichen Gegenden kaum Belege für Einrichtungen dieser Art vorhanden.

Abbildung 1: Zeigt die Pflege im Mittelalter. Die Pflege wurde hier als christliche Aufgabe angesehen und galt, insbesondere bei den Vertretern der Geistlichkeit, als Pflicht.

Dies entwickelte sich in den nächsten Jahrhunderten in der Art und Weise weiter, dass die Älteren aufgrund eines geschlossenen Generationenvertrages geachtet wurden und die Aufgabe der Pflege meist der bäuerlichen Familie zuteil wurde. Bei der anwachsenden Arbeiterschaft gestaltete sich die Pflege durchaus komplizierter, da sie kaum Zeit zur Pflege ihrer Angehörigen aufwenden konnten. Im Zuge der Industrialisierung übernahmen deshalb mehr und mehr öffentliche Einrichtungen die Pflege der Älteren. Hinzu kam, dass mit der Einführung der Sozialversicherung auch der Generationenvertrag hinfällig wurde und nach und nach an Bedeutung verlor. Durch diese Entwicklungen ging die Verantwortung der Familie für die ältere Generation überwiegend auf die Gesellschaft über.

Im 20. Jahrhundert wandelte sich das Verständnis der Pflege mehrmals. Zunächst wurden ältere Menschen in den 1940er bis 1960er Jahren in Einrichtungen regelrecht ‚verwahrt‘, das heißt, dass die Pflege aus heutiger Sicht eher im Hintergrund stand. Vordergründig wurde hier eher die Entlastung der Angehörigen durch das ‚institutionelle Pflegen‘ angesehen.

In den 1970er Jahren spielte der Unterschied zwischen krank und gesund wieder eine starke Rolle, sodass kranke Menschen nicht direkt in Pflegeheime, sondern in ein Krankenhaus gebracht wurden. Erst in den 1980er Jahren des 20. Jahrhunderts setzte sich der Gedanke an ‚Wohnheime für die Alten‘ langsam durch, in denen der pflegebedürftige aktiviert werden sollte, um am Leben teilhaben zu können.

Mit der zunehmenden Thematisierung des demographischen Wandels in unserer Gesellschaft und durch das verstärkte Interesse der Politik daran, änderte sich die Haltung zur Behandlung und Pflege von Pflegebedürftigen, älteren Menschen erneut. Gegen Ende des 20. Jahrhunderts entwickelten sich mehrere neue Wohnformen neben dem klassischen Altenheim, wie bspw. das betreute Wohnen oder das Mehrgenerationenhaus. In den meisten Fällen ist eine Unterbringung im Pflegeheim jedoch angeraten, da in dieser Einrichtung die besten Voraussetzungen geben sind, um den Bedürfnissen pflegebedürftiger Menschen gerecht zu werden (Görnert-Stuckmann 2010: 28-31).

3. Der demografische Wandel

Vor allem technische und medizinische Fortschritte haben einen wesentlichen Einfluss darauf, dass die Menschen heute älter werden, als sie es noch vor 130 Jahren taten. Das hängt wahrscheinlich damit zusammen, dass verschiedene Krankheiten, bspw. Krebs in vielen seiner Erscheinungsformen, heutzutage als heilbar gelten. Zudem kann durch eine gesunde und bewusste Lebensweise das eigene Leben durch persönliches Mitwirken verlängert werden. An dieser Stelle ist es möglich, der Globalisierung eine positive Rolle zuschreiben. Sie ermöglicht es, dass Obst und Gemüse auch aus weit entfernten Ländern und auch zu eher untypischen Jahreszeiten, wie etwa im Winter, für den Verbraucher verfügbar sind. Daneben steht eine mehr als 70 Jahre währende europäische Friedensperiode, die ebenfalls maßgeblich die Lebensbedingungen verbesserte und außerdem die Lebenserwartung steigen ließ. Die bei Schwentker und Vaupel verwendete Grafik macht den Vergleich sehr deutlich.

Abbildung 2: Steigerung der Lebenserwartung (Schwentker/Vaupel 2011: 4). Die Lebenserwartung der Frauen in den rekordhaltenden Ländern (schwarze Punkte) folgt seit über 150 Jahren dem gleichen Trend (graue Gerade): Sie steigt ungebremst um ca. drei Monate pro Jahr. In einzelnen Ländern (farbige Linien) liegt die Lebenserwartung zwar niedriger. Sie hat aber im Laufe des letzten Jahrhunderts aufgeschlossen und steigt in ähnlichem Tempo.

Neben die positive Erscheinung des längeren Lebens, tritt jedoch die negative Erscheinung der Geburtenrate. Diese ist stark gesunken: Im Vergleich zu etwa fünf Kindern vor 130 Jahren, liegt sie heute nur noch bei 1,4 Kindern pro Frau, wie in der Grafik bei Schneider/Dorbritz zusehen ist und wie es bei Schwentker & Vaupel (Seite 10) beschrieben wird.

Abbildung 3: Zusammengefasste Geburtenziffer in Deutschland, dem frühen Bundesgebiet und Ostdeutschland, 1871/1880-2009 (Schneider/Dorbritz 2011: 29).

Dieses Phänomen betrifft aber nicht nur die Bundesrepublik Deutschland. Es handelt sich hierbei um eine Entwicklung, die weltweit beobachtet werden kann. Deutschland ist hier im Moment unter den ‚Top Ten‘ zu finden und gehört gemäß einem Artikel der Bundeszentrale für politische Bildung „zu den ältesten der Welt“ (Habekuß 2017). Grundsätzlich bedeutet diese Entwicklung, dass unser Land durch eine schnell alternde Gesellschaft gekennzeichnet ist. Dazu verändern sich zunehmend die Haushaltsstrukturen: Die Zahl der Singlehaushalte, der Patchwork-Familien und der Alleinerziehenden wächst und ist bei der Betrachtung nicht zu unterschätzen. Der demografische Wandel lässt sich demnach als (ziemlich) starker Anstieg der älteren Bevölkerung im Gegensatz zur Anzahl an jungen Menschen bis zu einem Alter von etwa 40 Jahren beschreiben. Das heißt, dass es bereits 2030 doppelt so viele Ältere als Jüngere geben wird (Grönert-Stuckmann 2010: 10).

Zur Verdeutlichung dieser allgemeinen Darstellung werden einige statistische Berechnungen hinzugezogen und mit Hilfe einer Grafik (siehe Abbildung 4: Pflegebedürftige und Pflegeart (2009 – 2015)) verdeutlicht. Bis zum Jahr 2050 wird der Anteil der über 80-Jährigen von heute 5,4 Millionen (2018) auf etwa 10,8 Millionen Menschen ansteigen (Statistisches Bundesamt 2015). Das bedeutet eine Verdopplung der sogenannten ‚Hochaltrigen‘. Die Anzahl der Pflegebedürftigen in der Altersklasse 60+ wird demnach ebenfalls um 50 Prozent auf rund drei Millionen Menschen ansteigen (Görnert-Stuckmann 2010: 11). Die Gruppe der Pflegebedürftigen unter 60 Jahren verliert bei der Berechnung immer mehr an Bedeutung. Während sie im Jahr 2007 noch einen Anteil von 14 Prozent hatten, wird ihre Zahl im Jahr 2020 bereits auf 10 Prozent gesungen sein. Im Jahr 2030 erreichen sie schließlich nur noch 7 Prozent der Gesamtsumme (Statistisches Bundesamt Deutschland 2015).

4. Auswertung der Pflegestatistik 2015

4.1 Hintergrund der Pflegestatistik

Im Dezember 1999 wurde die ‚Pflegestatistik‘ erstmalig von den Ämtern des Bundes und der Länder erhoben. Seitdem findet im Rhythmus von zwei Jahren eine Erhebung im Rahmen der Pflegeversicherung statt.

Die Pflegestatistik hat das Ziel: „Daten zum Angebot von und der Nachfrage nach pflegerischer Versorgung zu gewinnen. Es werden Daten über die Pflegebedürftigen sowie über Pflegeheime und ambulante Dienste einschließlich der Personals erhoben.“ (Statistisches Bundesamt Deutschland 2015: 4). Damit liefert die Statistik wertvolle Informationen über die Situation von pflegebedürftigen Personen im deutschlandweiten Vergleich, sowie hinsichtlich der Situation von Pflegeheimen und ambulanten Pflegediensten. Sie dient aber auch der Ermittlung von gesellschaftlichen Veränderungen im Bezug auf die Zu- oder Abnahme von Pflegebedürftigen und verdeutlicht den ökonomischen Trend von Voll- oder Teilzeitpflege hinsichtlich der Anzahl der Einrichtungen, des Personals usw. Dadurch wird die Pflegestatistik ein wertvolles Instrument für Politik und Wirtschaft.

Wie in der Einleitung der aktuellen Pflegestatistik (2015) beschrieben wird, setzt sie sich aus zwei einzelnen Erhebungen zusammen:

  1. aus der Befragung von ambulanten Pflegediensten und stationären Pflegeeinrichtungen und
  2. aus den Informationen von ‚Spitzenverbänden‘, wie etwa Pflegekassen und dem Verband der privaten Krankenversicherungen.

Aus diesen beiden Gruppen lassen sich Informationen über die Anzahl der Pflegeheime und die der ambulanten Pflegedienste, die Anzahl der Mitarbeiter und Pflegeheimplätze sowie über die Beträge der jeweiligen Pflegekassen generieren. Diese Auflistung enthält jedoch nur ein paar Beispiele der möglichen Ergebnisse. Ein weiteres wichtiges Erkenntnisfeld ist die Überprüfung des Pflegebedarfs. Hier lassen sich anhand der gewonnenen Daten Aussagen über die Verteilung von Pflegebedürftigen innerhalb des Bundes (Gesamtzahl) sowie der einzelnen Bundesländer machen und der daraus entstehende Handlungsbedarf für die Bundesregierung, aber auch die einzelnen Ländervertretungen ableiten (Statistisches Bundesamt Deutschland 2015: 4).

Der Erhebungsstichtag ist immer der 15. Dezember bei den ambulanten Pflegediensten und stationären Pflegeeinrichtungen sowie der 31. Dezember für Pflegegeldempfänger/-innen. Dies hat vor allem organisatorische Gründe.

Die Pflegestatistik stützt sich bei der Erhebung der Daten auf das Sozialgesetzbuch (SGB), welches ihr den notwendigen rechtlichen Rahmen liefert. Im XI Buch werden alle juristischen Fragen zur ‚Sozialen Pflegeversicherung‘ behandelt. „§ 109 Abs. 1 [bildet] in Verbindung mit der Pflegestatistikverordnung vom 24.11.1999, BGB. I S. 2282, geändert durch Artikel 1 der Verordnung vom 19.07.2013, BGBl. I S. 2581“ die Rechtsgrundlage für die Statistik (Statistisches Bundesamt Deutschland 2015: 4).

4.2 Auswertung der Pflegestatistik

Am Jahresende waren laut Pflegestatistik 2,86 Millionen Menschen in Deutschland gemäß SGB XI § 14 pflegebedürftig. Zum Vergleich: am Jahresende 2009 waren es 2,34 Millionen Menschen. Die Mehrheit aller Pflegebedürftigen (64%) waren Frauen. 83% waren 65 Jahre und älter (2009: ebenfalls 83%). Die Anzahl der über 85järigen betrug 37% (2009: 35%).

2,08 Millionen (2009: 1,62), dies entspricht 73% (2009: 69%) der Pflegebedürftigen, wurde zu Hause versorgt. 1.385.000 Pflegebedürftige (2009: 1.066.000) erhielten laut Statistik ausschließlich Pflegegeld. Dies bedeutete, dass sie in der Regel zu Hause allein durch ihre Angehörigen gepflegt wurden. Andere 692.000 Pflegebedürftige (2009: 555.000) lebten ebenfalls noch in Privathaushalten, wurden hier jedoch mit Hilfe von oder ausschließlich durch ambulante Pflegedienste versorgt. Die Anzahl der Menschen in stationären Pflegeheimen betrug 27% der Gesamtgruppe, dies entspricht 783.000 Personen.

Im Vergleich zum Jahr 2013 stieg die Anzahl der Pflegebedürftigen um ca. 9% (234.000). Nach Aussage der Forschungsgruppe ist der Anstieg vor allem auf die Alterung der Bevölkerung zurückzuführen. Ebenfalls war ein Anstieg der Nachfrage nach Leistungen der ambulanten Pflegedienste und vollstationären Pflegeheime zu erkennen. Während die Anzahl der in Heimen versorgten Pflegebedürftigen um rund 2,5% (19.000) angestiegen ist, ist hingegen der Anstieg bei Pflegebedürftigen, die durch einen ambulanten Pflegedienst betreut wurden, deutlich höher. So wurden 76.000 Menschen (12,4%) im Jahr 2015 mehr durch einen ambulanten Pflegedienst betreut, als noch 2013 (Statisches Bundesamt Deutschland 2015: 7).

Der Vergleich zwischen den Jahren 2013 und 2015 zeigte, dass sich kein Trend von der Pflege Zuhause hin zur vollständigen Pflege in Pflegeheim entwickelt hat.

Der Vergleich zum Jahr 2009 zeigt jedoch weitaus größere Veränderungen. Demnach ist die Zahl der Pflegebedürftigen zwischen 2009 und 2015 um circa 18% (522.041) gestiegen. Die langfristige Betrachtung der vollstationären Pflegeheime ergab einen Anstieg um 8,4% (65.926), während die Anzahl der Menschen die Zuhause versorgt wurden, einen deutlichen Anstieg von ungefähr 22% (456.114) erfuhr. Hier lässt sich aber auch ein Anstieg bei der Unterstützung durch ambulante Pflegedienste erkennen. Während im Jahr 2009 555.198 Menschen Zuhause gepflegt und die Angehörigen durch professionelle Hilfe unterstützt wurden, waren es 2015 bereits 692.273. Dies bedeutet einen Anstieg im Vergleich zwischen beiden Jahren um 19,8% (137.075).

Abbildung 4: eig. Darstelltung

Dem gegenüber steht jedoch die Zunahme der Pflegebedürftigen, die allein durch ihre Angehörigen gepflegt werden. Hier konnte bei der Auswertung der Statistik ein Anstieg von 23% (319.040) Personen festgestellt werden.

Als Erklärung hierfür können sowohl die Erhöhung des Pflegegeldes, als auch die durch den Staat geförderten Maßnahmen, wie bspw. die Anrechnung von Pflegezeiten auf die Rentenversicherung oder die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf herangezogen werden (Bundesministerium für Gesundheit 2017) oder die Tatsache, dass es nicht genügend Infrastruktur, wie z. B. eine ausreichende Anzahl Pflegeheimplätzen gibt. Des Weiteren ist anzunehmen, dass wenn ‚nur‘ einer der Ehepartner pflegebedürftig ist, dieser von seiner Frau bzw. ihrem Mann Zuhause gepflegt wird. Die Pflegestatistik führt hierfür als Erklärung einen neuen Faktor an:

„[…] Neben Unterschieden in der gesundheitlichen Entwicklung bei Frauen und Männern kann ein Faktor für diesen Verlauf der Pflegequoten auch das differierende Antragsverhalten bei Männern und Frauen sein: Ältere Frauen leben häufiger alleine. Bei Pflegebedarf kann schneller die Notwendigkeit bestehen, einen Antrag auf Leistungen zu stellen, während die pflegebedürftigen Männer häufig zum Beispiel zuerst von ihren Frauen versorgt werden. […]“

(Statistisches Bundesamt Deutschland 2015: 8).

Abbildung 5: eig. Darstellung

Aus allen ausgewerteten Zahlen lassen sich folgende Schlussfolgerungen ziehen bzw. folgende Prognosen treffen:

  1. Die Anzahl der Pflegebedürftigen wird auch in den kommenden Jahren ansteigen, weil Menschen mit zunehmenden Alter häufiger pflegebedürftig werden.
  2. Die Anzahl der Pflegebedürftigen die Zuhause allein durch ihre Angehörigen gepflegt werden, wird ebenfalls ansteigen.
  3. Die Unterstützung durch professionelle Pflegekräfte, hier ambulante Pflegedienste, wird in den kommenden Jahren weiter deutlich zunehmen.
  4. Die Anzahl der Menschen, die in einer vollstationären Pflegeeinrichtung betreut und gepflegt werden, wird ebenfalls an Bedeutung gewinnen.

5. Schlussfolgerungen und Forderungen an die Politik

Aus den Untersuchungsergebnissen lassen sich wichtige Forderungen an die Politik ableiten. Diese resultieren aus der stetig wachsenden Bedeutung des Themas Pflege, Pflegebedürftigkeit und des demografischen Wandels sowie der Frage, wie die Politik und die ihr angegliederte Verwaltung, auf ihren unterschiedlichen Ebenen damit umgeht. Aus diesem Grund soll aus den vorliegenden Informationen und statistischen Daten der Versuch unternommen werden, Forderungen an die Politik zu formulieren.

Der wichtigste Schritt hin zu einer Verbesserung der allgemeinen Situation ist die Auseinandersetzung mit der Thematik. Die Prognosen der letzten Jahre (Pflegestatistik und Bevölkerungstrends) haben gezeigt, dass sich unsere Gesellschaft in einem hohen Maße in Richtung einer Überalterung entwickelt. Deshalb ist die erste Forderung an Politik und Gesellschaft, sich mit dem Prozess des demografischen Wandels gründlich auseinanderzusetzten. Es hilft nichts, wenn dieses Phänomen verschwiegen oder zu ‚stiefmütterlich‘ behandelt wird. Schon heute fehlt, insbesondere in ländlichen Regionen, eine ausreichende Anzahl an vollstationären Pflegeheimplätzen. Diesen Zustand gilt es mit politischen und vor allem finanziellen Mitteln entgegen zu wirken. Dabei hilft es jedoch nicht, wenn einzig und allein Pflegeinrichtungen ‚aus dem Boden gestampft‘, diese jedoch durch unqualifizierte und schlecht bezahlte Mitarbeiter geführt werden.

Dies bildet die Überleitung zur zweiten Forderung an Politik und Gesellschaft. Die Arbeit im Pflegedienst muss durch professionelle und gut ausgebildete Fachkräfte erfolgen. Oftmals werden heute Arbeitnehmer/-innen mit dieser Aufgabe betraut, die durch eine Umschulung in den Pflegeberuf gekommen sind und die Arbeit ggf. einzig und allein als Verdienstmöglichkeit ansehen. Diese Entwicklung ist grundlegend falsch! Ihr gilt es entgegen zu wirken. Die Arbeit mit, die Fürsorge für und die Pflege von alten und kranken Menschen ist eine ebenso wichtige Aufgabe, wie die Erziehung und Ausbildung unser Kinder und Jugendlichen. Deshalb muss sich die Politik verstärkt für eine bessere Ausbildung von pflegerischen Fachkräften einsetzen und durch stärkere Kontrollen dieser Verantwortung nachkommen. Gleichwohl müssen aber auch finanzielle Anreize geschaffen werden, die einem jungen Menschen die Entscheidung für den Beruf des/der Altenpflegers/in erleichtert und gleichzeitig auch klare Perspektiven aufzeigt. Der durch den Gesetzgeber festgeschriebene Mindestlohn ist hier schon ein Schritt in die richtige Richtung. So können nachhaltig qualifizierte Fachkräfte gewonnen und gehalten werden, die die Qualität der Pflege verbessern und den Pflegebedürftigen häufig einen zufriedeneren Lebensabend ermöglichen können.

Neben der Betreuung in vollstationären Pflegeeinrichtungen wird es in Zukunft auch einen erhöhten Bedarf an professionell unterstützter häuslicher Pflege geben. Die Politik muss für diese Entwicklung den notwendigen Rahmen schaffen und mit Hilfe von Förderungsprogrammen die Pflege von Angehörigen Zuhause unterstützen. Dazu zählen neben qualifiziertem Pflegepersonal in der häuslichen bzw. ambulanten Pflege, auch die Vereinbarkeit von häuslicher Pflege und Beruf, da hierfür oftmals das Geld und die Zeit fehlen. Ein Pflegefall kann unter Umständen zu einer bedeutenden Krise innerhalb der Familie führen. Hier gilt es zukünftig anzupacken und die tiefgreifenden Veränderungen abzumildern sowie den Betroffenen unterstützend unter die Arme zu greifen.

Letztendlich muss jedem politischen Vertreter persönlich klar sein, dass auch er möglicherweise einmal in die Situation eines pflegenden oder zu pflegenden Menschen kommen kann. Das dann äußerst gesteigerte Interesse an einer bestmöglichen Unterstützung muss sicherlich an dieser Stelle nicht näher erläutert werden.

Literaturverzeichnis

  1. gedruckte Werke:

BMFSFJ (Hrsg.): Siebter Altenbericht. Sorge und Mitverantwortung in der Kommune – Aufbau und Sicherung zukunftsfähiger Gemeinschaften und Stellungnahme der Bundes-  regierung. Deutscher Bundestag, 18. Wahlperiode, Berlin 2015.

Görnert-Stuckmann, Silvia: Wohnen im Alter. Planen und organisieren, München 2010.

Schneider, Norbert F.; Dorbritz, Jürgen: Wo bleiben die Kinder? Der niedrigen Geburtenrate auf der Spur. In: Bundeszentrale für politische Aufklärung (Hrsg.): Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ). Demografischer Wandel, Heft 10-11/2011, Bonn 2011.

Schwentker, Björn; Vaupel, James W.: Eine neue Kultur des Wandels. In: Bundeszentrale für politische Aufklärung (Hrsg.): Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ). Demografischer Wandel, Heft 10-11/2011, Bonn 2011.

Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Demografischer Wandel in Deutschland. Heft 2, Auswir-kungen auf Krankenhausbehandlungen und Pflegebedürftige im Bund und in den Ländern, Wiesbaden 2010.

Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Pflegestatistik 2015. Pflege im Rahmen der Pflegeversicherung, Deutschlandergebnisse, Wiesbaden 2017.

  1. Internetquellen:

Bundesministerium für Gesundheit (Hrsg.): Onlineratgeber Pflege, 2017.

URL: https://www.bundesgesundheitsministerium.de/themen/pflege/online-ratgeber-pflege/pflege-von-angehoerigen-zu-hause-finanzielle-unterstuetzung-und-leistungen.html (letzter Zugriff am 07.02.2018, 18:23 Uhr).

Habekuß, Fritz: Deutschlands Bevölkerung im Vergleich, 2017.

URL: http://www.bpb.de/politik/innenpolitik/demografischer-wandel/196909/deutschland-im-vergleich (letzter Zugriff am 05.02.2018, 15:10 Uhr).

Ndr.de: „Den Schwachen hilf!“ Geschichte der Hospize, 06.12.2016.

URL: https://www.ndr.de/kultur/geschichte/Den-Schwachen-hilf-Geschichte-der-Hospize-,hospizhistorie100.html (letzter Zugriff am 12.02.2018, 11:46 Uhr).

Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Bevölkerungsvorausberechnung für Deutschland, 2015.

URL: https://service.destatis.de/bevoelkerungspyramide/#!y=2050&a=20,80&v=3&g (letzter Zugriff am 05.02.2018, 15:34 Uhr).

von Kuenheim, Haug: Die Welt der Alten. Wie leben, was denken, wovon träumen alte Menschen? In: Die Zeit Online, 26.03.2006.

URL: http://www.zeit.de/2006/13/Titel_2fAlte_13 (letzter Zugriff am 09.02.2018, 14:36 Uhr).

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Pflege im Mittelalter. Aus: „Den Schwachen hilf!“: Geschichte der Hospize. In: Ndr.de, Kultur, Geschichte 06.12.2016.

URL: https://www.ndr.de/kultur/geschichte/Den-Schwachen-hilf-Geschichte-der-Hospize-,hospizhistorie100.html.

Abbildung 2: Steigerung der Lebenserwartung. Aus: Schwentker/Vaupel: Eine neue Kultur des Wandelns. In: APuZ: Demografischer Wandel, Bonn 2011, S. 4.

Abbildung 3: Zusammengefasste Geburtenziffer in Deutschland, dem frühen Bundesgebiet und Ostdeutschland, 1871/1880-2009. In: APuZ: Demografischer Wandel, Bonn 2011, S. 29.

Abbildung 4: eig. Darstellung

Abbildung 5: eig. Darstellung

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2 Kommentare zu Pflege und Betreuung – eine Untersuchung zur aktuellen Pflegesituation

  1. Fara F. sagt:

    In dem Blog wird deutlich, dass bereits seit hunderten Jahren die Pflege älterer Menschen in der Gesellschaft eine Rolle spielt. Viele verschiedene Formen der Pflege werden seitdem gelebt: von der immer noch überwiegenden häuslichen Betreuung durch Angehörige, die begleitende Pflege durch ambulante Pflegedienste oder aktuell auch durch sogenannte 24h-Pflegerinnen, über betreute Wohnformen bis zur Unterbringung in Pflegeheimen. Dass eine Unterbringung im Pflegeheim angeraten sein soll, „da in dieser Einrichtung die besten Voraussetzungen gegeben sind, um den Bedürfnissen pflegebedürftiger Menschen gerecht zu werden“ mag auf schwere Pflegefälle zutreffen, es erschließt sich jedoch nicht warum die Unterbringung in Pflegeheimen der nicht ohne Grund immer noch stärksten Betreuungsform durch nahe Angehörige zu Hause vorgezogen werden sollte. Neben finanziellen Gesichtspunkten stehen auch psychologische Aspekte für eine Pflege zu Hause im Vordergrund: im gewohnten Umfeld im Kreise der Familie gepflegt zu werden, kann es dem Betroffenen leichter machen seine Situation anzunehmen. Zudem stellt sich das Ausmaß der Pflegebedürftigkeit sehr unterschiedlich dar. Eine Pflegesituation stellt zwar für alle im Haushalt lebenden Personen eine sehr belastende Situation dar, ist aber auch mit Vorteilen verbunden. Gerade deshalb „boomt“ ja auch das Modell der häuslichen 24 h Pflegebetreuung durch zumeist osteuropäische Pflegerinnen, die rund um die Uhr für den zu Pflegenden zur Verfügung stehen und so eine Pflege im häuslichen Umfeld und gleichzeitig eine Entlastung der Angehörigen bewirken. Gerade aufgrund dieser Vorteile dürfte in Österreich die Legalisierung dieser Beschäftigungsform ohne größeren Aufschrei der Gesellschaft über die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten über die Bühne gegangen sein. In Deutschland ist das wegen rechtlicher Hürden derzeit noch nicht denkbar.

    Dies kann sich aber noch ändern, da wie von Fedele F. dargestellt unbestritten bleibt, dass die Zahl der Älteren in den kommenden Jahren und mit ihnen auch der Anteil der Pflegebedürftigen steigen wird. Betont werden kann zwar, dass der Großteil der „Älteren“ nicht pflegebedürftig ist, aber ein gewisser Anteil an einer höheren Zahl älterer Menschen wird pflegebedürftig sein.

    Doch selbst im hohen Alter besitzen Menschen und auch pflegebedürftige Menschen, Kompetenzen. Dies wirft auch die Frage auf, inwiefern Kompetenzen älterer Menschen genutzt werden könnten, um die Pflegesituation zu entspannen. Aufgrund gestiegener Freizeitmöglichkeiten mit dem Eintritt in den Ruhestand engagieren sich viele Ältere ehrenamtlich. Sie erbringen unentgeltlich tausende Betreuungsstunden, zum Beispiel im Bereich der Kinderbetreuung. Zukünftig kann es jedenfalls sein, dass weniger Kinder als ältere Mitmenschen einer besonderen Betreuung unter Berücksichtigung ihrer noch vorhandenen Kompetenzen benötigen. Es sollte deshalb keine Abschottung der „gesunden Alten“ von den pflegebedürftigen Älteren geben. Gerade vor dem Hintergrund, dass jeder (im Alter) in eine solche Situation geraten kann, da die Anfälligkeit für chronische Krankheiten mit dem Alter steigt. Das Potential der Älteren für ihre „Leidensgenossen“ einzustehen und diese in Pflegesituationen zu begleiten, müsste diesen und der Gesellschaft insgesamt noch stärker bewusst (gemacht) werden.

    Die Begleitung durch Altersgenossen kann natürlich keine voll ausgebildeten Pflegekräfte ersetzen, die in den nächsten Jahren wie dargestellt dringend benötigt werden. Mit dem Pflegeberufegesetz hat die damalige Bundesregierung 2017 einen ersten Schritt für eine einheitliche Pflegeausbildung getan, die auch die Kosten für die Auszubildenden verringern und die Ausbildung so attraktiver machen soll. Hier kann wie von Fedele F. gefordert weiter angesetzt und können durch den Gesetzgeber weitere Lösungen angestrebt werden. Der Entwurf eines Koalitionsvertrages zwischen SPD und CDU/CSU enthält eine Reihe weiterer Maßnahmen zur besseren Bezahlung und Weiterqualifizierungsmaßnahmen im Pflegebereich. Falls die angestrebte Große Koalition zu Stande kommt, bleibt abzuwarten, ob damit dem drohenden Personalmangel entgegengewirkt werden kann und Fedele F’s Forderungen Rechnung getragen wird.

  2. Felias F. sagt:

    Hallo Fedele F.,

    dein Blog spricht aus meiner Sicht eines der wichtigsten Themen unserer Zeit im Kontext des demografischen Wandels an. (Alten-)Pflege und Betreuung vor dem Hintergrund der erwarteten Zunahme an unsere, wie du so schön umschrieben hast „graumelierten alten Bürger“ und die Bewältigung dieser im Idealfall würdevoll ausgeübten Tätigkeit.

    Wie ich finde, ist dein gewähltes Zitat ein äußerst passender thematischer Einstieg und verdeutlicht das Dilemma vor dem eine jede Herausforderung steht, die es dann gilt möglichst generationenübergreifend – nachhaltig – zu lösen. Wenn wir uns also heute dem Thema Pflege annehmen, sollten wir uns, wie du so vortrefflich dargestellt hast, auch bereits jetzt schon Gedanken darübermachen, wie die Politik auf eine möglichst wirkungsvolle Art und Weise dem erwarteten Pflegenotstand begegnen sollte. Denn ein Jeder von uns könnte entweder direkt selbst oder im Familien- und Bekanntenkreise einmal betroffen sein.

    Dein kurzer Abriss zur Geschichte der Pflege älterer Menschen zeigt auf anschauliche Art und Weise, wie die Anforderung zur Altenhilfe gleichzeitig mit den gestiegenen Ansprüchen der Arbeitswelt immer mehr außerfamiliäre Einrichtungen zur Angehörigenpflege notwendig machte. Zudem hast du den Begriff „Pflege“ und dem wandelnden „Verständnis von Pflege“ im 20. Jahrhundert sehr schön herausgearbeitet.

    Das im Blog geschilderte Phänomen der gesteigerten Lebenserwartung bei einer gleichzeitig sinkenden Geburtenrate verdeutlicht das Problem sehr greifbar. Deine dabei gewählten Grafiken veranschaulichen die paradoxe Diskrepanz. Der Rückschluss liegt nahe, dass der medizinische und technische Fortschritt sowie andauernder Frieden in Europa allein offensichtlich keine Garanten dafür sind, dass Menschen in Deutschland sich dazu entschließen Kinder bekommen zu wollen.
    Die Pflegestatistik 2015 im Rahmen des Blogs heranzuziehen, ist dir zudem sehr gut gelun-gen und untermauert die Notwendigkeit des politischen Handelns. Wenn nun der Pflegbedarf, ob nun zuhause oder im Pflegheim, insgesamt von im Jahr 2009 noch 2,34 Millionen Menschen auf im Jahr 2015 dann 2,86 Millionen Menschen angestiegen ist, dann stelle ich mir die Frage, wie es dann wohl z.B. im Jahr 2030 aussehen wird. Mir schauderts bei diesem Gedanken. Denn klar ist auch, dass die Politik in Zukunft wohl noch mehr Menschen motivieren muss, sich als qualifizierte Pflegekräfte ausbilden zu lassen. Ob uns der technische Fortschritt im Rahmen einer digitalisierten „Pflege 4.0“ dabei weiterhelfen kann bleibt abzuwarten.

    Ich selbst habe Angehörige in einer Einrichtung zum betreuten Wohnen. Meine Angehörigen leben dort schon seit über 10 Jahren glücklich und zufrieden. Das schönste ist, dass sie dort weitestgehend selbstständig sind und Kulturangebote sowie Einkaufsmöglichkeiten zur Ver-sorgung des täglichen Bedarfs in unmittelbarer Nähe fußläufig erreichen können. Mir kommt diese Einrichtung bei meinen regelmäßigen Besuchen vor wie ein „Studentenwohnheim für Ältere“. Diese Einrichtung kommt meiner Vorstellung, einen würdevollen Lebensabend im Kreise von gleichaltrigen Zeitgenossen zu führen, schon sehr nahe.

    Ich schließe mich deiner Forderung an die Politik an und sage, ob nun häusliche Pflege oder in Pflegeeinrichtungen, die Politik ist gefordert attraktivere Rahmenbedingungen für professionelle und gut ausgebildete Fachkräfte im Pflegedienst zu schaffen.

    Beste Grüße und noch viele, viele gesunde Jahre wünscht,
    Felias F.

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