Die vorliegende qualitative Studie untersucht die Rolle von Freundschaften für die Stress-
bewältigung bei Studierenden der öffentlichen Verwaltung. Im Fokus stehen dabei zum
einen die Entstehung und Entwicklung von Freundschaften im Studienverlauf und zum
anderen das Erleben von Freundschaften bei studienbezogenem Stress. Dazu wurden 21
weibliche Studierende des Studiengangs Öffentliche Verwaltung der Hochschule für Wirt-
schaft und Recht Berlin im fünften und siebten Fachsemester in drei Fokusgruppen in-
terviewt. Die Auswertung der Interviewdaten erfolgte mittels qualitativer Inhaltsanalyse
nach Mayring (2022) unter Verwendung der Software MAXQDA.

Bezüglich der Entstehung und Entwicklung von Freundschaft unter Studierenden zeigen sich Homophilie und Propinquität als entscheidende Einflussfaktoren. Im Studienverlauf verkleinern sich die anfänglich größeren Freundschaftsgruppen, was auf abnehmenden Kontakt, Differenzen, einseitige Beziehungen und fehlende emotionale Unterstützung
zurückgeführt wird.
Hinsichtlich des Erlebens von Freundschaften bei Stress zeigt sich, dass Freundschaf-
ten eine wichtige Ressource bei der Bewältigung von Stress im Studium darstellen. Dabei
zeigt sich, dass befreundete Kommiliton:innen fast als einzige Unterstützungsmöglichkeit
beim Umgang mit Stress benannt werden. Sie bieten emotionalen Rückhalt, Verständnis
und Ermutigung. Hierbei erfahren die Studentinnen die soziale Unterstützung in Form
instrumenteller, informationeller und emotionaler Art. Neben dieser sozialen Ressource,
stellen Freundschaften auch eine Motivationsquelle dar und fördern die persönliche Ent-
wicklung. In Abhängigkeit von der Qualität, der Reziprozität und den Interaktionsmus-
tern der Freundschaften ergeben sich jedoch auch Nachteile von Freundschaften. Durch
dynamische Gruppenprozesse wie Konflikte, Ausgrenzung oder enttäuschte Erwartungen
werden sie selbst zur Quelle von Stress.

Die Studie liefert damit einen differenzierten Einblick in die komplexe Dynamik von
Freundschaften im spezifischen Kontext des Studiums der öffentlichen Verwaltung. Eine
Einordnung zu aktuellen theoretischen Befunden und mögliche Implikationen für For-
schung und Praxis werden diskutiert.