Hagelskamp, Carolin; Ringeisen, Tobias; Streicher, Alina und Barth-Farkas, Faye (2025): Diversitätsklima an Hochschulen: Wie Studierende Diversität erleben und dies mit Studienerfolg, Wohlbefinden und Einstellungen zu Diversität zusammenhängt. in: Zeitschrift für Hochschulentwicklung, 20(1), 377–395. Online verfügbar unter https://doi.org/10.21240/zfhe/20-1/19
Das Diversitätsklima (DK) einer Hochschule beschreibt, wie Studierende den Um-
gang mit Diversität erleben. Es erfasst die Quantität und Qualität von Kontakt zwischen diversen Studierenden, sowie die Normen und Werte, die die Hochschule – insbesondere die Lehrenden – Studierenden zur Bedeutung von Diversität vermitteln. Bezogen auf den Umgang mit ethnischer Vielfalt zeigen Ergebnisse einer Längsschnittbefragung unter Bachelorstudierenden einer deutschen Hochschule (N = 521) Zusammenhänge zwischen dem erlebten DK und Outcomes in den Bereichen Studienerfolg, Wohlbefinden und Einstellungen zu Diversität. Während freundschaftliche Intergruppenkontakte bei Studierenden ohne Migrationshintergrund (MH) leicht positiv mit dem Studienerfolg zusammenhingen, waren sie bei Studierenden mit MH ein signifikanter Prädiktor für geringere Studienzufriedenheit und weniger wahrgenommenen Kompetenzzuwachs . Auf der organisationalen Ebene zeigte sich hingegen generell, dass eine stärkere Unterstützung von Intergruppenkontakten sowie erlebte Gleichbehandlung mit höherer Zufriedenheit und größeren Kompetenzzuwächsen einhergingen.
Bezüglich des Wohlbefindens erwiesen sich freundschaftliche Kontakte und deren institutionelle Förderung als signifikante Prädiktoren für eine bessere soziale Integration. Für Studierende mit MH zeigte sich jedoch der Trend, dass die Wahrnehmung von Colorblindness eine niedrigere soziale Integration vorhersagte. Positivere Einstellungen zu Diversität wurden durch freundschaftliche Kontakte und tendenziell durch kulturelle Sozialisation begünstigt, während das Erleben von Colorblindness mit weniger positiven Einstellungen assoziiert war. Studierende mit Migrationshintergrund (MH) erlebten das DK negativer als Studierende ohne MH.
Die Ergebnisse legen nahe, dass Studierende davon profitieren, wenn Lehrende ethnische Diversität explizit wertschätzen und Kooperation unter ethnisch diversen Studierenden fördern, anstatt Unterschiede in den Erfahrungen und Privilegien der Studierenden zu ignorieren.
Ringeisen, Tobias; Barth-Farkas, Faye und Hagelskamp, Carolin (2024): Lehrmethoden zur Stärkung von Selbstwirksamkeit und Studienerfolg bei Studierenden, in: Lehre.Lernen.Digital, Band 5, Heft 1, 20-26. Online hier verfügbar
Aktuelle Befunde der Lehr-Lern-Forschung zeigen, dass der Studienerfolg maßgeblich von der akademischen Selbstwirksamkeit der Studierenden abhängt. In Metaanalysen weist die Selbstwirksamkeit einen der stärksten Zusammenhänge mit Studienerfolg auf (d bis zu 1.81) – deutlich stärker als beispielsweise Merkmale des Studiums oder die Studienumgebung. Akademische Selbstwirksamkeit spiegelt die Überzeugung wider, lern- und prüfungsbezogene Anforderungen im Studium erfüllen zu können. Dabei fungiert diese Überzeugung als Ressource, die Stressreaktionen und deren negativen Auswirkungen in Prüfungssituationen abmildern kann (z.B. Bandura, 1997; Schickel et al., 2023).

Diese Befunde werden durch die Ergebnisse einer Querschnittsbefragung mit 619 Bachelorstudierenden der Öffentlichen Verwaltung an der HWR Berlin bestätigt, die im vorliegenden Beitrag vorgestellt werden. Es zeigt sich, dass weder demografische noch andere personenbezogene Merkmale der Studierenden den Studienerfolg so gut vorhersagen wie ihre Selbstwirksamkeit. Konkret erwies sich die akademische Selbstwirksamkeit als der stärkste Prädiktor für die wahrgenommene Kontrolle der Studierenden, die Studienanforderungen bewältigen zu können (β =0.51). Auch die wahrgenommene Wichtigkeit, diese Anforderungen zu meistern, wurde maßgeblich durch die allgemeine Selbstwirksamkeit vorhergesagt (β=0,44).
Im Anschluss leitet der Beitrag auf Basis aktueller Forschung Empfehlungen ab, welche Verhaltensweisen Lehrende in der eigenen Lehre anwenden können, um die Selbstwirksamkeit ihrer Studierenden und somit deren Studienerfolg zu stärken. Indem eine Lehrkraft in ihren Veranstaltungen Struktur bietet, Zusammenhänge aufzeigt, die Aufgabenbearbeitung anleitet und Feedback gibt, begünstigt sie direkt den Kompetenzaufbau der Lernenden. Zusätzlich beeinflussen Lehrende durch die Förderung der akademischen SW von Studierenden auch indirekt den Studienerfolg, indem sie deren intrinsische Motivation und ihr Engagement steigern.
