Oranienburg
Direkt beim Aussteigen aus der S-Bahn spüre ich ein Gefühl der Beklemmung. Während beim Kiosk die ersten Menschen ihre Bockwurst zum Frühstück bestellen oder zur Arbeit hetzen, sehe ich im Hintergrund den Wegweiser, den hier keinen mehr zu interessieren scheint – Sachsenhausen. In der Ausstellung die wir besucht haben wird nicht nur beschrieben was für schreckliche Taten an diesem Ort und im gesamten dritten Reich geplant und durchgeführt wurden, es wird auch erklärt und verdeutlicht. In den abgebildeten Dokumenten stand haargenau was Häftlinge im KZ tragen sollen, machen dürfen und alles weitere. Die Informationen die ich bereits kannte, waren im Haus-T nochmal anders dargestellt, eine Ebene, die ich bisher nur aus dem Film zur Wannseekonferenz wahrgenommen hatte. Menschen mussten diese Taten und Verbrechen planen, umsetzen und koordinieren. Besonders schockiert war ich, als ich ein Dokument las, in dem es um das Vorrücken der Sowjetischen Truppen an der Ostfront ging. Aufgrund dieses Ereignissen wurden die Todesmärsche angeordnet, damit die Häftlinge nicht befreit werden können. Es ging in diesem Moment nicht um die Aufklärung der Taten oder den Verlust taktischer Standorte, es ging darum dass die Gefangenen befreit werden können und so nicht das leid erfahren würden, welches die Nazis für sie vorgesehen hatten, das war besonders schockierend. Ein weiterer Aspekt den ich sehr bedrückend fand, zeigte sich mir auf, als ich eine Karte aus der Luft im Jahr 1945 sah. Ein kurzer Vergleich bestätigte, dass sie Anordnung der Straßen, einiger Häuser und Bäume sich nicht bedeutend verändert hatten, vielleicht waren es sogar noch die gleichen Bäume die damals gepflanzt wurden und heute noch stehen. Ich ging zum Fenster und schaute mir die Aussicht an. Ich fand es erschreckend zu realisieren, dass vor nicht einmal 100 Jahren Menschen am gleichen Fenster standen und darüber entschieden haben, wie am besten die Menschen getötet, gebraucht, und vernichtet werden können und dabei noch der festen Überzeugung waren, das richtige zu tun, auch diesen Gedanken fand ich furchtbar.
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