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Allgemeine Kursreflexion


Das Modul hat mir gezeigt, dass Demokratie viel mehr ist als Wahlen oder Gesetze. Sie lebt davon, dass Menschen Verantwortung übernehmen, kritisch denken und sich aktiv mit gesellschaftlichen Themen auseinandersetzen. Besonders deutlich wurde mir, dass Demokratie nicht selbstverständlich ist. Sie muss immer wieder geschützt und gestärkt werden. Das war für mich die wichtigste Erkenntnis aus dem gesamten Seminar.

Ein großer Bestandteil des Moduls war das Buch „Über Tyrannei“ von Timothy Snyder. Dieses hat deutlich gemacht, wie Demokratien Schritt für Schritt geschwächt werden können und welche Verantwortung jeder Einzelne trägt, damit genau das nicht passiert. Besonders wichtig fand ich den Gedanken, dass Demokratie nicht erst dann verteidigt werden muss, wenn sie bereits ernsthaft bedroht ist. Vielmehr beginnt der Schutz der Demokratie schon im Alltag zum Beispiel indem man seine eigene Meinung bildet, nicht alles ungeprüft glaubt und den Mut hat, Stellung zu beziehen, wenn Menschen ausgegrenzt oder demokratische Werte angegriffen werden.

Auch die Themen Vorurteile, Stereotype und Propaganda haben meinen Blick verändert. Mir ist bewusst geworden, wie schnell wir Menschen aufgrund von Äußerlichkeiten oder einzelnen Informationen in Schubladen stecken. Oft passiert das sogar unbewusst. Das Seminar hat mir gezeigt, wie wichtig es ist, das eigene Denken immer wieder zu hinterfragen und anderen Menschen offen zu begegnen, anstatt vorschnell zu urteilen.

Ein weiterer wichtiger Punkt war der Umgang mit Informationen und Statistiken. Vor dem Seminar habe ich viele Zahlen oder Beiträge in den sozialen Medien oft einfach hingenommen. Heute weiß ich, dass Statistiken je nach Darstellung ganz unterschiedlich wirken können und dass Informationen immer kritisch geprüft werden sollten. Gerade soziale Medien verbreiten Inhalte innerhalb kürzester Zeit. Dabei spielen Algorithmen, gezielte Desinformation und Propaganda eine immer größere Rolle. Deshalb nehme ich aus dem Seminar mit, Informationen nicht sofort zu glauben, sondern verschiedene Quellen miteinander zu vergleichen und mich bewusst zu fragen, wer hinter einer Aussage steht und welches Ziel damit verfolgt wird.

Besonders wichtig ist diese Erkenntnis auch im Hinblick auf meinen zukünftigen Berufsalltag in der öffentlichen Verwaltung. Als Beschäftigte im öffentlichen Dienst trägt man eine besondere Verantwortung. Bürgerinnen und Bürger erwarten eine faire, sachliche und neutrale Behandlung. Das bedeutet für mich, Entscheidungen nicht aufgrund persönlicher Vorurteile oder eigener Meinungen zu treffen, sondern nach Recht und Gesetz sowie auf Grundlage von Fakten. Gleichzeitig ist es wichtig, jedem Menschen mit Respekt zu begegnen unabhängig von Herkunft, Religion, Geschlecht oder persönlichen Überzeugungen.
Außerdem nehme ich aus dem Seminar mit, dass Demokratie nicht nur die Aufgabe von Politikerinnen und Politikern ist. Jeder Mensch kann im Alltag dazu beitragen, sie zu stärken. Demokratie zu verteidigen bedeutet für mich, nicht wegzusehen, wenn Menschen diskriminiert oder ausgegrenzt werden. Es bedeutet, respektvoll miteinander zu diskutieren, auch wenn unterschiedliche Meinungen aufeinandertreffen. Ebenso gehört dazu, sich aktiv zu informieren, Falschinformationen kritisch zu hinterfragen und sich nicht von Hass oder Hetze beeinflussen zu lassen. Gerade in einer Zeit, in der sich Informationen über soziale Medien sehr schnell verbreiten, ist ein verantwortungsvoller Umgang mit Medien wichtiger denn je.

Insgesamt hat mich das Modul sowohl fachlich als auch persönlich weitergebracht. Es hat mir gezeigt, dass Demokratie nicht von allein funktioniert, sondern vom Engagement jedes Einzelnen lebt. Deshalb möchte ich meinen zukünftigen Beruf nicht nur als Verwaltungsaufgabe verstehen, sondern auch als Verantwortung gegenüber unserer Gesellschaft und unseren demokratischen Grundwerten.




Reflexion: Exkursion zur Gedänkstätte Sachsenhausen Oranienburg/Finanzamt Oranienburg


Im Rahmen unseres Demokratie-Moduls haben wir als Kurs das Finanzamt Oranienburg besucht und dort eine Ausstellung über die NS-Zeit angesehen.
Da ich in der Schule den Geschichte-Leistungskurs besucht habe, bin ich mit viel Vorwissen in die Ausstellung gegangen. Schon im Unterricht haben mich viele Berichte und Quellen sehr bewegt. Trotzdem hat mir diese Exkursion das Thema noch einmal auf eine ganz andere Weise nähergebracht. Vor Ort zu stehen und die originalen Dokumente zu sehen, hat einen viel stärkeren Eindruck auf mich gemacht, als nur darüber zu lesen. Dadurch wurde mir noch einmal bewusst, wie schrecklich diese Zeit wirklich war und warum sie niemals vergessen werden darf.

Besonders bewegt hat mich ein Dokument, in dem die Bestrafung eines Häftlings genau festgehalten wurde. Darin stand, wer die betroffene Person war, warum sie bestraft wurde, wie die Strafe aussah und wer sie durchgeführt hatte. Sogar die genaue Anzahl der Schläge war dokumentiert und offiziell bestätigt. Als ich das gelesen habe, lief es mir eiskalt den Rücken herunter. Ich habe mich gefragt, wie ein Mensch einem anderen so etwas antun kann. Für mich ist es kaum vorstellbar, dass jemand so wenig Mitgefühl haben kann und das Leid eines anderen Menschen einfach als etwas Normales ansieht.

Auch die Fotos von den Lebensbedingungen der Gefangenen haben mich sehr getroffen. Zu sehen, unter welchen Umständen die Menschen leben mussten, war schwer auszuhalten. Da ich ein eher emotionaler Mensch bin, haben mich diese Bilder besonders berührt. In diesem Moment habe ich vor allem Trauer, Wut und Fassungslosigkeit gespürt. Mir wurde klar, dass hinter jeder Aufnahme ein echter Mensch mit einer eigenen Geschichte stand. Oft spricht man von Millionen Opfern, doch erst durch solche Einzelschicksale wird einem bewusst, dass jede Zahl ein Mensch mit Familie, Hoffnungen und Träumen war.

Die Ausstellung hat mich aber nicht nur emotional bewegt, sondern auch zum Nachdenken gebracht. Ich habe mich gefragt, wie ein solches System überhaupt entstehen konnte. Natürlich weiß ich, dass viele Menschen damals Angst hatten und ihr eigenes Leben schützen wollten. Trotzdem frage ich mich, warum so viele weggesehen oder geschwiegen haben. Wahrscheinlich haben viele gedacht, dass ihr eigenes Handeln keinen Unterschied machen würde. Genau das macht mir deutlich, wie gefährlich Gleichgültigkeit sein kann. Wenn Menschen Unrecht sehen und nichts dagegen tun, kann sich dieses Unrecht immer weiter ausbreiten. Besonders nachdenklich hat mich gemacht, dass viele Entwicklungen damals nicht plötzlich passiert sind. Ausgrenzung, Diskriminierung und Hass haben klein angefangen und wurden mit der Zeit immer stärker. Das zeigt mir, wie wichtig es ist, schon die ersten Anzeichen ernst zu nehmen. Demokratie verschwindet nicht von einem Tag auf den anderen. Sie kann Stück für Stück geschwächt werden, wenn Menschen sich nicht mehr füreinander einsetzen oder wegschauen. Deshalb reicht es nicht aus, nur zu sagen, dass man gegen Diskriminierung ist. Man muss auch den Mut haben, etwas zu sagen oder zu handeln, wenn man Ungerechtigkeit erlebt.


Für mich persönlich nehme ich aus dieser Exkursion mit, dass Demokratie und Menschenrechte keine Selbstverständlichkeit sind. Sie müssen jeden Tag geschützt werden. Ich möchte nicht zu den Menschen gehören, die bei Ungerechtigkeit wegsehen. Stattdessen möchte ich aufmerksam bleiben, meine Meinung äußern und andere Menschen mit Respekt behandeln. Die Ausstellung hat mir noch einmal deutlich gemacht, dass wir aus der Vergangenheit lernen müssen, damit sich solche Verbrechen niemals wiederholen. Gerade wir als junge Generation tragen die Verantwortung, die Erinnerung wachzuhalten und uns für Demokratie, Freiheit und Menschlichkeit einzusetzen.




Kursreflexion


Zu Beginn des Seminars habe ich Demokratie und Rechtsstaatlichkeit als etwas wahrgenommen, was in Deutschland weitgehend selbstverständlich ist. Im Laufe des Kurses ist mir jedoch bewusst geworden, dass demokratische Strukturen, Grundrechte und Freiheit nicht von allein bestehen bleiben. Sie müssen von jeder Generation geschützt und aktiv gelebt werden.

Die Lektionen von Timothy Snyders „Über Tyrannei“ haben mir gezeigt, dass Demokratie nicht erst dann gefährdet ist, wenn Wahlen abgeschafft werden oder eine Diktatur entsteht. Gefahren beginnen oft viel früher – zum Beispiel durch Gleichgültigkeit, Desinformation, die Schwächung demokratischer Institutionen oder die Einschränkung von Grundrechten.

Auch wenn ich selbst an der Exkursion nach Sachsenhausen leider nicht teilnehmen konnte, haben die Berichte und Eindrücke meiner Kommilitoninnen und Kommilitonen sowie die gemeinsame Nachbesprechung im Seminar bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Mir wurde dadurch noch einmal bewusst, dass autoritäre Systeme nicht nur durch einzelne Machthaber entstehen, sondern auch davon abhängen, wie Institutionen und die Menschen in ihnen handeln. Gerade deshalb sehe ich die Rolle der öffentlichen Verwaltung nun mit anderen Augen. Verwaltung bedeutet nicht nur, Gesetze anzuwenden oder Anträge zu bearbeiten, sondern auch, rechtsstaatliche Prinzipien zu schützen, Verantwortung zu übernehmen und alle Menschen gleich und fair zu behandeln. Berufsethik und Integrität sind dafür unverzichtbar.

Als queere Person – also eine Minderheit in unserer Bevölkerung – hat mich der Kurs zusätzlich auf einer persönlichen Ebene angesprochen. Er hat mir vor Augen geführt, dass Grund- und Freiheitsrechte keine Selbstverständlichkeit sind. Politische Entwicklungen im In- und Ausland zeigen, dass Rechte von Minderheiten immer wieder infrage gestellt werden können. Deshalb halte ich es für wichtig, demokratische Werte aktiv zu verteidigen, sich gegen Diskriminierung einzusetzen und offen für die Erfahrungen anderer Länder und Gesellschaften zu bleiben.

Ein großer Mehrwert des Seminars war für mich außerdem der Austausch mit den anderen Studierenden. Viele Themen hätte ich beim Lesen allein vermutlich anders oder weniger intensiv verstanden. Erst durch die Diskussionen wurden unterschiedliche Perspektiven sichtbar und ich musste meine eigenen Ansichten reflektieren und begründen. Dadurch habe ich nicht nur Wissen erworben, sondern auch gelernt, wie wichtig respektvoller Dialog für eine funktionierende Demokratie ist.

Aus dem Seminar nehme ich vor allem Verantwortung mit. Verantwortung für mein eigenes Handeln, für einen kritischen Umgang mit Informationen und für den Schutz demokratischer Werte – sowohl privat als auch später im Berufsleben. Der Kurs hat mir gezeigt, dass Demokratie nicht nur ein politisches System ist, sondern eine gemeinsame Aufgabe, zu der jede und jeder einen Beitrag leisten kann.

Gerade weil ich später selbst Teil der öffentlichen Verwaltung sein werde, nehme ich aus dem Seminar mit, dass Neutralität nicht bedeutet, gegenüber demokratischen Grundwerten gleichgültig zu sein. Im Gegenteil. Die Verwaltung trägt eine besondere Verantwortung dafür, den Rechtsstaat zu schützen, Menschen gleich zu behandeln und die Grundrechte aller zu achten.




Allgemeine Kursreflexion


Das Modul „Resiliente Demokratie durch Verwaltungsmitarbeitende mit demokratischer Überzeugung“ habe ich als sehr interessant und inhaltlich als sehr vielschichtig wahrgenommen. Viele Themen waren mir zwar grundsätzlich bekannt, aber die Art und Weise, wie sie im Kurs aufgegriffen und miteinander verknüpft wurden, hatte für mich einen klaren Lerneffekt. Besonders eindrücklich war für mich zu sehen, dass demokratische Überzeugungen im Verwaltungsalltag wirklich eine Rolle spielen.


Ein zentrales Element war die Auseinandersetzung mit Timothy Snyders „Über Tyrannei“. Die klaren, zugespitzten Lektionen des Buches haben mich an mehreren Stellen beschäftigt, vor allem wie verletzlich demokratische Strukturen sind und wie sehr sie davon leben, dass Menschen Verantwortung übernehmen. Die Verbindung zwischen den theoretischen Inhalten und den Beispielen aus dem Verwaltungsalltag, der Politik und den Erfahrungsberichten samt Anekdoten hat gut gezeigt, wie relevant diese Themen in der Praxis sind und auch immer sein sollten.

Ein wesentlicher Grund dafür, dass das Modul für mich so positiv in Erinnerung bleiben wird, ist Frau Prof. Dr. Egger de Campo. Ihre Begeisterung für demokratische Bildung war in jeder Sitzung spürbar. Man hat gemerkt, dass Ihnen das Thema wirklich am Herzen liegt und dass Sie Studierende ernst nehmen und unterstützten, unabhängig davon, welche Fragen oder Perspektiven man einbringt. Diese Haltung hat wesentlich dazu beigetragen, dass das Modul für mich so zugänglich und anregend war.

Insgesamt war das Modul für mich eine wertvolle Erfahrung, die meinen Blick auf Verwaltung, Verantwortung und Demokratie erweitert und geschärft hat. Ich werde dieses Modul uneingeschränkt weiterempfehlen. Nicht nur wegen der Inhalte, sondern auch wegen der hervorragenden Lehrperson, die dieses Thema mit echter Überzeugung lebt. Oder wie man so gerne bei unseren deutschen Streikräften sagt: Führen durch Vorbild.




Woran merke ich in meinem Alltag, dass ich in einem demokratischen Rechtsstaat lebe? Worauf müsste ich verzichten in einer Autokratie oder illiberalen Demokratie?


Mein Name ist Philipp und ich befinde mich im 37. Lebensjahr. Ich muss ehrlich sagen, dass ich mich mit der oben genannten Frage bisher noch nie so richtig beschäftigt habe. Ich bin zwar noch in der Deutsche Demokratische Republik geboren, habe davon aber natürlich nicht mehr viel mitbekommen. Das Einzige, was mich noch an diese Zeit erinnert, ist mein Impfausweis.

Ich persönlich würde sagen, dass ich ansonsten frei und selbstbestimmt aufgewachsen bin. Klar gab es Regeln und Vorschriften, und der Erziehungsstil meiner Mama war sicher noch von der DDR geprägt. Trotzdem war die Demokratie, so wie wir sie heute kennen, für mich schon immer eine Art Standard.

Ich habe auch viel Zeit bei meiner Uroma verbracht. Sie wurde 1917 geboren und kannte die Zeit vor der Demokratie natürlich noch gut. Leider war ich damals zu jung, um mit ihr ausführlich darüber zu sprechen. Wenn ich heute darüber nachdenke, ist es ein großer Luxus und ein Privileg, so selbstbestimmt leben zu können. Ich habe Meinungsfreiheit und kann mich frei bewegen – wann und wohin ich möchte.

Für Menschen, die in diese Zeit hineingeboren wurden, wird das schnell zur Selbstverständlichkeit. Gleichzeitig wird es immer schwieriger nachzuvollziehen, wie Menschen früher unter anderen Umständen gelebt haben.

Am Wochenende habe ich mich mit meiner Mama und ihrem Freund zusammengesetzt, um herauszufinden, wie sie den Wandel von der DDR zur Bundesrepublik Deutschland wahrgenommen haben. Beide sagten mir, dass die Meinungsfreiheit – insbesondere gegenüber dem Staat – stark eingeschränkt war. Man konnte seine Meinung nicht so frei äußern wie heute.

Außerdem gab es in der Schule und im Kindergarten Jugendorganisationen (ich nenne sie mal so), die zwar nicht offiziell verpflichtend waren, aber man wurde schnell ausgegrenzt, wenn man nicht Mitglied war. Das zeigt, dass durchaus ein gewisser sozialer Druck bestand.

Das sind nur zwei Beispiele, die den beiden sofort eingefallen sind. Zum Thema Autokratie lässt sich sagen, dass wir als Bürger auf viele grundlegende Rechte verzichten müssten. Dinge, die heute selbstverständlich sind, würden plötzlich wegfallen: keine Demokratie, kein Wahlrecht, Einschränkung der Grundrechte, keine Meinungsfreiheit und auch keine Presse- und Medienfreiheit. Vieles würde kontrolliert und überwacht werden.

Ich bin mir sicher, dass sich kaum jemand eine solche Zeit zurückwünscht. Alles in allem möchte ich in einer Welt leben, in der Demokratie und Frieden herrschen.


Reflexion zu den Lektionen 14 & 16


Kapitel 16 beschäftigt sich mit dem Austausch über Ländergrenzen hinweg. Snyder macht deutlich, dass Demokratien ähnliche Herausforderungen haben und voneinander lernen können. Diesen Gedanken finde ich überzeugend, weil Themen wie Desinformation, gesellschaftliche Spaltung oder der Umgang mit digitalen Medien viele Länder betreffen. Der Blick auf andere Demokratien kann dabei helfen, neue Perspektiven zu gewinnen und eigene Lösungen kritisch zu hinterfragen.

Insgesamt zeigen die beiden Kapitel für mich, dass Demokratie nicht selbstverständlich ist und aktiv geschützt werden muss. Gerade Mitarbeitende in der Verwaltung haben dabei eine besondere Verantwortung, weil sie täglich Entscheidungen treffen und staatliches Handeln für Bürgerinnen und Bürger sichtbar machen. Dazu gehören für mich Fairness, Rechtsstaatlichkeit, Datenschutz und ein verantwortungsvoller Umgang mit Informationen




Woran merke ich in meinem Alltag, dass ich in einem demokratischen Rechtsstaat lebe? Worauf müsste ich verzichten in einer Autokratie oder „illiberalen Demokratie“?


Telefonat mit meiner Mutter und mit meiner Schwiegermutter.

Als ich mit meiner Mutter und meiner Schwiegermutter über ihr Leben in der Deutsche Demokratische Republik (DDR) sprach, bekomme ich ein sehr lebendiges Bild davon, wie der Alltag damals wirklich war. Beide haben viele ähnliche Dinge erlebt, aber auch unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt. Insgesamt wird deutlich, dass das Leben stark vom Staat geprägt war ob politisch, beruflich und sogar im Privatleben.Meine Mutter hat besonders betont, dass man im Alltag immer vorsichtig sein musste. Egal ob im Betrieb oder sogar im Berliner Zentrum, man wusste nie, wer zuhört oder etwas weitergibt. Die Angst, von der Stasi beobachtet zu werden, war zwar nicht immer konkret sichtbar, aber sie war im Hinterkopf präsent. Deshalb hat man seine Meinung oft nicht offen gesagt. Auch das Thema Fernsehen war interessant: Westfernsehen wurde zwar geschaut, aber man hat in der Öffentlichkeit nicht darüber gesprochen, um keinen Ärger zu bekommen.Ein großes Thema war auch die Arbeitspflicht. Meine Mutter hat erzählt, dass es praktisch nicht möglich war, längere Zeit ohne Arbeit zu sein. Wer mehrere Monate keiner Arbeit nachging, bekam Probleme mit dem Staat bzw. mit der Stasi. Der Wehrdienst war ebenfalls verpflichtend, wer sich verweigerte, musste mit Konsequenzen rechnen oder man wurde von Zuhause abgeholt. Auch wenn man studieren wollte, spielte das Verhalten gegenüber dem System eine große Rolle. Organisationen wie die Freie Deutsche Jugend oder die Pionierorganisation prägten das Aufwachsen. Offiziell war die Teilnahme freiwillig, doch wer sich entzog, musste mit Nachteilen rechnen. Auch religiöse Entscheidungen, wie die Teilnahme an der Konfirmation statt der Jugendweihe, konnten sich negativ auf Bildungs- und Berufschancen auswirken. Es war zwar nicht offiziell vorgeschrieben, zur Armee zu gehen, aber es konnte die Chancen stärker beeinflussen.Meine Schwiegermutter hat besonders die politischen Strukturen hervorgehoben. Die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands bestimmte alles, und bei Wahlen gab es nur eine Liste. Dadurch hatte man keine echte Wahlmöglichkeit. Auch staatliche Veranstaltungen wie die 1.-Mai-Demonstrationen waren Pflicht. Für meine Mutter war die Teilnahme an der Demonstration (1.Mai) auf dem Marx-Engels-Platz in Berlin ein Höhepunkt ihrer Jugend. Die Teilnahme war grundsätzlich verpflichtend, oft sogar mit dem zukünftigen Betrieb fortgeführt. Für Staatsbesuche bekamen die Arbeiter oder die Schüler sogar frei um den Staatsgast zu begrüßen. Beide haben auch erzählt, dass Reisen stark eingeschränkt waren. Man konnte zwar in andere Ostblockstaaten/ Kommunistische Staaten reisen, aber nicht einfach in den Westen. Ein Fluchtversuch war gefährlich. Es gab strenge Grenzkontrollen und sogar den Schießbefehl. Das hat viele Menschen eingeschüchtert.Im Alltag gab es zudem viele praktische Einschränkungen. Ein Auto bekam man nur nach jahrelanger Anmeldung, und auch Haushaltsgeräte waren nicht immer verfügbar. Lebensmittel waren auch nicht immer vorrätig, besonders außerhalb von Berlin war die Versorgung schlechter z.B. Cottbus, Dresden oder Leipzig „Hinterland“ . Gleichzeitig war Wohnraum knapp und verheiratete Paare wurden bei der Vergabe bevorzugt.Trotz all dieser Einschränkungen haben beide auch positive Seiten erwähnt. Die Kinderbetreuung war sehr gut – es gab immer Plätze im Kindergarten, und Mütter wurden unterstützt, zum Beispiel durch Stillgeld oder den sogenannten Haushaltstag. Auch der Ehekredit wurde genannt: Familien konnten finanzielle Unterstützung bekommen, die bei mehreren Kindern teilweise nicht zurückgezahlt werden musste.Das Gesundheitssystem wurde ebenfalls als gut beschrieben, genauso wie die schulische Organisation. Impfungen fanden direkt in der Schule statt, und es gab viele Freizeitangebote für Kinder und Jugendliche. Sport wurde stark gefördert – Talente wurden früh erkannt und gezielt unterstützt. Auch Wandertage hatten oft einen historischen oder politischen Bezug.Ein weiterer Punkt war das Gemeinschaftsgefühl. Beide hatten den Eindruck, dass Menschen enger zusammenhielten und sich gegenseitig mehr unterstützten. Außerdem wurde mehr Wert auf Recycling gelegt, und vieles wurde nicht einfach weggeworfen sondern recycelt und bekamen dafür auch Geld.

Fazit

Meine Mutter hat überwiegend von positiven Erlebnissen in der DDR berichtet und nur wenig über negative Erfahrungen gesprochen. Es wirkt, als habe sie sich mit dem System weitgehend arrangiert oder abgefunden.Im Gegensatz dazu fiel es meiner Schwiegermutter deutlich leichter, zahlreiche kritische und negative Erlebnisse zu schildern.Für mich ist es besonders interessant zu sehen, wie unterschiedlich beide dasselbe System wahrgenommen haben. Ihre Erzählungen zeigen, dass die Erfahrungen in der DDR sehr individuell waren. Gleichzeitig wird aber auch deutlich, dass selbst in einem stark reglementierten System sowohl positive als auch negative Erinnerungen bestehen bleiben. Wenn ich das alles mit heute vergleiche, wird mir wieder bewusst, was Demokratie eigentlich bedeutet. In unserem heutigen System haben wir freie Wahlen, Meinungsfreiheit, Reisefreiheit und Berufsfreiheit. Niemand muss Angst haben, seine Meinung offen zu sagen oder überwacht zu werden. Jeder kann seinen eigenen Lebensweg wählen und selbst Entscheidungen treffen. Oft neigen wir dazu, uns über politische Entscheidungen zu beschweren, und vergessen dabei, wie wertvoll diese Freiheiten eigentlich sind. Viele Menschen aus der Deutsche Demokratische Republik sind damals auf die Straße gegangen, um genau diese Rechte zu erkämpfen. Das sollte man sich immer wieder bewusst machen. Ich hatte die Möglichkeit, bereits einige Länder zu bereisen, und habe dabei oft gemerkt, wie gut wir es in Deutschland haben. Die Freiheit, das eigene Leben so zu gestalten, wie man es möchte, ist nicht selbstverständlich. Natürlich gibt es Regeln, wie die freiheitlich-demokratische Grundordnung, an die man sich halten muss – aber innerhalb dieses Rahmens haben wir sehr viele Möglichkeiten. Ich habe gelernt, diese Freiheiten zu schätzen, und auch eine gewisse Verbundenheit zu unserem Land entwickelt. Aus diesem Grund habe ich mich entschieden, zur Bundeswehr zu gehen, um einen Beitrag dazu zu leisten, diese Werte und unser Land zu schützen und zu verteidigen.




Reflexion – Lektion 1: „Leiste keinen vorauseilenden Gehorsam“ & „Lektion 2: Verteidige Institutionen“


Als ich die ersten beiden Lektionen aus „Über Tyrannei“ von Timothy Snyder gelesen habe, hatte ich zuerst das Gefühl, dass sie irgendwie „normal“ und selbstverständlich klingen. Aber je länger ich darüber nachgedacht habe, vor allem auch während unserer Vorlesung und der Diskussion zu diesen beiden Lektionen, desto unangenehmer wurden sie für mich, weil ich gemerkt habe, dass auch ich mich mit seinen Worten angesprochen fühle.

Bei „Leiste keinen vorauseilenden Gehorsam“ habe ich mich erwischt gefühlt. Ich hätte mich vorher wahrscheinlich als jemanden eingeschätzt, der kritisch denkt und nicht einfach alles so hinnimmt. Jedoch wenn ich ehrlich bin, vermeide ich oft Situationen, in denen ich anecken könnte. Ich sage manchmal nichts, wenn jemand etwas Problematisches sagt oder passe mich an, weil es einfacher ist. Nicht, weil ich überzeugt bin, sondern weil ich keinen Stress will. Das ist genau das was Snyder ja beschreibt. Dieses leise Mitmachen ohne, dass überhaupt Druck da ist. Das hat mich ein bisschen nachdenklich gemacht, weil es zeigt, wie schnell man selbst Teil von etwas werden kann, das man eigentlich ablehnt. Nicht durch Entscheidungen, sondern durch ein Schweigen im richtigen Moment.

Die zweite Lektion „Verteidige Institutionen“ hat mir aufgezeigt, dass ich Institutionen bisher ziemlich selbstverständlich genommen habe. Sie waren einfach da, aber ich habe mich nie wirklich gefragt, welche Rolle sie eigentlich in meinem ganz eigenen Leben spielen. Ich habe ich mich oft nur dann mit den Institutionen beschäftigt, wenn mich etwas gestört hat. Ansonsten habe ich eher Abstand gehalten. Ich hatte nicht das Gefühl, dass das etwas mit mir persönlich zu tun hat. Durch die Lektion habe ich aber gemerkt, dass genau dieses distanzierte Denken ein Problem sein kann. Mir ist klar geworden, dass Institutionen nicht einfach automatisch funktionieren. Sie sind darauf angewiesen, dass Menschen sie ernst nehmen, sich für sie interessieren und sie auch verteidigen, wenn sie unter Druck geraten.

Aus den beiden Lektionen nehme ich vor allem mit, dass Demokratie nichts ist, das einfach von selbst funktioniert. Sie hängt nicht nur von großen Entscheidungen oder Politiker*innen ab, sondern auch von kleinen Momenten im Alltag. Ich habe verstanden, dass es nicht egal ist, ob ich schweige, etwas sage, ob ich mich anpasse oder meine eigene Haltung zeige.




Woran merke ich in meinem Alltag, dass ich in einem demokratischen Rechtsstaat lebe? Worauf müsste ich verzichten in einer Autokratie oder „illiberalen Demokratie“


Ich heiße Monique und bin 30 Jahre alt. Ich bin also schon in die Demokratie hineingeboren, aufgewachsen und habe selbst Kinder geboren. Ich habe nun mehre Tage darüber nachgedacht, woran ich merke dass ich in einer Demokratie lebe. Dabei habe ich festgestellt, dass ich vorher noch nie so genau darüber nachgedacht habe. Daran merke ich, in was für einer Selbstverständlichkeit wir leben und den Alltag durchleben als wäre es nichts besonderes. Oft denkt und sagen auch andere, wie anstrengend alles ist und wie schwer man es hat. Doch wenn man sich wirklich mit seinem Leben und Privilegien auseinandersetzt merkt man erst, wie gut es uns doch eigentlich geht. 

Kleine Beispiele sind, dass ich als Frau selbst entscheiden kann, ob und wen ich heirate, ob ich Kinder haben möchte, welchen Beruf ich lernen möchte und wo ich mein Leben verbringen möchte. Ich kann klar meine Meinung zu schwierigen Themen äußern, ein Buch über das schreiben was ich möchte oder mich im Internet äußern. Natürlich muss man selbst mit Kritik von anderen rechnen und auch lernen damit umzugehen. 

Weiterhin merke ich es bei meinen Kindern. Sie können in die Schule gehen, sich den Freizeitsport aussuchen welchen ihnen gefällt. Sie dürfen ihren Lehrkräften ihre Meinung sagen ohne sich zu fürchten. Und auch als Eltern wird man durch Kindergeld oder auch Kinderzuschlag unterstützt, auch dass ist nicht selbstverständlich. 

Meine Oma ist leider nicht mehr da, aber sie hatte mit oft von früher erzählt. Sie ist 1934 geboren und ihre Kindheit war geprägt von Angst. Sie konnte sich nicht so frei bewegen und hat sich ständig beobachtet gefühlt. Jeder Schritt war sozusagen geplant und vorsichtig, um bloß nicht aufzufallen oder einen Fehler zu machen. Umso schöner war es für sie, noch in ihrem Alter frei zu sein, ihre Enkel und Urenkel sicher und glücklich aufwachsen zu sehen.




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