
Telefonat mit meiner Mutter und mit meiner Schwiegermutter.
Als ich mit meiner Mutter und meiner Schwiegermutter über ihr Leben in der Deutsche Demokratische Republik (DDR) sprach, bekomme ich ein sehr lebendiges Bild davon, wie der Alltag damals wirklich war. Beide haben viele ähnliche Dinge erlebt, aber auch unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt. Insgesamt wird deutlich, dass das Leben stark vom Staat geprägt war ob politisch, beruflich und sogar im Privatleben.Meine Mutter hat besonders betont, dass man im Alltag immer vorsichtig sein musste. Egal ob im Betrieb oder sogar im Berliner Zentrum, man wusste nie, wer zuhört oder etwas weitergibt. Die Angst, von der Stasi beobachtet zu werden, war zwar nicht immer konkret sichtbar, aber sie war im Hinterkopf präsent. Deshalb hat man seine Meinung oft nicht offen gesagt. Auch das Thema Fernsehen war interessant: Westfernsehen wurde zwar geschaut, aber man hat in der Öffentlichkeit nicht darüber gesprochen, um keinen Ärger zu bekommen.Ein großes Thema war auch die Arbeitspflicht. Meine Mutter hat erzählt, dass es praktisch nicht möglich war, längere Zeit ohne Arbeit zu sein. Wer mehrere Monate keiner Arbeit nachging, bekam Probleme mit dem Staat bzw. mit der Stasi. Der Wehrdienst war ebenfalls verpflichtend, wer sich verweigerte, musste mit Konsequenzen rechnen oder man wurde von Zuhause abgeholt. Auch wenn man studieren wollte, spielte das Verhalten gegenüber dem System eine große Rolle. Organisationen wie die Freie Deutsche Jugend oder die Pionierorganisation prägten das Aufwachsen. Offiziell war die Teilnahme freiwillig, doch wer sich entzog, musste mit Nachteilen rechnen. Auch religiöse Entscheidungen, wie die Teilnahme an der Konfirmation statt der Jugendweihe, konnten sich negativ auf Bildungs- und Berufschancen auswirken. Es war zwar nicht offiziell vorgeschrieben, zur Armee zu gehen, aber es konnte die Chancen stärker beeinflussen.Meine Schwiegermutter hat besonders die politischen Strukturen hervorgehoben. Die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands bestimmte alles, und bei Wahlen gab es nur eine Liste. Dadurch hatte man keine echte Wahlmöglichkeit. Auch staatliche Veranstaltungen wie die 1.-Mai-Demonstrationen waren Pflicht. Für meine Mutter war die Teilnahme an der Demonstration (1.Mai) auf dem Marx-Engels-Platz in Berlin ein Höhepunkt ihrer Jugend. Die Teilnahme war grundsätzlich verpflichtend, oft sogar mit dem zukünftigen Betrieb fortgeführt. Für Staatsbesuche bekamen die Arbeiter oder die Schüler sogar frei um den Staatsgast zu begrüßen. Beide haben auch erzählt, dass Reisen stark eingeschränkt waren. Man konnte zwar in andere Ostblockstaaten/ Kommunistische Staaten reisen, aber nicht einfach in den Westen. Ein Fluchtversuch war gefährlich. Es gab strenge Grenzkontrollen und sogar den Schießbefehl. Das hat viele Menschen eingeschüchtert.Im Alltag gab es zudem viele praktische Einschränkungen. Ein Auto bekam man nur nach jahrelanger Anmeldung, und auch Haushaltsgeräte waren nicht immer verfügbar. Lebensmittel waren auch nicht immer vorrätig, besonders außerhalb von Berlin war die Versorgung schlechter z.B. Cottbus, Dresden oder Leipzig „Hinterland“ . Gleichzeitig war Wohnraum knapp und verheiratete Paare wurden bei der Vergabe bevorzugt.Trotz all dieser Einschränkungen haben beide auch positive Seiten erwähnt. Die Kinderbetreuung war sehr gut – es gab immer Plätze im Kindergarten, und Mütter wurden unterstützt, zum Beispiel durch Stillgeld oder den sogenannten Haushaltstag. Auch der Ehekredit wurde genannt: Familien konnten finanzielle Unterstützung bekommen, die bei mehreren Kindern teilweise nicht zurückgezahlt werden musste.Das Gesundheitssystem wurde ebenfalls als gut beschrieben, genauso wie die schulische Organisation. Impfungen fanden direkt in der Schule statt, und es gab viele Freizeitangebote für Kinder und Jugendliche. Sport wurde stark gefördert – Talente wurden früh erkannt und gezielt unterstützt. Auch Wandertage hatten oft einen historischen oder politischen Bezug.Ein weiterer Punkt war das Gemeinschaftsgefühl. Beide hatten den Eindruck, dass Menschen enger zusammenhielten und sich gegenseitig mehr unterstützten. Außerdem wurde mehr Wert auf Recycling gelegt, und vieles wurde nicht einfach weggeworfen sondern recycelt und bekamen dafür auch Geld.
Fazit
Meine Mutter hat überwiegend von positiven Erlebnissen in der DDR berichtet und nur wenig über negative Erfahrungen gesprochen. Es wirkt, als habe sie sich mit dem System weitgehend arrangiert oder abgefunden.Im Gegensatz dazu fiel es meiner Schwiegermutter deutlich leichter, zahlreiche kritische und negative Erlebnisse zu schildern.Für mich ist es besonders interessant zu sehen, wie unterschiedlich beide dasselbe System wahrgenommen haben. Ihre Erzählungen zeigen, dass die Erfahrungen in der DDR sehr individuell waren. Gleichzeitig wird aber auch deutlich, dass selbst in einem stark reglementierten System sowohl positive als auch negative Erinnerungen bestehen bleiben. Wenn ich das alles mit heute vergleiche, wird mir wieder bewusst, was Demokratie eigentlich bedeutet. In unserem heutigen System haben wir freie Wahlen, Meinungsfreiheit, Reisefreiheit und Berufsfreiheit. Niemand muss Angst haben, seine Meinung offen zu sagen oder überwacht zu werden. Jeder kann seinen eigenen Lebensweg wählen und selbst Entscheidungen treffen. Oft neigen wir dazu, uns über politische Entscheidungen zu beschweren, und vergessen dabei, wie wertvoll diese Freiheiten eigentlich sind. Viele Menschen aus der Deutsche Demokratische Republik sind damals auf die Straße gegangen, um genau diese Rechte zu erkämpfen. Das sollte man sich immer wieder bewusst machen. Ich hatte die Möglichkeit, bereits einige Länder zu bereisen, und habe dabei oft gemerkt, wie gut wir es in Deutschland haben. Die Freiheit, das eigene Leben so zu gestalten, wie man es möchte, ist nicht selbstverständlich. Natürlich gibt es Regeln, wie die freiheitlich-demokratische Grundordnung, an die man sich halten muss – aber innerhalb dieses Rahmens haben wir sehr viele Möglichkeiten. Ich habe gelernt, diese Freiheiten zu schätzen, und auch eine gewisse Verbundenheit zu unserem Land entwickelt. Aus diesem Grund habe ich mich entschieden, zur Bundeswehr zu gehen, um einen Beitrag dazu zu leisten, diese Werte und unser Land zu schützen und zu verteidigen.
Als ich die ersten beiden Lektionen aus „Über Tyrannei“ von Timothy Snyder gelesen habe, hatte ich zuerst das Gefühl, dass sie irgendwie „normal“ und selbstverständlich klingen. Aber je länger ich darüber nachgedacht habe, vor allem auch während unserer Vorlesung und der Diskussion zu diesen beiden Lektionen, desto unangenehmer wurden sie für mich, weil ich gemerkt habe, dass auch ich mich mit seinen Worten angesprochen fühle.
Bei „Leiste keinen vorauseilenden Gehorsam“ habe ich mich erwischt gefühlt. Ich hätte mich vorher wahrscheinlich als jemanden eingeschätzt, der kritisch denkt und nicht einfach alles so hinnimmt. Jedoch wenn ich ehrlich bin, vermeide ich oft Situationen, in denen ich anecken könnte. Ich sage manchmal nichts, wenn jemand etwas Problematisches sagt oder passe mich an, weil es einfacher ist. Nicht, weil ich überzeugt bin, sondern weil ich keinen Stress will. Das ist genau das was Snyder ja beschreibt. Dieses leise Mitmachen ohne, dass überhaupt Druck da ist. Das hat mich ein bisschen nachdenklich gemacht, weil es zeigt, wie schnell man selbst Teil von etwas werden kann, das man eigentlich ablehnt. Nicht durch Entscheidungen, sondern durch ein Schweigen im richtigen Moment.
Die zweite Lektion „Verteidige Institutionen“ hat mir aufgezeigt, dass ich Institutionen bisher ziemlich selbstverständlich genommen habe. Sie waren einfach da, aber ich habe mich nie wirklich gefragt, welche Rolle sie eigentlich in meinem ganz eigenen Leben spielen. Ich habe ich mich oft nur dann mit den Institutionen beschäftigt, wenn mich etwas gestört hat. Ansonsten habe ich eher Abstand gehalten. Ich hatte nicht das Gefühl, dass das etwas mit mir persönlich zu tun hat. Durch die Lektion habe ich aber gemerkt, dass genau dieses distanzierte Denken ein Problem sein kann. Mir ist klar geworden, dass Institutionen nicht einfach automatisch funktionieren. Sie sind darauf angewiesen, dass Menschen sie ernst nehmen, sich für sie interessieren und sie auch verteidigen, wenn sie unter Druck geraten.
Aus den beiden Lektionen nehme ich vor allem mit, dass Demokratie nichts ist, das einfach von selbst funktioniert. Sie hängt nicht nur von großen Entscheidungen oder Politiker*innen ab, sondern auch von kleinen Momenten im Alltag. Ich habe verstanden, dass es nicht egal ist, ob ich schweige, etwas sage, ob ich mich anpasse oder meine eigene Haltung zeige.
Ich heiße Monique und bin 30 Jahre alt. Ich bin also schon in die Demokratie hineingeboren, aufgewachsen und habe selbst Kinder geboren. Ich habe nun mehre Tage darüber nachgedacht, woran ich merke dass ich in einer Demokratie lebe. Dabei habe ich festgestellt, dass ich vorher noch nie so genau darüber nachgedacht habe. Daran merke ich, in was für einer Selbstverständlichkeit wir leben und den Alltag durchleben als wäre es nichts besonderes. Oft denkt und sagen auch andere, wie anstrengend alles ist und wie schwer man es hat. Doch wenn man sich wirklich mit seinem Leben und Privilegien auseinandersetzt merkt man erst, wie gut es uns doch eigentlich geht.
Kleine Beispiele sind, dass ich als Frau selbst entscheiden kann, ob und wen ich heirate, ob ich Kinder haben möchte, welchen Beruf ich lernen möchte und wo ich mein Leben verbringen möchte. Ich kann klar meine Meinung zu schwierigen Themen äußern, ein Buch über das schreiben was ich möchte oder mich im Internet äußern. Natürlich muss man selbst mit Kritik von anderen rechnen und auch lernen damit umzugehen.
Weiterhin merke ich es bei meinen Kindern. Sie können in die Schule gehen, sich den Freizeitsport aussuchen welchen ihnen gefällt. Sie dürfen ihren Lehrkräften ihre Meinung sagen ohne sich zu fürchten. Und auch als Eltern wird man durch Kindergeld oder auch Kinderzuschlag unterstützt, auch dass ist nicht selbstverständlich.
Meine Oma ist leider nicht mehr da, aber sie hatte mit oft von früher erzählt. Sie ist 1934 geboren und ihre Kindheit war geprägt von Angst. Sie konnte sich nicht so frei bewegen und hat sich ständig beobachtet gefühlt. Jeder Schritt war sozusagen geplant und vorsichtig, um bloß nicht aufzufallen oder einen Fehler zu machen. Umso schöner war es für sie, noch in ihrem Alter frei zu sein, ihre Enkel und Urenkel sicher und glücklich aufwachsen zu sehen.
Wir sind hier am Campus.
zweiter Absatz

Hier veröffentlichen Sie (nur für die TeilnehmerInnen unseres Kurses) Ihre Reflexionen (jeweils im Umfang von ca. 300 Wörtern) zu den Diskussionsthemen (z.B. Lektionen aus Timothy Snyder „Über Tyrannei“, oder Auftaktreflexion, oder Gastvortrag oder Exkursion….).
Das Header Bild wurde mithilfe von AI (claude.ai von Anthropic) erstellt.