
Zu Beginn des Seminars habe ich Demokratie und Rechtsstaatlichkeit als etwas wahrgenommen, was in Deutschland weitgehend selbstverständlich ist. Im Laufe des Kurses ist mir jedoch bewusst geworden, dass demokratische Strukturen, Grundrechte und Freiheit nicht von allein bestehen bleiben. Sie müssen von jeder Generation geschützt und aktiv gelebt werden.
Die Lektionen von Timothy Snyders „Über Tyrannei“ haben mir gezeigt, dass Demokratie nicht erst dann gefährdet ist, wenn Wahlen abgeschafft werden oder eine Diktatur entsteht. Gefahren beginnen oft viel früher – zum Beispiel durch Gleichgültigkeit, Desinformation, die Schwächung demokratischer Institutionen oder die Einschränkung von Grundrechten.
Auch wenn ich selbst an der Exkursion nach Sachsenhausen leider nicht teilnehmen konnte, haben die Berichte und Eindrücke meiner Kommilitoninnen und Kommilitonen sowie die gemeinsame Nachbesprechung im Seminar bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Mir wurde dadurch noch einmal bewusst, dass autoritäre Systeme nicht nur durch einzelne Machthaber entstehen, sondern auch davon abhängen, wie Institutionen und die Menschen in ihnen handeln. Gerade deshalb sehe ich die Rolle der öffentlichen Verwaltung nun mit anderen Augen. Verwaltung bedeutet nicht nur, Gesetze anzuwenden oder Anträge zu bearbeiten, sondern auch, rechtsstaatliche Prinzipien zu schützen, Verantwortung zu übernehmen und alle Menschen gleich und fair zu behandeln. Berufsethik und Integrität sind dafür unverzichtbar.
Als queere Person – also eine Minderheit in unserer Bevölkerung – hat mich der Kurs zusätzlich auf einer persönlichen Ebene angesprochen. Er hat mir vor Augen geführt, dass Grund- und Freiheitsrechte keine Selbstverständlichkeit sind. Politische Entwicklungen im In- und Ausland zeigen, dass Rechte von Minderheiten immer wieder infrage gestellt werden können. Deshalb halte ich es für wichtig, demokratische Werte aktiv zu verteidigen, sich gegen Diskriminierung einzusetzen und offen für die Erfahrungen anderer Länder und Gesellschaften zu bleiben.
Ein großer Mehrwert des Seminars war für mich außerdem der Austausch mit den anderen Studierenden. Viele Themen hätte ich beim Lesen allein vermutlich anders oder weniger intensiv verstanden. Erst durch die Diskussionen wurden unterschiedliche Perspektiven sichtbar und ich musste meine eigenen Ansichten reflektieren und begründen. Dadurch habe ich nicht nur Wissen erworben, sondern auch gelernt, wie wichtig respektvoller Dialog für eine funktionierende Demokratie ist.
Aus dem Seminar nehme ich vor allem Verantwortung mit. Verantwortung für mein eigenes Handeln, für einen kritischen Umgang mit Informationen und für den Schutz demokratischer Werte – sowohl privat als auch später im Berufsleben. Der Kurs hat mir gezeigt, dass Demokratie nicht nur ein politisches System ist, sondern eine gemeinsame Aufgabe, zu der jede und jeder einen Beitrag leisten kann.
Gerade weil ich später selbst Teil der öffentlichen Verwaltung sein werde, nehme ich aus dem Seminar mit, dass Neutralität nicht bedeutet, gegenüber demokratischen Grundwerten gleichgültig zu sein. Im Gegenteil. Die Verwaltung trägt eine besondere Verantwortung dafür, den Rechtsstaat zu schützen, Menschen gleich zu behandeln und die Grundrechte aller zu achten.
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