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Reflexion: Exkursion zur Gedänkstätte Sachsenhausen Oranienburg/Finanzamt Oranienburg


Im Rahmen unseres Demokratie-Moduls haben wir als Kurs das Finanzamt Oranienburg besucht und dort eine Ausstellung über die NS-Zeit angesehen.
Da ich in der Schule den Geschichte-Leistungskurs besucht habe, bin ich mit viel Vorwissen in die Ausstellung gegangen. Schon im Unterricht haben mich viele Berichte und Quellen sehr bewegt. Trotzdem hat mir diese Exkursion das Thema noch einmal auf eine ganz andere Weise nähergebracht. Vor Ort zu stehen und die originalen Dokumente zu sehen, hat einen viel stärkeren Eindruck auf mich gemacht, als nur darüber zu lesen. Dadurch wurde mir noch einmal bewusst, wie schrecklich diese Zeit wirklich war und warum sie niemals vergessen werden darf.

Besonders bewegt hat mich ein Dokument, in dem die Bestrafung eines Häftlings genau festgehalten wurde. Darin stand, wer die betroffene Person war, warum sie bestraft wurde, wie die Strafe aussah und wer sie durchgeführt hatte. Sogar die genaue Anzahl der Schläge war dokumentiert und offiziell bestätigt. Als ich das gelesen habe, lief es mir eiskalt den Rücken herunter. Ich habe mich gefragt, wie ein Mensch einem anderen so etwas antun kann. Für mich ist es kaum vorstellbar, dass jemand so wenig Mitgefühl haben kann und das Leid eines anderen Menschen einfach als etwas Normales ansieht.

Auch die Fotos von den Lebensbedingungen der Gefangenen haben mich sehr getroffen. Zu sehen, unter welchen Umständen die Menschen leben mussten, war schwer auszuhalten. Da ich ein eher emotionaler Mensch bin, haben mich diese Bilder besonders berührt. In diesem Moment habe ich vor allem Trauer, Wut und Fassungslosigkeit gespürt. Mir wurde klar, dass hinter jeder Aufnahme ein echter Mensch mit einer eigenen Geschichte stand. Oft spricht man von Millionen Opfern, doch erst durch solche Einzelschicksale wird einem bewusst, dass jede Zahl ein Mensch mit Familie, Hoffnungen und Träumen war.

Die Ausstellung hat mich aber nicht nur emotional bewegt, sondern auch zum Nachdenken gebracht. Ich habe mich gefragt, wie ein solches System überhaupt entstehen konnte. Natürlich weiß ich, dass viele Menschen damals Angst hatten und ihr eigenes Leben schützen wollten. Trotzdem frage ich mich, warum so viele weggesehen oder geschwiegen haben. Wahrscheinlich haben viele gedacht, dass ihr eigenes Handeln keinen Unterschied machen würde. Genau das macht mir deutlich, wie gefährlich Gleichgültigkeit sein kann. Wenn Menschen Unrecht sehen und nichts dagegen tun, kann sich dieses Unrecht immer weiter ausbreiten. Besonders nachdenklich hat mich gemacht, dass viele Entwicklungen damals nicht plötzlich passiert sind. Ausgrenzung, Diskriminierung und Hass haben klein angefangen und wurden mit der Zeit immer stärker. Das zeigt mir, wie wichtig es ist, schon die ersten Anzeichen ernst zu nehmen. Demokratie verschwindet nicht von einem Tag auf den anderen. Sie kann Stück für Stück geschwächt werden, wenn Menschen sich nicht mehr füreinander einsetzen oder wegschauen. Deshalb reicht es nicht aus, nur zu sagen, dass man gegen Diskriminierung ist. Man muss auch den Mut haben, etwas zu sagen oder zu handeln, wenn man Ungerechtigkeit erlebt.


Für mich persönlich nehme ich aus dieser Exkursion mit, dass Demokratie und Menschenrechte keine Selbstverständlichkeit sind. Sie müssen jeden Tag geschützt werden. Ich möchte nicht zu den Menschen gehören, die bei Ungerechtigkeit wegsehen. Stattdessen möchte ich aufmerksam bleiben, meine Meinung äußern und andere Menschen mit Respekt behandeln. Die Ausstellung hat mir noch einmal deutlich gemacht, dass wir aus der Vergangenheit lernen müssen, damit sich solche Verbrechen niemals wiederholen. Gerade wir als junge Generation tragen die Verantwortung, die Erinnerung wachzuhalten und uns für Demokratie, Freiheit und Menschlichkeit einzusetzen.

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