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Besuch der Ausstellung „Die Zentrale des KZ-Terrors“ und der Gedenkstätte Sachsenhausen


Im Rahmen einer Exkursion hatte ich die Möglichkeit, die Ausstellung „Die Zentrale des KZ-Terrors“ sowie die Gedenkstätte Sachsenhausen zu besuchen. Da meine nächste Vorlesung erst am Nachmittag begann, nutzte ich die Gelegenheit, nach der Ausstellung auch das ehemalige Konzentrationslager Sachsenhausen genauer zu besichtigen. Die Exkursion hinterließ bei mir einen tiefen Eindruck und führte dazu, dass ich mich erneut intensiv mit den Verbrechen des Nationalsozialismus auseinandersetzte.

Zunächst besuchte ich die Ausstellung „Die Zentrale des KZ-Terrors“. Die Ausstellung beschäftigt sich mit der Inspektion der Konzentrationslager (IKL), die für die Organisation, Verwaltung und Kontrolle der Konzentrationslager zuständig war. Besonders deutlich wurde dort, dass die nationalsozialistischen Verbrechen nicht nur durch direkte Gewalt, sondern auch durch ein umfangreiches Verwaltungssystem ermöglicht wurden. Hinter den Verbrechen standen unzählige Akten, Befehle, Formulare und Verwaltungsprozesse. Die Ausstellung zeigte eindrucksvoll, wie systematisch und bürokratisch der Terror organisiert wurde.

Obwohl ich bereits zahlreiche Dokumentationen, Filme und Berichte über die Verbrechen des Nationalsozialismus gesehen habe, war die Wirkung vor Ort eine völlig andere. Die Informationen nur im Fernsehen oder in Büchern zu sehen, ist etwas anderes, als sich an einem historischen Ort mit den Ereignissen auseinanderzusetzen. Während man Dokumentationen oft mit einer gewissen Distanz betrachtet, entstehen vor Ort deutlich stärkere Emotionen. Man erkennt, dass die Verbrechen nicht nur abstrakte historische Ereignisse waren, sondern dass sie an konkreten Orten von konkreten Menschen geplant und durchgeführt wurden.

Besonders bewegend fand ich ein Ausstellungsstück zum Giftgas Zyklon B. Als ich die Ausstellung betrachtete, musste ich unweigerlich an die Entwicklung der nationalsozialistischen Mordmethodik denken. Dabei kamen mir Gedanken wie es anfing mit dem sogenannte T4-Programm, bei dem Menschen mit körperlichen oder geistigen Behinderungen ermordet wurden. Bis die Täter zunächst Gaswagen und die Abgase von Transportfahrzeugen, bevor später industrielle Tötungsmethoden entwickelt wurden. Das ausgestellte Zyklon B erinnerte daran, wie die Nationalsozialisten ihre Verbrechen immer weiter perfektionierten und industrialisierten.

In diesem Zusammenhang musste ich auch an die Rolle deutscher Unternehmen denken. Die Firma Degesch vertrieb Zyklon B, während der Chemiekonzern I.G. Farben mehrheitlich an diesem Unternehmen beteiligt war. Die Geschichte zeigt, dass nicht nur staatliche Institutionen, sondern auch Teile der Wirtschaft in das System der Verfolgung und Vernichtung eingebunden waren. Diese Erkenntnis machte die Ausstellung für mich besonders nachdenklich, da sie verdeutlicht, wie viele verschiedene Bereiche der Gesellschaft am Funktionieren des Systems beteiligt waren.

Nach dem Besuch der Ausstellung machte ich mich auf den Weg über das Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers Sachsenhausen. Schon beim Betreten des Lagers war die Atmosphäre bedrückend. Die Größe des Geländes und die erhaltenen Gebäude vermittelten einen Eindruck davon, unter welchen Bedingungen die Häftlinge leben mussten. Sachsenhausen wurde 1936 errichtet und entwickelte sich zu einem zentralen Konzentrationslager des nationalsozialistischen Systems. Zehntausende Menschen wurden hier eingesperrt, ausgebeutet, misshandelt und ermordet.

Während meines Rundgangs begegnete ich mehreren Schulklassen. Besonders fiel mir eine Schulklasse auf, die ausschließlich aus jungen Frauen bestand. Als wir die Station Z erreichten, war die Betroffenheit vieler Schülerinnen deutlich zu erkennen. Die Station Z war der Bereich des Lagers, in dem Hinrichtungen und Morde durchgeführt wurden. Die dortigen Gefängniszellen, die Berichte über die Verbrechen und die Atmosphäre des Ortes wirkten auf viele Besucherinnen sehr belastend. Einige der Schülerinnen äußerten, dass sie die Eindrücke kaum ertragen könnten. Einer jungen Frau wurde sogar sichtbar schlecht. Diese Reaktion zeigte mir, wie stark solche Orte auch heute noch auf Menschen wirken, obwohl viele Gebäude oder Einrichtungen nicht mehr vorhanden sind.

Im Lager beschäftigte ich mich außerdem intensiv mit der Biografie des SS-Mannes Richard Bugdalle. Ein SS-Hauptscharführer und Blockführer, der von Überlebenden schlicht „Brutaler“ genannt wurde. Seine Lebensgeschichte las ich aufmerksam durch. Besonders erschütternd war die Erkenntnis, dass er versetzt wurde, weil er zu brutal zu den „Häftlingen“war. Er ging an die Ostfront und wahrscheinlich ging das Morden weiter. Dies konnte ich nicht aus seiner Biografie entnehmen. Seine Biografie machte deutlich, wie er Teil des nationalsozialistischen Systems wurden und wie sie aktiv an dessen Gewalt beteiligt war. Das Lesen seiner Geschichte führte bei mir zu der Frage, wie Menschen zu solchen Taten fähig sein konnten und welche Verantwortung jeder Einzelne innerhalb dieses Systems trug. Ich habe einen Beitrag im BR Retro gefunden über Richard Bugdalle.

BR Retro: KZ-Verbrechen · Prozess gegen Richard Bugdalle – hier anschauen

Die Verbindung zwischen der Ausstellung und dem anschließenden Rundgang durch das Lager war für mich besonders eindrucksvoll. In der Ausstellung lernte ich die organisatorischen Strukturen und die Verwaltung kennen. Im Konzentrationslager selbst sah ich die Folgen dieser Entscheidungen und die Täter. Dadurch wurde deutlich, dass hinter jeder Akte, jedem Befehl und jeder Unterschrift menschliches Leid stand.

Die Exkursion nach Sachsenhausen hat mich erneut nachdenklich gemacht. Sie zeigte nicht nur die Grausamkeit des nationalsozialistischen Regimes, sondern auch, wie wichtig Erinnerung und historische Bildung sind. Gerade in einer Zeit, in der Zeitzeugen immer seltener werden, bleiben Gedenkstätten wie Sachsenhausen wichtige Orte des Erinnerns und des Lernens. Die Exkursion hat mir deutlich gemacht, dass Geschichte nicht nur aus Zahlen und Fakten besteht, sondern aus den Schicksalen von Menschen, die Opfer eines unmenschlichen Systems wurden.

Nach der Besichtigung fertigte ich ein Clustering zur Ausstellung und zum KZ Sachsenhausen an. Durch die Verknüpfung der einzelnen Themenbereiche wurde deutlich, wie stark die Verwaltung in die Abläufe des Lagers eingebunden war und welchen Einfluss sie auf Entscheidungen, Zwangsarbeit, Verfolgung und die Ermordung von Häftlingen hatte. Ich hätte noch mehr Verbindungen und Linien hinzufügen können, jedoch wäre das Clustering dadurch zu unübersichtlich geworden.

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