Moodle Hochschultreffen 2025

24 März, 2025

Gastgebende Hochschule des diesjährigen Moodle Hochschultreffens vom 10. bis 12. März 2025 war die Universität Potsdam. Quasi um die Ecke konnten wir dieses Jahr mit einem größeren Team teilnehmen und den schönen Campus Neues Palais kennenlernen.
Bild vom Neues Palais Potsdam

Das Moodle Hochschultreffen wird veranstaltet vom Verein Moodle an Hochschulen e.V., der die deutschsprachige Moodle Community und ihre Interessen vertritt. Das Treffen dient der Vernetzung, dem Erfahrungsaustausch und der Weiterentwicklung von Moodle. Dem Verein gehören aktuell 63 Hochschulen mit etwa 1.050.000 Studierenden an. Die thematische Ausrichtung und Vielfalt des Programms ergibt sich aus Themeneinreichungen und -wünschen der Mitglieder. Das E-Learning Zentrum konnte sich in diesem Jahr je nach fachlicher Ausrichtung auf viele Sessions verteilen, mit technischem, didaktischem oder strategischem Fokus.

Blitzlichter aus den Sessions

Archivierung von Prüfungsleistungen

Der derzeit einfachste Weg, eine E-Klausur aus Moodle zu sichern, besteht darin, diese als PDF-Dokument zu exportieren. Dieser Vorgang muss manuell durchgeführt und anschließend manuell weitergeleitet bzw. gesichert werden. Um eine reibungslose Integration des Archivierungsprozesses von E-Klausuren in den universitären Lebenszyklus zu gewährleisten, wurde von Niels Gandraß, Marco Schindler und Claudia Ballerstedt ein Moodle Data-Archiving-Concept initiiert. Dieses umfasst bereits 106 User Stories und 31 Base Requirements und dient als Grundlage für die Entwicklung eines Plugin-Prototypens für Moodle, der im besten Falle die Archivierung einer E-Klausur automatisiert übernimmt und diese jeweils in der Studierendenakte ablegt – selbstverständlich unter Wahrung der Rechtssicherheit. Es ist jedoch zu berücksichtigen, dass bis zur Verfügbarkeit eines installierbaren Produkts noch einige Zeit vergehen wird. Bisherige Erkenntnisse können unter https://ngandrass.github.io/moodle-data-archiving-concept/ eingesehen werden.

Programm am Dienstag, Tabelle mit Sessions
Programm am Mittwoch, Tabelle mit Sessions

Das vielfältige Programm 2025

SEB-Server

Im Rahmen einer sogenannten „Joker-Session“, also einer freien Zeitslots für spontan aufkommende Themen, führte Christine Lent, Fachhochschule Bern, eine Live-Demonstration der Anwendung SEB-Server durch. Den E-Klausur Versierten an der HWR Berlin ist der Safe Exam Browser (SEB) ein Begriff. Der SEB-Server ist eine zentrale Verwaltungssoftware, die es unter anderem ermöglicht, SEB auf den Clients zentral zu schließen. Darüber hinaus erlaubt es Bildschirmeinsicht auf alle Monitore und erleichtert im Allgemeinen die technische Verwaltung aller Einstellungen. Wir werden einen genaueren Blick auf die Software werfen, und sofern keine Einschränkungen bestehen, eine Implementierung an der HWR Berlin in absehbarer Zeit vorsehen.

BookIt – Plugin für Prüfungsbuchungen

Ein weiteres Plugin für Moodle, das die Arbeit im Bereich der digitalen Prüfungen im ELZ erheblich erleichtern könnte, ist „BookIt“. Das Team um die Entwicklerin Melanie Treitinger hat sich einer kompletten Neuentwicklung eines ähnlichen Plugins der Universität Kassel angenommen, dieses Mal unter dem Schirm des Vereins Moodle an Hochschulen e.V. Dieses ermöglicht es den Prüfenden, den Prüfungsämtern und den Studienbüros, E-Klausuren direkt in Moodle anzumelden und die Stati dieser Prüfungen einzusehen. Die vorteilhafte Eigenschaft dieser Lösung besteht darin, dass der gesamte Inhalt auf technisch-organisatorischer Ebene lediglich an einer Stelle abgebildet wird. Dies führt zu einer Reduktion des Aufwands und einer Minimierung der Fehler.

Matrix in Moodle

Die Integration von Matrix in Moodle erfolgt über ein Plugin. André Menrath berichtete über den Aktueller Stand und die Anforderungen in der Praxis. Ziel ist, das veraltete Chatsystem zu ersetzen. Die derzeitige Implementierung basiert auf Synapse als Matrix-Server und Element als browserbasierte Oberfläche. Die Identifikation der Nutzer erfolgt über die Matrix User ID, die aus dem Moodle-Benutzernamen generiert wird. Dies stellt jedoch eine Einschränkung dar, da das System nur funktioniert, wenn Matrix noch nicht anderweitig im Einsatz ist. In der Praxis führt dies derzeit zu erheblichen Authentifizierungsproblemen.  Dennoch gibt es vielversprechende Entwicklungen: Da sowohl Moodle als auch Matrix Open-Source-Projekte sind, arbeitet die Community aktiv an Verbesserungen. Durch den offenen Standard von Matrix besteht zudem die Möglichkeit, weitere Bildungsplattformen einzubinden, was langfristig eine leistungsfähige, datenschutzfreundliche Alternative zu proprietären Lösungen schaffen würde.

Good Practice Gestaltung von Selbstlernkursen

Verena Eickhoff, Ingo Auhagen und Julia Lee kamen von unterschiedlichen Hochschulen und berichten alle von ihren unterschiedlichen Erfahrungen bei der Gestaltung von Selbstlernkursen.  In der Diskussion wurden verschiedene Ansätze vorgestellt, wobei insbesondere die Nachhaltigkeit immer eine zentrale Rolle spielte. Ein entscheidender Aspekt war die Frage, ob die Kurse über mehrere Lebenszyklen hinweg bestehen können. Die Frage stellt eine Gratwanderung dar zwischen einem einheitlichen Kursformat, das die Wiederverwendbarkeit und Wartung erleichtert, und der Freiheit der Lehrenden, ihre Kurse individuell zu gestalten. Eine zu starke Vereinheitlichung kann zudem die aktive Beteiligung der Lernenden einschränken, die auch in Selbstlernkursen ein entscheidender Faktor für den Lernerfolg ist.

Um die Usability und Nachhaltigkeit von Selbstlernkursen zu verbessern, lassen sich folgende Erkenntnisse aus dem Vortrag ableiten:

  • Links sollten möglichst mit einem konkreten Auftrag versehen werden, um die Navigation innerhalb der Kurse zu erleichtern.
  • Moodle-Onboarding-Funktionen wie Moodletouren sollten verstärkt genutzt werden, um Teilnehmende mit der Plattform vertraut zu machen – lieber einmal zu viel als zu wenig.
  • Der Einsatz des H5P-Zusatzplugins zur Unterstützung von Reflexionsaufgaben, insbesondere durch Essay-Fragen mit Arbeitsspeicher-Funktion, sollte zukünftig in Betracht gezogen und getestet werden.

Die Nutzung des Fortschrittsbalkens sowohl innerhalb einzelner Themen als auch im Gesamtkurs wurde als besonders hilfreich für die Orientierung der Lernenden bewertet. Es bleibt zu hoffen, dass in der Community Möglichkeiten gefunden werden, diese Funktion langfristig zu pflegen und weiterzuentwickeln.

Barrierefreiheitserklärung

Beim Online-Vortrag „Mustererklärung zur Barrierefreiheit für Moodle“ stellte Laura Schaffeld vom Kompetenzzentrum Moodle.NRW eine praxiserprobte Mustererklärung vor, die Hochschulen dabei unterstützt, die gesetzlichen Anforderungen an digitale Barrierefreiheit zu erfüllen. Neben der Vorstellung der zentralen Inhalte – darunter die Dokumentation barrierefreier und nicht barrierefreier Elemente – entwickelte sich eine lebhafte Diskussion zu Herausforderungen und Lösungsansätzen. Besonders im Fokus standen der Umgang mit Inhalten, die noch nicht geprüft wurden oder deren Barrierefreiheitsprüfung zu aufwändig ist, sowie die Vereinheitlichung deutscher und internationaler Standards. Zudem wurden die bestehenden Prozesse von Moodle und H5P hinsichtlich der Umsetzung barrierefreier Inhalte beleuchtet.

Wer sich intensiver mit dem Thema auseinandersetzen möchte, findet im begleitenden Moodle-Kurs „Barrierefreiheitserklärung für Moodle“ auf moodlenrw.de weiterführende Informationen und eine Mustererklärung zur Anpassung an die eigene Plattform. Der Kurs bietet praxisnahe Hinweise zur Erstellung und Veröffentlichung einer Barrierefreiheitserklärung und unterstützt Hochschulen dabei, die Anforderungen der digitalen Barrierefreiheit effizient umzusetzen.

Diffle-Tool

Ein weiteres Thema war die Vorstellung des Diffle-Tools, eines Moodle-Plugins für differenziertes Feedback in der Lehre. Marc Sacher präsentierte die bisherigen Lösungen und das Ziel die zeitgleiche, kleinteilige Bewertung von Leistungen in Laborpraktika und Seminaren zu ermöglichen. Das Plugin ermöglicht die Nutzung individualisierbarer Bewertungsbögen mit frei definierbaren Kriterien, hinterlegten Niveaustufen (von Verstehen bis Kreieren), Gewichtungsfaktoren und einer automatischen Gesamtbewertung. Studierende können ihre Ergebnisse in unterschiedlichen Ansichten betrachten – vergleichend oder ausführlich – während Lehrende eine strukturierte und transparente Bewertungsgrundlage erhalten.

Beim Einsatz als Peer-Feedback lassen sich unterschiedliche Bewertungen und deren Abweichungen darstellen und diskutieren. Dabei stellt sich die Frage, wie sich das fertige Plugin im Vergleich zu bestehenden Moodle-Lösungen – wie Feedback, Rubriken oder gegenseitige Beurteilung – einordnen wird. Die weitere Entwicklung und Erprobung könnten daher spannend zu beobachten sein, auch wenn noch Unsicherheiten über die endgültige Integration, der Umgang mit datenschutzrechtlichen Herausforderungen und den Mehrwert bestehen.

Generico-Vorlagen

Ein weiteres Plugin, welches während des Hochschultreffens präsentiert wurde, ist das “Generico Filter”-Plugin. Präsentiert wurde dieses von Andreas Kempka von der Fernuni Hagen. Mit diesem Plugin ist es möglich, Textbausteine zentral in Moodle anzulegen und zu pflegen und diese dann an verschiedenen Stellen einzufügen. Müsste der Inhalt des Textes geändert werden, muss diese Anpassung nur an einer Stelle in Moodle vorgenommen werden.

Anwendung findet dieses Plugin immer dann, wenn ein bestimmter Textinhalt an verschiedenen Stellen wiederverwendet wird. An der Fernuni Hagen wird Generico viel im E-Prüfungsbereich verwendet. So werden Hinweisblöcke zu den Online-Klausuren über Generico hinterlegt, welche Informationen zur Klausur direkt aus den Moodle-Aktivitäten entnimmt. Dies sind dann beispielsweise Informationen wie “Klausurstart” und “Bearbeitungszeit”. Gleichzeitig können auch Variablen übergeben werden, welche zusätzlich beim Erstellen des Hinweisblocks mit angegeben werden. Dies wären dann zum Beispiel zusätzliche Hinweise zur Klausur, aber auch der Link zum Zoom-Konferenzraum, welcher zur Klausur-Aufsicht genutzt wird.

Neben HTML ist es auch möglich, CSS und JavaScript Code in der Vorlage zu hinterlegen. So kann das Plugin beispielsweise auch genutzt werden, um bei Klausuren Copy/Paste zu verhindern oder auch, dass die Webseite der Klausur-Aktivität zum Klausurstartpunkt automatisch neu geladen wird, damit der Startknopf automatisch sichtbar wird. Da die Anwendungsmöglichkeiten scheinbar unendlich sind und da das Plugin durch die Integration von CSS und JavaScript ziemlich mächtig ist, ist eine gute Einarbeitung unvermeidlich. 

Wir sind Fan und werden das direkt (zunächst für Admin-Zwecke) implementieren.

Gestaltung von Moodle und Kursen

In mehreren Sessions wurden verschiedene Aspekte der Gestaltung von Moodle und Kursen erörtert. Im Fokus stand dabei die Optimierung der Kursabbildung und der Navigation. Die Entwicklungsgruppe des Themes Boost Union, präsentierte neue Features aus den jüngsten Veröffentlichungen.

Da wir an der HWR Berlin das Theme Boost Union nutzen, werden wir diese ebenfalls testen und prüfen, ob wir neue Darstellungsformen der Kurslisten und neue Menüs auf dem Dashboard einführen. Wir haben neue Kursformate kennengelernt, Neuentwicklungen für die Abschlussverfolgung und Fortschrittsermittlung im Kurs und hier und da Plugin-Tipps aufgeschnappt.

Seien Sie gespannt, was wir davon in nächster Zeit auf unserem Moodle für Sie bereitstellen.

KI-Chat für Moodle

Die Integration Künstlicher Intelligenz in bestehende Systeme ist oft weitaus komplexer, als man denkt. Dem Team der Mebis-Lernplattform, das Moodle für alle Schulen in Bayern bereitstellt, ist es jedoch gelungen, einen KI-Chat zu entwickeln, der sich nahtlos per Plugin in Moodle integrieren lässt. Dadurch ist es möglich, sowohl kommerzielle als auch nicht-kommerzielle Sprachmodelle über eine entsprechende API zu verknüpfen und zu nutzen. Zudem können in Moodle bereitgestellte Dokumente als Informations- und Datenquellen für das KI-Tool verwendet werden, sodass es diese effizient verarbeiten kann.  Alle über den KI-Chat übertragenen Daten werden anonymisiert an die entsprechenden Sprachmodelle übermittelt. Das bedeutet, dass weder IP-Adressen noch andere Nutzerdaten weitergegeben werden. Lediglich die direkt in einen Prompt eingegebenen Inhalte werden an den jeweiligen Anbieter übermittelt.

Mitgliederversammlung

Die jährliche Mitgliederversammlung des Vereins fand ebenfalls im Rahmen des Treffens statt. Neben der Berichterstattung und Entlastung des Vorstandes standen auch wieder Wahlen an. Die HWR Berlin war und ist auch künftig erneut im Beirat des Vereins vertreten.

Übergabe des Staffelstabes nach Rosenheim

Das Hochschultreffen 2026 findet an der Technischen Hochschule Rosenheim statt. Die Moodle Community zieht also im kommenden Jahr in den Süden Deutschlands. Die AG Veranstaltungen des Moodle-Vereins hat direkt mit ersten Absprachen begonnen. Denn… Nach dem Hochschultreffen ist vor dem Hochschultreffen.

Gruppenfoto aller Teilnehmenden vor dem Neuen Palais

Foto: Ernst Kaczynski (Universität Potsdam)

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