Neues Betriebssystem gefällig?

ubuntu
Foto: David Junyent | Flickr | CC BY-NC-ND 2.0

Da wir uns gerade in einer großen Wechselsaison für Betriebssysteme (kurz: OS) befinden (Release von Windows 10 von Microsoft), würde ich gerne mal euren Blick auf eine durch seinen Marktanteil recht kleine aber trotzdem sehr interessante Alternative lenken.

Viele von euch haben sicherlich bereits von Linux, dem Open Source Betriebssystem gehört, entwickelt von dem legendären Pinguin – nein, Linus Torvalds natürlich. Die Vorteile seiner Kostenloskultur und Stabilität haben sich ja vielleicht schon herumgesprochen. Doch bisher war Linux für viele Nutzer mit vorinstalliertem Windows auf ihrem neu erworbenem Laptop/PC oft als etwas in die Nerd-Welt gehöriges.

Obwohl ich immer nur Positives von dessen Bedienung von Bekannten, die sich wirklich getraut haben es zu installieren, gehört habe, hat mich stets der Kosten/Nutzen in Form von Einarbeitungszeit und dessen wirklichem Mehrwert gegenüber Windows abgeschreckt.

Mit wenig Softwaresupport, umständlicher Bedienung, komplizierte Wartung und ständigen Treiber Problemen bei neu angeschlossener Hardware wollte ich mich nicht abplagen. Zudem gibt es unzählige verschiedene Linux Versionen und Kombinationsmöglichkeiten von beispielsweise unterschiedlichen Desktopumgebungen, die dann nochmals anders heißen. So hat beispielsweise sogar Nordkorea sein eigenes Linux, genannt Red Star OS, mit eingebautem Internetfilter und abgekupfertem Mac Feeling.

Seit etwa einem Jahr nutze ich jetzt nun die von Canonical entwickelte Linux-Distribution Ubuntu, welches auf Debian aufgebaut ist und sicherlich auch durch den finanzstarken Investor Mark Shuttleworth mittlerweile den höchsten Einsatzgrad an privaten Nutzern verzeichnet. Als Desktopumgebung ist hierbei das von Canonical selbst entwickelte Unity vorinstalliert.

Ubuntu ist bekannt für seine starke Einsteigerfreundlichkeit und diese beginnt bereits mit der Installation, die einem kaum mehr abverlangt als es mit dem OS Windows der Fall ist. Übrigens lässt sich Ubuntu ohne Probleme neben einer laufenden Windows Installation parallel installieren und benötigt nur ein paar zusätzliche Gigabytes Festplattenspeicher. Ausprobieren ohne Verlustängste also!

Die Desktopumgebung bietet dann Anfängern ohne Vorkenntnisse eine einfach strukturierte und zu bedienende Oberfläche die sich auch mit vielen Shortcuts schnell bedienen lässt.

Meine komplette Hardware, mit angeschlossener Funkmaus, sowie Drucker wurden anstandslos akzeptiert und konnten problemlos verwendet werden.

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Abb. 1

Schön ist auch, dass bereits ein sinnvolles Starter-Paket an Software mit an Board ist. Als Browser kommt der von Mozilla entwickelte Firefox zum Einsatz und als Officepaket das ebenfalls auf Open Source basierende LibreOffice. Software lässt sich hierbei leicht nachinstallieren durch das Ubuntu Software Center (s. Abb. 1). Dieses sortiert die verfügbare Software nach Kategorien, wie beispielsweise Graphics, Office, Games und Education(!) ein. Die Installation ist denkbar einfach und mit dem Play Store von Android oder dem App Store von Apple vergleichbar. Auch ein „Top Rated“ oder „What’s new“ Sortiment wird hier angezeigt. Installieren konnte ich auch einen Spotify Client, eine Twitter und Facebook App, Gimp, eine interessante Photoshop Alternative, sowie Kdenlive ein Videoeditor, mit dem sich sehr schöne Ergebnisse erzielen lassen.

Als weiterer Pluspunkt bleibt dann noch die Performance zu erwähnen. Ein Hochfahren von Ubuntu ist mit 7 Sekunden auf meinem Rechner erledigt, während ich bei Windows oft das Dreifache an Zeit benötige. Auch empfinde ich es insgesamt als geschmeidiger und wendiger in seiner Nutzung. Vermutlich liegt es auch daran, dass ich auf meinem Windows System auch wesentlich mehr hardwarehungrige zusätzliche Software installiert habe. Gerade hierbei kann man sehr gut von einem zweiten Betriebssystem profitieren. Ein älteres Notebook mit uraltem Core 2 Duo Prozessor und lediglich 4 GB RAM, welches sich sichtlich schwer tat mit Windows 7, konnte ich dank Ubuntu wieder zu neuem Leben erwecken.

Hattet ihr auch mal ernsthafte Probleme mit einem eingefangenem Virus, der euch das Leben madig machte? Mit Linux bzw. Ubuntu könnte dies der Vergangenheit angehören. Nicht, dass es keine Viren und Malware für Linux gäbe, aber die Wahrscheinlichkeit sich einen einzufangen ist wesentlich geringer. So verwundert es auch nicht, dass selbst das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik einen Virenschutz für Ubuntu als „nicht notwendig“ einschätzt.

Sicherheitslücken, die ja immer wieder entdeckt und ausgenutzt werden, werden in der Regel sehr schnell von den Entwicklern geschlossen (ohne Neustart-Zwang!). Auch Lücken, die noch nicht ausgenutzt wurden, werden dank Open Source schnell aufgespürt. Der gesamte Ubuntu Sourcecode ist im Gegensatz zu Windows ja vollständig frei einsehbar, sodass theoretisch jeder Sicherheitslücken entdecken und melden kann. Bei Windows können dies nur die Microsoft Mitarbeiter, von denen manche ja auch gerne mal mit Geheimdiensten zusammenarbeiten müssen…

Als Fazit kann ich behaupten, dass ich es zu keinem Zeitpunkt bereut habe, Ubuntu installiert zu haben. Insgesamt gibt es mir ein sichereres Gefühl im Internet und durch seine aufgeräumte Optik (tolle Kantenglättung bei Schriften!) erwirkt es ein angenehmes Arbeiten und Surfen. Ich kann jedem empfehlen, den Weg in die Welt von Linux mit dieser einfachen Distributio zu wagen.

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4 Gedanken zu „Neues Betriebssystem gefällig?

  1. JScheibe

    Ich war auch lange Zeit ein großer Fan von Ubuntu. Genau bis Unity kam. Da hat für mich der große Verfall angefangen. Bugfixes, die in Debian schon lange drin sind, sucht man hier vergebens. Das wirkt sich dann auch auf “Tocher-Distributionen” wie z.B. Linux Mint aus.

    Meine Meinung: Wenn schon Linux benutzen, dann nicht diese gehypten Müll! Da kann man gleich bei Windows bleiben. Ja, ich bin ein professioneller Anwender, der wahrscheinlich schon mehr Betriebssysteme installiert hat als Bill Gates und Steve Jobs zusammen. (Kleiner Scherz…) Aber wenn ich Linux benutze, dann nur ein reines Debian (sowohl Desktop als auch Server). Denn nur hier findet man die Langzeitstabilität, die einem Linux nachgesagt wird. Und gleichzeitig ist es verbreitet und bekannt genug, dass es genug Foren gibt, in denen man bei ernsthaften Problemen nachlesen kann.

    Was ich nur nicht verstehe, ist folgendes: Schon vor ca. 10 Jahren hat Frankreich per Gesetz die Umstellung aller für Regierung und Verwaltung verwendeten PCs auf Linux durchgesetzt. (In dem Fall Ubuntu, aber was will man machen… damals war es ja auch noch gut.) Warum zum Teufel schmeißen nach wie vor hunderte Hochschulen, Ämter, Behörden, Ärzte, Schulen, (Reihe hier fortsetzen) einem Konzern wie Microsoft Lizenzgebühren in den weit geöffneten Rachen?

  2. Hallo Marco,

    Glückwunsch, dass du den Ausstieg aus MS Windows geschafft hast, auch wenn man nicht genau weiß, ob das Studium und seine Module einem Windows in bestimmten Situationen aufzwingen werden.

    Die Frage der bspw. Videobearbeitung finde ich auch sehr interessant. Ziemlich wahrscheinlich gibt es kostenfreie Programme, die da gute Arbeit machen können und vielleicht (Programm-)Lücken schließen, die momentan bestehen. Vielleicht auch für weitere Zwecke neben Videobearbeitung.

    Mein Absprung von Windows habe ich unterstützt mit Koflers Linux 2011, ohne das ich schlecht zurecht gekommen wäre. Es gibt Frage- und Antwortseiten, wie bspw. askubuntu.com, aber so ein Buch, das keine Fragen offen lässt (bis zu einem gewissen, schon ziemlichen tiefen Grad), finde ich schon was Feines. Bspw. habe ich ein kleines Backup-Script geschrieben, was 4 x am Tag zwei Ordner synchronisiert, wobei das Buch sehr geholfen hat. Auf Seite 30 steht bspw.: “In Desktop-Anwendungen ist Linux im Gegensatz zu Windows fast vollständig virensicher. […]”.

    Ich habe mit Ubuntu gut den Ausstieg geschafft – ich vergleiche MS Windows mit dem Rauchen von Zigaretten oder dem Essen von Fleisch, also Abhängigkeiten -, glaube aber auch, wie JScheibe, dass ich die Distribution wechseln werde, vielleicht auf gNewSense der Free Software Foundation. Das war schon vor 4 Jahren meine Absicht, aber da wurde WLAN-Karte und andere Hardware nicht auf Anhieb unterstützt und das Bachelor-Studium machte Druck, sodass ich das vorerst wieder aufgab.

    Bezugnehmend auf JScheibes “warum Windows das Geld in den Rachen werfen?”: Das habe ich mich gefragt, als die HWR Berlin auf Outlook und den Exchange-Server umgestellt hat. Sind da die Zwänge der Homogenität der IT-Landschaft (so viel wie nötig Microsoft und in Konsequenz alles mit Microsoft-Produkten?) so stark und scheint ein Wechsel auf Linux dadurch mit zu hohem Umstrukturierungsaufwand verbunden, dass man sich lieber in die Microsoft-Abhängigkeit begibt bzw. in ihr verbleibt?

  3. Marco André Gut

    @JScheibe Ich hatte mir auch überlegt die durchaus berechtigte Kritik zu Unity noch zu erwähnen. Allerdings war meine Adressierung wirklich nur an absolute Linux Neulinge gerichtet, die noch hohe Hemmnisse haben sich aus der gewohnten Windows Umgebung herauszuwagen. Diese wollte ich dann nicht mit so etwas verunsichern. Ich habe selber leider nur Ubuntu Erfahrungen und keine Vergleiche zu anderen Distributionen gesammelt. Allerdings bin ich bisher mit der Stabilität durchaus zufrieden. Was im Hintergrund nun für eine Versionsnummer werkelt kann mir daher als (noch) Nur-Anwender egal sein und da meine Prämisse “never change a running system” ist, werde ich vorher bei Ubuntu bleiben. Sollte Ubuntu es aber wagen mit mir Faxen zu machen, werde ich den next step vollziehen und mir das sehr gelobte reine Debian installieren.

  4. Herbert Goestl

    In der Wirtschaftsinformatik basiert die LV Betriebssystempraxis auf Linux. Als Distribution wird openSUSE mit ihrem KDE als GUI verwendet. Durch die Offenheit des Systems lassen sich die in der Theorie behandelten Konzepte wie der Multiuserbetrieb, die Prozessverwaltung, die Dateiverwaltung mit ihrem ausgefeilten Autorisierungssystem und die Unterstützung von Rechnerkommunikation/ Netzwerk anschaulich erläutern. Die Studierenden können sozusagen mal einen Blick unter die Motorhaube werfen und so besser verstehen, wie der Kernel und die Shell eines Betriebssystems arbeiten.

    Damit erwerben sie Kenntnisse zu einem System, was wir heutzutage auf allen Plattformen antreffen können. Das beginnt mit Android oder Tizen auf den Wearables, setzt sich auf Smartphones fort und endet bei den Supercomputern. Über 80 Prozent der 500 leistungsstärksten Supercomputer weltweit basieren auf Linux. In vielen Routern werkelt es unsichtbar für uns hin. Und mit Google Android Auto wird es künftig auch die VW Fahrer begleiten. Die Gründe, warum es ausgerechnet im Laptop- und PC-Bereich (noch) schwächelt, dürften allen IT Insidern klar sein. An der Technik liegt es jedenfalls nicht.

    In semesterbegleitenden Übungen werden auch die Pros und Cons von lizenzfreier Software, die sich bei Linux infolge seiner historischen Verwandtschaft mit dem UNIX aus dem GNU-Projekt herleitet, evaluiert. Gerade für angehende Wirtschaftsinformatiker ein Kompetenzfeld, das in geldarmen Zeiten von den Anwendern zunehmend nachgefragt wird.

    Übrigens: In der ICT Industrie gilt vielfach der Slogan „Use what you sell“. Ein breiterer Einsatz an der Hochschule bedeutete gewissermaßen die Umsetzung des Pendants „Use what you teach“.

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