Aller Anfang ist … einfach?
Erfahrungsgemäß sind die besten Onboarding-Prozesse immer die, die einem so viel sortierten Input wie möglich an die Hand geben. Entsprechend würde ich auch meine ersten Tage in der IT Abteilung der HWR Berlin beschreiben. Eine spannende Schulung über wichtige Werkzeuge darf da natürlich nicht fehlen.
Zufälligerweise lud die Virtuelle Hochschule Bayern während meiner ersten Woche zu einer Reihe von Online-Veranstaltungen rund um das Thema „H5P“ ein.
H5P ist ein Open Source Browser Tool, basierend auf HTML, das über Registrierung auf der Website oder als Plugin für jeden kostenlos nutzbar wird. Damit lassen sich vielfältige interaktive E-Learning Formate erstellen; egal ob klassische Multiple Choice Fragen oder komplexe Rollenspiel Szenarien und Interaktive Videos. Sowas darf natürlich in unserem HWR Moodle nicht fehlen!
Aber wo anfangen?
Der Eindruck mag täuschen, aber als Duale Studentin im ersten Semester habe ich noch keine Kurse von Lehrenden gesehen, die dieses Tool eingesetzt haben. Das finde ich ziemlich schade, da ich mir vorstellen kann, dass mir das den ein oder anderen Schwerpunkt noch verständlicher gemacht hätte. Doch letztendlich ist es auch nachvollziehbar. Selbst ich wüsste bei so vielen Optionen nicht, wo ich anfangen soll, was es alles geben könnte oder was sich am besten für meine Zwecke eignet.
Wer also beim selber Durchklicken zu schnell dem eigenen Frust zum Opfer fällt und daher etwas externe Motivation gebrauchen kann oder einfach strukturierte Lernformate vorzieht, dem kann ich die Online-Veranstaltungswoche der VHB nur empfehlen! Wer sich aber noch unsicher ist, dem kann hoffentlich mein kleiner Erfahrungsbericht weiterhelfen!
Ein paar Eckdaten:
Gleich am ersten Arbeitstag ging‘s los! Meine Teamleiterin war so lieb und hatte mich bereits für die ersten zwei Termine eingeschrieben.
Die Zoom Calls fanden über eine Woche verteilt statt, mit jeweils einem Thema pro Tag:
- am Mo 09.02. um 12-13 Uhr: „H5P-Darstellungsformate wirkungsvoll einsetzen“
- am Di 10.02. um 12-13 Uhr: „Quizze & Lernstandskontrollen mit H5P umsetzen“
- am Mi. 11.02. um 12-13 Uhr: „H5P Bausteine kreativ kombinieren“
- am Do. 12.02. um 12-13 Uhr: „H5P Beyong Basics: Interaktive Lernpfade gestalten“
- am Fr. 13.02. um 10-12 Uhr: „H5P Werkstatt“
Für Angehörige einer Hochschule bzw. Universität war die Teilnahme völlig kostenfrei. Die Einschreibung lief unkompliziert und frei nach Interesse via Online-Formular auf der Website der VHB (spätestens aber zwei Tage vorher). Für jeden Termin erhielt man dann per E-Mail einen Zoom-Link und ein entsprechendes Kennwort. Mein ganz persönlicher Pluspunkt an der Stelle: Ich musste mich nirgendwo extra registrieren oder extra Software herunterladen, nicht mal für Zoom. Alles lief problemlos über E-Mail und im Browser.
Wie die Kurse abliefen:
Während der ersten vier Termine ging es vor allem um Inhaltsvermittlung. Der fünfte und letzte Termin war wiederum ein Workshop im Sinne des kreativen und technischen Austauschs, für den man schon ein eigenes H5P Projekt mitbringen sollte. Dazu komm ich aber nachher.
All die inhaltlichen Termine folgten dem gleichen Ablauf.
Zu Beginn begrüßte uns immer recht herzlich die Moderatorin mit ein paar organisatorischen Punkten. So wurden wir immer darüber aufgeklärt, dass der inhaltliche Teil der Konferenz aufgezeichnet werden würde. Zusammen mit den Aufzeichnungen würden wir alle Folien und weitere Materialien im Anschluss an die Woche per E-Mail zugestellt bekommen.
Danach wurde der inhaltliche Anteil an die Instructional Designer der VHB übergeben, jeweils zwei pro Termin. Diese teilten sich dann die Präsentation auf, welche auch immer gleich gleich aufgebaut war:
- Vorstellung der Agenda
- Kurzvorstellung der zwei präsentierenden Instructional Designer
- Eine kurze Erklärung: Was ist H5P?
- Themenspezifische Inhalte
- Ausblick auf die Folgetermine
Abschließend gab es immer eine Fragerunde, in der die Teilnehmenden ihr Mikrofon anschalten und individuelle Fragen stellen durften. Man konnte aber auch schon während der Präsentation Fragen in den Chat schreiben, welche wiederum von weiteren anwesenden Instructional Designern, Moderator/innen oder anderen Teilnehmenden beantwortet wurden.
Vorgesehen waren immer 40 Minuten Präsentation, 20 Minuten Fragerunde. Doch wie so oft bei solchen Formaten, dauerten beide Teile gerne mal länger. Daher der Tipp: Wer bei der Fragerunde dabei sein möchte, sollte sichergehen, dass Anschlusstermine erst frühestens ab 13:15 Uhr im Kalender stehen. Meine waren leider fast immer um 13 Uhr, was ich sehr bedauere. Auf die meisten Fragen, die ich noch mitbekommen habe, wäre ich selbst nie gekommen und die Antworten waren immer äußerst aufschlussreich.
Nichtsdestotrotz waren die themenspezifischen Inhalte immer extrem kompakt und anschaulich aufbereitet.
Inhalte dürfen nicht fehlen
Wer sich jetzt von mir auch ein paar Inhalte wünscht, dem hab ich eine grobe Liste an H5P Formaten (wie sie auch im Moodle Plugin zu finden sind) und deren Zweckanwendung zusammengestellt. Die Kategorisierung und Reihenfolge entspricht der aus der Schulung. Damit können Sie sich hoffentlich einen ersten Überblick verschaffen. Für eine tiefgreifende Erläuterung empfehle ich weiterhin die Schulung der VHB.
Textformate
- Accordion: Überblick über Themenbereiche kompakt darstellen
- Chart: komplexe Daten & Zusammenhänge veranschaulichen
- Cornell Notes: Studis zum strukturierten Note Taking motivieren
- Information Wall: komplexere, chronologische Ereignisse kapitelweise darstelle
- Summary: Studis zur aktiven Reflexion mit Inhalten motivieren
Audiovisuelle Medien mit wenig bis keinem Text
- Agamotto: Analyse-Ebenen & Entwicklungen nachvollziehen
- Image Juxtaposition: Vergleiche
- Audio Recorder: Studis testen ihre Aussprache & dokumentieren Lernfortschritte
- Dialog Cards: Vokabeln üben, Symptome den Diagnosen zuordnen, True vs False, etc
- Collage: Entwicklungen auf einem Blick visualisieren, Perspektiven gegenüberstellen, etc
- Image Slider: Entwicklungen chronologisch visualisieren
- Image Hotspots: Studis können Infos anhand eines Bildes selbst entdecken
- Virtual Tours 360: Studis können einen Ort & entsprechende Infos selbst entdecken
Multimedia Formate
- Timeline: Überblick über historische Zusammenhänge darstellen
- Branching Scenario: Studis navigieren Situationen, treffen Entscheidungen & erleben Konsequenzen
- Interactive Video: Studis setzen sich aktiv mit Video auseinander & üben kritisches Denken
- Game Map: Studis interagieren spielerisch mit verschiedenen Formaten
- Interactive Book: Studis setzen sich aktiver mit komplexen Texten auseinander
- Course Presentation: Studis klicken sich selbstständig durch PowerPoint Folien
- Page: Kompakte Kombination von unterschiedlichen Formaten & Arbeitspaketen
Quizze & Lernstandskontrollen
- Klassisches: Wissen anwenden & Verständnis stärken
- Flash Cards (Studis geben Ein-Wort-Antworten mit direktem Feedback)
- Summary
- True vs False
- Single Choice
- Multiple Choice
- Multimedia Choice (Multiple Choice mit Bildern, Video & Audio)
- Quiz (Kombination aus mehreren Fragetypen)
- Flash Cards (Studis geben Ein-Wort-Antworten mit direktem Feedback)
- Lückentexte: Wissen anwenden, Verständnis & Analysefähigkeiten stärken
- Drag the Words
- Fill in the Blanks
- Mark the Words
- Drag the Words
- Freitext Aufgaben: selbstständiges Analysieren, Einschätzen & Erschaffen
- Essay
- Structure Strip (Essay mit Vorgabe der Struktur)
- Documentation Tool (Studis dokumentieren Seminare & Projekte selbstständig)
- Essay
- Zu- & Anordnungsaufgaben: selbstständiges, visuelles Einschätzen & Analysieren
- Drag & Drop
- Image Pairing
- Image Sequencing
- Drag & Drop
- Suchaufgaben: selbstständiges, visuelles Entdecken, Einschätzen & Analysieren
- Find the Hotspot
- Find Multiple Hotspots
- Find the Hotspot
- Spielerische Aufgaben: Motivation & erste Lernerfolge sichern
- Memory Game
- Find the Words
- Crossword
- Memory Game
- Abfrage der Sprachfähigkeit: Schreib-, Hör- & Verständnisfähigkeiten prüfen
- Dictation
- Speak the Words Set (nur bei Chrome möglich)
- Dictation
Jeder Abschied fällt schwer
Der Workshop am Freitag rundete die Woche mit einem regen Austausch von Expertise, Erfahrungen und Ideen ab. Je nach Interessengebiet (Interactive Book, Game Map, Quiz, Video, Page, etc) wurde man in Zoom-Breakout-Rooms mit jeweils zwei Instructional Designern aufgeteilt. Dort konnten wir unsere Projekte vorstellen, Probleme lösen, Fragen stellen und Anregungen geben. Nach ca. 20 Minuten sammelte man sich wieder im „großen Raum“ und tauschte wichtige Erkenntnisse aus den Runden aus. Dieser Prozess wiederholte sich zwei weitere Male, bis wir uns schließlich verabschiedeten.
Zwar sollten wir unsere eigenen Projekte mitbringen und vorstellen. Doch es war absolut gestattet nur zuzuhören und Inspirationen zu sammeln. Leider führte dies öfter zu betretenen Pausen, wenn niemand mehr etwas vorstellen wollte oder Fragen hatte. Bei weitem nichts schlimmes und auch typisch für solche Calls. Vielleicht könnte man seitens der VHB für‘s nächste Mal etwas Füllmaterial für solche Fälle vorbereiten.
Zu Beginn gestand man uns, dass dieser Termin die Premiere dieser Art von Veranstaltung sei, mit der Bitte um Verständnis bei etwaigen Holperigkeiten. Davon war jedoch wenig zu spüren. Insgesamt fühlte es sich nach einer wirklich gut durchdachten und abgerundeten Veranstaltung an. Ich war wirklich zufrieden und danke der VHB ganz recht herzlich für diesen Kurs!


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