Digital vs. Analog

von Robin Herweg

15 Jul, 2015

In einer Vorlesung sitzen mittlerweile mindestens so viele Studierende, die einen Laptop oder ein Tablet vor sich haben wie ohne. Häufig wird so ein Gerät extra für das Studium angeschafft, da es ein besseres Mitarbeiten im Unterricht verspricht, es einem ermöglicht, spontan zu recherchieren oder an Kommilitonen E-Mails mit wichtigen Inhalten direkt weiterzuleiten. Aber erhöht […]

Quelle: piqs.de (Stand: 13.07.2015) “Noteworthy” by Thragor (CC BY 2.0 DE)

In einer Vorlesung sitzen mittlerweile mindestens so viele Studierende, die einen Laptop oder ein Tablet vor sich haben wie ohne. Häufig wird so ein Gerät extra für das Studium angeschafft, da es ein besseres Mitarbeiten im Unterricht verspricht, es einem ermöglicht, spontan zu recherchieren oder an Kommilitonen E-Mails mit wichtigen Inhalten direkt weiterzuleiten. Aber erhöht das Verwenden moderner Medien im Studium tatsächlich den Lernerfolg und ist man damit gegenüber Kommilitonen, die überwiegend Stift und Papier benutzen, im Vorteil?

Jeder Lehrende kennt im Zusammenhang mit der Nutzung neuer Medien wahrscheinlich zur Genüge das Problem, dass viele Studierenden sich auch in der Vorlesungszeit dazu verleiten lassen, ihren heimischen Surfgewohnheiten nachzugehen und sich eben nicht mehr auf den „Unterricht“ zu konzentrieren. Anstelle von Mitschriften anzufertigen, surft man im Internet, aktualisiert seinen Status auf Facebook oder bestellt schnell mal neue Klamotten. So hat das Lächeln, das über das Gesicht der Studentin in der zweiten Reihe huscht, in vielen Fällen nichts mehr mit der Vorlesung zu tun, sondern mit einem witzigen Post oder Status-Up-Date.

Wäre es da nicht die Lösung, moderne Geräte wie Laptops, Smartphones oder Tablets aus den Vorlesungen zu verbannen? „Nein!“, meint Vera Gehlen-Baum, Forscherin an der Universität des Saarlands. Sie sieht die Zukunft der Lehre in einer Einbindung dieser Technologien in das Studiengeschehen. Man solle die neuen Medien besser dazu nutzen, Umfragen zu veranstalten, Meinungsbilder zu erheben und auf diesem Wege ein genaueres Bild vom Lernstand der Studierenden zu erlangen. (Quelle: Badische Zeitung, 1.7.15)

Letztlich sind es wohl die Vorlieben der Studierenden, die ausschlaggebend dafür sind, auf welche Methode der Mitarbeit zurückgegriffen wird und in welcher Form sie Mitschriften und Unterlagen später vorliegen haben wollen.

Nicht jeder sollte sich mit dem Rechner in die Vorlesung setzen. Ob die Verwendung eines Computers oder Tablets einem die Arbeit tatsächlich erleichtert, hängt in hohem Maße von den Fähigkeiten der Nutzer im Umgang mit diesen Geräten ab. Vertreter des Ein-Finger-Such-Systems und Freunde des Analogen könnten besser damit beraten sein, weiterhin mit Stift und Block zu notieren. Auf diesem Wege geht dann auch nichts schief und man ärgert sich nicht darüber, dass die Maschine mal wieder nicht gemacht hat, was sie sollte.

Abschließed folgt eine kurze Gegenüberstellung der Argumente, die für die Verwendung eines Papier-Blocks oder aber eines Notebooks sprechen könnten.

Vorteile des Papierblocks:

Gerade in naturwissenschaftlichen, wirtschaftswissenschaftlichen oder informationstechnischen Studiengängen wird viel mit Formeln, Grafiken und  mit Sonderzeichen gearbeitet. Beherrscht man den Umgang mit der relevanten Software nicht zu 100 Prozent, gehen Mitschriften bzw. Notizen auf dem Papier einfach deutlich schneller und sind effektiver.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass das traditionelle Mitschreiben auf Papier dabei hilft, die niedergeschriebenen Informationen besser zu verarbeiten und der Lernprozess so bereits beim Niederschreiben beginnt. Das Gehirn verarbeitet möglicherweise diese analoge Form der Notizen einfach besser.

Gerade in geisteswissenschaftlichen Studiengängen, in denen der Diskussionsanteil deutlich höher ist und Gedanken leichter einmal abschweifen können, verhindern Stift und Papier (anstelle eines Computers) in den Schreibpausen mal eben durchs Internet zu surfen. Das dürfte letztlich die Mitarbeit fördern.

Die immer wieder unterschiedlich ausfallenden Erscheinungen von handgeschriebenen Seiten wirken auf das Auge bzw. das Gehirn wie ein Bild. Schriftmuster, Anordnung und Platzierung von Informationen auf dem Blatt sprechen so möglicher Weise zusätzliche Bereiche des Gehirns an, die für die Speicherung von Bildern zuständig sind.

Mitschreiben auf Papier führt zwar zunächst zu mehr Arbeit; denn Handschriftliches wird zumeist zu Hause noch in den Computer übertragen und dort gespeichert. Aber so werden die Inhalte doppelt be- und verarbeitet und prägen sich besser ein. Notizen werden auf diese Art ordentlicher festgehalten, Mitschriften gleich wiederholt und das Gelernte kann sich verfestigen.

Vorteile des Notebooks:

Wer kennt es nicht? Eine unaufmerksame Armbewegung und der Kaffee bahnt sich unaufhaltsam seinen unwiderruflich verfärbenden Weg über das gerade Geschriebene. Dies ist dann oft nicht mehr zu gebrauchen. Läuft der Kaffee in den Laptop, ist dieser vielleicht kaputt, aber wertvolle Notizen bleiben erhalten. Mit regelmäßigen und im Übrigen automatisierbaren Back-Ups ist die Gefahr der Vernichtung zumindest für die Computer- Niederschriften gebannt.

Die Suchfunktion moderner Betriebssysteme kann längst Inhalte der Festplatte, des Internets und vieler weiterer Datenbanken miteinander kombinieren und so in kürzester Zeit Antworten auf fast alle Anfragen bieten oder per Schlagwort die letzte Aufzeichnung finden.

Längst haben die meisten Lehrenden ihre Vorlesungen digitalisiert und stellen diese online zur Verfügung. Studierende können sich Hinweise unmittelbar auf den Lehrmaterialien machen, diese anpassen, weiterleiten und auf diesem Wege häufig auch auf das Ausdrucken verzichten.

Schließlich erhöht die Verwendung eines modernen Notebooks ganz massiv die Mobilität. Unterschiedliche Lehrmaterialien, Bücher, Ordner und Blöcke können zu Hause bleiben und die lästige Schlepperei bleibt einem erspart. Gerade Pendler und Neben-dem-Beruf-Studierende können hiervon profitieren.

 

 

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2 Kommentare

  1. susannemey

    Hallo Robin,
    noch ein Vorteil vom Notebook/der mobilen Geräte: Die Studierenden können in einem gemeinsamen Dokument schreiben und dort auch weiterführende Informationen und Links sammeln. Bei Konferenzen z.B. ist es üblich einen entsprechenden Link (meist etherpad/piratpad/…) zur Verfügung zu stellen, auf den dann die verschiedenen “Protokollanten” zugreifen.Auch gemeinsame Lernkarteien können so angelegt werden.

  2. birkenkrahe

    Vielen Dank für die interessante Gegenüberstellung! Dokumente daheim auf den Computer laden? Ist das wirklich noch zeitgemäß? Ich arbeite fast ausschließlich auf Google Drive und nur wenn ich eine Präsentation halten muss, bei dir ich mich nicht 100 % auf die Infrastruktur verlassen kann, führe ich eine Datei noch auf meinem Mobilgerät mit. Dieses Abschreiben von Inhalten, die in Handschrift vorliegen, kann für bestimmte Lerntypen tatsächlich wichtig sein. Ich selbst lerne eher durchs Hören und Aufpassen…

    Und noch etwas anderes – aber ein eher ketzerische Gedanke, der mir vor kurzem gekommen ist. Für den Dozenten ist es tatsächlich nicht nur unbedingt eine Störung, wenn Studierende während der Veranstaltung mobil unterwegs sind, sondern es kann auch entspannend sein. Es bedeutet nämlich, dass ein Studierender sich, wenn er sich mal ausklinken möchte, Eine Atempause holen, oder wenn das, was der Dozent gerade sagt, wirklich nicht interessant ist, nicht Däumchen drehen muss, sondern etwas anderes tun kann. Ich würde sagen, dass das insgesamt die Zufriedenheit beider Seiten eher erhöht! Oder liege ich da völlig falsch?

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