Lean Thinking für die Klausurphase: So lernt Ihr ohne die 7 Verschwendungen

Die Lean Thinking-Denkweise ist einigen von Euch sicherlich aus der Automobilindustrie bekannt, als sie in Form von Lean Production neue Maßstäbe für Effizienz und Qualität setzte. Dem Prinzip nach wurden sämtliche Prozesse der Automobilhersteller, darauf ausgerichtet, Wert für den Kunden zu schaffen. Um die Kundenansprüche nicht nur hinsichtlich der Qualität, sondern auch in Bezug auf die Preise zu erfüllen, mussten standardisierte, kosteneffiziente Prozesse entwickelt und stetig verbessert werden.  Um Schwachstellen in der Prozessstruktur schneller zu entdecken, identifizierte man sieben typische Verschwendungen (seven wastes), die nicht auf den Wertstrom ausgerichtet sind und darum unbedingt eliminiert werden müssen. Der Erfolg war so groß, dass sich Lean Thinking schnell auch außerhalb der fertigenden Industrie verbreitete. Kann man Lean Thinking also auch auf die Uni, konkreter auf die Klausurphase, anwenden? Schließlich liegt auch hier ein klares Ziel vor (die erfolgreiche Bewältigung der Prüfungen). Und genauso wie ein zu viel produziertes Auto oder ein unausgelasteter Mechatroniker eine Quelle der Ineffizienz darstellen, können wir die sieben Verschwendungen auch in unserer Klausurenvorbereitung identifizieren. Dazu gleich einmal ein paar Tipps, wie Ihr sie umgehen könnt:

So vermeidet Ihr die 7 Wastes der Klausurenvorbereitung

 

1.     Überflüssige Mitschriften entsorgen
Lean Thinking konzentriert sich nur auf das absolut notwendige für eure Zielsetzung. Unbrauchbare Notizen und veraltetes Material gehören darum in den Papierkorb. Auch unnütze Bücher und kaum verwendete Schreibutensilien haben nichts auf dem Schreibtisch zu suchen, denn sie lenken unnötig ab und verschwenden Platz!

2.     Fehlern und Unklarheiten rechtzeitig vorbeugen
Beginnt lieber rechtzeitig damit, Euch mit dem Stoff zu befassen, sodass sich Unklarheiten innerhalb der nächsten Wochen klären. Andernfalls schleichen sich Denkfehler in Euren Lernprozess ein, sodass Ihr das später wieder aufarbeiten und Rückfragen anstellen müsst. Dies verursacht mehr Arbeitsaufwand ohne zusätzlichen Nutzen, -also eine klare Lean Thinking-Sünde!

3.     Sinnlose Aktivitäten vermeiden
Fragt Euch einfach immer, ob das was Ihr gerade tut, Eurem Verständnis beiträgt oder bloß Eure Zeit und Energie verschwendet. Möglicherweise ist es überflüssig und ineffizient zu jedem Kapitel feinsäuberlich eine Zusammenfassung zu schreiben (habe ich tatsächlich schon gesehen). Und wenn ich weiß, dass mir eine Vorlesung nichts bringt, gehe ich nicht hin. Wir alle haben neben der Uni noch weitere Beschäftigungen, übt  deshalb, Prioritäten zu setzen. Hierbei kann es helfen, wenn Ihr zwischen “dringend” und “wichtig” unterscheidet, denn nicht alles Wichtige ist auch dringend!

4.     Sich dem Informationsüberfluss entziehen
Facebook, Email-Benachrichtigungen und Telefon einfach mal abschalten, denn wir wissen ja, Arbeitsunterbrechungen und Multitasking verlängern die Bearbeitungszeit und erhöhen die Fehlerquote!

5.     Sinnlosen Informationstransport vermeiden
Die Art und Weise, wie Ihr Eure Notizen, Skripte und Ordner organisiert trägt, einen gewissen Teil zu Eurer Arbeitseffizienz bei. Durch ein einheitliches Ordnersystem ohne Mehrfachablage, müsst Ihr Eure Kommilitonen nicht nochmals bitten, Euch ein bestimmtes Doc zu senden.

6.     Keine Unnötigen Wege gehen
Während der Klausurphase braucht Ihr Zeit. Versucht deshalb, unnötige Gänge zu vermeiden: So kann das nächste Geldabheben zum Beispiel mit dem Weg zum Supermarkt und zur Post verbunden werden. Und ob das benötigte Buch, in der Bib verfügbar ist, könnt Ihr vorab schon online überprüfen.
 
7.     Wartezeiten kürzen

In der industriellen Produktion spricht man von Starving, wenn ein Prozess unterbrochen wird, weil an einer bestimmten Stelle keine Arbeit vorhanden ist und der Werker unbeschäftigt am Fließband steht. Auch während der Klausurphase sind solche Wartezeiten eine Verschwendung. Also wartet nicht auf die letzte Wiederholungs-Lecture oder bis Euer Lernpartner Zeit für Euch hat, sondern beginnt jetzt, Euch vorzubereiten. Dann ist Euer gesamter Lernprozess schön ausbalanciert und das Bottlenack-Prinzip wird Euch nicht zum Verhängnis 😉

Klausurenvorbereitung: Lean Thinking oder Get wasted?

 

Nun denn, einige Aspekte lässt „Lean Klausurenvorbereitung“ sicherlich außer Acht. So sollte Lernen eben nicht als standardisierter Prozess betrachtet werden, bei dem es darum geht, sich in kurzer Zeit so viel wie möglich in den Kopf zu hämmern, sondern sich vielmehr den individuellen Entdeckungsinstinkt zu Nutze machen.

Trotzdem lohnt es sich, Lean Thinking eine Chance zu geben, um seine Arbeitsweise mal aus einem neuen Blickwinkel kritisch zu betrachten. Viele Unternehmen aller Art tun das und das Streben nach Produktivität zeichnet sich in weiten Teilen unserer Gesellschaft ab: So adoptiert ein Startup den Lean Thinking-Gedanken zum Beispiel, indem es ein Minimum Viable Product schafft, um mit kleinstem Aufwand Feedback für den momentanen Stand der Entwicklungsphase zu erhalten. Manch eine Anwaltskanzlei lagert seine eingehenden Anrufe an ein Telefonsekretariat aus, damit die Sekretärin nicht bei der Korrespondenz gestört wird und zu Fehlern verleitet wird. Und dann wäre da noch der Lifehacking-Trend, der uns 2013 mit vielen neuen Smartphone-Apps zur persönlichen Produktivitätssteigerung versorgen wird.

Ich bin jedenfalls davon überzeugt, dass ein großer Teil des Erfolgs im Studium mit gutem Selbstmanagement in Verbindung steht. Und letztendlich war es erst das kontinuierliche Streben nach Verbesserung, das Lean Thinking in der Automobilindustrie so populär machte.

Und zu guter Letzt stellt sich die Frage, ob der 1.0-Schnitt überhaupt das einzige Ziel des Spiels ist. So werde ich mir die eine oder andere Verschwendung während der Klausurenphase sicherlich nicht nehmen lassen 😉 In diesem Sinne, viel Erfolg bei Euren Klausuren!

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4 Gedanken zu „Lean Thinking für die Klausurphase: So lernt Ihr ohne die 7 Verschwendungen

  1. Danke für den Artikel und neben dem ganzen Fleiß Dir, unserem Team und allen anderen Studierenden auch etwas Glück mit den Prüfungsthemen…

  2. Bruce Spear

    Nicely done, Larissa! -b

  3. Lennart Bolduan

    Danke für den Leitfaden, das ist immer gut sich sowas nochmal vor Augen zu führen.
    Anmerkungen:
    Punkt 8.: Die Wohnung vor der Klausurenphase komplett aufraumen.
    Punkt 9.: Anfangen, anfangen, anfangen!

    Meiner Erfahrung nach wirkt es wahre Wunder sich eine Belohung oder ein Ziel für nach den Klausuren zu setzen. Z.B.: Thermenbesuch, Wochenendausflug mit Kommilitonen oder begehrenswerte neue Schuhe für den Schuhschrank.

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