Maschinen, die immer mehr wissen – Teil 2

Teil 2

Nicole Quevillon - Lightbulb
Nicole Quevillon – Lightbulb

So lautete der Titel einer Präsentation auf dem EduCamp 2015 in Berlin.
Dieser eigentlich unscheinbare Titel brachte mich zum Nachdenken…

Maschinen wissen schneller Bescheid als wir?

Im ersten Teil habe ich über das „mehr wissen“ geschrieben und meine Ansicht dazu weitergeben. Im zweiten Teil möchte ich mich mit dem „schneller wissen“ beschäftigen.

Erst kürzlich habe ich die Gelegenheit gehabt, eine neue E-Klasse von Mercedes zu fahren und konnte dieses „schnelle Wissen“ am eigenen Leibe erfahren. In diesem Fall berichte ich natürlich von einer positiven Erfahrung.

Ich persönlich halte mich für einen aufmerksamen und guten Autofahrer. Ich habe meinen Führerschein seit 9 Jahren und hatte noch nie einen Unfall. Dennoch war ich häufig in einer dieser Situationen, in denen einem der Puls erstmal 200% schneller schlägt: Ein Kind rennt auf die Straße, ein anderer Autofahrer ist unaufmerksam und schneidet mich haarscharf. Bisher sind diese Situationen glimpflich ausgegangen, weil ich entweder vorsichtig genug war oder aber schnell genug reagiert habe.

Es wäre vermessen von mir zu behaupten, dass ich in 30 Jahren immer noch in der Lage bin, so schnell zu reagieren. Deswegen war ich über den Fortschritt der Technik erstaunt, wenn es darum geht, etwas zu wissen, oder vielmehr zu erkennen, bevor ich es weiß.
So schaltet das Fahrzeug schneller als ich und erkennt eine gefährliche Situation aktuell in Bruchteilen einer Sekunde und reagiert.

Es mag daran liegen, dass die Evolution uns Menschen nicht mit Augen im Hinterkopf gesegnet hat, oder unsere Aufmerksamkeit auch ohne ADS schnell vom Wesentlichen abgelenkt ist. Einer der entscheidensten Unterschiede in diesem Beispiel wird mit Sicherheit sein, dass wir in der Lage sind, Technik schneller gegebenen Umständen anzupassen als es die Evolution bei uns selbst erlaubt. Aus rein technischer Sicht ist es also so, dass ein modernes Auto wie die E-Klasse mit ihren Sicherheitssystemen einfach ein weiteres Paar Augen im Heck bekommt, wenn wir feststellen, dass wir immer mehr Auffahrunfälle provozieren. Bei Recherchen zu diesem Thema fiel mir noch das Sicherheitssystem eines anderen Autobauers auf, das wir als Menschen vielleicht niemals entwickeln werden. Audi bietet bei einigen Fahrzeugmodellen an, eine Nachtsichtkamera verbauen zu lassen, die im Display Personen auf der Fahrbahn oder am Fahrbahnrand, selbst bei schlechtesten Lichtverhältnissen erkennt und akustisch sowie optisch davor warnt. Selbst mit meinem noch jungen Verstand und wachen Augen kann ich mich nicht mit dieser Art der Technik messen.

Unweigerlich stellt sich mir natürlich die Frage, ob ich nicht irgendwann als Fahrer überflüssig werde? Fakt ist, der Computer an Board so eines Fahrzeuges verarbeitet Informationen deutlich schneller als ich und vielleicht ist es nur eine Frage der Zeit bis Entwickler in der Lage sind, ein System zu entwickeln, das eine Gefahren-Situation viel besser einschätzen und dementsprechend reagieren lassen kann. Überflüssig werde ich allerdings nicht, zumindest hoffe ich das.
Denn klar, Maschinen können mehr wissen, Maschinen können es schneller wissen, aber das Ganze ist absolut nutzlos, wenn es niemanden gibt, der solche Systeme entwickelt und weiterentwickelt. Wissen Maschinen also nun etwas schneller als ich? Ich denke schon, vor allem unter Anbetracht der unumstrittenen Tatsache, dass man als Mensch älter wird.

Ich glaube, dies ist einer der Hauptunterschiede zwischen einem alten Model als Mensch oder z.B. eines alten Autos. Wir gehen nicht einfach nur kaputt und nutzen uns ab, wir werden ab einem gewissen Alter in unseren motorischen und geistigen Fähigkeiten definitiv unwiderruflich schlechter. Ob dieser Entwicklungsstand tatsächlich dazu führt, dass wir als Menschen überflüssig werden und was für negative Konsequenzen das „mehr und schneller wissen“ haben kann, behandle ich im dritten Teil dieses Artikels.

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