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Die Verzahnung von Online/Offline – Blended Learning in der Praxis

Stefanie Quade 25 April 2016 6 Comments
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Graphic Recording unserer Session (BlendIT, Martina Eberl & Stefanie Quade) auf der EduCamp Leipzig 2016 von @pepsschmitt #ecle16

Das BlendIT Pilot Projekt nimmt volle Fahrt voraus auf für den Start des Studiengangs zum Oktober 2016. Die Lehrenden produzieren erste Lehr-Videos, machen Aufnahmen ihrer Veranstaltungen, die neuen Moodle Funktionalitäten werden getestet, mit ersten virtuellen Inhalten gefüllt – doch was ist mit der anderen Hälfte der Vorbereitung? Neben den Online Inhalten muss auch die Gestaltung der Offline Welt neu gedacht werden. Fragen wie: Lässt sich die Verzahnung zwischen der Online- und der Offline Welt sinnvoll gestalten, um den Studierenden eine optimale Lernumgebung im neuen Blended Studiengang zu ermöglichen – Stichwort E-Didaktik? Welche neuen Lehr- und Lernformen eignen sich? Was muss ich als DozentIn zwischen on- und offline beachten? Was sagen anderen Lehrende, die bereits Erfahrungen gesammelt haben im Blended Learning?

Der Roundtable – eine Veranstaltungsreihe des BlendIT Projekts – hatte am 6.4. zum Thema: „Das Beste aus zwei Welten – aber wie? Verzahnung online /offline“ eingeladen. Präsentiert wurden Erfahrungsberichte aus der Lehr-Praxis von Prof. Dr. Birgit Felden und mir, Stefanie Quade. In einer Session auf der EduCamp Leipzig 2016 haben wir im BlendIT Team diese Erfahrungen weiter vertieft und ausgetauscht mit den vielen TeilnehmerInnen dieser Barconference (weitere Eindrücke via Twitter #ecle16). @pepsschmitt hat dies in unserem Titelbild graphisch festgehalten und in seinem blog kommentiert. Ein Workshop zum Thema Lernvideos produzieren war ein weiterer Beitrag des BlendIT Teams im Vorprogramm am Freitag, der ebenfalls gut besucht war.

Beim Roundtable haben wir unsere Erfahrungen präsentiert und Birgit Felden im Interview befragt. Da Birgit Felden keine Zeit hatte, persönlich am Roundtable teilzunehmen, haben wir das Interview – ganz blended 😉 – zeitversetzt mit ihr geführt. Das Interview haben wir im Vorfeld via Skype durchgeführt und  – um eine der vielen Möglichkeiten der Videoerstellung auszuprobieren – mit screencastify aufgezeichnet, mit Camtasia bearbeitet und via Youtube als nichtgelistet hochgeladen.

Dabei ging es um diese Fragen:

  • Wer bist Du und was machst Du?
  • Was war Deine Motivation, Deinen Kurs in ein Blended Learning Format umzusetzen?
  • Was war aufwendig, was war leicht umsetzbar?
  • Was sagen die Studierenden?
  • Welche Erfahrungen möchtest Du anderen mit auf den (blended) Weg geben?

„Mehr Zeit für Praxisfälle in den Lehrveranstaltungen“ und schlicht und einfach „die Lust, Neues auszuprobieren“ hat Birgit Felden zu ihrem Blended Format gebracht. Daher lagert sie die theoretischen Finanzierungsinhalte über eine WordPress Lernumgebung aus. Birgit Felden erzählt von der Umsetzung, die doch aufwendiger war als sie zunächst gedacht hätte und von dem technischen Support, den jede Lehrveranstaltung konstant erfordert. Sie spricht vom Workload, den die Studierenden in dieser Lehrform kontinuierlich (statt geballt zum Ende kurz vor den Prüfungen) abarbeiten. Die Reaktionen der Studierenden zu den Lernvideos und dem Online-Part der Lehre sind gemischt. Viele sind begeistert, einige wünschen sich jedoch die gewohnt unterhaltsame Art mit „Showmaker“ auf der Bühne. Die nachgewiesener Steigerung der Klausurnoten und der Spaß, den dieses neue Format sowohl online als auch offline mit sich bringt, überwiegt auf beiden Seiten. Die didaktische Herausforderung, die online- und offline Welt zu verknüpfen, meistert sie – Erfahrungswerte aus 3 Semestern – u.a. durch regelmäßige Emails mit einem „Teaser“ aus 2-3 Sätzen an die Studierenden, die dann durch das Klicken aus „weiterlesen“ auf WordPress verlinken oder durch den Rückgriff in der Veranstaltung auf die Online-Inhalte. Ihr Fazit ist ein Aufruf zum Mut, neue (Lehr-)wege zu betreten und Blended Learning auszuprobieren. Interview mit Birgit Felden

Ich selbst habe von meinen Erfahrungen Kurs „Design Thinking Media Prototyping“ (DTMP), den ich im Blended Learning Format an der Hochschule der Medien in Stuttgart unterrichtet habe, erzählt. Der 4sws Kurs wird zu 50% in Präsenz und zu 50% online durchgeführt. Aus sehr pragmatischen Gründen – bedingt durch die Distanz Berlin-Stuttgart – habe ich das Blended Learning Format Blockunterricht + Onlinephasen zur Durchführung der Lehrveranstaltung gewählt:

screenshot blended learning session hdm bsp

Quade, S.: Beispiel Verzahnung von online und offline 50/50

Ein Kick-Off Workshop zu Beginn des Semesters, sowie eine Zwischenpräsentation und eine Vertiefung der Themen nach ca 6 Wochen werden begleitet von wöchentlichen Online-Einheiten als Input, die via Moodle, Adobe Connect und Skype und selbstgewählten Tools für die Projekt-Teamarbeit der Studis genutzt wird. Die Studierenden haben z.B. mittels Video Prototyping und deren Upload in Google Drive und Einbettung des Links in einem Moodle Wiki ihre wöchentlichen Ergebnisse dokumentiert. Ein Wochenbericht von jedem bietet eine gute Möglichkeit zu sehen, wo das Team und jeder individuell jeweils steht. Ein guter Onboarding-Prozess der Teams zu Beginn des Semesters und eine Verteilung und Aneinanderreihung der Teilleistungen – hier in Form von kleinen „Deliverables“ und Sprint-Einheiten, die in jedem Online-Schritt klar kommuniziert werden und sich am Ende zum Gesamtergebnis zusammenfügen – machen meiner Meinung nach die Studierbarkeit und die guten Ergebnisse in diesem Kurs aus. Das Anleiten, Aktivieren und Animieren wie Marcus Birkenkrahe es in seinem MOOC Design beschreibt, wird hier mit jeweils geeigneten Methoden wie zB Project Canvas von Frank Habermann im Präsenz-Zwischenworkshop oder Peer-Reviews in Moodle zu Teil-Projektergebnissen didaktisch orchestriert. Die Rückmeldungen aus Evaluierungen und direktem Feedback der Studierenden sowie die kreativen, professionellen Ergebnisse bestätigen bisher die innovative Lehr- und Lernform.
Präsentation Stefanie Quade

Mit dem Einblick und dem Austausch mit Lehrenden an der Hochschule und auf der EduCamp Konferenz haben wir erste Gespräche zur Verzahnung der On- und Offline Welt gestartet. Die Interview-Reihe wird mit weiteren Lehrenden fortgeführt und die Erfahrungen hieraus werden wir weiterhin mit allen Interessierten teilen. Anknüpfend hieran werden wir zudem auch die Studierenden in einem ähnlichen Format befragen und die Erkenntnisse hieraus in unseren BlendIT Piloten und zur Beratung unserer Lehrenden einfließen lassen. Wir freuen uns wie immer über Ihre Kommentare, Feedback, neue Ideen und Inspirationen!

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6 Gedanken zu „Die Verzahnung von Online/Offline – Blended Learning in der Praxis“

  1. Harald Rüggeberg sagt:

    Vielen Dank für den Artikel, Stefanie!
    Er hat mir wieder einen Software-Tipp zur Videobearbeitung (Zaption kannte ich noch nicht!) zum Testen geliefert. Super!
    Viele Grüße
    Harald
    ——————————————————————-
    Prof. Dr. Harald Rüggeberg
    Professor für Marketing
    Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin
    Badensche Straße 52
    10825 Berlin
    Tel.: +49 (0) 30 30877-1176
    Fax: +49 (0) 30 30877-1199
    e-mail: hrue...@hwr-berlin.de
    website: http://www.hwr-berlin.de/prof/harald-rueggeberg/

  2. Super! ich bin gespannt, was Du mit Zaption zauberst! Ich habe das Tool von Marcus Birkenkrahe, der die Online Lektionen aus Zaption zB auch mit in die Präsenzveranstaltung nimmt und/oder Auswertungen nutzt und die Ergebnisse mit den Studierenden reflektiert.

    Habe heute ein passendes Zitat aufgeschnappt zu der Frage: Wie wird sich unser Miteinander im Netz in den nächsten zehn Jahren weiterentwickeln und verändern?:

    „Ich sehe eine Verschmelzung von Offline und Online bis zur beinahe vollständigen Ununterscheidbarkeit, und das kann man gut oder schlecht finden oder beides gleichzeitig wie ich – aber es wird kommen.“

    source: Sascha Lobo im T3N Interview auf der re:publica, http://t3n.de/news/re-publica-sascha-lobo-701532/

  3. Beatriz sagt:

    Vielen Dank für den Beitrag, Stefanie.
    Einen Blended-Kurs zu planen erfordert vielGenauigkeit, es gibt keinen Raum für die Improvisation. In meinen Flipped Kurs baute ich die Brücke zwischen der Online- und der Präsenzphase mit vielem und regelmäßigem Feedback und mit einem durchdachtes Instructional Design. Deine Idee der kleinen „Deliverables“ ist sehr gut und habe es mir notiert!
    Viele Grüße
    Beatriz

  4. Stefanie Quade sagt:

    Liebe Beatriz, vielen Dank für Deinen Kommentar (den ich gerade erst entdeckt habe)! Instructional Design ist auf jeden Fall ein gutes Stichwort – wir nutzen dies für die didaktische Feinplanung im BlendIT ebenfalls. Du hast Recht, man muss genauer onlinen planen – ich denke, Improvisation ist jedoch trotzdem möglich (und oft erforderlich), zB habe ich einmal Feiertage + Exkursionswochen in Baden-Württemberg/HdM übersehen in meiner Planung (die haben dort einige mehr als wir hier in Berlin) und wir haben dann die „deliverables“ relativ spontan neu zusammengesetzt und den Kurs gerafft – und das Endziel dann wie geplant erreicht. Ich würde mich freuen mehr über den Kurs, den Du unterrichtest, zu erfahren und meld mich noch einmal direkt bei dir! Viele Grüße, Stefanie

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