E-Assessments etablieren sich

Die E-Learning Akteure der Hochschulen im deutschsprachigen Raum sind gut vernetzt und tauschen sich regelmäßig zu aktuellen Entwicklungen und Good Practises aus, veranstalten gemeinsame Workshops und initiieren regelmäßig gemeinsame Neuentwicklungen. Das Moodle Hochschultreffen ist ein gutes Beispiel dafür. Eine besondere Arbeitsgruppe, das E-Prüfungsymposium (ePS), widmet sich seit einigen Jahren dem speziellen Thema E-Assessments. Unter E-Assessment werden allgemein alle elektronisch gestützten Prüfungen, meistens jedoch schriftliche Online-Prüfungen verstanden.

E-Prüfungssymposium 2018 in Aachen

Das E-Prüfungssymposium hat sich am 29./30.11.2018 mit der ganzheitlichen Betrachtung von E-Prüfungen beschäftigt. An zwei Tagen traf sich die Community an der RWTH Aachen, um sich unter anderem über Assessment Analytics, der Skalierbarkeit von E-Prüfungen sowie dem kompetenzorientierten und fairen Prüfen auszutauschen. Zudem wurden auch verschiedene Prüfungssysteme jenseits von Moodle vorgestellt.

Als neues Forschungsfeld wurde das Thema „Assessment Analytics“ identifiziert. Learning Analytics im Prüfungskontext sind zunehmend möglich, da Daten aus immer mehr Prüfungen gewonnen und ausgewertet werden können. Mit der Datenanalyse könnten Übungsaufgaben künftig genau auf das Leistungsniveau von Studierenden angepasst und personalisierte Prüfungen für selbstreguliertes Lernen bereitgestellt werden. Auch die Revision von Klausuraufgaben durch die Analyse von Lösungspfaden ist denkbar.

Die großen E-Assessment Player ETH Zürich, Universität Duisburg-Essen (UDE) und die Freie Universität Berlin (FUB) haben einen Überblick über ihre inzwischen langjährigen Erfahrungen mit Online-Prüfungen gegeben. Die Sinnhaftigkeit von E-Prüfungen wird von keiner der an der Veranstaltung beteiligten Hochschulen in Frage gestellt. An vielen Hochschulen haben sich E-Assessments zu einem festen Bestandteil der Hochschullehre entwickelt.

Digitale Kompetenzen

Alle beschäftigt gleichermaßen die Frage, wie die digitale Zielkompetenz der Studierenden gefördert werden kann. Wie können Prüfungssituationen, die bisher praxisfern mit Stift und Papier und ohne Zugriff auf Ressourcen stattfinden, verändert werden?  Wie werden Prüfungen gestaltet, die der Komplexität der späteren Arbeitsumgebung gerecht werden, in der vielfältige Ressourcen zur Verfügung stehen. Die didaktische Fragestellung lautet auch hier, wie kann in Online-Prüfungssituation nicht nur Wissen abgefragt werden, sondern auch das Verstehen, Anwenden und Reflektieren von Zusammenhängen geprüft werden.

E-Prüfungs-Fairness

An der UDE wurden in einem Projekt Mechanismen zur Verbesserung der Prüfungsfairness entwickelt. So werden Rundungstoleranzen in Online-Tests eingebaut, Folgefehler berücksichtigt, richtige Lösungsideen mit Teilpunkten belohnt, auch wenn das Endergebnis falsch ist. Zudem gibt es Hinweise, die die Studierenden (unter Abzug von Teilpunkten) anklicken können, wenn sie an der ein oder anderen Stelle nicht weiterkommen. Die Akzeptanz seitens der Studierenden ist sehr hoch, da bei vielen die Angst reduziert wird, überhaupt eine Online-Prüfung zu absolvieren.

Kooperationen

Spannend waren auch die Ausführungen von Johannes Heinlein von edX.org, der größten Open Source MOOC Plattform, die von Universitäten gemanagt wird. 38 Mio. Teilnehmende gibt es dort in aktuell etwa 8000 Online-Kursen, von denen etwa 370.000 Studierende aus DACH kommen. Johannes Heinlein vertritt die These, dass Lehre und Lernen für das 21. Jahrhundert über modulare und offene digitale Werkzeuge stattfindet, die flexibel als Mikro Lernbausteine zu komplexen Studienprogrammen zusammengesetzt werden können. Er spricht gezielt auch die Strukturen in den Hochschulen an, die Anerkennung von Zertifikaten, die potentielle Studierende außeruniversitär erworben haben und prophezeit die zunehmende Notwendigkeit von weitreichenden Kooperationen im Bereich Lehre und Forschung. Beispielhaft verweist er nicht ohne Stolz auf eine Kooperation von edX mit der Harvard University [https://labxchange.org], bei der die neue Struktur des modularen Lernens und Prüfens umgesetzt wird.

Skalierbarkeit

Die großen deutschen Präsenzuniversitäten kämpfen derzeit mit eher logistischen Problemen. So wird die FU Berlin, die bereits über ein E-Prüfungscenter mit 151 Plätzen verfügt, ein weiteres E- Prüfungscenter mit zusätzlichen 181 Plätzen bauen, um künftig alle E-Prüfungen durchführen zu können. Auch an der ETH Zürich ist die Skalierbarkeit ein zentrales Thema geworden und beschäftigt offenbar alle Hochschulen, in den E-Prüfungen kein Nischenangebot mehr sind und die Experimentierphase verlassen wurde.

Und wir?

Wir werden an der HWR Berlin das Rad nicht neu erfinden. Wir verfügen grundsätzlich über die technischen Möglichkeiten, um mit Moodle auch Online-Prüfungen durchzuführen. Die technische Perspektive ist aber nur eine Seite der Medaille.

Um die formalen prüfungsrechtlichen Voraussetzungen zu schaffen, werden elektronische Prüfungen auch in der Novellierung der Rahmenstudien- und Prüfungsordnung der Hochschule künftig erfasst werden. Eine fachbereichsübergreifende Arbeitsgruppe und das E-Learning Zentrum haben hierfür Formulierungsvorschläge unterbreitet. In einer Satzung sollen alle weiteren „E-Besonderheiten“ zum Beispiel hinsichtlich der Authentifizierung, Archivierung und Validität einer E-Prüfung geregelt werden.

Im Rahmen einer Bachelorarbeit wird derzeit ein technischer Handlungsleitfaden für Moodle Prüfungen im Safe Exam Browser entwickelt. Formative Online-Assessments (semesterbegleitende Übungsaufgaben und Zwischentests) begleitet und unterstützt das E-Learning Zentrum auch schon jetzt. Im Rahmen der zunehmenden Entwicklung von Blended Learning Modulen ist das ein für uns logischer Schritt. Wir betrachten E-Assessment auch über schriftliche Online-Prüfungen hinaus. Das umfasst unter anderem mündliche Prüfungen via Videokonferenz und diagnostische Assessments z.B. für Vorkurse.

Wir bleiben weiter am Ball. Interessierte Lehrende, die uns bei der Etablierung von Moodle gestützten Testszenarien unterstützen möchten, sind hiermit ermuntert, sich bei uns zu melden.

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