Eine subjektive Browserempfehlung: Mein Weg von Firefox zu Chrome

Firefox 4
Firefox 4 – Design-Wunder oder Produktivitätsbremse?

Alles fing an, als Firefox das erste Mal in Version 4 erschien. Die Major Releases waren bis dahin immer eine Art Fest für mich gewesen, da es meistens geheißen hatte: “Hier ist die neue Generation, sieht immer noch aus wie die alte, aber es gibt interessante Neuerungen hier und da, und auch dort. Und sicherer und stabiler ist es natürlich auch geworden.” Doch nicht so in diesem Fall. Statt eines wohlbekannten Gesichtes sah ich mich einem überarbeiteten Interface gegenüber, in dem ich nicht mehr das fand, was für mich den “Feuerfuchs” einmal ausgemacht hatte: die logisch aufgebaute Menüleiste, bei der man jeden Klick schon 50 Mal gemacht hatte und so selbst im Schlaf finden konnte. Immerhin fand ich schnell heraus, dass man sie wieder aktivieren konnte.

Aber damit schien es nicht genug. Auf einmal funktionierte die Hälfte meiner Plugins nicht mehr – ersatzlos. Wie schon bei jedem vorherigen Release war mir bewusst, dass ich bei einigen Plugins – vor allem solchen von privaten Entwicklern ohne Vollzeitambitionen – eine gewisse Zeit auf die erneute Verfügbarkeit der Funktionalität warten müsste. Eventuell ließe sich hier und da auch eine Alternative finden. Der schlimmste Fall war meist, mit dem Umstieg auf die neue Browserversion warten zu müssen, und immer mal wieder zu prüfen, ob es bald losgehen kann. So weit, so unbequem.

Immerhin hatte die seit Version 3 endlich fest eingebaute Synchronisations-Funktion, mit der man seine Lesezeichen, Passwörter und Ähnliches über mehrere Rechner hinweg auf einem Stand halten konnte, reibungslos funktioniert. Aber auch hier taten sich plötzlich Abgründe auf: Server nicht erreichbar; Stunden damit verbringen, doppelt synchronisierte Lesezeichen zu löschen; sich wundern, wo der Link von vor 2 Tagen auf einmal geblieben war und so weiter.

Trotzdem war ich zunächst zuversichtlich, bis ich auf die Idee kam, dass ich doch sehr gut auch eine Synchronisation der wichtigsten Browserinhalte auf mein brandneues Android-Smartphone gebrauchen könnte. Wie sich schnell herausstellte, waren jedoch jegliche Firefox-Versionen und -Ableger für die mobile Plattform zu diesem Zeitpunkt weder ergonomisch noch performant geschweige denn in der von mir erwarteten Weise funktional. Noch ein Reinfall also.

Auch die Stabilität und Performanz des Browsers waren mittlerweile nicht mehr das, was ich aus Version 2 gewohnt war. Vorausgesetzt, dass ich wirklich alle Plugins installiert hatte, die ich für meine Bedürfnisse brauchte, wurde der Browser nach und nach immer behäbiger. Die Startzeit der Anwendung war am Ende unerträglich, und mindestens einmal pro Woche fror sie aus nicht ersichtlichen Gründen zeitweise oder vollständig ein oder stürzte gleich komplett ab. Als sich dann schließlich offenbarte, dass die Firefox-Entwicklung auf Rapid-Release-Zyklen von 6 Wochen umstellte, sah ich die Leiden eines Updates regelmäßig auf mich zukommen (Interface anpassen, Erweiterungen suchen und testen, Synchronisation einrichten und prüfen). Noch dazu musste man diese Updates als Benutzer manuell anstoßen oder zumindest bestätigen und beaufsichtigen, und so fiel für mich der Hammer. Ich war von nun an offiziell vergrault und auf der Suche nach einer Alternative.

Über eine Empfehlung bin ich so – durch Privatsphärenparanoia zunächst Google-skeptisch – auf die quelloffene Variante “Chromium” gestoßen, dessen gleichnamiges Softwareprojekt die Code-Basis für den bekannten Google Chrome Browser ist. Chromium bietet sich vor allem auf Linux-Distributionen an, die ihn teilweise in ihre Repositories aufgenommen haben und so automatisch mit Updates versorgen. Auf Windows-Systemen gibt es für Chromium diese automatischen Updates hingegen nicht, daher fiel meine Wahl schließlich doch auf den offiziellen Google-Browser.

Im Vergleich zum klassischen Firefox ist das Interface von Chrome sehr spartanisch gehalten, die klassische Menüleiste sucht man vergebens und das Einstellungsmenü ist Gewöhnungssache. Trotzdem lassen sich fast alle Funktionen und mittlerweile sogar die meisten Erweiterungen, die man von Firefox kennt, auch in Google Chrome einrichten. Das einzige, was ich immer noch ab und zu vermisse, ist die anwendungsinterne Einrichtung eines Proxy-Servers, Chrome ist hier lediglich in der Lage, die globalen Systemeinstellungen zu übernehmen.

Auch im Bereich Performance und Stabilität bin ich von Chrome selbst mit diversen installierten Plugins noch nicht enttäuscht worden. Nicht zuletzt hängt das  damit zusammen, dass der Browser sehr stark modularisiert ist und alle geöffneten Tabs und  einzelne Erweiterungen in eigenen Prozessen laufen.

Letztendlich ist dieser Weg für mich als Google-Nutzer nicht nur lohnend sondern vielleicht sogar unvermeidlich gewesen. Denn nun fügt sich alles wie von selbst zusammen: Die Synchronisation zwischen Desktop, Laptop und Smartphone, die automatischen Hintergrund-Updates auf allen Geräten, die reibungslose Integration der Google-Dienste in meine Hardware und eine Geschwindigkeit und Verlässlichkeit, die ihresgleichen sucht. Privatsphäre hin oder her: ich glaube daran, dass ich im Medienzeitalter ohnehin gläsern bin. Und wenn ich daran schon nicht vorbeikomme, möchte ich es bitte wenigstens bequem haben.

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7 Gedanken zu „Eine subjektive Browserempfehlung: Mein Weg von Firefox zu Chrome

  1. Find ich gut! Ich habe auch eine Schwäche für den Fox, bin aber seit Jahren Google-Fan aus den von Dir genannten Gründen: dass die Schnittstellen zwischen den Diensten (fast völlig) verschwinden, ist einfach Gold wert. Ich würde mich nicht wundern, wenn irgendwann jemand anders auch auf den Dreh kommt…überrascht mich direkt, wenn ich das so lese, warum nur Google das versucht hat…

  2. JScheibe

    Danke für das Feedback! Ja, Google scheint einer der wenigen Konzerne zu sein, die (fast) immer genau wissen, mit was sie wann und wo ihre Nutzerkreise erweitern können. Und das von Dir erwähnte Schwinden der Schnittstellen sorgt mit dafür, dass sie ihre Nutzer auch halten. Ganz zu schweigen davon, dass sie für Trends und Entwicklungen auch einfach immer die Kapazitäten frei haben.

    Ich habe im Zuge des Schreibens ein wenig recherchiert und mehr oder weniger rausgefunden, dass ich mittlerweile fast zurückwechseln könnte, will heißen: in der Zwischenzeit hat sich bei Firefox einiges getan. Aber die Simplizität von Google-Anwendungen ist inzwischen ebenfalls ein mächtiger Magnet für mich geworden und auch zurück zu gehen wäre eine Migration, die ich mir sparen kann. Schade, Firefox! Denn ich glaube, bis Google mich enttäuscht und zu Alternativen zwingt, wird einige Zeit vergehen.

  3. Lennart Bolduan

    Ich nutze Chrome und ich stehe ebenfalls dazu.
    Meine Meinung:
    Datenschutz und Privatsphäre – gibt’s ehh ‘nur’ Offline.
    Synchronisation, Performance und Stabilität sind Online.

    Ich habe keine lust mich mit den Kinderkrankheiten des 20 Jahrhunderts rumzuschlagen – wenn ich mehrere Geräte nutze:
    1. Desktop
    2. Laptop
    3. Smartphone
    4. und wechselnde Rechner wie:
    4a.Öffentliche Rechner (Bibliothek, Internetcafé, etc.)
    4b.Bei Freunden am Computer was Recherchieren muss
    4c.Den Eltern den Rechner reparieren muss
    4d.Der Freundin etwas Installieren muss

    dann möchte ich EINEN Zugangspunkt / Arbeitsplatz fürs Internet haben. Chrome + Dein Googlekonto haben deine Favoriten dabei, deine Mails, deine Passwörter, sämtliche Links, dein “Drive” (Art Festplatte) und sogar deine PUGINS und ADBLOCKER vom anderen Rechner… einfach alles.

    Und das spart mit Zeit und Nerfen!
    Darum Chrome oder Chromium – Daumen hoch!

  4. JScheibe

    …traurig aber wahr:

    In meinem Thinkpad habe ich nur 2GB RAM und Chrome geht mit dieser Ressource leider alles andere als sparsam um, weswegen ich in letzter Zeit gehäuft Meldungen von Windows erhalte, ich möchte doch bitte ein paar Programme schließen, da mir sonst Datenverlust drohe.

    Momentan benutze ich daher wieder Firefox (24.0) – der sich im Übrigen sehr schön weiterentwickelt hat (z.B. silent update, Stabilität und Geschwindigkeit…) – und wenn er mir gefällt, evtl. auch über das bald fällige RAM-Update hinaus.

    Sehr interessant finde ich außerdem die Möglichkeit, die Firefox-Sync über einen eigenen Server laufen zu lassen, auch wenn mich der Einrichtungs- und Pflegeaufwand für einen solchen Server eher abschreckt…

  5. JScheibe

    .. wie sich bereits abgezeichnet hat, bin ich nun wieder fest bei Firefox. Er zickt zwar nach wie vor etwas herum, vor allem bei vielen gleichzeitig geladenen Flash-Instanzen, und ganz so performant wie Chrome ist er auch nicht.
    Aber an die verschwundene Menüleiste habe ich mich nach dem ähnlich simplizistischen Grunddesign von Chrome doch recht schnell gewöhnt und finde die Platzersparnis auf meinem 1024-px-Display nicht unerheblich.
    Was mich außerdem an Chrome schockiert hat: man fängt irgendwann an zu merken, wie Google versucht, das ganze Leben zu übernehmen. Besonders die Chrome Apps, die sich mit der Browserinstallation mittlerweile mit ins System schleichen, sind mir doch zu präsent, um nicht zu sagen aufdringlich. Als Fan freier Software bin ich froh, wieder bei FF zu sein, aber die Google-Dienste werde ich wohl noch eine Weile benutzen…

  6. Ich bin als entwickler auch sehr zufrieden mit Chrome. Firefox hatte zwar Tip Top AddOnd für Entwickler wie z.B. firebuck, doch die ab Werk gelieferten Entwicklertools von Google stehen dem in nichts nach. Am meisten schätze ich eigentlich die Performance und besondere Plugins für Remote-Controll ohne Teamviewer. Auch das Multi-Konten-System macht mir das leben sehr viel einfacher, da ich nicht nur 1 Google acount habe. Da ich als Entwickler auch für andere Unternehmen tätig bin bekomme ich dort auch einen Google-Account und kann so leicht und schnell dazwischen hin und her springen.

    Das gröste Manko von Chrome ist jedoch, dass er keine 64-bit Plugins unterstüzt und damit z.B. Java 7 nicht ausführbar ist. Hier muss ich dann doch wieder auf einen anderen Browser zurückgreifen.

    Ansonsten sehr zufrieden.

  7. Nur leider bietet Chrome immer noch keine Tagfunktion für Lesezeichen an, oder? Das hält mich momentan immer noch vom Wechsel ab. Ich nutze in Firefox viele Tags, um meine Lesezeichen schnell (z.B. per Eingabe in die Adressleiste) wiederzufinden. Lässt sich das in Chrome vielleicht per Plugin nachrüsten?

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