Erste Schritte in den virtuellen Klassenraum

Nachdem ich vor langer, langer Zeit von meiner ersten Erfahrung mit Second Life berichtet habe, gibt es heute einen Erfahrungsbericht zur Arbeit mit Adobe Connect. Ähnlich dem Artikel von Mandy Wegener, aber wieder mit dem Ziel die Furcht vor dem unbekannten Werkzeug zu senken.

Ich habe schon an einigen Sitzungen als Teilnehmerin/Co-Moderatorin teilgenommen, mich aber bisher ein wenig vor der ersten eigenen Adobeschulung “gedrückt”. Zuviel Ehrfurcht hatte ich vor dem eventuellen Auftreten technischer Schwierigkeiten.

Bei dem Probelauf gab es dann auch schon das gefürchtete Hindernis, es gelang mir auf virtuellen Weg nicht, der einzigen Teilnehmerin über die Schwelle zur Audiofunktion zu helfen.

Meine Empfehlung? Verzicht.  Da das “Zuhören” unproblematisch bleibt, ist es bedeutend einfacher die Teilnehmer auf den Chat ausweichen zu lassen als aus der Entfernung zu sehen wo der (Anwendungs)fehler liegt.

Alle anderen Funktionen sind einfach und ziemlich selbsterklärend, für Einsteiger finden sich zudem viele Hilfen als Leitfaden bei uns, auf den Seiten von Adobe oder frei im Netz. Das Einrichten des “Meetingraums” mit den verschiedenen Pads ist sehr leicht. In unserem Fall hatte ich eine Auswahl an Dokumenten zum Download und hilfreiche Links im Vorfeld bereitgestellt. Der Bildschirm (bzw. gezielt einzelne Fenster) können einfach zur Ansicht freigeben werden.

Welche Tips halte ich noch für wichtig:

  • Ein Headset sollte unbedingt benutzt werden, bei der Kameraverwendung ist -wie immer – auf die Ausleuchtung (und möglichst einfarbige Kleidung) zu achten
  • ein zweiter Ansprechpartner der den Chat im Auge behält und bei technischen Fragen hilft ist sehr zweckmäßig. Ein Co-Moderator kann außerdem für Abwechslung sorgen, kleine Zeiten zur eigenen Informationssuche/Vorbereitung überbrücken und/oder zu dominante Teilnehmer in seperaten Chats zufrieden stellen
  • Denken Sie daran, die Mikrofoneinstellungen für die Teilnehmer freizugeben (je nach Teilnehmeranzahl: die ganze Zeit oder für Fragerunden nach den Präsentationen, für alle oder mit “Meldung”)
  • Ich fand es sehr hilfreich mich auf einem mobilen Endgerät als stiller Teilnehmer/Gast in die Sitzung einzuklinken und die ordentliche Darstellung der Inhalte so im Auge zu behalten
  • Schalten Sie Telefone möglichst aus oder stumm, weisen Sie ggf. mit einem Türschild auf die nötige Ruhe hin
  • Senden Sie den Teilnehmern die Logindaten und den Link mit der genauen Uhrzeit (Zeitzonen beachten; in unserem Beispiel war es 9:30 a.m. MEZ/2:30 p.m. ICT)
  • Bitten Sie die Teilnehmer um ein früheres Login um die Audioeinstellungen zu prüfen und anzupassen (wird als Menü vom System angeboten)

Was ich extrem schwierig fand, war die Präsentation ohne Feedback. Wenn wir sonst unsere Werkzeuge schulen haben wir immer die Möglichkeit auf die Bildschirme zu schauen, die Teilnehmer fragen schneller und man hat Tempo und Aufmerksamkeit gut im Blick. Es gibt bei Adobe viele Möglichkeiten ein virtuelles Feedback einzuholen. Hier habe ich noch großen Übungsbedarf – finde es aber sehr lohnenswert mich darauf einzulassen.

Sicherlich können erfahrene Adobe-Nutzer meine Empfehlungsliste noch erweitern – unsere Kommentarliste wird sich freuen…

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6 Gedanken zu „Erste Schritte in den virtuellen Klassenraum

  1. Eugen

    Adobe Connect ist auf jeden Fall ein mächtiges Werkzeug, das eine längere Auseinandersetzung bedarf, bevor man dort heimisch wird. Wie bei allen digitalen Lehrräumen mit vielen Interaktionsmöglichkeiten stößt man immer wieder an technische Grenzen und der Organisationsaufwand ist auch nicht zu vernachlässigen. Man muss hier leider, wie du geschrieben hast, konstatieren, dass eine bidirektionale Kommunikation etwas schwierig ist und dass ein reger Austausch allein an der subjektiv großen Verzögerung bei der Übertragung scheitert. Diese Verzögerung ist jedoch physikalisch bedingt und ist auch beim Telefonieren in ferne Länder zu spüren.

    Für eine frontal ausgerichtete Wissensvermittlung ist Adobe Connect da schon viel eher geeignet, da es die Möglichkeit bietet, fast jeden Inhalt an die Teilnehmer zu übertragen. Es wäre noch interessant zu wissen, ob Videos und Animationen einigermaßen flüssig übertragen werden und wo genau die Grenze der Teilnehmer liegt, ab der die Performance von den Adobe Connect Servern nicht mehr ausreicht.

    Auch bei der Assistenz des Vortragenden sind auch viele Möglichkeiten gegeben, wie z.B. die Übergabe der Kontrolle über die eigene Präsentation oder das Wechseln des Präsentierenden “on the fly”.

  2. Ein sehr schöner, praktischer Artikel — den werde ich gleich an meine nächste Ausbildungsgruppe weiterreichen, denn das Interesse an Adobe Connect ist in diesem Jahr erstaunlicherweise höher als ich es je erlebt habe. Besonders der Hinweis, dass man mit Tandem Teaching (also mit einem Co-Teacher oder Tutoren) bedeutend weiterkommt, ist sehr hilfreich. Das habe ich insbesondere in Second Life festgestellt.

    Was die Einsatzbreite anbetrifft, habe ich gute Erfahrungen mit dem Einsatz dieses Werkzeugs gemacht, wenn ich interaktive Übungen, Umfragen, gemeinsames Konzipieren am Whiteboard etc. einbaue. Die Beteiligung ist dann in regulären Lehrveranstaltungen äußerst hoch. Präsenzlehre ersetze ich bisher nicht damit, sondern setze das Werkzeug dann ein, wenn keine Präsenzlehre stattfinden kann. Aber ich weiß, dass es an der HWR im MBA Bereich Fernkurse gibt, die ausschließlich, und sehr erfolgreich, mit Adobe Connect arbeiten.

  3. susannemey

    Danke für das Feedback. Ich hatte heute früh die nächste Adoberunde mit einer Kollegin aus Vietnam und es lief -zumindest für mich – schon wesentlich entspannter. Gibt es ein Bild einer fertigen gemeinsamen Whiteboardkonzeption?

  4. Andrea Männel

    Liebe Susanne, vielen Dank für Deinen Artikel.
    Als Dozentin/alleinige Veranstalterin im virtuellen Fachhochschulverbund ging es mir bei meinen ersten Erfahrungen im Adobe Connect Classroom genau wie Dir. Einmal den Bildschirm freigegeben und maximiert, damit die gerade präsentierte Software gut erkennbar ist, hatte ich nach zwei drei Minuten das Gefühl, ich säße alleine da. Das Gefühl ins Leere zu sprechen – die Lebendigkeit ging verloren und andere Dozierende berichteten mir ähnliches.

    Ein Umschalten auf die Sicht, in der die Avatare der Teilnehmerinnen sichtbar ist verbunden mit der Bitte, sie mögen mir eine Statusmeldung geben, ob sie mich gut hören und sehen, endete darin, dass ich meine Aufmerksamkeit auf genau die zwei Studierenden richtete, die nicht reagierten. Ich wartete, bis auch diese die Funktion Status ändern gefunden hatten oder von der Küche wiederkamen. So stockte der Vortrag regelmäßig.

    Nun, zum einen lässt das Gefühl, in die Leere zu sprechen, mit jeder Veranstaltung ein bisschen nach. Hilfreich war für mich auch, mit den Studierenden auszumachen, dass sie mir im Chatfenster
    ein + für ja/lauter/ok eintippen,
    ein – für das Gegenteil
    und +- für egal.
    (Es ergaben sich dann noch ++ und — oder gar ++++ in der Interaktion). Auf diese Weise “fließt” das Chatfenster, was im Vergleich zur Statusmeldung eine Lebendigkeit vermittelt und die Aufmerksamkeit wird nicht auf eine einzelne fehlende Meldung gerichtet sondern die Veranstalterin bekommt einen “Eindruck”, wenn ganz schnell oder eher schleppend die Meldungen im Chatfenster erscheinen.

    Wir haben im Masterstudiengang Educational Media an der Universität Duisburg-Essen bis auf die Semesteranfangs- und -Endpräsenztreffen unsere Treffen ausschließlich mit Adobe Connect durchgeführt und dabei auch ein Training mit Zertifikat zum Virtuell Classroom Moderator bekommen.
    Dieses Gefühl des “in die Leere sprechens” hatten wir als dort als Veranstalter weniger, weil wir in interaktiven Peer-to-Peer meetings, deren Ziel hauptsächlich ein Erfahrungsaustausch in der Onlinephase war, eher Mühe hatten, die Interaktion in ein produktives Maß auf die jeweilige Agenda hinzumoderieren 😉

    Als Lehrkraft für besondere Aufgaben für betriebliche Informationssysteme mit Schwerpunkt ERP insbesondere SAP an der HWR Berlin freue ich mich darauf, im kommenden Semester die Präsenzlehre gerade in einer Veranstaltung, in der Studierende in London Praktika absolvieren, Elemente im Blended Learning durchzuführen. Bin schon sehr gespannt auf Marcus Ausführungen zu diesem Thema in der Begrüßungsveranstaltung. am_web

  5. susannemey

    Hallo Andrea,
    danke für Deinen Erfahrungsbericht. Die Idee mit dem Chatfenster ist bestimt hilfreich für viele Dozent/innen.

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