Mit Erasmus nach Poznan

Marktplatz von Poznan (eigenes Bild)
Marktplatz von Poznan (eigenes Bild)

Meine Reise zum Thema gutes E-Learning in anderen Hochschulen ging diesmal nach Poznan.

Die Kolleginnen von unserem International Office erzählten mir in der Mensa, dass der Besucher der polnischen Partnerhochschule Wyższe Szkoły Bankowe in Poznan an der HWR im Gespräch auf die reiche E-Learning-Erfahrungen seiner Hochschule verwies. Aus dem kurzen Erfahrungsaustausch ergab sich spontan eine Einladung und mit der schnellen unbürokratischen Unterstützung vom Erasmus-Team war ich bald nach Poznan unterwegs.

WSB Poznan (eigenes Bild)

Die Hochschule gehört zur WSB Group, der größten Einrichtung privater Hochschulen in Polen. Sie bieten eine Vielzahl von wirtschaftlichen Studiengängen, von den ca. 9000 Studierenden in diesen Studiengängen sind über 70% berufstätig und studieren nur in Teilzeit.

Die Schule erreicht gute Rankings, der  Studiengang “Executive MBA” (als Kooperation mit der Aalto University School of Business – Träger der “Triple Crown’ of accreditations”) ist z. B. immer bei den besten Studiengängen Polens gelistet.

Und auch im Bereich E-Learning wollen sie Trends setzen. An der Hochschule in Poznan gibt es daher ein gutes E-Learning-Team bestehend aus 6 Personen (davon ist eine Person im Videostudio tätig). Über 100 Kurse wurden bereits professionell überarbeitet. E-Learning ist dort kein Angebot, sondern eine echte Verpflichtung.

Als Grundlage gilt – seit 10 Jahren – eine Strategie der ganzen WSB Gruppe, bei dem der technologischen Aspekte des didaktischen Prozesses Beachtung findet. Im Endeffekt werden alle angebotene Fächer durch entsprechende Kurse auf der Lernmanegementsystem Moodle unterstützt.

Im Rahmen des breit verstandenen Bologna Prozesses wurden durch die Regierung für akademische Lehrbereiche learnig-outcomes-Kataloge formuliert. Anhand von den Katalogen als Richtlinien wurde jede Hochschule verpflichtet, eigene Studienrichtungsspezifische LO-Kataloge zu verfassen. Die LO umfassen Wissen, Fertigkeiten und Sozialkompetenzen. Die Hochschulen ordneten den Unterrichtsfächern in einer Matrix die betreffenden Lernziele zu und generieren daraus einen Lernzielplan für jedes Fach.

Dieser Plan wird dann mit einer Lehrkraft (als Koordinator/in für das betreffende Fach) abgestimmt bzw. gemeinsam erarbeitet.

Neben den Vorgaben des Ministeriums fließen in die Lehrplanung die Elemente der Bloom’schen Taxonomie ein. ADDIE – ein Planungsmuster des Instructional Design – sichert die dauerhafte Qualität. Es besteht aus den Elementen:

  • Analysis
  • Design
  • Development
  • Implementation
  • Evaluation

Für jedes zu erwartende Lernergebnis werden angemessene Lehrmethoden, gezielte Aufgaben der Studierenden, passende Prüfungsformen und ein genaues Lehrprogramm  festgelegt. Die erwähnten Elemente bilden dann einen Moodle-Kurs, der den Lernprozess unterstützt.

Im Zuge der Umstellung wurden auch die Prüfungsbedingungen neu gestaltet. Statt vieler einzelner Klausuren am Enden jedes Fachs legen die Studierenden nur eine Abschlussprüfung in Moodle ab. Die Prüfungsfragen und -aufgaben werden fachspezifisch in Moodle-Fragen-Pools eingesammelt und zu jedem Prüfungstermin nach Zufallsprinzip neu geordnet. Die Ergebnisse der Semesterprüfung gelten als Maßstab der Leistung für Studierenden und Lehrkräfte.

Neben der didaktischen Planung und Beratung bietet das Team Schulungen und Workshops an und initiiert die Einbindung technischer Neuerungen.  Sie arbeiten z. B. an einem eigenen Moodle-Plugin zur bequemeren Anzeige der meistgenutzten Kurse. Für Videoaufnahmen gibt es ein eigenes, mobiles Studio auf technisch hohem Niveau.

PoznanHochschuletechnik
Filmstudio (eigene Bilder)

PoznanHochschuleAufnahmestudio

PoznanHochschuleLicht1

PoznanHochschuleKameramitPromter

 

 

 

 

Einige Vorträge werden mit dem Grafiktablet aufgezeichnet. Mit ispring werden Präsentationen aufbereitet, in HTML5 umgewandelt, aufgehübscht und als interaktive Lernmaterialien in Moodle den Studierenden zur Verfügung gestellt. Die fertig gestalteten Kurse sind dann die Grundlage der Lehre im betreffenden Fach. Hier liegt dann auch die Schwierigkeit: Die Erfahrungen aus Poznan direkt auf die HWR zu übertagen. Die strikte Vorgestaltung der Moodlekurse stände hier im Widerspruch zur Freiheit der Lehre (vgl. GG Art. 5 und  HRG § 4).

Zusammenfassend war der Austausch mit dem E-Learning-Team aus Poznan sehr intensiv. Wir haben uns viele Werkzeuge, Anwendungen, Best-Practice-Kurse angeschaut und Erfahrungen ausgetauscht. Ich bedanke mit noch einmal herzlich für die nette Betreuung vor Ort!

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