Netzneutralität?!

Seit die Telekom vor ein paar Wochen ankündigte, zukünftig die in einem Flatrate Tarif enthaltene Datenmenge zur Internetnutzung zu begrenzen bzw. nach dem Verbrauch eines gewissen Datenvolumens die Geschwindigkeit zu drosseln, ist einen neue Debatte um den unbegrenzten Zugang zum Internet und die Netzneutralität entbrannt. Wer im Besitz eines Smartphones und einer schnellen Internetverbindung in den eigenen vier Wänden ist, dem ist es schwer vorstellbar, die bei den gängigen Smartphone Tarifen noch übliche Begrenzung der Datenmenge auch bei der heimischen Flatrate erfahren zu müssen. Ist das nicht ein Rückschritt zu den Zeiten in denen beispielsweise die Internetverbindung gleichzeitiges Telefonieren unmöglich machte?

Meiner Meinung nach liegt gerade der Erfolg von Social Media und eigentlich allen natürlich mit entsprechender Werbung bestückten und somit rentablen Seiten darin, dass sich niemand mehr Gedanken über die Zeit macht, die beim Surfen verstreicht jedenfalls nicht aus Kostengründen. Ganz abgesehen von dem Bedürfnis sich ständig zu informieren oder das Internet zur Recherche und Kommunikation während der Arbeit zu nutzen. Die Umstellung auf z.B. “papierlose” Büros und schnelle unkomplizierte Kommunikation sollte doch das Ziel sein? Ganz ehrlich hatte man sich die Entwicklung für die Zukunft doch genau umgekehrt vorgestellt in der das Internet schneller und unbegrenzter wird und es mit der Entwicklung von entsprechenden Geräten noch mehr Nutzungsmöglichkeiten für unseren Alltag bietet. Natürlich muss dafür auch die nötige Infrastruktur ausgebaut werden damit auch in ländlichen Gebieten ein schneller Internetzugang möglich ist. Die Deckung der Kosten für diesen Ausbau mit einer Begrenzung der Datenmenge zu erreichen scheint mir nicht besonders sinnvoll. Bereits in den vergangen Jahren haben wir erlebt wie wichtig das Internet z.B. für Protestbewegungen ist und oft die einzige Möglichkeit um international Aufmerksamkeit zu erlangen.

Natürlich ist eine Begrenzung der Datenmenge nicht gleichzusetzen mit staatlicher Zensur dennoch ist die Abschottung von Syrien aus dem Datenverkehr oder die Sperrung von Webseiten wie in China ebenfalls ein Eingriff in die freie Nutzung des Internets. Eine unbegrenzte Flatrate sei auch weiterhin möglich, so die Telekom, mit dem Erwerb der teuren Premium Tarifen. Dieses Angebot ist somit nur für einen begrenzten Kundenkreis erschwinglich. Es werde damit eine Art Zwei -Klassen-Internet eingeführt so die Kritiker. Sieht man dies auch im Zusammenhang mit der Entwicklung von E-learning Angeboten die Teilnahme an Bildung weltweit jedem ermöglichen möchten oder diese wesentlich kostengünstiger und vom Ort unabhängig gestalten sollen ist eine Begrenzung der Datenmenge doch kontraproduktiv. Gerade für bildungsferne Schichten müsste der Zugang zum Internet und zu diesen Angeboten doch eher günstiger als teurer werden. Bei Firmen die weiterhin jedes Jahr Milliardengewinne einfahren ist es schwer nachzuvollziehen, dass diese Datenbegrenzung unumgänglich sei um den Netzausbau zu sichern. Der Eindruck könnte entstehen, dies hängt eher mit dem Preiskampf um die Flatrate Tarife zusammen. Mit der vorherrschenden Marktstellung kann man dies auch als Versuch sehen diese Position auszunutzen um wieder höhere Tarife von den Kunden zu verlangen. Auch von Seiten der EU erntete dieser Vorhaben der Telekom Kritik und auch einige deutsche Politiker appellierten an die Telekom diese Entscheidung für einen Datenbegrenzung zu überdenken. Besonders sehen die Kritiker die Telekom in der Verantwortung für Transparenz und Netzneutralität zu sorgen. Das eigene Angebot dürfte nicht bevorzugt und andere Anbieter diskriminiert werden. Ich denke diese Drosselung wird langfristig nicht aufrecht zu erhalten sein. Außerdem stehen Internet Anbieter bereits in der Kritik den Kunden oft nicht die versprochene Internet Geschwindigkeit zur Verfügung zu stellen die vertraglich vereinbart wurde. Gerade wurde eine Online-Petition für ein Gesetzt zur Wahrung der Netzneutralität eingereicht die bis Juni 50.000 Unterstützer benötigt (weiter dazu SPON Artikel).

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7 Gedanken zu „Netzneutralität?!

  1. JScheibe

    Dass solche Maßnahmen überhaupt erwogen werden und dann öffentlich abgewiegelt werden müssen, zeugt in meinen Augen wieder einmal von der generellen Tendenz zur Hirn- und Verantwortungslosigkeit in der Unternehmens- (bzw treffender: Konzern-)welt.

    Telekom: setzen, 6. Bis auf Weiteres fristlose verordnete Nachhilfe in Humanität und Grund- und Menschenrechten! Womit wir mal wieder beim Thema sind, dass viele Rechtsvorschriften im Bereich Telekommunikation dringend restaurierungsbedürftig sind…

  2. Lisa G.

    Danke für die treffende Zusammenfassung, Mareike!
    Ich kann mich JScheibe nur anschließen. Man kann sich als Nutzer kaum vorstellen, wie man in so einem Unternehmen tatsächlich erwägen kann, so eine Drosselung vorzunehmen. So schießt die Telekom sich selbst ins Aus und die Wettbewerber reiben sich jetzt sicherlich die Hände!
    Für viele Nutzer ist der ‘unbegrenzte’ Internetzugang und der dazugehörige Preis einer der Hauptgründe sich für einen bestimmten Anbieter zu entscheiden (zumindest erlebe ich das persönlich und in meinem Umfeld so). An dieser Stelle Abstriche zu machen kommt mir daher unsinnig vor. Da das Internet, besonders über Software wie “Whatsapp” immer weiter die altbekannten Kommunikationsmittel (SMS und Telefonier) ablöst, ist allerdings auch klar, dass hier der so ziemlich letzte Ansatzpunkt für Einsparungen bzw. höhere Profite liegen kann… Jetzt, da sich der Fokus Richtung Internet verschiebt kann ich mir gut vorstellen, dass mit ansteigender Nachfrage auch irgendwann die Preis steigen werden. Wettbewerb im Telekommunikationsmarkt hin oder her.

  3. Eugen

    Man beachte noch, dass die Drosselung für bestimmte Dienste nicht gelten soll. Diese werden von der Telekom vermarktet und bekommen somit einen entscheidenden Vorteil im Wettbewerb. Damit kann ein Provider entscheiden, welche Kommunikationskanäle priorisiert werden. Grausige Vorstellung und natürlich nicht im Sinne des freien Internets.

  4. Dominik

    Der Vollständigkeit halber: Wer hindert einen am Wechseln? Okay, wer in einem Festvertrag mit Laufzeit hängt oder einen Kombitarif nutzt, hat jetzt natürlich für die Restlaufzeit das Nachsehen. Aber generell, genau wie mit Stromanbietern oder sonstigem, passt mir das Leistungsangebot nicht, behalte ich doch nicht den Anbieter.

    Ob jetzt natürlich andere Unternehmen nachziehen, ist die Frage, da diese ja Netzentgelte an die Telekom abführen müssen und bei Erhöhung dieser Entgelte (seitens der Telekom) das dann ja höchstwahrscheinlich an die Kundern weitergegeben werden. Wobei das Thema Netzausbau(-kosten) eigentlich m.M. ein politisches ist, da diese ja das Netz via Behörde reguliert, also die Telekom “beauftragt” und als “Beauftragten” (= Betreiber) überwacht. Durch die stetige Zunahme der Datenvolumen muss natürlich in Infrastruktur investiert werden. Wenn die Telekom dies nicht mehr handlen kann, muss das halt jemand anderes tun (z.B. eine Behörde – aber nur für das Netz!). Das Problem der Telekom ist ja nicht ihr “privates” Geschäft, sondern der Netzbetreiberauftrag. Nunja, wir warten es mal ab.

  5. Mareike

    richtig, aber in manchen Regionen hat man überhaupt keine Wahl soweit ich weiß muss man dort mit der Telekom auskommen und hat keine Alternative. Dies gilt denke ich mal auch für Unternehmen die Langzeitverträge mit der Telekom haben. Meiner Meinung nach müsste vieles schneller umgesetzt werden und den Standards in anderen vergleichbaren Ländern entsprechen z.B. auch beim Internet in den Zügen der Deutschen Bahn welches ebenfalls nur mit einem Angebot der Telekom möglich ist und man glaube es kaum 2013! noch nicht in allen ICEs zur Vefügung steht.

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