OKI: vom Chatten zum wissenschaftlichen Arbeiten

OKI: vom Chatten zum wissenschaftlichen Arbeiten

Vorlage von Pexels.com, CC0-Lizenz

 

Die meisten Studierenden kennen sie bereits persönlich: die viel gefürchtete wissenschaftliche Arbeit in Form von Seminar-, Haus- oder Abschlussarbeit. Sie ist zwar häufig mit wochen- oder gar monatelanger Anstrengung, viel Disziplin und Selbstmotivation verbunden, trotzdem aber gar nicht so schlimm, wie ihr Ruf…

Fragen, fragen, fragen ...

 

Welche Literatur gibt es zu einem bestimmten Thema und wo kann ich sie finden? Wie soll ich in der Informationsflut den Überblick bewahren? Wie komme ich am schnellsten an meine Literaturquellen?...

Wenn man erstmals davorsteht, eine wissenschaftliche Arbeit zu schreiben, mag das vielleicht unüberschaubar oder äußerst kompliziert erscheinen. Eine monströse Menge an Literatur, Theorien und Methoden kommt einem entgegen.

Wie organisiere ich mich selbst? Welche Schritte muss ich wann und wie gehen?... Oft sieht man die Arbeit als einen riesigen Berg. Dabei liegen die Antworten auf der Hand: der „magische Schlüssel“ ist immer, diesen Berg in kleine, überschaubare „Hügel“ zu unterteilen, die man nacheinander bewältigen kann…

Aber wie?

Hier kann OKI helfen!

 

Es ist schon (fast) soweit: man hat am FB 2 der HWR einen klugen digitalen Assistenten entwickelt, der die Studierenden nicht nur bei der Literaturrecherche und -organisation, sondern auch bei dem Zeitmanagement und bei der Planung und Strukturierung von wissenschaftlichen Arbeiten unterstützt.

Doch wie funktioniert das genau?

OKI besteht aus einem Chat als Client und einem Server mit verschiedenen Komponenten. Der Server enthält insbesondere Schnittstellen zu verschiedenen Datenbanken, z. B. dem Directory of Open Access Journals (DOAJ), SpringerLink oder EBSCOhost. Eine KI-basierte Zugriffslogik und vorgefertigte Projektkontexte, wie z. B. zum Bearbeiten einer Bachelor- oder Masterthesis, helfen bei der Kommunikation mit dem Benutzer.

 

eigenes Bild

 

Der Client ist als Chat konzipiert und kann von einer Vielzahl von Endgeräten wie Smartphones, Tablets oder Desktop-PCs genutzt werden. Die natürlich-sprachliche Interaktion ermöglicht eine einfache Nutzung, die auch mobiles und verteiltes Arbeiten unterstützt. In OKI schreibt der Nutzer freitextlich seine Anfrage als ob er mit einer „echten“ Person chatten würde. Der eingegeben freie Text wird dann mithilfe einer NLP (Natural Language Processing) Komponente ausgewertet. NLP sind Techniken und Methoden zur maschinellen Verarbeitung natürlicher Sprache. Der Einsatz von maschinellem Lernen trägt dazu bei, dass der hilfsbereite Assistent (also seine „Intelligenz“) umso besser wird, je mehr man ihn verwendet. Schließlich lernt er immer besser, die genauen Absichten des Benutzers zu erkennen und einen echten Ansprechpartner zu simulieren.

In OKI sind allgemeine wissenschaftliche Projektpläne, d.h. die typischen Schritte bei der Erstellung einer bestimmten Hausarbeit, integriert. Der Assistent gibt aber dem Nutzer die Möglichkeit, die vordefinierten Projektpläne genauer auf seine jeweiligen Anforderungen und Bedürfnisse zuzuschneiden. Dazu bekommt man eine Weboberfläche angezeigt, wo man die vordefinierten Termine und Projektschritte verändern kann:

eigenes Bild

 

Will der Benutzer noch eine zusätzliche spezifische Aufgabe zu seinem Projektplan hinzufügen, so kann er das zu jedem beliebigen Zeitpunkt machen, indem er eine kurze Beschreibung und eine voraussichtliche Dauer eingibt. Der freundliche Assistent fügt die Aufgabe zum Projektplan hinzu und erinnert daran, wenn es fällig ist. Oft bekommt man, passend zum jeweiligen Projektschritt, auch nützliche Tipps und Hinweise rund um das Thema „wissenschaftliches Arbeiten“.

Neben dem Projektmanagement, unterstützt OKI den Benutzer auch bei einem Teil der Literaturrecherche. Dabei konzentriert er sich auf die thematische Suche: man gibt passende zu seinem Thema Suchbegriffe ein und bekommt die verschiedenen Suchergebnisse in ein einheitliches und mobil optimiertes Format angezeigt. Daraus ergibt sich auch einer der großen Vorteile des Assistenten: man kann ihn ganz bequem und zeitsparend z.B. unterwegs, in der Bahn, im Bus, im Café usw. nutzen und sich Abstracts von wissenschaftlichen Artikeln anzeigen oder sogar vorlesen lassen. Auch kleinste Zeitfenster werden somit effektiv für die wissenschaftliche Arbeit nutzbar.

Hat man einmal seine Suchbegriffe eingegeben, so sucht OKI im Hintergrund täglich nach geeignete Literatur und informiert den Nutzer, sobald etwas Neues gefunden wurde. Man kann die passenden Vorschläge als interessant markieren und bekommt so eine Literaturliste mit Links zu unterschiedlichen Artikeln erstellt, die jederzeit aufrufbar ist.

 

eigenes Bild

 

Es klingt alles zu schön, um wahr zu sein, aber ...

…Verlernt man durch die Nutzung des digitalen Assistenten nicht grundlegende Recherchefähigkeiten? Bleibt einem „das Handwerk“ des wissenschaftlichen Arbeitens auf diese Weise nicht erspart?

 

Diese Fragen würde sich manch einer Leser bestimmt stellen. Der Einsatz einer „KI-Hilfe“ beim Erstellen einer wissenschaftlichen Hausarbeit klingt auf den ersten Blick vielleicht etwas verwirrend, wenn nicht sogar unangemessen und fast schon kriminell. Doch wenn man die Funktionalitäten und die Arbeitsweise von OKI näher kennenlernt, erkennt man, dass der virtuelle Assistent die Befähigung zum wissenschaftlichen Arbeiten zu einem gewissen Grad sogar verbessern kann!

Weil Projektmanagement und Unterstützung bei der Literaturrecherche es möglich machen, dass man sich auf die wesentlichen Aufgaben (wie die inhaltliche Bewertung und die Auswahl und Nutzung von Quellen, die Erhebung eigener Daten sowie die leserorientierte Aufbereitung der Forschungsergebnisse usw.) konzentriert. Diese anspruchsvollen Tätigkeiten will und kann man dem Benutzer nicht abnehmen und schon gar nicht mit KI ersetzen: es ist nach heutigem Stand der Technik (zum Glück) auch noch nicht machbar...

Die tiefergehende Auseinandersetzung mit der Literatur bleibt dem Benutzer von OKI also nicht erspart. Er kann aber seine knappe Zeit weniger mit Irrelevantem vergeuden und seine Aufmerksamkeit zielgerichteter den wirklich interessanten Artikeln widmen. Auch die nützlichen Tipps, die er regelmäßig von seinem freundlichen Begleiter bekommt, sind in den meisten guten Büchern zum Thema „wissenschaftliches Arbeiten“ zu finden: mit OKI kommen sie nur eben kurz und bündig zusammengefasst, und zum richtigen Zeitpunkt „serviert“: genau dort, wo man sie braucht.

So kann man auch viel mehr Literaturquellen sichten – eine durchaus sinnvolle Unterstützung in Zeiten von Informationsüberflutung. Denn je mehr Quellen man hat, desto eher findet man die Informationen, die ihm bei seiner Forschung voranbringen.

Und forschen, kritisch betrachten und analysieren - das alles können wir Menschen (immer noch) besser als jeder Algorithmus…

 

 

Bildquellen

2 Gedanken zu „OKI: vom Chatten zum wissenschaftlichen Arbeiten

  1. Sehr spannende Anwendung und toll geschrieben, fand ich – herzlichen Dank dafür. Frage: wie sieht es mit einer Einbindung von OKI in Slack oder ähnlichen IM Anwendungen aus? Ich verwende vorzugsweise Slack mit Studierenden – so eine Schnittstelle wäre wirklich großartig.

  2. Slack hat prinzipiell eine leistungsfähige API. Leider gibt es aber recht rigide Ratelimits 1.), die komplexere Anwendungen sehr stark behindern. Ähnlich sieht das übrigens bei Google Assistant oder Cortana aus…eigentlich super Umgebungen, jedoch steckt der Teufel im Detail. Telegram ist am großzügigsten, aber natürlich auch nicht optimal. Mittelfristig kommen wir wohl an einem eigenen Client nicht vorbei.

    1.) https://api.slack.com/docs/rate-limits

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


CAPTCHA-Bild
Bild neu laden