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ResearchGate

Claudia Berti 17 Juli 2017 One Comment

Abb. 1 ResearchGate Logo

Vor kurzer Zeit habe ich ein Portal entdeckt, das mein Interesse sofort geweckt hat. In diesem Artikel möchte ich Ihnen Funktionen, Vorteile und Kritikpunkte der Online-Plattform ResearchGate vorstellen.

Die von einem der erfolgreichsten Startups des letzten Jahrzehntes angebotene Dienstleistung stellt sich als ein Vernetzungsstandort für Forscher aus allen Bereichen der Wissenschaft dar. Hier können die mehr als 10 Millionen Mitglieder (die meisten kommen aus Europa und Nordamerika) ihre Forschungsergebnisse und Fachartikel veröffentlichen, Online-Aktivitäten anderer User verfolgen und miteinander kommunizieren.

Das Startup ResearchGate wurde im Jahr 2008 in Boston, Massachusetts, gegründet und verlegte 2010 seinen Hauptsitz nach Berlin. CEO des Unternehmens ist Ijad Madisch.

Viele Wissen­schafts­organisa­tionen und -institutionen, darunter die International Academy of Life Sciences (IALS), die European Science Foundation und die Gesellschaft für Virologie (GfV), nutzen ResearchGate als Plattform für die Kommunikation zwischen Mitgliedern und Teilnehmern.

Funktionen

Die Funktionen von ResearchGate sind sehr intuitiv und auch nichts Neues für diejenigen, die einen Facebook-Account haben. Die Anmeldung ist kostenlos, aber notwendig für die aktive Teilnahme am ResearchGate-Netzwerk. Diese kann durch die Rollen als akademischer Forscher (z.B. als Universität oder unabhängiger Forscher), als Gesellschaft, Regierung, NGO oder als Arzt bzw. klinischer Forscher erfolgen. Eine institutionelle Email-Adresse ist Voraussetzung (also Lehrende bzw. Lehrbeauftragte der Hochschule für Wirtschaft und Recht können sich mit der Email-Adresse der Hochschule auf ResearchGate anmelden).

Wenn Sie kein Forscher sind, können Sie ungemeldet im ResearchGate-Net surfen und Inhalte wie Veröffentlichungen, Jobs und Fragen entdecken.

  • Nach der Registrierung landen Sie auf die Startseite, auf der die aktuellsten und am meisten nachgefragtesten Veröffentlichungen angezeigt werden. Die Dokumente können entweder frei oder nach der Zustimmung des Autors heruntergeladen werden.
  • Ähnlich wie bei Facebook wird auch auf der Homepage von ResearchGate eine Frage gestellt: Sie fragt nicht „Was machst Du gerade?“ sondern “An welchem Projekt arbeiten Sie gerade?“ (Abb. 2).

    Abb. 2 Funktion zum Netzwerksaufbau

    Die Funktion dieses Tools ist es, Forscher beim Kontaktaufbau zu unterstützen. Sie sollen die Frage mit Titel und Ziel des Projektes beantworten und die Namen der Co-Forscher und Co-Autoren nennen, die mit ihnen arbeiten, damit ResearchGate sie schnell und einfach in Kontakt bringen kann.

  • Im Menü „Questions“ können Sie Fragen an die Community richten oder beantworten.
  • ResearchGate findet automatisch Ihre Veröffentlichungen und identifiziert die Mitautoren und Peers, so dass Sie ihnen folgen können.

Vorteile

  • Auf der Seite werden Rohdaten, Fachartikel und Daten zu „misslungenen“ Experimenten veröffentlicht, um eine unnötige Wiederholung von Fehlern in der Forschung zu vermeiden.
  • Researchgate schlägt Ihnen Wissenschaftler und Publikationen vor, die Ihre Interessens- und Forschungsgebiete ansprechen und von Ihnen verfolgt werden können.
  • Sie können den Inhalt einer Veröffentlichung als „interessant“ markieren und kommentieren.
  • ResearchGate bietet eine private Nachrichtenfunktion an. Ähnlich wie bei Facebook werden hier die Zugriffe auf das Profil sowie auf die Publikationen aufgezeichnet.
  • Aktivitäten bei Publikationen, Fragen und Antworten sowie die Anzahl der Follower werden zu einem Punktefaktor zusammengefasst und mit anderen Nutzern verglichen. Der RG Score beginnt bei 0 und kennt theoretisch kein Limit. Dank dieser Funktionen ist es einfacher, die Reputation des Wissenschaftlers und seiner Publikationen zu messen.
  • ResearchGate bietet 57 Benachrichtigungsoptionen an. Diese schließen Benachrichtigungen über Änderungen der Veröffentlichungsinhalte, sowie über Aktivitäten von Benutzern in Ihrem „Network“, Veröffentlichungs-, Arbeitsankündigungs- und planmäßigen Benachrichtigungen ein. Standardmäßig sind alle außer 2 der Benachrichtigungsoptionen gewählt. Auch standardmäßig werden Einladungen zur ResearchGate-Eintragung an Mitautoren automatisch zugesandt, wenn ein Benutzer einen Artikel in ihrem Profil teilt.

Kritikpunkte

  • Unter den mehr als 11 Millionen Benutzern auf ResearchGate ist die Mehrheit der Profile von Wissenschaftlern selten online oder auch unter falschem Namen erstellt. Aber es sind trotzdem viele Millionen aktiver Benutzer, die wenigstens einmal im Monat die Webseite besuchen.
  • ResearchGate ist wegen aggressiver E-Mail-Werbung kritisiert worden: Mitautoren, die nicht auf RG registriert sind, bekamen unangeforderte Einladungen von RG-Benutzern per Email zugeschickt. Diese E-Mails scheinen persönlich vom Benutzer verschickt zu werden, aber stattdessen sind es automatische Benachrichtungen.
  • Obwohl ResearchGate immer wieder als deutsches Unternehmen bezeichnet wird, erscheinen auf der Homepage http://www.researchgate.net die in Deutschland gesetzlich vorgeschriebenen Information zu Adresse usw. („Impressum“) oder ein Link dorthin zu fehlen.
  • Details bezüglich die Messung und Bewertung des RG Scores wurden noch nicht veröffentlicht. Studien wurden durchgeführt, um die Effizienz und Wahrheitstreue der RG Bewertung zu analysieren. Argumente, die gegen den RG Score sprechen: die Punktzahl ist intransparent und nicht reproduzierbar; die Punktzahl integriert das JIF (Journal Impact Factor), um einzelne Forscher zu beurteilen; Änderungen im RG-Score können nicht rekonstruiert werden. (Zusätzliche Studie hier). Außerdem ist die Webseite von ResearchGate nur in englischer Sprache.
  • Unter Umständen können Nutzungsrechte des Verlags verletzt werden, in dem die Publikation ursprünglich veröffentlicht wurde. (Siehe Studie: „Copyright compliance and infringement in ResearchGate full-text journal articles“)

 

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Ein Gedanke zu „ResearchGate“

  1. birkenkrahe sagt:

    Viele HWR Angehörige sind (wie ich auch) bei Researchgate – oder bei der Konkurrenz, academia.edu, die auch nicht schlecht sind; jede dieser Community-based Plattformen hat eigene Vor- und Nachteile. Bei Academia.edu scheint es mehr „Ausschuss“ zu geben (in wiss. Hinsicht) als bei Researchgate, aber ich habe dort schon mehr mit anderen Wissenschaftlern über meine oder ihre papers kommuniziert – die Plattform ist dafür besser geeignet. Bei Researchgate gibt es das „Projekt“, das ich Klasse finde, weil man dadurch den Kreis der an der Forschung beteiligten, wenn auch nur als Publikum, weiter ziehen kann. Mein eigener RG Index ist niedrig, aber für die paar Papers, die ich dort gelistet habe, 1000 Leser zu haben, ist doch schon cool. Wissenschaftlich zählen allerdings nur citations, und die auch nur in peer-reviewed journals, bzw. solchen, die auch noch mit Rang gelistet sind. Wichtig, nach dem was ich höre, vor allem für Nachwuchswissenschaftler. In anderen Disziplinen (z.B. der Physik, aus der ich komme) gab es solche Plattformen schon 1990…aber eben beschränkt auf die wenigen Nerds, die sich ebenfalls dieser Wissenschaft verschrieben hatten. Im Vergleich dazu sind Academia.edu und Researchgate.net eher Tummelplätze, Jahrmärkte, Riesenbasare – ob sie auch zum Fortschritt der Wissenschaft beitragen? Gefühlt sicherlich, aber eben auch sicherlich weniger als die Macher selbst wahrhaben wollen…wie Du schön beschrieben hast, ist die Komplexität der Plattformen auch ganz schön hoch…ist eben nicht WhatsApp. Andererseits sind die Benutzer auch keine Teenager…Danke dafür!

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