Barrierefrei studieren?- nichts ist unmöglich!

Abb. 1: Ohr (Quelle: https://pixabay.com/de/anh%C3%B6rung-behinderung-behinderte-294057/)
Abb. 1: Ohr (Quelle: Pixabay)

Laut einer Erhebung des Deutschen Studentenwerkes besitzen sieben Prozent der Studierenden eine Behinderung oder chronische Erkrankung. [vgl. Middendorff E., Apolimarski B., Poskowsky J., Kandulla M. und  Netz N., (2013). S. 17] Oftmals wirkt sich die Beeinträchtigung nachteilig für die Studierenden aus, weil die Universitäten die Notwendigkeit vom barrierefreien Studieren noch nicht vollständig erkannt haben. Dennoch versuchen immer mehr Hochschulen barrierefrei zu werden. Jedoch bedeutet Barrierefreiheit nicht nur die Mobilität zu gewährleisten, sondern auch die Lehre und das Lernen ohne Barrieren für Seh-und Hörbehinderte sowie chronisch erkrankte Studierende zu ermöglichen. Doch wie können behinderte bzw. beeinträchtige Studierende unterstützt werden? Was für Methoden gibt es, um die Lehre zu erleichtern? Im Folgenden werden einige Tipps und Ideen gegeben, um die Barrierefreiheit umzusetzen. 

Allgemein kann man sagen, dass zuerst festgestellt werden muss, welche Beeinträchtigungen für Studierende existieren. Die Universität Wien fokussiert sich zum Beispiel auf folgende Beeinträchtigungsformen: Sehen, Hören, Erkrankungen, Motorik und Psyche. [vgl. Universität Wien, DLE Studienservice und Lehrwesen. Barrierefrei studieren. Beeinträchtigungen] Ebenso existiert an der Hochschule für Wirtschaft und Recht in Berlin eine Beratungsstelle für barrierefreies Studieren [vgl. Hochschule für Wirtschaft und Recht. Beauftragte für die Belange von Studierenden mit Behinderung und chronischer Krankheit an der HWR Berlin]. In der Praxis gibt es bereits Möglichkeiten, die Barrierefreiheit zu gestalten. Warum sollte man es dann nicht versuchen umzusetzen?

Abb. 3: Wie können Vorlesungen barrierefrei  gestaltet werden?(Quelle: https://pixabay.com/de/universit%C3%A4t-vortrag-campus-bildung-105709/)
Abb. 3: Wie können Vorlesungen barrierefrei  gestaltet werden?(Quelle: Pixabay)

Vorlesungen

Alle Studierenden besuchen jeden Tag Vorlesungen. Für chronisch Erkrankte ist dies manchmal für einen längeren Zeitraum nicht möglich. Daher bietet sich zum Beispiel eine Videoaufzeichnung an. Fügt man einen Untertitel hinzu, können ebenfalls hörbeeinträchtigte Studierende dieses Video verwenden. Außerdem können GebärdensprachdolmetscherInnen zur Unterstützung eingesetzt werden. Für Sehbehinderte eignet sich zusätzlich eine Audioaufzeichnung. Dabei muss aber immer sichergestellt werden, dass die Zustimmung der Lehrenden eingeholt wurde.

PDF-Dokumente

Abb. 4: PDF (Quelle: https://www.iconfinder.com/icons/3745/document_pdf_icon#size=128)
Abb. 4: PDF (Quelle: Iconfinder)

Ein besonders wichtiges Medium in der Lehre sind die PDF-Dokumente. Alle Studierende und Lehrenden kennen sie. Meist sind es die Präsentationen aus den Vorlesungen, Grafiken oder eingescannte Literatur. Jedoch sind nicht alle PDF-Dokumente barrierefrei und erschweren den betroffenen Studierenden das Studium. Es gibt einige Kriterien, welche man bei der Erstellung von PDF Dokumenten berücksichtigen sollte. Besonders wichtig ist, dass der Text in dem PDF-Dokument nach Wörtern durchsuchbar sein sollte. Außerdem sollen eingescannte Bilder von Hilfstechnologien gelesen werden können. Befinden sich Bilder oder Grafiken im Dokument, können diese mithilfe von Optical Character Recognition [OCR] vorgelesen werden. Diese wandeln das Bild in einen lesbaren Text um. Ein weiteres Kriterium bezieht sich auf PDF-Dokumente, welche als Formular erstellt werden. Dabei gilt, dass die Formularfelder interaktiv ausgefüllt werden können. Darüber hinaus wird die Nutzung durch zusätzliche Beschreibungen im Formular erleichtert. Ebenso sollten erstellte Formulare kompatibel mit Screen Readern sein und eine voreingestellte Tabulatorreihenfolge besitzen. Mithilfe dessen kann die Navigation zwischen Formularfelder erleichtert werden Ein weiteres wichtiges Kriterium für PDF-Dokumente ist die Verwendung von Tags. Diese sind besonders bei der Verwendung von Screen Reader wichtig und ermöglichen eine Übersichtlichkeit von komplexen Dokumenten. Des Weiteren sollte man bei barrierefreien Dokumenten darauf achten, dass diese viele Navigationshilfen besitzen. Abschließen darf nicht vergessen werden, dass die verwendete Schriftart, Dokumentsprache und die Sicherheitseinstellungen der Dokumente mit den Screenreadern kompatibel sind.

Prüfungen

Abb. 5:  Test (Quelle: https://pixabay.com/de/tafel-schule-uni-lernen-arbeit-361516/)
Abb. 5:  Test (Quelle: Pixaby)

Prüfungen sollten so gestaltet werden, dass alle die gleichen Chancen, ob mit oder ohne Beeinträchtigung bzw. Behinderungen, haben. Um dies umzusetzen, ist die Wahlmöglichkeit zwischen Prüfungsformen eine Möglichkeit.

Zum Beispiel können Studierende mit Sprechbeeinträchtigungen eine schriftliche Prüfung anstelle einer mündlichen Prüfung wählen. Wohingegen für sehbeeinträchtigte Studierende es fairer ist, eine mündliche Prüfung als eine schriftliche Prüfung zu absolvieren. Für gehörlose und sehbehinderte Studierende sollte man zusätzlich den Einsatz von technischen Hilfsmitteln überlegen. Diese technischen Hilfsmittel könnten Spracheingaben oder Computer mit Screenreadern sein.

Diese Anregungen und Tipps sind nur ein kleiner Teil. Das Thema barrierefreies Studieren erlangt zur Zeit eine große Bedeutung. Deswegen wird es spannend, was die Zukunft bringt. Wer sich gern weiter informieren möchte, dem empfehle ich folgende Publikationen:

Fernstudieren.de, (2014), Studieren mit Behinderung. “Geht nicht!” – Gibt es nicht! verfügbar unter: http://www.fernstudieren.de/im-studium/studieren-mit-behinderung/, [letzter Zugriff 11.10.2016]

Verweise:

[1] Middendorff E., Apolimarski B., Poskowsky J., Kandulla M. und  Netz N., (2013). Die wirtschaftliche und soziale Lage der Studierenden in Deutschland 2012.
20. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerksdurchgeführt durch das HIS-Institut für Hochschulforschung. Hannover, Berlin: Bundesministerium für Bildung und Forschung

[2] Universität Wien, DLE Studienservice und Lehrwesen. (o.J.). Barrierefrei studieren.Beeinträchtigungen. verfügbar unter: http://barrierefrei.univie.ac.at/spezifisch/ [letzter Zugriff: 11.10.2016]

[3] Hochschule für Wirtschaft und Recht. (o.J.). Beauftragte für die Belange von Studierenden mit Behinderung und chronischer Krankheit an der HWR Berlin.  verfügbar unter: http://www.hwr-berlin.de/hwr-berlin/beauftragte/beauftragte-gemaess-gesetzlicher-bestimmungen/beauftragte-fuer-behinderte-studierende/ [letzter Zugriff: 11.10.2016]

Print Friendly, PDF & Email

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


CAPTCHA-Bild
Bild neu laden